Die Wutprofessoren

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid
12. August 2011, 18:51

Die Regierung fährt einen Ignoranzkurs gegen die Universitäten

Es ist ein Hilferuf: Ein Rektor nach dem anderen droht mit der Schließung von Studieneinrichtungen. Mit Heinz Engl von der Universität Wien schreit nun auch die größte Hochschule des Landes auf. Immer mehr Rektoren werden zu Wutprofessoren, die mit drastischen Worten auf die fatale Situation an den Universitäten aufmerksam machen. Aber das wird nicht reichen.

Wie schon seine Vorgängerin Beatrix Karl, die mit gleichlautenden Drohungen der Rektoren der Universität für Bodenkultur, der Salzburger Uni und der Universität für angewandte Kunst im Vorjahr konfrontiert war, fällt auch dem nunmehrigen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (VP) nichts anderes ein als die Ankündigung: Er werde für mehr Mittel für die Universitäten ab 2013 kämpfen. Eine Kampfansage klingt anders.

Noch im Oktober 2010 hatte Töchterle erklärt: "Die Situation ist dramatisch." Und: "Unser größter Wunsch wäre, wenn die Koalitionsparteien aufhören würden, mit den Universitäten Pingpong zu spielen." Damals war Töchterle Rektor der Universität Innsbruck, heute ist er als Wissenschaftsminister derjenige, der Pingpong spielt. Die ÖVP ist der eine Teil in dem Spiel, die SPÖ der andere. Auch wenn einzelne Landespolitiker wie zuletzt der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und die Salzburgerin Gabi Burgstaller (SPÖ) ihre jeweiligen Parteien schon aufgefordert haben, sich in der Bildungspolitik zu bewegen und Zugeständnisse zu machen, gibt es nach wie vor eine Pattsituation: Die SPÖ beharrt auf den freien Uni-Zugang, die ÖVP blockiert die Gesamtschule. Beide halten an ideologisch begründeten Prinzipien fest und betreiben Realitätsverweigerung.

Die Politik lässt die Lehrenden, die Studierenden und die Universitätsverwaltung mit ihren Problemen schlicht sitzen. In keinem anderen Sektor zeigt sich derzeit so deutlich, welche Auswirkungen Nichtstun in der Politik hat: Die Studienbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Der Andrang der Studierenden hat sich massiv vergrößert, die Kapazitäten an den Hochschulen wurden nicht angepasst. Die Langfristplanung bis 2015 sieht sogar eine Kürzung der finanziellen Mittel vor. Die Situation ist für alle schlicht unzumutbar.

Wollen die Rektoren wirklich gehört werden, müssen sie angesichts der politischen Ignoranz zu drastischeren Maßnahmen greifen. Im Vorjahr bekamen sie trotz monatelangen Bemühens keinen Termin im Kanzleramt. Die Studierenden haben zwei Monate das Audimax besetzt - die Politik zeigte sich unbeeindruckt.

Wut und Worten müssen Taten folgen: Wie der Salzburger Vizerektor Rudolf Mosler sagte, "müsste man große oder mittlere Studieneinrichtungen schließen, damit es finanziell etwas bringt". Womit die Universitäten die Regierung auch treffen könnten, wäre die Suspendierung der Bachelor-Studiengänge. Das würde die Universitäten von Studierenden entlasten.

Die Zeit wird knapp, bis Jahresende muss die Regierung das Gesamtbudget für die österreichischen Universitäten für 2013 bis 2015 bekanntgeben. Sie könnte sich in diesem Fall ein Beispiel an Deutschland nehmen: Trotz eines Sparpakets im Ausmaß von 80 Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren gibt es zwölf Milliarden Euro für Universitäten und Forschung - zusätzlich. Die österreichische Regierung fährt dagegen einen Ignoranzkurs gegen die Universitäten.(DER STANDARD, Printausgabe, 13./14./15.8.2011)

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die regierung fährt einen ignoranzkurs gegen das ganze volk, schon sehr sehr lange ...

Und sie behandelt uns wie

Kindergartenkinder. Als seien wir eine ungehorsame Rasselbande, die nur mit Eislutschern, dauernder Überwachung und Strafandrohung zu beruhigen sind.

vielleicht sollte man die unis in tunnelform bauen, dann gäbe es wohl geld ...

