Deutschland

500.000 Erstsemestrige: Ansturm auf deutsche Unis größer als erwartet

16. August 2011, 10:39

Mittel aus dem Hochschulpakt dürften nicht reichen - Unis wehren sich mit Numerus Clausus

Berlin/Wien - In Deutschland hat ein regelrechter Run auf die Hochschulen eingesetzt - und er dürfte noch deutlich stärker ausfallen als von der deutschen Regierung erwartet. Diese hat wegen geburtenstarker Jahrgänge, doppelter Abiturjahrgänge und der Aussetzung der Wehrpflicht mit einem Anstieg von zuletzt 443.000 Studienanfängern (Studienjahr 2010/11) auf 455.000 gerechnet. Für die Jahre 2011 bis 2015 stellt sie im Rahmen des Hochschulpakts 9,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln für Unis und Fachhochschulen (FH) zur Verfügung. Neue Prognosen gehen allerdings von bis zu 500.000 Erstsemestrigen in diesem Studienjahr aus, die Mittel aus dem Hochschulpakt dürften demnach zu gering bemessen sein.

Eine Schüler-Befragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) von 2010 zeigt, dass ein halbes Jahr vor dem Abschluss zwischen 55 und 77 Prozent derer, die eine Schule mit Hochschulreife abschließen, ein Studium beginnen wollen. Bei der letzten Befragung 2008 waren es noch fünf Prozentpunkte weniger.

Folge dieses "deutlich besseren Übergangs von der Schule in die Hochschule": Laut dem Centrum für Hochschulentwicklung CHE Consult fehlt bis 2015 die Finanzierung für insgesamt 175.000 potenzielle Studienanfänger, schon für diesen Herbst sollen 50.000 Anfängerplätze zu wenig da sein. Das CHE hat deshalb  bereits mit einem Anstieg von zuletzt 7.000 auf 10.000 Studienanfänger aus Deutschland an österreichischen Hochschulen gerechnet.

"Enorme Kraftanstrengung"

Trotz der zusätzlichen Mittel stehen viele deutsche Universitäten und FH am Rande ihrer Kapazitäten. Schon zwischen 2007 und 2010 hätten die Hochschulen anstelle der prognostizierten 91.000 zusätzlichen Studenten 182.000 aufgenommen, so Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). "Die Hochschulen haben damit eine enorme Kraftanstrengung geleistet."

Für Herbst ist allerdings erneut eine massive Zunahme an Studienanfängern zu erwarten: Laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in den 16 Bundesländern verzeichnen viele Unis einen Anstieg der Bewerberzahlen zwischen 20 und 50 Prozent - allerdings ist der Bewerbungsprozess noch nicht abgeschlossen, es sind deshalb noch Doppel- und Mehrfachanmeldungen in den Zahlen enthalten.

10.000 zusätzliche Plätze

Von einem kräftigen Plus kann dennoch schon jetzt ausgegangen werden: Die Hochschulen in Bayern haben bei den Erstsemestrigen wegen der doppelten Abiturjahrgänge bereits im vergangenen Sommersemester ein Plus von 171 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 verzeichnet - und das, obwohl Bayern neben Niedersachsen das einzige deutsche Bundesland ist, das Studiengebühren einhebt. Der dortige Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) will deshalb bei anhaltendem Ansturm ab 2012 rund 10.000 zusätzliche Studienplätze einfordern.

Als Reaktion auf den Andrang werden an den Hochschulen ab Herbst mehr Fächer als bisher mit Numerus Clausus beschränkt: In Tübingen, wo die Bewerberzahl um die Hälfte gestiegen ist, gibt es mittlerweile in fast allen Bachelor-Studien einen NC, ebenso an der Bremer Uni und der Freien Uni Berlin. In Hessen sind mittlerweile auch an den FH zwei Drittel der Studiengänge per NC beschränkt. Andere Hochschulen wollen dem Ansturm Herr werden, indem Lehrveranstaltungen in Kinos oder Stadthallen ausgelagert, über das Internet übertragen oder bis zum späten Abend bzw. an Samstagen abgehalten werden. (APA/dpa)

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20 Postings
hcl3
01
17.8.2011, 10:19
der staat wehrt sich gegen bildung !

hoch subventionierte (industrie ect.)arbeitsplätze könnten wir uns sparen, wenn wir das geld stattdessen
in die ausbildung unserer bürgerInnen stecken-
nur wo bleibt dann das "stimmvieh" ?

Wieviel Demokratie ist es bitte?
04
17.8.2011, 02:39
In *allen* anderen Zusammenhängen

ist man schon seit ein paar Jahrhunderten draufgekommen, daß es zumindest bei schlechtem Wetter sinnvoll ist, etwas vorzufinden, das aus Steinen, Mörtel, Zement, Beton, etc. besteht.

Häuser, Stadien, Arenen, Kirchen, Bahnhöfe, Flughäfen, Häfen überhaupt, Wolkenkratzer, Apartmentblöcke, Kliniken, was es eben alles gibt.

Sogar ausreichend genug. Meistens.

Nur Universitäten werden *partout nicht* gebaut.

Aber Sprungschanzen *lol* und Arenen (in Massen) und schicke Bahnhöfe.

Da staut sich's an/in den altehrwürdigen Akademie-Gemäuern, als wäre der Planet eh nur mittelalterlich dünn besiedelt und nicht vollgeschixxen mit Gymnasien, die - *Überraschung* - Studierfähige ausspucken und zwar fließbandmäßig.

