Lichtgestalten

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    foto: ap/michael probst

Mrkonjics Fehkkalkulation ist keine Anstiftung zum Rasen sondern zeigt, dass es nicht lustig ist, Verkehrsminister zu sein

Der Schuss des Milutin Mrkonjic ging nach hinten los. Gut möglich, dass der serbische Verkehrsminister die neue Autobahn von Belgrad bis zur ungarischen Grenze nur mit einem TGV verwechselt hat oder aber dass er der Kunst des Rechnens nicht mächtig ist. Jedenfalls verkündete Mrkonjic stolz, dass man für die 200 Kilometer lange Strecke von Belgrad bis Horgos nur eine Stunde und 20 Minuten brauchen werde, wenn sie fertig ist.

Was der Belgrader Politiker nicht bedachte: dass man im Schnitt mit 150 düsen müsste, um das zu schaffen. Blöd gelaufen, denn erlaubt sind schlappe 120 km/h. Um Spott und Hohn brauchte sich Mrkonjic nicht zu sorgen. Man werde diese Einladung zum Rasen ausdrucken und bei Radarkontrollen als Rechtfertigung vorlegen, zitierte der Belgrader Sender B92 aus Zuschriften empörter Autofahrer.

Was uns Mrkonjics Fehlkalkulation lehrt? Verkehrsminister zu sein ist nicht lustig. Täglich ein Spagat zwischen leeren Kassen für Straßenbau, verhassten Mautgebühren, Gurtenpflicht und drakonischen Radarstrafen. Da geht Originellsein schnell einmal daneben. Gern erinnern wir uns eines Artgenossen der blau-schwarzen Wendetruppe, der fest entschlossen war, die Zahl der Verkehrstoten zu halbieren. Gutes tun wollte eiligen Autofahrern auch der blau-orange Hubert Gorbach. Er ließ eine Teststrecke für Tempo 160 einrichten.

Dagegen sind Österreichs Verkehrsministerinnen Lichtgestalten. Ihnen waren Erlässe gegen laute Röcke wichtiger - und natürlich unfinanzierbare, unnötige Eisenbahntunnel. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/12.08.2011)

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