Analyse

Google und Motorola: Ein Deal, der Android verändern wird

Andreas Proschofsky, 16. August 2011, 11:28
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    foto: andy rubin / google

    Auf Google+ dokumentiert Android-Chef Andy Rubin (ganz rechts), womit man sich die Zeit vor der Verkündigung der Motorola-Mobility-Übernahme vertrieben hat: Mit einer gemeinsamen Partie Ping Pong. Ebenfalls im Bild: Google CEO Larry Page (links), zu schnell für die Kamera: Motorola Mobility CEO Sanjay Jha.

Auch wenn Patente in den Vordergrund gestellt werden: Die Kombination der beiden Konzerne wird Android vorantreiben

Wenn man sich alle Stellungnahmen von Google und seinen Partnern zur geplanten Übernahme von Motorola Mobility ansieht, könnte man schnell den Eindruck bekommen, dass das Unternehmen nur aus einem einzigen Grund 12,5 Milliarden US-Dollar hinblättert: Um den reichen Patentpool von Motorola in die Hand zu bekommen. Kaum eine Wortmeldung von Google-Offiziellen, in der diese Perspektive nicht klar dominiert.

Patente

Und das ist auch durchaus verständlich: Immerhin werden mit dem Kauf die Karten in den aktuellen rechtlichen Auseinandersetzung rund um angebliche Patentverstöße bei Android vollkommen neu gemischt. Befinden sich unter den 12.500 Patenten (plus 7.500, die noch in der Antragsphase stecken), die Google mit Motorola übernimmt, doch zahlreiche, die grundlegende Funktionalitäten der Mobiltelefonie betreffen, war der Mobiltelefonhersteller doch ein Pionier in dieser Branche. Die Verhandlungen um etwaige Lizenzzahlungen und Patentschutzabkommen werden künftig also wohl deutlich weniger einseitig als bisher ablaufen, die - mehr oder minder offen kommunizierte - Strategie der beiden Hersteller, mit den Klagen die Lizenzkosten für Android in die Höhe zu treiben, verliert an Fahrt.

Einseitig

Und  doch wäre es verfehlt, den Motorola-Deal nur unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten: Von recht naheliegendem Interesse dürfte für Google zunächst einmal sein, dass man mit Motorola Mobility auch die gesamte "Home Entertainment"-Sparte übernimmt. Dazu gehören unter anderem die Settop-Boxen von Motorola - eine Kombination dieser Hardware mit dem bislang nicht so recht vom Fleck kommen wollenden GoogleTV ist so naheliegend, wie es nur geht.

Abwiegeln

Auffällig ist aber auch, wie sehr sich Google bislang bemüht, die Auswirkungen des Kaufs eines großen Smartphone-Herstellers auf Android und die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern herunterzuspielen. So betont Andy Rubin, seines Zeichens Android-Boss bei Google, dass sich durch den Umstand, dass man nun einen eigenen Hardwarehesteller quasi "in-house" hat, gar nichts ändern wird. Motorola Mobility soll als vollkommen unabhängige Geschäftseinheit bei Google weitergeführt werden, es soll auch keinerlei Spezialbehandlung geben, versichert Rubin. Motorola sei auch in Zukunft einfach nur ein weiterer Lizenznehmer, selbst die Wahl für Googles Vorzeige-Android-Reihe "Nexus" soll weiterhin offen bleiben. Motorola können hier ebenso wie alle anderen ein Gebot legen, mehr nicht, so Rubin.

Bedenken

Wortmeldungen dieser Art haben vor allem eine Motivation: Die Bedenken der anderen im Android-Umfeld tätigen Unternehmen zu zerstreuen. Immerhin könnte eine "echte" Kombination von Hard- und Software-Entwicklung bei Google einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsnachteil für alle anderen Android-Hersteller zur Folge haben. Da könnte sich so mancher CEO dann wohl zu fragen beginnen, ob man auf Sicht nicht mit anderen Systemen besser bedient wäre. Das will Google verständlicherweise tunlichst verhindern.

Direkte Auswirkungen

Freilich: Egal wie bemüht das Wording von Google derzeit auch sein mag, dass die Übernahme Motorola - und in Folge auch das restliche Android-Ökosystem - verändern wird, ist eigentlich gar nicht zu verhindern. So ist kaum vorstellbar, dass Motorola unter dem Dach von Google weiter auf angepasste Android-Varianten setzt, wie man es bisher getan hat. Das Motorola-eigene User-Interface "Motoblur" ist mit dem Kauf also wohl schon so gut wie tot, ein paar Teile werden wohl im offiziellen Android landen, der Rest schlicht verschwinden.

