Trotz Protesten von Menschenrechtlern - Entschädigung von rund 7.000 Euro bezahlt
Tiflis - Trotz Protesten von Menschenrechtsaktivisten haben die
georgischen Behörden die Umsiedlung hunderter Bürgerkriegsflüchtlinge in der
Hauptstadt Tiflis abgeschlossen. Zahlreiche Polizisten waren am Montag bei der
Umsiedlung der Flüchtlinge im Einsatz, die in den vergangenen Jahren in einem
Hotel im Zentrum von Tiflis untergekommen waren. Ihr Hab und Gut wurde in
Umzugslastwagen verladen. In dem Hotel hatten insgesamt rund 700 Menschen
gelebt, die vor Kriegen in den abtrünnigen georgischen Regionen Abchasien und
Südossetien geflohen waren.
Für ihre Umsiedlung erhielten die betroffenen Familien nach Angaben der
Regierung eine Entschädigung von umgerechnet 7.000 Euro oder eine Unterkunft in
der Industriestadt Rustawi, rund 30 Kilometer von Tiflis entfernt. "Die Qualen
der Menschen, die seit 20 Jahren unter unzumutbaren und gesundheitsschädlichen
Bedingungen im Hotel Abchasien lebten, sind beendet", erklärte das für
Flüchtlinge zuständige Ministerium zum Abschluss der Umsiedlungsaktion. Die
Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte Anfang August gefordert,
die "erzwungenen Umsiedlungen" der Flüchtlinge zu stoppen, da sie "ohne
angemessene Konsultationen" der Betroffenen umgesetzt würden.
Während Bürgerkriegen in Abchasien und Südossetien Anfang der 1990er Jahre
und während des kurzen bewaffneten Konflikts zwischen Georgien und Russland im
August 2008 waren mehr als 250.000 Menschen aus der Region vertrieben worden.
Etwa 100.000 von ihnen ließen sich in Tiflis nieder. (APA)