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Wolfgang Schütz.

Volle Hörsäle, leere Kassen: So wird auch der heimisch Studienalltag 2011/2012.
Das Folgen waren vorauszusehen. Auch bei erstmals vorgezogener Anmeldefrist (31. August statt wie bisher 30. November) werden die Anmeldungen für ein Universitätsstudium im Herbst bisher nie da gewesene Rekorde erreichen. Gleichzeitig haben die künftigen Studierenden ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich gleichzeitig für mehrere Studien anzumelden, sodass Heinz Engl, der designierte Rektor der Universität Wien, nur mehr feststellen konnte, dass die vorgezogene Anmeldefrist nicht mehr bringt, als nun etwas früher als in den Vorjahren über das kommende Chaos Bescheid zu wissen.
Von der Bundesregierung ignoriert wurden die Tatsachen, dass
1. die Zahl deutscher Studienwerber wegen der erstmaligen Gleichzeitigkeit von zwei Abiturjahrgängen steigen wird,
2. diese Zahl wegen der ab heuer abgeschafften allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland noch einmal steigen wird,
3. die Zahl der inländischen und EU-ausländischen Studienwerber per se Jahr für Jahr ansteigt und
4. den Universitäten dadurch die Finanzmittel ausgehen.
Die Tatsachen 1 bis 3 wurden ignoriert, weil der freie Universitätszugang angeblich erhalten bleiben muss. Die wesentlichen Beweise für dessen Notwendigkeit fehlen aber: Einerseits hat sich der Anteil Studierender aus bildungsfernen Schichten in den letzten Jahrzehnten des freien Zugangs eher verringert (!), und andererseits bedeuten - wegen der durch den freien Zugang bedingten hohen Drop-out-Rate - mehr Studierende leider nicht automatisch mehr Absolventen, d. h. Akademiker.
In stark überlaufenen Studienrichtungen könnte bei geregeltem Zugang die Absolventenzahl sogar gesteigert werden, da die Universitäten dann nicht den Großteil ihrer Mittel in die Bewältigung der exorbitant hohen Anfängerzahl stecken müssten. Offensichtlich maßt sich die Bundesregierung hier an, mit legistischen Maßnahmen gerade jenes Naturgesetz aushebeln zu wollen, das sogar die ärgsten Physikmuffel in der Schule verstanden haben: "Wo ein Körper ist, kann nicht zugleich ein zweiter sein."
Die Tatsache Nr. 4, dass den Universitäten dabei das Geld ausgeht, wurde mit dem Argument ignoriert, dass diese noch nicht ausreichend bewiesen hätten, dass sie auch effizient arbeiten (so gesagt am Universitätengipfel zwischen Rektoren und Bundes-regierung Ende des Vorjahrs). Zu derartigen Bemerkungen sei den verantwortlichen Politikern ein Lesen der jährlichen Wissensbilanzen der Universitäten empfohlen, die diese seit ihrer Verselbstständigung im Jahr 2004 per Gesetz zu erstellen haben (§ 13 Universitätsgesetz 2002): Die Zahl der Absolventen, die ihr Studium in Mindestzeit schaffen, ist seither stetig im Steigen, die Drop-out-Rate hingegen im Sinken, die Zahl der Publikationen in angesehenen internationalen Zeitschriften, die eingeworbenen Drittmittel für die Forschung und Einnahmen aus Patenten sind permanent im Steigen begriffen, wobei das Imposante die Quantität aller dieser Veränderungen ist!
Nicht zuletzt konnte die Zahl von Berufungen von Frauen auf Professuren um ein Vielfaches erhöht werden - im Vergleich zu den Zeiten, als noch das Ministerium die Berufungen vornahm.
Dem Geldempfänger undefinierte Effizienzmängel vorzuwerfen, um ihm weniger geben zu müssen, ist für den Boulevard oft ein gern genutztes Scheinargument, das im Falle der Universitäten Gott sei Dank schon zunehmend durchschaut wird. Denn die Meinung, dass Österreichs Universitäten unterfinanziert seien, ist zwischenzeitlich eine flächendeckend akzeptierte.
Der letzte "Gag" sind derzeit Signale aus dem Finanzministerium, die Universitäten besser dotieren zu wollen, wenn die Mittel nach der Zahl der Studienplätze zugeteilt werden würden. Es ist aber auch dort bekannt, dass der Koalitionspartner SPÖ hier nicht mitziehen wird, da eine Definition der Studienplatzzahl naturgemäß eine Regelung des Zugangs zu den Universitäten bedingt. Damit wird der Kreis, aus dem keiner herauskommt, wieder geschlossen, und es wird weiter nichts passieren.