Warscheinlich würde es schon genügen, die einzelnen Institute jeweils für 10 Jahre nach jenen Politikern zu benennen, die Ihnen großzügige Fördermittel zukommen lassen, und meinetwegen ganze Universitäten für Minister, die wirkliche Budgeterhöhungen für die Unis durchsetzen. Und weil wir grad dabei sind - die offizielle Einführung des unbürokratisch verliehenen "Dr. p.c." (pecuniae causa) für jeden, insbesondere natürlich Politiker, die einem Institut oder einer Uni eine größere Summe (im zumindest 6stelligen Bereich) zukommen lassen. Das käme den Wünschen aller Beteiligten entgegen und würde wahrscheinlich dazu führen, daß sich die potentiellen Spender und begeisterten Budgeterhöher sogar auf Wartelisten eintragen müßten... ;-)

Für diese Idee gebührt dir ein Innovationspreis

Endlich eine sinnvolle Nutzung des Brennerbasistunnels, denn für den Verkehr wird der nicht gebraucht.

Nachdem immer mehr Konservative Pensionshöhen

in Frage stellen und offenbar von den Leuten verlangen mit weniger oder selber auszukommen eine Gegenfrage an die Unis:
Wenn schon da die besten Köpfe die Führungsfunktionen wahrnehmen, dann müßte doch diesen Gscheiten etwas einfallen.
Arbeitnehmer sind es gewohnt jedes Jahr mehr an Leistung zu bringen, ohne dass die Löne nachziehen.
Warum schaffen die Gscheiten es nicht effizienter zu werden, neuen Finanzierungswege zu erschließen etc.
Oder warum kritisieren diese Gscheiten nicht die Finanzgebarung des Staates, wenn grobe Fehler gemacht werden und Geld verschleudert wird.

Und ZORNIG, das darf doch den Gebildeten nicht bleibend passieren, oder ....

Die größten Idioten und Komplexler werden von juridischen Universitäten hervorgebracht, dass

weil universitäten...

...keine unternehmen sind

Das eigentliche Problem der Universitäten

ist, dass sowohl die Gesellschaft (zum Großteil) als auch sämtliche Politiker keine Ahnung von >>Bildung<< haben.

Die Universitäten werden zu einer Insitution deformiert, die gewinnbringend wirtschaften soll, die so schnell wie möglich ungebildete AbsolventInnen ohne irgendeine Ahnung von ihrem Fach auszuspucken.

Sämtliche Diskussionen, ob Studiengebühren, Beschränkungen, Knock-Out und restlichem sinnverfehlenden Diskussionen haben eine Institution im Mittelpunkt, die es so nicht gibt. Völlig egal was die PolitikerInnen verändern werden - es wird so oder eine Katastrophe.

"Die Universitäten werden zu einer Insitution deformiert, ... die so schnell wie möglich ungebildete"

aber formal möglichst hoch qualifizierte

"AbsolventInnen"

hervorbringen soll, damit die Statistiken schöner aussehen.

liebe frau Alexandra Föderl-Schmid, wo ist denn das geld die letzen jahre hingeflossen .... ?

fragen sie mal den landeshauptmann von tirol - oder den aus niederösterreich ... in "private" landeseinrichtungen ....

nicht in die universitäten - bei denen in ist hauptsächlich zwischenzeitlich der putz von der wand gebröselt ....

man darf echt enttäuscht sein in diesem land!!!!

diese föderalismuskutzpe ist langsam nicht mehr ertragbar.

Unter anderem hat Österreich sauteure Kampfjets gekauft, um sich bei der CSU dafür zu bedanken, dass die bayerischen Rechten als einzige die Schüssel-Koalition gelobt hatten.

Man kann davon ausgehen, dass a) sich zahlreiche FPÖ- und ÖVP-nahe Firmen und Personen an diesem Deal bereicherten, b) dass die großmäulig versprochenen Gegengeschäfte lächerlich wenig gebracht haben (und dann vermutlich auch nur braven Parteispendern), und dass die Studiengebühren und die Kaputtsparmaßnahmen unter der Häkeltante Gehrer vor allem dazu dienten, die Kampfjets zu finanzieren.

Sie erwähnen nicht die Gegengeschäfte. Oder gabs die und wir - das Volk - habens nur nicht mitgekriegt?

Ich habe die angeblichen Gegengeschäfte explizit erwähnt: Bekannt ist nach meinem Wissensstand, dass Rumpold und andere Firmen aus FPÖ-Umfeld für Beratungen, Pressekonferenzen und Eurofighterplakate Unsummen lukriert haben. Ob kleine, auf Flugzeugbauteile spezialisierte Unternehmen in Österreich existieren und "Gegenaufträge" erhalten haben, keine Ahnung.