Mal sehen wann sie Unis bauen, hehe.

tock tock tock
01
17.8.2011, 10:19
Ich kann leider nur

ein grünes Stricherl vergeben! :-)

Chemist88
00
16.8.2011, 18:27
Ist doch bei uns auch nicht anders.

Nur als Beispiel das technische Chemie Studium an der TU Wien. Wenn man jeweils den selben Vergleichszeitraum betrachtet so gab es letztes Jahr um 57% mehr Inskribtionen im Vergleich zu 2009, dieses Jahr sind es wieder +43% im vergleich zum letzten Jahr. Das sind +124% in 2 Jahren, und letztes Jahr wars schon eng. Irgendwo kann ich ja verstehn, dass sich die Unis darüber nicht gerade freun. Vor Allem bei dem Buget....

smea_gol
00
22.8.2011, 10:50

wow. wenn statt einem 2 studieren, steigert es sich um 100%.
wenn sie sich die real-zahlen an der TU ansehen, werden sie sehen, dass die Technische chemie, die übrigens erst jüngst ein wunderbares gebäude als instituts-und laborgebäude bekommen hat, die geringste baustelle auf der tu ist....

Chemist88
00
22.8.2011, 11:09
danke ich weiß

was eine Steigerung um 100% bedeutet;-)

Und ich kenen auch die Chemie auf der TU ziemlich gut, und ja es ist nicht die größte Baustelle aber trotz des neuen Laborgebäudes gibt es Platzmangel. Schön langsam beginnt diese Phase in der es nicht mehr für jeden Studenten einen Übungsplatz gibt.

Sire de Vienne
00
16.8.2011, 16:16
Willkommen im Prekariat

tarantoga
311
16.8.2011, 11:20
liebe redaktion, wie wäre es mal mit einem nachdenken über die wortwahl?

"STURM AUF die universitäten"

"universitäten WEHREN sich mit"...

ähm, wie soll man das überhaupt verstehen?

Sind wir hier im krieg? sind studierwillige junge menschen so fürchterlich, dass die unis sich "wehren" müssen?

a.)
diese diktion trägt nicht gerade dazu bei, die vorbehalte diverser "einfach" gestrickter menschen gegen studenten abzubauen.
b.)
die studienbeginner: dh. in aussicht: mehrere jahre ohne einkommen und mit zunehmender studienplan- und gesellschaftlicher schikane... (hackln nix gescheits) mit aussicht auf unbezahlte praktika und "super" einstiegsjobs...

Wie sollen die studenten denn noch eine freude aufs studium entwickeln, wenn sie wie eine "böse feindliche angreifende masse" behandelt werden in der presse????

wizenstain
00
16.8.2011, 22:49
ueberhaupt allgemein militarisierung der alltagssprache

ploetzlich ist ueberall von leitstellen die rede
oder noch aeger
stabsstellen

war einige jahre nicht in at
seit wann ist das so?

wizenstain
00
17.8.2011, 06:24
an den unis gibt es 30jährige "auszubildende"

in der u-bahn heisst es "zurückbleiben, bitte"

in welchem sprachkäfig befinden wir uns eigentlich?

Fritz Meyer
01
16.8.2011, 13:17
Sie sagen das Offensichtliche.

Gut erkannt.

silverfinger
11
16.8.2011, 11:11

da werden dann wohl viel auf Österreich ausweichen oder?

Österreich sagt ihnen wären durch die EU die Hände gebunden und führen die Zugangsbeschränkungen ein die eine de-facto Inländerdiskriminierung verursacht ...

120 Jahre Karl Schranz
00
16.8.2011, 22:35
inwieweit sind zugangsbeschränkungen eine

"de-facto inländerdiskriminierung"?

silverfinger
00
17.8.2011, 08:34

weil es inländer im verhältnis stärker treffen wird als ausländer ...

Fritz Meyer
00
16.8.2011, 13:17
Klar, ist ja auch total einfach.

Einfach nach Österreich fahren und sich anmelden.

Und das erste Blatt Papier, dass Du früh morgens in die Hand nimmst, hat eine Krone aufgedruckt.

silverfinger
00
17.8.2011, 08:35

wieso wie meldet man sich sonst für ein studium an?

Noxventa
01
16.8.2011, 11:47

Jup, es werden dieses WS2011 SEHR viele deutsche Studenten werden...

per verser
02
16.8.2011, 11:19
österreich ist durch die eu teil eines wirtschaftsplanes, der vorsieht, dass länder, die sich nicht aggressiv und erfolgreich genug auf den finanzmärkten behaupten können, als billigstlohnländer vor den haustüren der deutschen und franzosen dienen

müssen. dazu gehören eine massive ausdünnung der eigenproduktion und ein wegsperren von bildung. unsere politikerInnen wissen das und moderieren den umbau österreichs in ein bildungsmäßig rückentwickeltes agrar- und sweat shop-land: bei uns sollen nur mehr pfaffen und politiker studieren.

für österreicherInnen ist aber sonst kein platz an der uni. das ist aber kein problem: wer heute noch von österreich spricht, gilt ohnehin als eu- und damit gemeinschaftsfeindlicher nationalist aus dem rechten eck. österreich gibts als staat praktisch nicht mehr, nur mehr als wirtschaftsraum. das ist die botschaft, die leider untergeht, weil man sie sofort als fpö-like abqualifiziert.

Irina Degenhaupt
10
17.8.2011, 09:09
Umerziehung

... da sich Österreicher nun wahrlich nicht für weiterführende Bildung eignen, sollte man sie sinnvoller einsetzen.
Als Fussballer vielleicht ...

120 Jahre Karl Schranz
10
16.8.2011, 22:35
ihre postings werden auch immer wirrer

evtl mal die tablettendosis ändern

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