Für und wider Skinshredder3000

12. August 2011, 20:10

Soll man sich in Postings ehrlich vorstellen, oder tut's auch ein Nickname? Auszüge aus einer langen Kette von Online-Kommentaren zum Thema in derStandard.at, teils anonym, teils unter dem vollen Namen

Klares Ja zum Pseudonym - Das Internet vergisst nicht! Die Kommentare hier werden für einen sehr langen Zeitraum verfügbar bleiben. Wer in fünf oder zehn Jahren meinen Namen googelt, wird innerhalb von Millisekunden jeden meiner Kommentare sauber aufgelistet bekommen. Kommentare, an die ich mich selbst längst nicht mehr erinnern kann, Kommentare die wohl möglich eine Meinung wiedergeben, die sich längst geändert hat.

Ich will mir hier nicht bei jedem Kommentar Gedanken darüber machen müssen, wie dieser in fünf Jahren von einem Personalchef, der mich aufgrund einer Bewerbung prüft, aufgenommen wird.

Im "realen Leben" weist man sich ja auch nicht ständig aus, es wird nicht jede Aussage lückenlos protokolliert und für jeden Aufwand zugänglich gemacht. Reich sein muss sich lohnen!

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Du sagst es! Außerdem sagt man ja schnell etwas, was man gar nicht so gemeint hat, oder es kommt grad beim Schreiben falsch rüber ... Und schon gibt's eine FB-Gruppe gegen dich ... womöglich. Spartaner13

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Und warum soll man nicht Einstehen für seine Meinung/Trollerei etc.? Gerwin Winter

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Der Identitätsschutz und der Schutz der Person vor Repressalien im echten Leben ist 1000-mal so viel wert wie der Versuch, Trollen den Mund zu verbieten.

Selbst unter Echtnamenszwang werden diese Leute echt klingende Pseudonyme verwenden, und sollen sie doch trollen: Seine Meinung zu dem Geschriebenen fasst sich jeder selbst. Dentofit

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Es geht nicht mal ums "Einstehen", sondern darum, dass die meisten Leute, mit denen ich interagiere, meine Meinung zu bestimmten Themen nichts angeht.

Sagen wir, ich hab einen streng katholischen Chef, poste hier aber täglich gegen Religion und Kirche. Dann will ich auch nicht, dass der Chef das liest, denn meine Meinung zu diesen Themen ist für meine Arbeit irrelevant, wird aber trotzdem nachteilig für meine Karriere sein, wenn der Chef das mitbekommt. aceFruchtsaft

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Vollkommen meine Meinung (wie weiter unten zu lesen). Hinzuzufügen sei auch:

- Echtnamenszwang wäre bestenfalls mit dem Zwang, ein echt klingendes Pseudonym zu wählen, vergleichbar. Also schlicht nicht durchsetzbar, und würde nichts gegen die, die unter einem Nickname trollen, ausrichten.

- Ein solches Forum ist gerade deswegen wertvoll, weil Menschen hier ihre ungeschminkt ehrliche Meinung wiedergeben und diskutieren können, ohne darüber nachzudenken, was vollkommen Fremde, die nur diese oft missinterpretierbare 750 Zeichen von ihnen kennen, von ihnen halten.

- In einem echten Gespräch, wo mein Gegenüber mich beim Namen kennt, hören nicht 100.000 Menschen mit. Im Internet schon, darum sind Pseudonyme ungemein wichtig zum Schutz der freien Meinungsäußerung. Dentofit

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Nein zu Pseudonymen, und zwar weil das Internet längst keine unabhängige freie kleine Welt ist, sondern schon Hand in Hand mit dem RL geht. Die Grenzen sind sehr verwaschen. Es infrage zu stellen, wie vertrauenswürdig Daten eines anonymen Posters sind. Im RL vertraue und glaube ich letztens auch niemanden, der sich mir unter Skinshredder3000 vorstellt, warum dann im Web? Des Weiteren stellt die Anonymisierung ein Problem dar. Namensgebung. Die besten sind immer vergriffen.

Es gibt aber eine dritte Möglichkeit: ein Jain zum Pseudonym. Ein Name, den man überall im und nur im Web verwendet und über eine Behörde beantragen kann.

So muss man sich über sein Pseudoanonym zwar besser benehmen, aber es greift auch nicht sofort ins RL über. Eleftherios

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"... Behörde beantragt werden kann ...": Inzwischen wissen wir ja schon, dass aus mehreren Gründen ich der Behörde meines Vertrauens eben kein Vertrauen mehr entgegensetzen sollte. alternativlos

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Freie, ehrliche Meinungen, ohne sich überlegen zu müssen, wie viel tausend Fremde mit meinem Namen genau nur diese drei Zeilen verbinden, die ich eben gepostet habe, sind mir mehr wert als dieses Nullargument von "verwaschenen Grenzen" und "vergriffenen Nicknames", so leid es mir tut. Dentofit (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2011)

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Ordnung muss sein

Zugang am privaten PC nur mit ID-Card. Im Internetkaffee nur mit 10sec Blick in die Kamera mit Zeitstempel. Verbot der Nutzung von Cyper Ghost , Tor und anderen VPN-Diensten. Leute !!! denkt nach. Wir stehen am Vorabend des Zusammenbruches alles Systeme. Fluggastdaten werden nun 10 Jahre gespeichert / EU Erlass http://www.heise.de/newsticke... 62227.html ... und ihr Banausen und Politschmierer wollt anonym posten ?! NIE !! Das muss verboten werden !!

