Rudi Vouk

"Werde mit Sicherheit weiterkämpfen"

Interview | 16. August 2011, 18:15
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    foto: apa7eggenberger

    Vouk: "Politisch kann man sich wehren. Schlimm ist es, wenn es ins Persönliche geht."

Rudi Vouk, Rechtsanwalt und "Schnellfahrer", ist eine der zentralen Figuren im Streit um zweisprachige Ortstafeln in Kärnten - Zu den Feierlichkeiten wurde er nicht eingeladen

STANDARD: Kärnten feiert die Ortstafellösung. Warum feiern Sie nicht mit?

Vouk: Ich wurde nicht eingeladen.

STANDARD: Hätten Sie sich das erwartet?

Vouk: Das ist wieder so typisch. Staatssekretär Josef Ostermayer lädt alle möglichen Leute, die auch nur am Rande damit zu tun hatten, ein. Aber offensichtlich sind Menschen, die etwas Kritisches dazu zu sagen haben, dabei nicht erwünscht.

STANDARD: Staatssekretär Ostermayer kriegt als Ortstafelverhandler des Bundes den Kärntner Landesorden in Gold. Verdient?

Vouk: Wenn man meint, dass diese Lösung eine endgültige ist im negativen Sinne, ja nicht mehr für die Volksgruppe zu tun zu müssen als nötig, dann ja. Sonst nein.

STANDARD: Freuen Sie sich gar nicht, dass immerhin doch mehr Ortstafel kommen als bisher?

Vouk: Natürlich freue ich mich, dass mehr Ortstafeln kommen. Aber die Freude ist getrübt, wenn man davon redet, dass das jetzt die endgültige Erfüllung des Artikel 7 des Staatsvertrags bedeutet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Thema Amtssprache wieder offen ist. Volksgruppenrechte sind nie endgültig abgeschlossen wie alles in der Politik. Vielleicht gibt es in Kärnten wirklich einen Neuanfang und einen generellen Klimawandel gegenüber der Volksgruppe. Das wird man aber erst sehen, wenn der erste Bürgermeister in seiner Gemeinde über die neue Ortstafellösung hinaus zweisprachige Tafeln aufstellt.

STANDARD: Landeshauptmann Gerhard Dörfler sieht sich in Kärnten als "Vater" der Ortstafellösung. Wie sehen Sie ihn?

Vouk: Was den Anteil von 17,5 Prozent Slowenenanteil für zweisprachige Ortstafeln betrifft, ist er das ohne Zweifel. Man muss Dörfler aber zuschreiben, dass er wenigstens eine Lösung auf niedrigem Niveau haben wollte, während andere wie etwa FPK-Chef Uwe Scheuch das nicht wollten. Aber was hätte Dörfler anderes tun sollen? Laut VfGH hatte er die fehlenden Ortstafeln bis 30. September 2011 aufzustellen gehabt. Die diversen Tricks gemeinsam mit Jörg Haider wie etwa das Ortstafelverrücken waren alle ausgeschöpft. Ein weiteres Mal hätte dem Landeshauptmann kein Strafrichter abgenommen, dass er nicht weiß, was er tut. Hätte er sich weiter geweigert, wäre das glatter Amtsmissbrauch geworden.

STANDARD: Warum hat sich der Rat der Kärntner Slowenen, dem Sie angehören, so gegen die jetzige Lösung gesperrt?

Vouk: Weil sie nicht nachvollziehbar ist. Wir haben etliche Vorschläge auf den Tisch gelegt, aber man hat sie alle ignoriert. Unser letzter Vorschlag wäre auch auf 164 Ortstafeln hinausgelaufen: Nur hätten wir statt Kleinstortschaften unter 31 Einwohner größere mit 15 Prozent hineingenommen. Doch die Botschaft der Politik an die Volksgruppe war: Es muss eine politische Kärntner Lösung sein, die wir diktieren, und damit basta. Leider wollte auch Josef Ostermayer nur irgendeine Lösung.

STANDARD: Die anderen Slowenen-Organisationen waren aber an Bord.

Vouk: Vom Zentralverband und der Slowenen-Gemeinschaft bin ich enttäuscht. Auch sie wollten nur eine Lösung um jeden Preis. Allein bei der mit Uwe Scheuch politisch ausgedealten Amtssprachenregelung für Sankt Kanzian / Skocjan und Eberndorf / Dobrla vas hätten sie laut aufschreien müssen. Da wurden uns Rechte genommen, die wir schon hatten.

