Jens Harzer las aus dem "Buch der Namen"
Salzburg - "So ein schöner Tag draußen und ich werde sterben", schrieb die 30-jährige Partisanin Marija Olip kurz vor ihrer Hinrichtung 1943 in Wien. Sie hatte sich, als die Nazis 1938 in Kärnten einfielen, wie viele junge Slowenen, einer Widerstandsgruppe angeschlossen. Meist hausten sie in Wäldern oder versteckten sich bei Bauern. Olips Geschichte ist nur eine von rund 1800 erzählten Schicksalen im Buch der Namen - Die Kärntner Opfer des Nationalsozialismus, herausgegeben von den Historikern Wilhelm Baum, Peter Gstettner, Hans Haider, Vinzenz Jobst und Peter Pirker.
In mühevoller Recherche holten sie nicht nur die Namen und Leidensgeschichten vieler Opfer des Nationalsozialismus zurück, sondern lieferten mit dieser fast 850 Seiten umfassenden Publikation auch ein Vermächtnis wider das Vergessen und einen Aufruf für mehr Menschlichkeit.
Zum Auftakt der Reihe Jenseits der Grenze, die gemeinsam von den Salzburger Festspielen und dem Stefan Zweig Centre zu Peter Handkes Immer noch Sturm veranstaltet wird, las der 39-jährige deutsche Schauspieler Jens Harzer, der in Handkes Stück als "Ich" zu sehen ist, Auszüge aus dem Buch der Namen: aus Gerichtsakten, Abschiedsbriefen oder Aufzeichnungen von Hinterbliebenen. Etwa die Geschichte der Marija Lipus, notiert von ihrem Sohn, dem heute 74-jährigen Dichter Florjan Lipus. Eines Tages erschienen als Partisanen verkleidete Gestapo-Beamte auf ihrem Bauernhof, um um Essen und einen Schlafplatz zu bitten. Lipus bewirtete sie und unterschrieb damit ihr eigenes Todesurteil. Sie wurde im KZ Ravensbrück vergast.
Harzer rezitierte mit ruhiger Stimme, ohne Pathos, aber mit der notwendigen Empathie. Das Publikum dankte mit kräftigem Applaus, blieb allerdings etwas bedrückt und irritiert zurück. (Christian Weingartner/DER STANDARD, Printausgabe, 16. 8. 2011)