Und wer überwacht die Überwacher?

Die parlamentarische Anfechtung der verfassungswidrigen Vorratsdatenspeicherung scheiterte nun an der FPÖ!
Die sehen sich vermutlich schon in allen Kontrollfunktionen, in einer schwarzblauen Koalition.

Wer würde solche Leute ANONYM das Internet überwachen und die Moral bestimmen lassen?
https://bawekoll.wordpress.com/2011/06/1... rau-winter

Das ist schwer krank!

......."Die parlamentarische Anfechtung der verfassungswidrigen Vorratsdatenspeicherung scheiterte nun an der FPÖ! "......

Kein wunder ! Wem ein "überwachungsstaat" a la nazi diktatur oder DDR vorschwebt, der findet in heutiger zeit ideale technische voraussetzungen !

Pseudonym oder realnamen.

Ich sehe ein, dass nicht jeder es sich leisten kann, mit seinem real-namen zu posten. (zb. berufliche folgen und nachteile)

Dennoch sollten so viele wie möglich zu ihrer meinung namentlich stehen.

Dass dies bei den postings meistens nicht der fall ist, finde ich bedauerlich.

Es ist, wie es oft vorkommt, unfair jemand zu beschimpfen und sich hinter einem pseudonym verstecken.

Ich stehe namentlich zu meiner meinung, und wenn sich diese im laufe der jahre ändern sollte, so würde ich dies auch begründen, wenn ich gefragt werde.
Ich würde eine meinungsänderung nicht als schande empfinden, sondern als lernfähigkeit.

Fortsetzung :

Wie wären diktaturen wie die ehemalige DDR oder die der NAZIS möglich, wenn die menschen nicht so biegsam und feige wären. Ich glaube nicht, dass es damals plötzlich so viel überzeugte kommunisten und nazis gab, wie die machthaber gerne gewollt hätten.
Es waren menschen, die sich dem trend beugten, um sich nicht zu gefährden, was menschlich verständlich ist.

Um solchen entwicklungen rechtzeitig wirksam entgegen treten zu können (bevor es zu spät ist ), wie sie sich gegenwärtig als rechtsruck in österreich abzeichnen, halte ich es für nötig, dass diese extremisten wissen, dass mit widerstand zu rechnen ist, und nicht mit sich hinter pseudonymen versteckenden menschen, die, wenns drauf ankommt, "den schwanz einziehen" würden !

Wie wären diktaturen wie die ehemalige DDR oder die der NAZIS möglich, wenn die menschen nicht so biegsam und feige wären.

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genau das macht es möglichen diktaturen aber auch wieder einfacher, gegner zu finden, da man dann quasi alles am silbertablett serviert - und man nicht erst den lästigen weg gehen muß über ip-herausfinden usw.
es ist also besser, nur wegen einigen [hardcore nehme ihc mal an, daß es wohl um einiges weniger sein werden als nur sympathisanten und so] extremisten auch noch den letzten rest freiheit aufgeben zu müssen? was war gleich noch mal eines der kennzeichen einer demokratie? freie meinungsäußerung ohne angst auf verfolgung oder dergleichen. merken sie den widerspruch?

Wahlen sind aus gutem Grunde geheim und man wählt in einer Wahlzelle ohne dass einem ein Aufpasser über die Schulter schaut. Diejenigen, die behaupten, dass nur der, der etwas zu verbergen hätte, auf Anonymität poche, diese Herrschaften sollen doch gleich mal ihre Kontoauszüge rüberreichen ..

Wir hatten das 1938. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht kam die Gestapo und hatte bereits Listen von Ostmärkern, die zu verhaften und nach Mauthausen zu bringen seien. Diese Listen waren von österr Illegalen angefertigt worden. Kommunisten wurden zB in Mauthausen auf der Stelle erschossen.

Klarnamen wären für eine solcher 1938er-Situation ideal, die fraglichen Leute müssten nur mehr eingesammelt werden! Diese Freude werden wir ihnen nicht machen!

........."Diejenigen, die behaupten, dass nur der, der etwas zu verbergen hätte, auf Anonymität poche, "......

Das habe ich nie behauptet und ist aus meinen postings auch nicht herauszulesen.
Ich wollte nur sagen, dass jene, obwohl sie es sich leisten könnten, unter ihrem realnamen zu posten, trotzdem ein pseudonym wählen, sich eine "schutzhülle" zulegen, um in falle einer änderung der politischen verhältnisse, richtung diktatur, versteckt zu bleiben.

Wenn de facto ALLE, bis auf wenige begründete ausnahmen, unter ihrem klarnamen posten würden, hätten die gegner der demokratie, zu denen ich die neonazis (FPÖ) und teilweise die ÖVP zähle, viel zu tun, die alle einzusammeln und einzusperren, wozu die gefängnisse nicht ausreichen würden.