Auch die Realisierung eines aufgrund von Vorschlägen eines international besetzten Weisenrats zu erstellenden Hochschulplans droht letztlich genau daran zu scheitern. Die Politiker mögen die Universitäten daher nicht - ohne Belege dafür zu haben - kritisieren, sondern ihnen unendlich dankbar sein, dass sie trotz allem noch funktionieren. (Wolfgang Schütz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.8.2011)
WOLFGANG SCHÜTZ ist Rektor der Medizinischen Universität Wien.
Österreich hat keine Rohstoffe ->
Man sollte Studienrichtungen wie Thewi, Powi, Sowi usw. usf. abschaffen oder massiv einschränken und nur Studienrichtungen fördern, wo es Berufsaussichten gibt und wo eine Chance besteht, dass die Studenten nachher hohe Steuern zahlen. (MINT)
Bei vielen Studienrichtungen kommen schlecht verdienende "arrogant-indoktrinierte Intelektuelle" raus, die sich für extrem klug und wichtig halten, aber weder Steuern zahlen, noch irgendetwas beitragen. Wir haben kein Geld für so eine Verschwendung.
Die Tatkraft in China, Brasilien, Indien sollte uns Vorbild sein.
welche sie für den "angeblich" notwendigen freien Hochschulzugang vermissen, sind für die implizierte Behauptung " wegen der durch den freien Zugang bedingten hohen Drop-out-Rate" eben auch nicht beizubringen.
Ansonsten hebt sich Ihr Beitrag in Inhalt und Sprache wohltuend von den Meldungen Ihrer Amtskollegen ab, doch warum grenzen Sie sich nicht von denen ab und malen in drastischeren Bildern die Folgen der Unterfinanzierung? Schließlich geht es auch um Patientenversorgung. Haben Sie sich auch schon abgefunden?
Gibt es beim Privatverein Uniko Klubzwang?
Daß die Qualität dank Autonomie so stark gestiegen sei will ich nun dahingestellt sein lassen, zumal ich dies bei der Lehre der MUW nicht umfassend beurteilen kann, an der Uni Wien ist es
.. und leisten immer noch mehr (vgl. Ergebnisse der Wissensbilanz) obwohl uns die Mittel an allen Ecken und Enden gekürzt werden???
Wenn ich nicht selbst mitmachen würde, ich würds auch nicht glauben. Nicht umsonst scheint der Begriff "Überstunden" im Kollektivvertrag (zumindest der drittmittelfinanzierten Wissenschafter) nicht einmal auf.
Das lassen sich andere Länder ihre (techn.) Unis kosten:
eth zürich: 1.3 mrd € (16.000 Studenten)
tum: 950 mio € (inkl. Klinikum) (26.302 Studenten)
kit: 707 mio € (19.377 Studenten)
rwth: 650 mio € (32.943 Studenten)
tu dresden: 500 mio € (36.066 Studenten)
...
weitere tu's
....
tu wien: 250 mio € (26.218 Studenten)
tu graz: 150 mio € (11.681 Studenten)
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Die eth zürich hat dabei etwas über 300 mio. Drittmittel (Geld von Firmen) und max. 20 Mio. Einnahmen durch Studiengebühren.
An der TU Wien waren die Einnahmen durch Studiengebühren ca. 11 Mio. €.
250+11 Mio ... jeder mache sich jetzt selbst ein Bild, ob Studiengebühren das Problem der Unterfinanzierung der UNIs lösen.
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Ich frag
Ich frag mich echt, welche Pläne ÖVP und SPÖ für die Zukunft Österreichs haben? Ich mein: Österreich ist nicht gerade mit Rohstoffen gesegnet (und die Lithium Vorkommen in Kärnten dürfen jetzt von einer australischen Bergbaugesellschaft abgebaut werden)....
Ich würds halt schon gern sehen, wenn wir neben (Humptata-)tourismus auch noch am Hochtechnologiesektor was zu bieten hätten ...
kaum jemand oder etwas hat während der letzten 12 jahre den unis/ bildungsbereich mehr geschadet, als die herren duckmäuser rektoren selbst durch ihr verhalten. in d wäre es einfach nicht hingenommen worden. hier kuscht und kuscht man um das eigene vorwärtkommen nicht zu gefährden. lässt sich von verantwortungslosen politikern vereinnahmen und führt jedes noch so widersinnige im detail längst widerlegte "argument" endlos wieder ins treffen. geht unter, ihr habts verdient. eure pension schmiert euch in die haare. die jungen flüchten, alte wissenschaftlerinnen mit 30j + praxis satteln auf volkschullehrer um. oder gehen zum hofer arbeiten. danke vp minister. danke rote unfähigkeit. fy!