STANDARD: Werden Sie das neue Volksgruppengesetz rechtlich bekämpfen?

Vouk: Mit Sicherheit. Die Amtssprachenregelung wäre einer der wenigen Fälle, wo der VfGH selbst ein Verfassungsgesetz aufheben könnte.

STANDARD: Sie haben durch Ihre Schnellfahr-Aktionen die Lösung der Ortstafelfrage juristisch über den Umweg des VfGH erst ermöglicht. Dafür wurden Sie von den Kärntner Politiker zum Hassobjekt erkoren. Wie lebt es sich damit?

Vouk: Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir nicht nahegegangen ist. Wenn man politisch angegriffen wird, kann man sich politisch wehren. Schlimm ist es nur, wenn es ins Persönliche geht. Etwa wenn ein Foto mit bösen Bemerkungen ins Internet gestellt oder man auf der Straße angepöbelt wird. Wirklich entsetzt war ich, als mein verstorbener Vater als Nazi diffamiert wurde.

STANDARD: Haben Sie sich bei Andreas Khol für den Trick mit dem Schnellfahren bedankt?

Vouk: Ich glaube nicht, dass Khol das wirklich ernst gemeint hat. Wir waren damals bei ihm und wollten ihn beknien, dass wir Kärntner Slowenen ein Verbandsklagerecht in Volksgruppenangelegenheiten erhalten. Ich denke, er wollte uns mit diesem Vorschlag besonders spitzfindig loswerden.

STANDARD: Was geschah dann?

Vouk: Zwei Jahre später kam ich in Sankt Kanzian / Skocjian in eine Polizeikontrolle, weil ich zu schnell gefahren bin. Da habe ich mich an Khols Vorschlag erinnert. Und siehe da, der Rechtsstaat hat funktioniert. Gezielte Selbstanzeigen haben wir erst gemacht, nachdem sich Landeshauptmann Jörg Haider geweigert hatte, die ersten VfGH-Urteile bezüglich der zweisprachigen Ortstafeln umzusetzen.

STANDARD: Warum hat sich der Rat erst auf eine politische Lösung eingelassen, die er dann als rechtswidrig doch wieder ablehnte?

Vouk: Da haben unsere Funktionäre nicht optimal agiert. Wenn man sich auf eine politische Lösung einlässt, gibt man ja zu, dass man keine rechtsstaatliche will. Natürlich hätten wir auch Ort für Ort beim VfGH einklagen können. Dann hätte die Lösung eineinhalb Jahre länger gedauert, aber sie wäre rechtskonform und sauber gewesen. Es ist ja bezeichnend, dass der Ortstafel-Festakt in Sittersdorf / Zitara vas stattfindet. Der Ort liegt unter dem Richtwert von 17,5 Prozent und kriegt die zweisprachige Ortstafel nur, weil ein VfGH-Urteil dazu vorliegt. (Elisabeth Steiner, STANDARD-Printausgabe, 17.8.2011)

RUDI VOUK (46), Rechtsanwalt und ehemals Funktionär des Rates der Kärntner Slowenen sowie Ex-LIF-Politiker, erwirkte beim VfGH etliche Entscheidungen für zweisprachige Ortstafeln in Kärnten.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2
the spirit
31
27.8.2011, 11:37

Ein Rechtsanwalt der zu dumm für Verkehrsregeln ist ,dem gehört auch sein Beruf verboten!Schon richtig das der Raserrudi nicht eingeladen wurde.

Jauntaler
12
21.8.2011, 12:20
Wo bleibt die Objektivität?

Der eine versucht mit der einzigen Möglichkeit für seine Sprachgruppe das seit Jahrzehnten ignorierte Recht auf Zweisprachigkeit einzufordern und macht Selbstanzeigen wegen Schnellfahrens. Der andere fährt stockbesoffen mit mehrfach erhöhter Geschwindigkeit durch eine Ortschaft. Der eine wird für seine Leistung als Unmensch verteufelt, der andere bekommt Denkmäler. Das ist Realpolitik. Aber ungerecht.

tschamba fii
00
20.8.2011, 23:18
ich will spaß, ich will spaß

kosts benzin auch 3euro10 und ist die optik auch nicht schön, scheißegal es wird schon gehn.... :)))

Gerti5
22
18.8.2011, 17:04

Wenn man bedenkt wie viel Geld die neuen Ortstafeln kosten, fragt man sich schon, ob das auch wirklich ein Sieg ist, oder ob man das Geld besser für die Bildung ausgegeben hätt, aber Herr Vouk hat ja schon gratis studieren dürfen, leider hats nicht viel bracht.