Die allermeisten poster hier, sind, bei aller verschiedenheit der meinungen, keine anhänger von diktaturen, ob rechts oder links.

Das Theater wird bald hinfällig sein

mit TCP/IP6 wird man jeden User nach seiner persönlichen IP verfolgen können. Natürlich wird es Datenprovider geben, die es zumindest der Exekutive und natürlich auch Rechtsanwälten und Unternehmen via irgendeinem Schutzverein ermöglicht diese zugeordnete IP des jeweiligen Namens zu erfahren.

Bald wird man zwar möglicherweise seine eigenen Einträge nicht mehr finden, aber sonst jeder, der eine Schaden kann.

Ich kann Sie beruhigen. Auch mit IPv6 bekommt nicht jeder user eine IP wie eine Hundemarke, das derzeitige System der begrenzten IPs je provider muss weiter aufrecht erhalten werden, sonst wäre der hardware-Aufwand für jeden provider gigantisch.

Aber auch so ist jeder user ohnehin per login identifizierbar. Wenn einer hier am Forum zB eine Todesdrohung (Mord oder Selbstmord) schriebe, dann könnte die Exekutive - theoretisch - binnen weniger Minuten zumindest den sich normal mit diesem login einloggenden user ermitteln und zusätzlich mittels IP und Uhrzeit vom provider Name + Adresse in Erfahrung bringen. Niemand ist am web so richtig anonym, es sei denn, die Identität eines/einer anderen wird gestohlen.

Da haben sie was übersehen

Mit IP6 will man ja ermöglichen, wie wunderbar, dass man sich weltweit in seine ganz private Cloud einloggen kann ... Dazu wird man eben ganz persönliche IPs vergeben ...

'Cloud' bedeutet nur, dass Anwendungen und / oder (eigene) Daten bei einem provider untergebracht sind und beide vom Nutzer jederzeit abgerufen werden können. Da muss man sich anmelden, Zahlungen leisten und kann sich dann in diesen Dienst mit der log-in Information (user name / password) einloggen.

Es bedarf also keiner IPv6, um einen Nutzer zu lokalisieren - der hat seine Daten eh dagelassen.

Die IPv6 macht etwas ganz anderes möglich. Erstens gehen den providern die IPv4-Nummern schön langsam aus und zweitens wird damit die massenweise externe Erreichbarkeit von Endgeräten am web gesichert. Ihre Überwachungskamera, Ihr Kühlschrank, Ihr Auto, Ihr Rasenmäher könnten von überall her erreichbar sein! Das wird spannend!

wo hört es auf - wo fangt es an?

Jetzt wollen sie uns auch noch die letzte Freiheit nehmen und am besten gleich eine Nummer aufdrucken.

Manda s'isch was zum tuan !

........"Jetzt wollen sie uns auch noch die letzte Freiheit nehmen "......

Niemand will ihnen die letzte freiheit nehmen, um im falle einer neuen diktatur ( zb. FPÖ+ÖVP) anonym zu bleiben, um nicht der diskriminierung oder gar verfolgung ausgesetzt zu sein.

Aber je mehr menschen sich namentlich zur demokratie bekennen, desto eher werden sich deren feinde überlegen, die gesellschaft nach ihren vorstellungen verändern zu wollen.

So sind die foren mit ein barometer, die stimmung im volke zu erkennen und den abbau der bürgerrechte
nicht zu wagen, wie es die nachfolgepartei der nazis gerne tun würde !

Die anfänge dieser entwicklung sind bereits im leider erfolgreichen bemühen der FPÖ (strache) zu sehen, die "tüchtigen und fleissigen" unterprivilegierten auf ihre seite zu ziehen.

sind sie der bruder vom enrico?

Realnamenzwang wäre im Onlinestandard sinnlos, und außerdem nicht durchzusetzen. MfG Hans Müller

Zwang jeder art, auch dieser, ist abzulehnen !

"skinshredder3000" ist ein genialer Nick -

danke für den Tipp an den Poster "Eleftherios":

Da stöhnen die zart besaiteten Strachioten bereits dann,
wenn sie nur den Nicknamen lesen ^^

Ich plädiere dafür, den Nick viel mehr als Künstlername denn als Pseudonym zu sehen... :)

Genau, denn:

Trolling is a art

Die "KUNST" besteht darin, sich hinter seiner meinung zu verstecken !

sagen sie das dann auch zu einem syrischen blogger oder twitterer, wenn er wegen echtnamenszwang erwischt wird und dran glauben muss?

Wir sind (noch nicht) bei syrischen verhältnissen angelangt !

Aber es kann noch werden, wenn die FPÖ weiter zulauf bekommt.

"das sagen, was man denkt" ... "das sagen, was man öffentlich unter eigenem namen nicht tun würde" ... "das sagen, was man nicht mit dem eigenen namen assoziiert haben will"

klingt nach "das sagen, was man für sich behalten sollte"

das sind die gründe für anonymität ??? nein danke.

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