Für und wider Skinshredder3000

Soll man sich in Postings ehrlich vorstellen, oder tut's auch ein Nickname? Auszüge aus einer langen Kette von Online-Kommentaren zum Thema in derStandard.at, teils anonym, teils unter dem vollen Namen

Klares Ja zum Pseudonym - Das Internet vergisst nicht! Die Kommentare hier werden für einen sehr langen Zeitraum verfügbar bleiben. Wer in fünf oder zehn Jahren meinen Namen googelt, wird innerhalb von Millisekunden jeden meiner Kommentare sauber aufgelistet bekommen. Kommentare, an die ich mich selbst längst nicht mehr erinnern kann, Kommentare die wohl möglich eine Meinung wiedergeben, die sich längst geändert hat.

Ich will mir hier nicht bei jedem Kommentar Gedanken darüber machen müssen, wie dieser in fünf Jahren von einem Personalchef, der mich aufgrund einer Bewerbung prüft, aufgenommen wird.

Im "realen Leben" weist man sich ja auch nicht ständig aus, es wird nicht jede Aussage lückenlos protokolliert und für jeden Aufwand zugänglich gemacht. Reich sein muss sich lohnen!

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Du sagst es! Außerdem sagt man ja schnell etwas, was man gar nicht so gemeint hat, oder es kommt grad beim Schreiben falsch rüber ... Und schon gibt's eine FB-Gruppe gegen dich ... womöglich. Spartaner13

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Und warum soll man nicht Einstehen für seine Meinung/Trollerei etc.? Gerwin Winter

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Der Identitätsschutz und der Schutz der Person vor Repressalien im echten Leben ist 1000-mal so viel wert wie der Versuch, Trollen den Mund zu verbieten.

Selbst unter Echtnamenszwang werden diese Leute echt klingende Pseudonyme verwenden, und sollen sie doch trollen: Seine Meinung zu dem Geschriebenen fasst sich jeder selbst. Dentofit

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Es geht nicht mal ums "Einstehen", sondern darum, dass die meisten Leute, mit denen ich interagiere, meine Meinung zu bestimmten Themen nichts angeht.

Sagen wir, ich hab einen streng katholischen Chef, poste hier aber täglich gegen Religion und Kirche. Dann will ich auch nicht, dass der Chef das liest, denn meine Meinung zu diesen Themen ist für meine Arbeit irrelevant, wird aber trotzdem nachteilig für meine Karriere sein, wenn der Chef das mitbekommt. aceFruchtsaft

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Vollkommen meine Meinung (wie weiter unten zu lesen). Hinzuzufügen sei auch:

- Echtnamenszwang wäre bestenfalls mit dem Zwang, ein echt klingendes Pseudonym zu wählen, vergleichbar. Also schlicht nicht durchsetzbar, und würde nichts gegen die, die unter einem Nickname trollen, ausrichten.

- Ein solches Forum ist gerade deswegen wertvoll, weil Menschen hier ihre ungeschminkt ehrliche Meinung wiedergeben und diskutieren können, ohne darüber nachzudenken, was vollkommen Fremde, die nur diese oft missinterpretierbare 750 Zeichen von ihnen kennen, von ihnen halten.

- In einem echten Gespräch, wo mein Gegenüber mich beim Namen kennt, hören nicht 100.000 Menschen mit. Im Internet schon, darum sind Pseudonyme ungemein wichtig zum Schutz der freien Meinungsäußerung. Dentofit

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Nein zu Pseudonymen, und zwar weil das Internet längst keine unabhängige freie kleine Welt ist, sondern schon Hand in Hand mit dem RL geht. Die Grenzen sind sehr verwaschen. Es infrage zu stellen, wie vertrauenswürdig Daten eines anonymen Posters sind. Im RL vertraue und glaube ich letztens auch niemanden, der sich mir unter Skinshredder3000 vorstellt, warum dann im Web? Des Weiteren stellt die Anonymisierung ein Problem dar. Namensgebung. Die besten sind immer vergriffen.

Es gibt aber eine dritte Möglichkeit: ein Jain zum Pseudonym. Ein Name, den man überall im und nur im Web verwendet und über eine Behörde beantragen kann.

So muss man sich über sein Pseudoanonym zwar besser benehmen, aber es greift auch nicht sofort ins RL über. Eleftherios

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"... Behörde beantragt werden kann ...": Inzwischen wissen wir ja schon, dass aus mehreren Gründen ich der Behörde meines Vertrauens eben kein Vertrauen mehr entgegensetzen sollte. alternativlos

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Freie, ehrliche Meinungen, ohne sich überlegen zu müssen, wie viel tausend Fremde mit meinem Namen genau nur diese drei Zeilen verbinden, die ich eben gepostet habe, sind mir mehr wert als dieses Nullargument von "verwaschenen Grenzen" und "vergriffenen Nicknames", so leid es mir tut. Dentofit (DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2011)

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