Update-Politik

Zudem wird man sich als Google-Tochter kaum auf Dauer die Peinlichkeit erlauben, Firmware-Updates für die eigenen Geräte mit monatelangen Verzögerungen auszuliefern - egal ob sich weiterhin Motorola um die Updates kümmert, oder diese mittelfristig in die Verantwortung von Google wechseln. Dies erhöht wiederum den Druck auf andere Hersteller künftig in dieser Hinsicht flinker zu agieren, wovon in Summer die KonsumentInnen profitieren.

Alternativen?

Vergessen werden darf dabei auch nicht, dass Samsung, HTC und Co. derzeit eigentlich keine wirklichen Alternativen zu Android haben: Ein verstärkter Fokus auf Windows Phone 7 würde sie kaum in eine bessere Situation bringen, sieht man sich dort doch mit einer ähnlichen Situation konfrontiert, dies aber mit einem weniger etablierten Softwareumfeld. Nokia und Microsoft sind so etwas wie eine bevorzugte Partnerschaft eingegangen, die Gerüchte einer bevorstehenden Übernahme wollen auch nicht so recht abreißen. Und etwaige Überlegungen werden durch den Motorola/Google-Deal wohl nur weiter befördert.

Eigene Wege

Der Wechsel auf ein gänzlich anderes System würde bedeuten, dass man nicht nur die Softwareentwicklung zur Gänze selbst übernehmen müsste, sondern vor allem auch erst mal ein florierendes Anwendungs-Ökosystem etablieren muss. Und das ist gegen die Marktmacht von Apple, Google und Microsoft nicht unbedingt ein Kinderspiel. Da ist die Konzentration auf Android - selbst wenn sich dieses durch den Motorola-Deal verändern wird - zumindest fürs Erste noch immer die verlockendste und vor allem umsatzträchtigste Alternative. Und zwar eine, die durch den Patentkauf gerade noch an weiterer Attraktivität gewonnen hat. Kein Wunder also, dass sich die anderen Hersteller betont positiv zu der anvisierten Übernahme äußern.

Unsicherheiten

Eine gewisse Unwägbarkeit bleibt bei all diesen Überlegungen aber noch: Wäre es doch durchaus denkbar, dass sich Google auf Sicht gar nicht mit einem eigenen Hardwaregeschäft herumschlagen will, und diesen Teil bald weiterverkauft. Mit einem solchen Schritt könnte man die Bedenken der diversen Hardwarehersteller zerstreuen, und sicherstellen, dass Android bei diesen auch auf Sicht die erste Wahl bleibt. Insofern hat diese Option für Google wohl durchaus seinen Reiz. Der Traum von einer kombinierten Hard- und Softwarelösung aus Google-Hand - ähnlich wie es Apple mit dem iPhone macht - wäre damit freilich ausgeträumt.  (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 16.08.11)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 180
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Heavyweather
33
17.8.2011, 13:10

Jeder Hersteller hat die Möglichkeit ein Vanilla-Android Telefon heraus zu bringen. Jeder Hersteller hat auch die Möglichkeit Updates mit eigener Software rasch durch zu führen.
Ich hätte gerne ein LG Nexus...kann auch anders heißen.
Google wird nicht so dumm sein und wegen Moto den anderen Herstellern das Geschäft abgraben wollen.
Das wäre absurd und entspricht dem Unternehmen nicht.
Deswegen wird sich auch keiner der Hardwareherstellr großartig Gedanken machen...die sind eher mit Klagen von anderen Herstellern beschäftigt.
Nicht so viel jammern...Google macht das sehr gut und ist immer noch eine der sozialsten Firmen.

(°)(°)
00
17.8.2011, 17:33
Naja, jetzt nicht mehr, weisst eh, streng geheimer in code in Android, jetzt seit kurzem...

Peter W1
 
11
17.8.2011, 15:26

Alle Achtung. Da machen sich gelegentlich Leutln auch fundierte Gedanken. Alles was Google jetzt könnte ist, die Lizenzierung des Android OS einzustellen. Und da wars auch schon wieder. Alles andere können alle Lizenznehmer genauso gut wie Google machen. Oder sogar besser. Liegt an ihrer Innovationsbereitschaft.