Cielito Lindo
00
28.8.2011, 23:48
Aha. Wären sie vor 56 Jahren billiger gewesen?

hanSteiner
01
17.8.2011, 17:07

Darf ich nur kurz Anmerken, dass der Titel nicht sonderlich glücklich gewählt ist. Ich finde nicht, dass das in dieser Form die Kernaussage des Interviews ist.

So gut ich verstehe, dass man den Satz zum Aufhänger bei einem Artikel macht, aber stellt man damit die Aussage, dass ein Vertreter und Angehöriger der Volksgruppe dem neuen Gesetzt zwar Verbesserungen zugesteht, keine Frage, aber auch darauf hinweist, dass Regelungen geschaffen wurden, die im Alltag absurd umzusetzen und tatsächliche Verschlechterungen darstellen, und er nach wie vor darauf hinweisen wird und sich für Verbesserungen einsetzen wird, wirklich für jeden verständlich dar?

Den postings darunter nach zu schließen, wohl nicht.

Nichts für ungut, mfg

hanSteiner
00
17.8.2011, 18:21

Zugegeben, die Frage hätte ich auch verständlicher stellen können... aber geht grad so... pardon

flavius76
00
17.8.2011, 16:26

Lieber Rudi: "wise men know when it's time to go!"

-> mit anderen Worten: lass es jetzt auch mal gut sein.

Hvala lepa & danke.

Kralj Matjaz
01
17.8.2011, 13:25
pravzaprav rudi ima prav

..im Grunde hat er recht....weil die Tafeln sind das Symbol, wogegen das Essentielle die Amtssprachenregelung ist...und da legt sich besonders der rote BM Krainz/Krajenc ständig quer...Uni-Prof.Gstettner hat ihn seinem Buch..zwanghaft deutsch...diese Thematik beschrieben und dann kommt noch dazu, dass Amtspersonen selbst mit slowenischem Hintergrund die größten Gegner dessen sind...Obelix hätte da geantwortet..die spinnen ja die Römer...

Johann Rauscher
 
49
17.8.2011, 11:15

Typisch für diese Zeitung.

Diese Frage ist gelöst, und man bringt ein Interview mit einem der größten Querulanten.

Cielito Lindo
01
28.8.2011, 23:56

Die Frage ist teilweise gelöst.

Er ist kein Querulant, sondern ein Kämpfer für die Rechte der Kärntner Slowenen, den sie nicht nötig hätten, wenn der Staat seiner Verpflichtung nachgekommen und sich nicht von bestimmten Kärntnern veräppeln lassen hätte.

Karl Kuketz
01
17.8.2011, 10:14
Haider, Dörfler, die Scheuchs: soll man lachen oder weinen?

verlogen, korrupt, aggressiv, hinterhältig, rückständig, pfauenhaft, einfältig und gerissen: hat Kärnten die verdient?

Karl Heiden1
00
17.8.2011, 10:41
Ja, weil gewählt!

Sabine Werner
03
17.8.2011, 07:54

ich frage mich, was mit dem los ist. jetzt stehen die ortstafeln - endlich, das lange gezerre ging allen schon auf die nerven - und der typ gibt noch immer keine ruhe. da ist ja wohl klar, das diese reaktion rein persönlicher natur ist - vielleicht sollte er sich auf konstruktivere dinge - wie seinen beruf als ra - konzentrieren. in k hat jeder die nase von aufwieglern voll - egal von welcher seite sie kommen.

hanSteiner
02
17.8.2011, 16:39
Sabine, darf ich nur einen bescheidenen Versuch zu wagen Ihre Frage zu beantworten?

Ich finde, wer das Interview gelesen hat, hätte durchaus erfahren können, "was mit dem los ist".