... ist schon auch ein gewaltiges Übel in Ö, aber man darf auch die Keulen nicht unterschätzen, mit denen ertappte "politische Gauner" auf "Duckmäuse" einschlagen können. Aufrechte charaktere ficht das hingegen nicht wirklich an...
Andererseits: Sehen Sie, 4321, irgendwo Ansätze, die, konstruktiv, die Situation verbessern könnten??
Vielleicht gibt es ja ein paar PolitikerInnen, die doch auch lesen und mitdenken können? (Auch für Redaktionen könnte das interessant sein...)
jede menge. möchte ihnen auch nicht zu nahe treten, aber sind ihnen die letzen fünf jahre entgangen? es gibt wenig bis nichts das hierzu nicht bereits beigesteuert worden wäre. von privat, von student, von unibediensteten, von rektoren von experten, von basisdemokrat gruppen, von öh s. maurer... so klingt denn ihre einladung zum gespräch wie die aufforderung der schlechtesten mnisterin aller zeiten zum bildungsdialog. an dessen höhepunkt dann ausseruniversitäre einrichtungen ...ein hohn für den 2013 auch jemand die politische verantwortung wird übernehmen müssen.
stimmt: machen wir die unis zu FH's, mit mitteilungsheft, anwesenheitspflicht und einem perfekt an den späteren job angepassten inhalten, ganz ohne unnötige schnörksel! das hat zwar mit "bildung" nichts mehr zu tun, sondern lediglich mit der züchtung von horizontlosen arbeitstieren - aber das braucht die gedsellschaft nun einmal! schütz gibt mit der MUW auch genau diese richtung vor - gemeinsam mit seinem diobolus und studentenhasser mallinger (maleficarum)!!!
Horizontlose Arbeitstiere...netter Ausdruck. So sind in ihren Augen also alle FH-Absolventen, vielleicht auch Maturanten, Lehringe, Handwerker, Supermarktkassierer und vielleicht auch, weil an einen späteren Job denkend, Ingenieure, Ärzte und Juristen horizontlose Arbeitstiere. Kurz jeder ohne einen geisteswissenschaftlichen, den Horizont ins unendliche erweiternden Studienabschluß. Vielleicht sollte man das allg. Wahlrecht ein wenig einschränken und nur Geisteswissenschaftler wählen lassen ?
Schön langsam nervt diese Arroganz der "echte Uni" Absolventen, wobei ja Ärzte, TU-Absolventen, Juristen und BWLer eh auch keine "echte Uni" besucht haben.
das habe ich nie behauptet! es geht hier um die zielvorstellungen einiger politiker und ölonomen, nicht um die realität oder vorurteile! ich finde es nur schade dass alles, was gelehrt und gelernt wird sich immer nach ökonomischen notwendigkeiten richten muss! und nur zur info: ich bin kein GeWi, sondern hab auf der MUW studiert...! soviel zum vorurteil der arroganz!!!
... ein blitzgescheiter Kommentar. Man sollte sich da nicht in Details verbeissen.
ABER: Der Schreiber meint ..."sei den verantwortlichen Politikern ein Lesen der jährlichen Wissensbilanzen der Universitäten empfohlen".
Damit unterstellt er, dass die "verantworlichen Politiker" lesen und verstehen können, was in Bilanzen steht.
Jeder politisch aufmerksame Mensch in Österreich versteht aber, umgekehrt, dass die "Politik" eigentlich eher ein Sammelplatz für eher "dumme" Menschen ist, die vor Allem durch Geldgier und Machtgeilheit ihre Positionen erreichen (so gesehen eben "clever" sind) und, sobald ihnen das gelungen ist, ihre Bastionen in Beton eingießen. Dieses Phänomen funktionert parteienübergreifend perfekt.
Was genau haben die Studiengebühren der schwarz, orange, blauen Koalition an den ö Unis gebracht? Genau, rein gar nix und ich war Zeitzeuge. In Anbetracht des Alters des Herrn Töchterle sollte man meinen, dass er die neuere Geschichte auch erlebt haben sollte, aber wahrscheinlich will er mit sinnlosen Forderungen auch nur seine Unfähigkeit überspielen! Nur weiter so, da sind sie ja gut aufgehoben in diesem Deppenkabinett.
Zu beginn schreibt er, dass man eine, durch den freien Zugang bedingte, hohe Drop-Out Rate hätte und am Ende dann, dass die Drop-Out Rate seit 2002 ständig am sinken sei.
Und was der Rückgang an Studenten aus bildungsfernen Schichten betrifft: Ich kann mir nicht vorstellen, dass hierfür der freie Zugang verantwortlich ist.
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