Tschechien

Regierung will an öffentlichen Hochschulen Gebühren einführen

15. August 2011, 10:31

Ab 2013 sollen Studenten bis zu 413 Euro pro Semester zahlen

Prag  - Die tschechische Regierung bereitet die Einführung von Studiengebühren an öffentlichen Universitäten und Hochschulen vor. Nach Angaben von Unterrichtsminister Josef Dobes, den die tschechische Tageszeitung "Pravo" (Montag-Ausgabe) zitierte, sollen die Studenten ab 2013 bis zu 10.000 Kronen (413 Euro) pro Semester, also bis zu 20.000 Kronen pro Studienjahr, zahlen.

Um begabte, aber finanziell schlechter gestellte Studenten nicht vom Studium abzuhalten, erwägt das Kabinett die Möglichkeit, das Geld erst später zu zahlen. Die Universität würde die Summe gleich von einer Bank erhalten, wobei der Staat eine Garantie dafür übernehmen würde. Die Studierenden könnten dann nach Abschluss des Studiums, wenn sie Arbeit gefunden haben und zumindest den im Land üblichen Durchschnittslohn erhalten, dem Geldinstitut das Darlehen zurückzahlen.

Das Prager Unterrichtsministerium hat eine Studie in Auftrag gegeben, die die Durchführbarkeit dieses Systems beurteilen soll, vor allem im Hinblick auf die Studentendarlehen. Bis Ende des Jahres will die Regierung dann einen entsprechenden Gesetzesentwurf billigen und ins Parlament schicken.

Das Studium an den öffentlichen Universitäten und Hochschulen ist in Tschechien bisher kostenlos. Nur wenn eine bestimmte Studiendauer überschritten wird, müssen die Studenten etwa 10.000 Kronen pro Semester zahlen. Beispielsweise muss man ein dreijähriges Bakkalaureatsstudium in vier Jahren oder ein fünfjähriges Magisterstudium in sechs Jahren abschließen.

An den privaten Universitäten und Hochschulen werden schon jetzt Gebühren eingehoben. Diese sind in der Regel höher als diejenigen, die nun für die öffentlichen Universitäten geplant sind. (APA)

maimai
00
15.8.2011, 20:38
Die Universität würde die Summe gleich von einer Bank erhalten, wobei der Staat eine Garantie dafür übernehmen würde.

erst die Finanzialisierung der Pensionen, jetzt die Studis...offenbar wird dieses Land noch stärker vom Bankenkapital regiert als seine Nachbarn....
Und sogar ausfallsicher: der Staat garantiert für die Bankdarlehen (offenbar macht man das alles über die Bank, damit mehr Arbeit an den Schreibtischen entsteht - oder warum schaffts die BRD ein System aufzuziehen dass ähnliche Wirkung hat aber ohne Bankenalimentierung?

Der Steiner
04
15.8.2011, 16:13

In Österreich stellt das ja schon für so manchen eine Hürde dar, aber in Tschechien wo man für einen Vollzeitjob im Schnitt nur um die 700€ verdient, wirds als Student schon sehr schwer. Und nach dem Studium hat man wieder Schulden, falls die Bank das übernommen hat. Traurig, wie sich das entwickelt....

##V+##
00
15.8.2011, 23:18
Sie haben vollkommen recht.

So sind's, die Konservativen.

EquinoxOmega
00
15.8.2011, 18:26

ja, die Banken freuen sich darüber

Der Steiner
02
15.8.2011, 21:52

Der Staat dafür nicht. Wenn ein Absolvent in Tschechien nur ein doppelt so großes Einkommen haben sollte wie ein Facharbeiter, dann wird er er vermutlich das Weite suchen, damit der Kredit in angemessener Zeit abgezahlt werden kann. Ergo würde der Staat die Ausbildung für Staaten mit höherem Lohnniveau finanzieren. Für mich ist das ein Schuss ins Knie wie er im Buche steht.

na habedere
00
16.8.2011, 22:58
das Weite suchen

Die Tschechen (genauso wie die Österreicher) sind ein sehr heimatgebundenes Volk, die ziehen zum Großteil nicht so einfach in ein anderes Land, nur weil dort die Löhne besser sind. Da sind die Deutschen im Durchschnitt schon um einiges mobiler.

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