Wo der Helm des Asterix herkommt

16. August 2011, 18:35
45 Postings

Das Logo der Zigarettenmarke Gauloises und der Helm des Asterix: Das gemeinsame historische Vorbild wurde 1838 in Salzburg gefunden

Heute ist die Kopfbedeckung des unbesiegbaren Galliers im Salzburg-Museum.

* * *

Salzburg - Seit dem Jahr 1925 ziert ein gallischer Flügelhelm die Verpackungen der Zigaretten- und Tabakmarke Gauloises. Und auch der aus der Feder von René Goscinny und Albert Uderzo stammende Asterix der Gallier trägt einen ähnlichen Helm.

Zwei "identitätsstiftende" französische Nationalsymbole mit einem gemeinsamen Vorbild aus Salzburg: dem Helm vom Pass Lueg. Der wurde bereits 1838 im Zuge von Straßenbauarbeiten von einem Maurer auf dem Übergang vom Tennen- in den Pongau zufällig unter einer dünnen Decke von Moosen, eingebettet in Steingeröll gefunden. Heute ist der keltische Kammhelm aus der späten Bronzezeit im zweiten Stock des Salzburg-Museums zu sehen.

Museumsdirektor Erich Marx ist der Stolz auf das archäologische Juwel in seinem Haus deutlich anzumerken: "Bis heute zählt der Helm zu den bedeutendsten Fundobjekten Österreichs."

Der mit Linien und Kreisen, Buckeln und Punkten verzierte Helm besitzt eine halbkugelige Haube, einen dreilappigen Kamm und zwei Wangenklappen. "Bestehend aus zwei Bronzeblechen wurde er in seiner ursprünglichen Verwendung auf eine vor Druck und Reibung schützende Stoff- oder Lederhaube gesetzt. Die Wangenklappen besaßen ein Innenfutter", rekonstruiert Andreas Lippert, Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Uni Wien.

Der Weg nach Frankreich

Unklar ist, ob die metallene Kopfbedeckung wie auf den Gauloises-Packerln oder im Asterix-Comic tatsächliche mit Federn verziert war. Auch ein Schmuck aus Pferdehaar seit denkbar, meint Marx im STANDARD-Gespräch. Immerhin sei der Helm auch ein Statussymbol gewesen und somit liege eine Verzierung mit Rosshaar durchaus nahe.

Ziemlich sicher sind sich die Historiker wiederum, dass der militärische Nutzen eher gering war. Der vermutlich 1200 vor unserer Zeitrechnung gefertigte Keltenhelm dürfte eher als Schmuckstück getragen worden sein. Am Pass Lueg dürfte der Helm dann eine Opfergabe gewesen sein, um die Götter milde zu stimmen.

Dass der Fund vom Pass Lueg tatsächlich als Vorbild für die Zigarettenmarke wie auch für den Kopfschmuck der widerständigen Bewohner des kleinen Dorfes von Asterix in Aremorica - der heutigen Bretagne - diente, ist für Marx hingegen erwiesen. Der Gallierhäuptling Vercingetorix habe 52 Jahre vor unserer Zeitrechnung im Gallischen Krieg einen Aufstand gegen die römische Okkupation organisiert.

In Alesia (heute Alise Seint-Reine) hätten die Gallier allerdings die alles entscheidende Schlacht gegen die Truppen von Julius Cäsar verloren. Am Ort der historischen Niederlage ließ Kaiser Napoleon III. im Jahr 1865 eine sechs Meter hohe Statue für Vercingetorix errichten. Seitlich neben der patriotischen Statue liege ein Helm, der eindeutig jenen vom Pass Lueg zeige, berichtet Museumschef Marx.

Da damals der Helm aus Salzburg der einzige gewesen sei, der komplett mit Kamm und Wangenklappen gefunden worden sei, müsse er als Muster für den Vercingetorix-Helm gedient haben. Der am Denkmal verewigte Helm wiederum sei dann später vom Zigarettenhersteller und von den Asterix-Vätern René Goscinnyund Albert Uderzo übernommen worden. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 17.08.2011)

  • Das Original: Der Keltenhelm vom Pass Lueg. Unten seine Comic-Abwandlung auf dem Kopf des Asterix mit einem seiner Schöpfer, Albert Uderzo.
    foto: salzburg museum

    Das Original: Der Keltenhelm vom Pass Lueg. Unten seine Comic-Abwandlung auf dem Kopf des Asterix mit einem seiner Schöpfer, Albert Uderzo.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.