Also jetzt mal abgesehen von der Möglichkeit einer Einstellung der Google-Lizenzierung ist diese Entwicklung äußerst positiv. Die Lizenznehmer befinden sich nun in offener Konkurrenz zu Google und müssen daher noch innovativer und kundenfreundlicher werden. Was jetzt sicher kommt ist eine schnellere und längere Unterstützung mit Android-Updates. Weil das wird Google auf seinen Motorola-Androids garantiert umsetzen.

Cape Of Green Hope
11
17.8.2011, 10:13
War von Nokia doch gescheit ...

...auf MS zu setzen. Und für MS erst recht. Wenn Nokia Ramschstatus erreicht hat, kann MS billig zuschlagen.

Gert Bachmann
 
00
22.8.2011, 03:10
MS Nokia

was wurde denn bis jetzt Großartiges daraus?
Symbian wird/wurde von den Medien zwar totgebetet, in den letzten Tagen gab es ein super Update (Anna)
ist zwar für Smartphone /Kleinanwendungen suboptimal, aber dieses Segment wird von Tablets weit besser bedient, für Telefonie mit Zusätzen imho jedoch nach wie vor bestens geeignet

krausebert
12
17.8.2011, 13:46
guter gedanke

MS schwächt Nokia mit seiner üblichen MS-Mobil-Inkompetenz/Ahnungslosigkeit und wenn Nokia dann gar nix mehr wert ist, kaufen sie es.

Kate Austen
01
17.8.2011, 09:11
Patente aus 80 Jahren

powerpack
01
17.8.2011, 10:05

die aber heute noch in den allermeisten handys zum einsatz kommen!

Kate Austen
00
17.8.2011, 11:08
man kann eine Erfindung via Patent nur max 20+5 Jahre schützen!

Kräuterpfarrer Escobar
01
17.8.2011, 08:38
"Dies erhöht wiederum den Druck auf andere Hersteller künftig in dieser Hinsicht flinker zu agieren, wovon in Summer die KonsumentInnen profitieren."

Nur zum Teil. Sony Ericsson wird sich beispielsweise überhaupt nicht unter Druck setzen lassen. Weil die haben jetzt schon auf ihre bestehenden Kunden gesch....en und bringen einfach überhaupt _nie: Updates heraus.

So krass ist's bei den anderen Herstellern zwar nicht, aber auch nicht wesentl. besser. Die Hersteller basteln offenbar fast ausschließlich an neuen Modellen, anstatt die alten Modellreihen zu pflegen. Sogar für Samsungs Flagschiff Galaxy S kam monatelang kein Update heraus - statt dessen nahm diese Aufgabe die Community selbst in die Hand.

Sollten die anderen Hersteller also unter Druck geraten, dann gerade sie _erstmals überhaupt_ unter Druck. Und das ist gut so.

Hermine Berg
 
00
17.8.2011, 08:36
vielleicht wird das die chance fuer meego

aber ich traeum' wohl nur.

aculus populus
 
74
17.8.2011, 07:44
Bravo Google!

Der gutmütige Riese lässt sich von Apple nicht klein machen...und das ist sehr gut so!
Ich würde jetzt Apple zu tode klagen (mit den Motorola Patenten wäre das ein Kinderspiel) aber Google wird sicher nicht auf das tiefe Apple-Niveau rutschen.
Google, ist und bleibt: best it-company in the world!
Der Versuch der Apple-Bande die Postkutsche zu überfallen wird wohl scheitern! Ätsch! :P

(°)(°)
00
17.8.2011, 17:36
sarc off */

Hast vergessen, wirst sonst missverstanden hier...

otto chan
01
17.8.2011, 11:49
Google, das neue Mobilfunk-Microsoft

http://www.spiegel.de/netzwelt/... ml#ref=rss

Hagbard.Celine
12
17.8.2011, 10:53

Sowas eindimensionales wie dich hab ich schon lange nicht mehr gesehen.

Fuzzface
07
17.8.2011, 08:44

Also was Google auf jeden Fall 1:1 von Apple kopiert hat, ist, wie man Fanboys wie dich züchtet...

(°)(°)
00
17.8.2011, 01:44
Kann

mir nicht vorstellen dass Google Motorola wegen abgelaufener Patente aus den 80ern übernimmt oder weil Motorola nicht mehr an den eigenen Erfolg glaubt oder weil der Dollar so wertlos ist dass ein sinkender Handyhersteller in der Hand besser als Papier im Lokus sei.

Ich glaube das wird noch sehr spannend was sich da entwickelt und wir werden überrascht sein.

Muffel
 
00
18.8.2011, 21:07
"...den 12.500 Patenten (plus 7.500, die noch in der Antragsphase stecken)..."