Es ist unbequem, nicht opportunistisch, ja angesichts der politischen und medialen feierlichen Inszenierung der "endgültigen Lösung für Immer und Ewig" geradezu ärgerlich wenn jemand darauf hinweist, dass mit dem neuen Gesetz zwar wirklich viel bewegt wurde -etwa bei der Aufstellung der Tafeln zwar keine großzügige, aber immerhin eine annehmbare Variante- es in anderen wesentlichen Bereichen aber tatsächlich zur rechtlichen Schlechterstellung von Angehörigen der Volksgruppe gekommen ist. Kritik kam von Verfassungsexperten, Vertretern anderer Volksgruppen usw.

Ich verstehe, dass man das nicht gerne hört, aber muss man persönlich werden?

Sabine Werner
00
17.8.2011, 16:57

@hanSteiner:
ist ja gut, ich bin nicht persönlich geworden. nur kann man es nicht endlich mal gut sein lassen, ist wirklich nicht mehr nachvollziehbar, jeder in k will endlich ruhe haben - vor querulierenden politikern und vor querulierenden slowenenvertretern - es gab eine einigung - jede seite gab ein wenig nach, und fertig - so sehen kompromisse aus. hat ja lange genug gedauert.

wekan
01
17.8.2011, 17:44
hat ja lange genug gedauert-

nur die feiernden,bzw.gefeierten Brandlöscher von heute waren -zig Jahre die Brandstifter und haben die Bevölkerung aus politisch oportunen Gründen gegeneinander aufgehetzt.

-Und die Bevölkerung ist dumm genug, diesen Umstand zu feiern.

hanSteiner
00
17.8.2011, 17:20
Sabine, Danke, ich habe ja wirklich vollstes Verständnis dafür und werde niemandem leichtfertig etwas vorwerfen, der es so sieht.

Muss mich auch bei Ihnen entschuldigen, Sie waren mit dem Bitte um etwas mehr Zurückhaltung bei untergriffigen Bemerkungen ohnehin am wenigsten gemeint, es war als Anhang an die Antwort auf Ihr posting noch hier untergebracht.

Im Grunde sehe ich das ja auch so, muss aber schon sagen, dass Rudi Vouk bei den von ihm angegebenen Kritikpunkten trotzdem recht hat.

Ich verstehe, dass es sehr schwer ist, in der jetzigen Situation Kritik mediengerecht rüberzubringen, muss ihm aber zugestehen, das es sachlich und fundiert ist und einem Vertreter einer Volksgruppe auch zugestanden werden muss.

Aber ich bin optimistisch, vielleicht sind die Leute gscheiter als das Gesetz und man wird in St. Kanzian auch so einfach in beiden Sprachen reden.

Zbigniew Parys
00
17.8.2011, 19:51

Gerade durch so eines bla, bla wie ihres, hat dieses Konflikt ja auch so lange gedauert. Es ist weit einfacher, verständlicher und schneller gleich zum Punkt zu kommen statt im vorher 100 zu umkreisen..

Zbigniew Parys
00
17.8.2011, 19:51

100mal

A Mann
14
17.8.2011, 07:14

Schade, es wird deutlich, dass es der Person Vouk nur um sich selbst geht und den vermeintlichen Verlust an Bedeutung.

mi Pe
02
17.8.2011, 01:36
smrt konsensualismu!

diese einheitsbreiige betrügerische bzö/spö vögelei ist erbärmlich und auch noch grottenschlecht vorgetragen. síe beinhaltet weder eine gesamtösterreichisch humanistische lösung für alle bundesländer, noch einen verweis auf die ungelösten minderheitenprobleme in nachbarländern. ein schneller politscher sieg zum schade der jungen generation. es sind nicht die tafeln, es sind die köpfe, die es neu aufzustelle gilt-et!

glitsch
00
17.8.2011, 09:58
konsenzualizem

es sind zwei stimmhafte S und ein stimmloses

kyselak3
 
03
17.8.2011, 00:26
Herr Vouk,

ein Glücksfall für den/die/das FPK.

Pierre d´Aubusson
22
17.8.2011, 00:10
Natürlich muß er weiterkämpfen!

Die haben nämlich das "Bad" nicht mitübersetzt!

Mein Tip an die zuständige BH: nehmt ihm den Führerschein weg, der überfährt sonst noch jemanden!

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