In der umkämpften Region Süd-Kordofan
Genf - In der umkämpften sudanesischen Region Süd-Kordofan könnte
es einem UN-Bericht zufolge zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder
Kriegsverbrechen gekommen sein. Das geht aus den am Montag vorgestellten
vorläufigen Ergebnissen einer Untersuchung der Vereinten Nationen zu den
Vorfällen in der Region zwischen dem 5. und 30. Juni hervor. Demnach soll es in
diesem Zeitraum in Süd-Kordofan standrechtliche Hinrichtungen, Luftangriffe auf
Zivilisten, willkürliche Verhaftungen und Verschleppungen gegeben haben.
Süd-Kordofan war unter der Verwaltung des Nordens geblieben, als der Südsudan
im vergangenen Monat seine Unabhängigkeit erklärt hatte. Seit Juni gab es
gewaltsame Zusammenstöße zwischen den ehemals mit den Rebellen im Süden
verbündeten Nuba-Rebellen und der sudanesischen Armee.
Nach UN-Angaben blockierte die sudanesische Armee zunächst Zufahrtsstraßen
zur Provinzhauptstadt Kadugli, später sei es zu Angriffen gegen Rebellengruppen
sowie zum Beschuss der Stadt und Hausdurchsuchungen gekommen. Zeugenaussagen
zufolge zielten die Durchsuchungen auf Einzelpersonen entsprechend ihrer
ethnischen oder politischen Zugehörigkeit ab. Es habe Verhaftungen und teilweise
auch standrechtliche Hinrichtungen gegeben. Die Zahl der Flüchtlinge in einem
UN-Auffanglager sei bis zum 20. Juni auf 11.000 gestiegen, hieß es.
Der US-Sondergesandte im Sudan, Princeton Lyman, hatte in der vergangenen
Woche davor gewarnt, dass die Gewalt auch auf den neuen Staat Südsudan
überzugreifen drohe. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton erklärte, die EU
sei zutiefst besorgt über die Gewalt in der Region und Berichte über
Menschenrechtsverletzungen. Die UNO forderte die sudanesischen Behörden auf,
Menschenrechtsbeobachtern den Zugang zu der Region zu ermöglichen. (APA)