Sony, Dell und Co hatten schon früher ultraportable Notebooks, bewiesen jedoch zu wenig Mut zum Neuen
Zur Präsentation Anfang 2008 konnte Apple mit dem Design des MacBook Air zwar bereits für einiges Aufsehen sorgen, doch mit einem Preis ab 1.800 Euro spielte das dünne Notebook in der Luxusklasse. 2011 hat Apple nun die vierte Generation seines flachsten und leichtesten Laptops auf den Markt gebracht. Innerhalb von drei Jahren wurde das Gehäuse nochmals reduziert, die Komponenten aktualisiert und der Einstiegspreis auf 949 gesenkt. Vom Luxusgadget ist das MacBook Air zum Schrittmacher der Notebook-Industrie geworden. Dabei hätte das die Windows-Konkurrenz schon früher schaffen können.
Keine Apple-Erfindung
Die Kategorie extrem dünner und leichter Notebooks ist keine Apple-Erfindung. Hersteller wie Sony oder Dell hatten schon zuvor extrem dünne und leichte Geräte auf den Markt gebracht, erinnert Jason Cross von der PCWorld. Doch Modelle wie das Sony X505 oder Dells Adamo-Serien waren zu teuer und die Akkulaufzeiten zu schwach um den Markt aufzurollen. Anstatt an diesen Problemen zu arbeiten, hätten die Hersteller die Modelle aufgegeben mit der Begründung, dass die Konsumenten daran nicht interessiert gewesen seien.
Radikale Schritte
Apple hingegen ließ sich nicht so schnell einschüchtern und traf für das Air einige waghalsige Entscheidungen: zugunsten des Formfaktors wurde auf ein optisches Laufwerk komplett verzichtet und Festplatten durch (derzeit noch) teure SSDs ersetzt. Dafür wiegt das aktuellste 11-Zoll-Modelle nur knapp mehr als einen Kilogramm und die Akkus halten länger durch - zwei für mobile Computer extrem wichtige Faktoren.
Ultrabooks
Mittlerweile hat Intel den Formfaktor 11- und 13-Zoll-Display bei einer maximalen Gehäusestärke von 2 cm zum Leitprinzip der nächsten Notebook-Generation auserkoren. Das Konzept nennt der Chip-Konzern Ultrabook - die ersten Geräte sollen im Herbst auf den Markt kommen. Angetrieben von der aktuellen Prozessoren-Generation Sandy Bridge sollen sie einen Preis von 1.000 Dollar nicht übersteigen. Um die Hersteller anzuspornen Ultrabook-Designs in die Realität umzusetzen, greift Intel tief in die Tasche. Mit 300 Millionen US-Dollar sollen die Hersteller in den kommenden drei bis vier Jahren unterstützt werden.
Strich durch die Rechnung?
Doch den Ultrabooks werden einige Steinen in den Weg gelegt. So befürchten die Hersteller, dass ein Preis von unter 1.000 Dollar nicht realistisch sei. Intel solle die Chips günstiger machen und sich an den Marketing-Kosten beteiligen, wird gefordert. Andererseits stehen die Produzenten vor der Frage, aus welchem Material die Gehäuse gefertigt werden sollen. Apple hat bei den Produktionsfirmen einen Großteil jener Maschinen reserviert, die ein Notebook-Gehäuse aus einem einzelnen Aluminium-Block fräsen können. Mittlerweile sind alle Apple-Notebooks mit einem Alu-Unibody-Gehäuse ausgestattet. Vor allem bei extrem dünnen Geräten wird dadurch die Stabilität erhöht. Die Konkurrenz überlegt nun auf Fiberglas auszuweichen.
Kühne Entscheidungen treffen
Cross ist der Meinung, dass es der falsche Weg sei, die Konsumenten
zuerst zu fragen, ob sie ein Notebook ohne Laufwerk wollen. Das sei den
meisten ein zu radikaler Schritt und Hersteller, die sich danach
orientieren könnten sich kaum von der Konkurrenz abheben. Stattdessen
müssten Unternehmen von sich aus Entwicklungen bringen, an die die
Nutzer vorher gar nicht gedacht hätten. Netbooks hätten diesem Ansatz zwar entsprochen, das Konzept wurde jedoch kaum weiterentwickelt und mittlerweile von Tablets überrollt. Cross vergleicht die Entwicklung mit HPs erstem Taschenrechner im Jahr 1972. Der HP 35 sei mit 350 Dollar eigentlich zu teuer gewesen, um ein Erfolg zu werden. Doch Bill Hewlett habe an das Produkt geglaubt und der Konzern habe trotz des Preises 10.000 Rechner pro Monat verkauft. (red)