Festnahme vor Protest gegen Korruption - Aktivist Anna Hazare in Hungerstreik
Neu Delhi - Kurz vor einem angekündigten Hungerstreik für ein strengeres Anti-Korruptionsgesetz ist der bekannte indische Bürgerrechtler Anna Hazare festgenommen worden. Nach Angaben von Innenminister P. Chidambaram wurden am Dienstag in der Hauptstadt Neu Delhi zudem mindestens 1200 seiner Anhänger festgenommen. Die Demonstranten hätten sich nicht an die Vorgaben der Polizei gehalten, sagte der Minister.
Der 74-jährige Hazare wurde in der Früh in einer Wohnung in Neu Delhi von Beamten in Zivil festgenommen, wie einer seiner Anhänger der Nachrichtenagentur AFP sagte. Hunderte Anhänger des Anti-Korruptions-Aktivisten hatten sich vor der Wohnung versammelt und riefen Parolen zu Hazares Unterstützung, als dieser in einem zivilen Fahrzeug weggefahren wurde. Nur eine Stunde später hätte Hazare einen Protestzug zu einem öffentlichen Park anführen sollen, um dort in einen Hungerstreik zu treten.
Ein Polizeisprecher sagte, Hazare solle bis zum Abend in Gewahrsam gehalten werden, dann werde entschieden, was mit ihm geschehen solle. Die indische Opposition sprach angesichts der Festnahme Hazares von einem "absolut undemokratischen" Akt. Die Polizei hatte den Hungerstreik und die dabei geplanten Protestveranstaltungen untersagt.
Hazare hatte bereits im April einen 98-stündigen Hungerstreik abgehalten, um durchzusetzen, dass Mitglieder der Zivilgesellschaft in einem Komitee vertreten sind, das ein neues verschärftes Anti-Korruptionsgesetz erarbeiten soll. Der inzwischen erarbeitete Gesetzesentwurf sieht einen Ombudsmann vor, der bei Korruptionsvorwürfen gegen Politiker und Beamte ermitteln soll. Allerdings sind davon der Regierungschef und ranghohe Justizvertreter ausgenommen. Dagegen wollte Hazare mit einem Hungerstreik protestieren. Indien wird immer wieder von schweren Korruptionsskandalen erschüttert.
In einer vor seiner Festnahme aufgenommenen Tonbotschaft forderte Hazare seine Anhänger dazu auf, die Proteste auch im Falle seiner Festnahme fortzuführen. "Wir werden diesen Kampf für einen Wandel, der gerade begonnen hat, solange auf dem Pfad der Gewaltlosigkeit weiterführen, solange Leben in unseren Körpern ist." Nach Angaben seiner Anhänger trat er nach seiner Festnahme in den Hungerstreik. (APA/AFP)