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Berlin - Anästhesisten wollen Komplikationen bei Operationen alter, vielfach erkrankter Patienten senken, indem sie Vorerkrankungen noch besser berücksichtigen. Denn trotz fortgeschrittener chirurgischer und anästhesiologischer Techniken erhalten ältere Menschen nicht immer die bestmögliche Therapie, betont die Tagungspräsidentin des Hauptstadtkongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) in einer Aussendung.
Mangelernährung und zu wenig Bewegung
Häufig würden zum Beispiel Risiken wie Mangelernährung oder Bewegungsarmut nicht berücksichtigt. Eine aktuelle Studie an Patienten mit einem Krebsleiden untersucht die Vorteile einer solchen Risikoeinschätzung. Zwar sank im vergangenen Jahrzehnt die Rate anästhesiebedingter Todesfälle bei gesunden Menschen auf 0,04 pro 10.000 Anästhesien. Bei alten Menschen, die früher noch als nicht operierbar galten, stieg sie jedoch auf bis zu 5,5 pro 10.000 Operationen. "Nicht das Alter allein ist verantwortlich für Komplikationen bei Operationen unter Allgemeinanästhesie", erklärt Claudia Spies, Tagungspräsidentin des Hauptstadtkongresses der DGAI für Anästhesiologie und Intensivtherapie in Berlin. Schwere Begleiterkrankungen, ein schlechter Ernährungsstatus und die Fitness seien entscheidend, wie gut die Operation verlaufe. Zudem gebe es Hinweise, dass nicht alle alten Patienten die bestmögliche Behandlung erhalten. Die Direktorin der Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Charité ist sich sicher: "Würden diese Risikofaktoren konsequent vor einer Operation mit Anästhesie überprüft, so ließen sich viele Komplikationen auch bei alten, vielfach erkrankten Menschen vermeiden."
Risiken in der Therapie berücksichtigen
Um das zu belegen läuft seit dem Frühjahr 2011 die fachübergreifende und von der Deutschen Krebshilfe unterstützte Studie "Patient Empowerment and Risk-assessed Treatment to Improve Outcome in the Elderly After Onco-surgery". Zum jetzigen Zeitpunkt hat ein interdisziplinäres Team aus Anästhesisten, Geriatern, Chirurgen und Pflegekräften an der Charité Berlin ihre These an 158 Patienten, die älter als 65 Jahre sind und an Krebs leiden, geprüft. Mehrere Hundert sollen bis Februar 2013 folgen. Im Vordergrund steht dabei die aktive Einbeziehung der älteren Patienten. Alle Studienteilnehmer erhalten eine Informationsbroschüre und ein Tagebuch, in dem sie ihr Befinden über mehrere Tage vor und nach der Operation dokumentieren. Gesundheitsrisiken, wie etwa Mangelernährung, Gewichtsabnahme, Bewegungsarmut, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum sowie psychische Belastungen werden vorab ausgewertet und in der Therapie berücksichtigt. Für Patienten mit einem Krebsleiden etwa steht eine psychoonkologische Beratung auf der Station zur Verfügung. Zwischen zwei und sechs Stunden nach der Operation beginnt zudem eine frühe Bewegungstherapie. Damit sollen Thrombosen und Lungenentzündungen vorgebeugt werden.
"Wir gehen davon aus, dass wir mit dieser Strategie die Lebensqualität der Patienten verbessern und Komplikationen nach der Operation reduzieren", so Spies. Im August 2013 soll die Studie beendet und ausgewertet werden. (red)
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