Konzert in Salzburg

Gustavs Pakt mit dem Teufel

Gerhard Dorfi, 12. August 2011, 17:23

Eva Jantschitsch musizierte mit Ben Becker

Salzburg - Gegen Ende des knapp siebzigminütigen Auftritts brachte Gustav am Mittwochabend im bestuhlten Republic zwar weder das Publikum noch die Verhältnisse zum Tanzen, aber ironische Ideologiekritik in Liedform: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" zitiert sie Adornos Diktum aus Minima Moralia. Eva Jantschitsch, wie Gustav im richtigen und falschen Leben heißt, variierte den Satz noch: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen Erwachen" bzw. "im falschen Hasen" .

Für ironische Brechungen ist die Sängerin und Elektronikerin seit Beginn ihrer Musikkarriere 2004 ebenso bekannt wie für politisch-subversive Botschaften. Am Mittwoch adressierte sie damit im Rahmen des Faust-Begleitprogramms das Festspielpublikum: Unterhaltungsmusik zur Suche nach Erkenntnis lautete das Motto des Kompositionsauftrags, den Jantschitsch mit sechsköpfiger Begleitcombo umsetzte. Neben den bewährten Mitstreitern Elise Mory und Oliver Stotz überzeugten Anna Janowsky, Susanna Gartmayer, Manfred Hofer und Bernhard Breuer als kompakt groovende Einheit zwischen Psychedelic, Kunstlied, Walzer, NDW und treibenden Tanzbeats.

Zwölf Songs hat Jantschitsch komponiert, Assoziationen zu Motiven der Tragödie. Die Sounds bebilderte Peter Hörmanseder (maschek) mit Textinserts und abstrakten Experimentalvideos. Zur Mitte des Sets kam Gastsänger Ben Becker in Trachtenleder dazu, bei drei Songs gab der Ex-Punk den wüden Hund - der er ja wirklich einmal war, glaubt man den Interviewbeichten in Jürgen Teipels Verschwende deine Jugend.

Dass Becker in den späten 1970ern Mercedes-Sterne von Limousinen geklaubt hat, weiß das Jedermann-Publikum wohl eher nicht. Heutzutage genügt, dass er rauchend die Bühne betritt oder den Mikrofonständer einem kleinen Härtetest unterzieht. Es wurde höflich applaudiert und sogar mit den Füßen gestampft, so ließen sich Gustav und Ben Becker noch zu Zugaben bewegen. Am Ende dann das bekannte Rettet die Wale "und stürzt das System" . Von wegen Adorno und falsches Bewusstsein, im falschen Konzert musste man sich aber keinesfalls wähnen, dazu macht Gustav viel zu gute und gescheite Musik. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD - Printausgabe, 13./14./15. August 2011)

karacho
00
12.8.2011, 21:48
großartiges Konzert!!!

"...dazu macht Gustav viel zu gute und gescheite Musik." Ja Ja Ja!
Kommt am 22.08. auf ORF 2! Prädikat: Pflicht! ;)

byron sully
00
12.8.2011, 21:11

gibt's dieses programm mal auch in wien auf einem gustav-konzert zu hören? würd mich nämlich sehr interessieren.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.