Ich vermute mal die Anträge zu den Patenten in der Antragsphase wurden nicht in den 80ern gestellt. ^^

undalleswirdgut
01
17.8.2011, 00:42
... ein eigenes System auf die Beine zu stellen,

ist heutzutage nur mehr schwer möglich, was nämlich oft vergessen wird, ist das Vertrauen in ein OS (DRM) von Seiten der Contentanbieter, Banken etc. da hat sich google selbst schon sehr schwer getan, wie schaut das aber bei kleinen gefühlt propitären Systemen aus? Undenkbar. Also bleiben androi, ios, rim, winp7 und vielleicht webOS wohl über...

gerhard maierhofer
10
17.8.2011, 08:24

haha. Also alle nordamerikanischen betriebssystem oder wie?
Kein bada, kein symbian, kein meego?

Und zu den banking apps: wer braucht die wenns mobile seiten gibt mit denen ich alle kunden ansprechen kann? Außer ein hersteller zahlt für eine eigene app.

Ich bezweifle stark dass man heute noch das internet unter die kontrolle diverser softwarehersteller bringen kann, und nichts anderes ist dieser gefährliche ökosystem traum mit apps und vorgaben aus dem betriebssystem.

Trollblume
00
17.8.2011, 09:05

Darauf läufts aber hinaus, dass die Großen alles anbieten und als Verleger von allem möglichen fungieren, eigene Musiklabels, eigene Zeitungen, der Buchmarkt. Keine Frage, dass es daneben auch immer was anderes gibt, aber die Masse kann man damit schröpfen - alles patentieren, und kontrollieren...
Schöne Aussichten!

Peter W1
 
62
16.8.2011, 22:54

Guter Andreas,

warum soll ein OS-Lizenzgeber, der auch Hardware herstellt, ein Problem für Lizenznehmer dieses OS sein? Innovation und der freie Markt entscheiden.

Ich hab hier bereits von der Epoche geschrieben als Apple das MacOS zur Lizenz freigab. Und aufgrund der Kombination von Hardware und Software gab kein Analytiker den Clone-Herstellern eine Chance. Und was passierte? Power Computing und Daystar erzeugten weit modernere, innovativere und günstigere Macs als Apple und Apple verkaufte weit weniger Macs als vorher.

Das der Android-Lizenzgeber nun also auch Hardware herstellt heisst für die Konkurrenz solange sie innovativ und günstig ist überhaupt nichts.

Gerne ausgeholfen :) .

Sir Harry....
01
16.8.2011, 23:55
Die Analyse ist falsch, weil einige Faktoren außer Acht gelassen:

Google verdient am Android: zwar nicht so gut, wie Apple am iOS und iPhone/iPad, aber es ist eine Einnahmequelle. Und Google will dieses Geschäft ausbauen.

Daher hinkt der Vergleich mit MacOS. Google ist es letzten Endes egal, ob die Einnahmen durch Motorola, HTC oder LG Smartphones erzeugt werden.

Motorola soll gefälligst Gewinne machen und dann kann man mit dem Patent-Portfolio gelassen zusehen, wie Android sich auf den Smartphones und Tablets verbreitet.

Android scheint von Anfang an nur die Basis für das eigene Geschäft gewesen zu sein. Die Wende in Richtung Patentkrieg hat Google nicht erwartet und musste improvisieren.

Die Abmachung sieht so aus: "Nimmt das kostenlose System, verdient mit Geräten und lasst mir die Werbung."

Peter W1
 
03
17.8.2011, 11:17

Jeder Lizenznehmer verdient an verkauften Lizenzen. Sonst würde es sie kaum verkaufen ;) . Apple hat an den verkauften Lizenzen auch verdient. Auch wenn sie sie viel zu billig verkauft haben.

Google kann nichts machen. Das einzige was sie machen könnten wäre die Lizenzen einzustellen. Aber um den gesamten aktuellen Androidmarkt zu bedienen ist Motorola viel zu klein.

Also werden sie auf unbestimmte Zeit weiter Android-Lizenzen vergeben. Und andere Unternehmen werden weiter innovative Android-Smartphones mit Eigenentwicklungen rausbringen.

Da ändert sich an der Marktsituation nichts. Bestenfalls ändert sich der Innovationdruck auf die Lizenznehmer. Und das ist ja nicht schlecht (so langsam wie die beim Updaten sind).

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00
17.8.2011, 11:45

Ein Lizenz_NEHMER_ verdient nichts mit verkauften Lizenzen ;)

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