... wobei ich schon damals die Frage gestellt hab: Wenn die paar Kampfjets uns schon mit Gegengeschäften reich werden lassen, wieso kaufen wir dann nicht noch ein paar Flugzeugträger gleich mit dazu? Würden deren noch größere Gegengeschäfterln dann nicht unseren immerwährenden Wohlstand garantieren?

Wobei es für uns sicher auch gebrauchte Flugzeugträger täten.
Da fällt mir ein: die Amerikaner hätten zwei gut erhaltene Spaceshuttles.

Ja wurden denn die Eurofighter nicht von einer "Wirtschaftsplattform" finanziert? Hat uns doch das Schüsserl versprochen. Sollte das am Ende gelogen gewesen sein?

Universitäten müssen mit der Privatwirtschaft gekoppelt werden

Erst dann gibt es ein Leistungsprinzip.
Gegenwärtig ist miserabler Führungsstil das einzige Charakteristikum der meisten Professoren.

Und Sie glauben ernsthaft, dass der Führungsstil in einem Privatunternehmen besser ist? Träumer!

... dann gibts bald nur noch Urkundenverkäufer. Ein Beispiel in Tirol ist ja unlängst bekannt geworden; man könnte auch mal nachfragen, wie genau Said Ghaddafi an sein Wirtschaftsfdiplom von der FPÖ-Firma IMADEC gekommen ist.

Als weltweit tätiger Unternehmer sage ich,

völlig falsch. Schon die patscherte Anwendung des "Basler Systems" unter Gehrer zeigt, wie falsch das ist.
Meine wichtigsten Unternehmens-Transformationen sind Know How in Erträge.
Universität muss Wissen und Denkfähigkeit erzeugen. Etwas was vorher niemand gewusst hat, so erklären, dass es alle verstehen.
Zur Qualitaetsbeurteilung gibt es Rankings, ...

Und da rutschen wir ab und ab ... weil es unserer Politik wurscht ist. Es gibt ja an Unis viel zu wenige eintraegliche, aber unauffaellige Versorgungsposten für junge Pelinkane, alte Proellianer... und Ohrzersaebelte.

meinung muss man sich erst leisten koennen

die politik der regierung ist sehr gut. jeder der an einer uni war muss wissen wie es ist mit einem haufen fauler und korrupter angestellter zu arbeiten, das selbstlernbuch zu lesen und die miesesten und faulsten professoren bzw sind es keine vorgesetzt zu bekommen. ich finde diese lektion ist unbezahlbar.

Sie waren anscheinend Publizistik-Student an der Uni Klagenfurt, oder Medizin-Student an der Tiroler UMIT? Machen Sie sich nichts draus, beide Studienrichtungen wurden (zu Recht) eingestellt.

absurd

deutschland, das uns seine dort dem studium nicht zugelassenen studentInnen in massen schickt, stockt im land sein bildungsbudget massiv auf und die österr. bundesregierung schafft es nicht, da reinen tisch zu machen und massiv finanzielle unterstützung von d zu fordern oder dieselben beschränkungen für ausländische studierende einzuführen, wie jene im eigenen land haben. traurig auch, dass eine konservative regierung wie die in d so viel MEHR geld für bildung aufwendet, während die österreicherInnen in geiselhaft einer ständig blockierenden övp ihr bildungskapital durch kleingeistiges sparen verspielen. studiengebühren sind keine lösung, analoge zugangsbeschränkungen für ausländerInnen und einstellung der bachelorstudien aber schon ...

D schickt seine studenten nicht

D hat sich vor 1005 nie über die herkunftsland-regel noch über die jetzt geltende quotenregelung in medizin beschwert. D will und braucht die studierenden in Ö nicht. hart gesagt: sie sind ihnen wurscht.

deshalb wird D auch bilateral nichts zahlen. dazu sind sie nicht verpflichtet, und es wäre ja auch komisch: warum soll ich freiwillig für 1000 publizistikstudenten im ausland zahlen, denen ich im inland keinen platz finanzieren will? und "dieselben beschränkungen, wie jene im eigenen land haben" ist ja genau die grundrechtswidrige regelung, die wir vor 2005 hatten.

Bitte keine

WUTprofessoren und WUTbürger mehr. Ich kann das Wort Nimma hören. Da müss ma unbedingt einen STRESSTEST machen. Unwort Nummer zwei;-)

Wutposter? ;)

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