Schneck's

Schnecken schlecken, eine Sache des Herzens

Harald Fidler, 16. August 2011, 16:41
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    foto: harald fidler

    Beuschel und Meeresschnecken im Amarantis - und noch das beste Foto dieses Abends, fürchte ich

    Zweimal zwei Gänge, Wasser, Saft, Kaffee: 81,70 Euro

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    Kalbskopf - Porträtfotografie am Abend ist halt nicht so meine Stärke

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    Was Photoshop noch retten konnte: die Dorade auf Erbsen und Minze

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    Lachsforelle, schemenhaft, aber gut

Essen wie die Profis im Amarantis - Mit Userfrage

Bin ich froh, dass ich nur eingesprungener Aushilfskenner und bekellnernder Gastrodilettant bin. Das weiß ich natürlich nicht erst, seit ich mit einem richtigen Gourmetkritiker im Amarantis plaudern war. Essen auch.

Damit Sie ausnahmsweise nicht so lange auf das Wesentliche warten müssen: Ich fand a) das Essen wirklich gut, über wesentliche Strecken. Den Service b) sehr präsent, aber schwer einzuschätzen, weil in Gesellschaft eines stadt- und offenkundig auch amtsbekannten Kritikers. Und die Spesen c), bei beiderseits überraschend konsequentem Alkoholverzicht, ebenso überraschend mezzo prezzo, jedenfalls hatte ich eine höhere Rechnung erwartet. Ja, in der ehemaligen Grotta Azzura flicht man naturgemäß laufend ein po Italienisch ein, und ich stehe demonstrativ auch zu dieser meiner vielfältigen Sprachschwächen.

Wirklich gut schmeckte mir (und Leon, dem Profi, aber er kannt's natürlich schon) das Milchkalbsbeuschel mit den Meeresschnecken, dem für mich nur mittelwichtigen Ricottanockerl und dem bretonischen Paprika. Neue Erkenntnisse über die Produkte der Bretagne, ich lerne also: Bretonischer Paprika ist angenehm unaufdringlich (eingesetzt im Amarantis jedenfalls) und macht das Beuschel (wider Befürchtung) noch lange nicht zum Gulasch.

Von ganzem Herzen

Potenzielle Paprizierungskatastrophen also umschifft, kann man sich einer zentralen Lebensweisheit vergewissert sehen, und das nun ganz besonders: Wo Herz im Spiel ist, sollten Schnecken nicht weit sein. Ob nun nackt (hat schon jemand Nacktschnecken probiert?) oder eben inner- wie außerhäusig.

Logisch: Herz ist purer Muskel, als einziger permanent im Training. Schnecke praktisch auch, vielleicht im Tempo ein bisschen relaxter.  (Ob die Wildbiologin das unterschreibt?). Muss praktisch passen. Wie Pferd und Reiter, wie Esel und Salami, wie Leber und Käse. Oder was empfehlen Sie zur Schnecke?

Schnecke, sentimental

Das hat sich schon vielfach erwiesen, wiewohl Popper das als Beweis gewiss nicht gelten ließe. In Isola Dovarese zeigte sich das Herz für Schnecken ganz besonders. Auch, wenngleich gnadenlos, in Hohensinns vorletztem Betätigungsfeld. Und besonders einfühlsam in Thallern, wovon hier wohl noch heuer zu lesen sein weird. (Bemühen Sie an dieser Stelle bitte nicht den "Druckfehlerteufel".)

So schneckenschnell kommt man vom Konkreten ins all Gemeine. Zurück zum Ausgang, lassen wir die Anderen den Punkt machen. Gabs noch was außer Herz und Lunge und Schnecken?

Kopf, los!

Bisweilen steht der Kopf dem Herzen im Weg. Leon nahm mir, feinfühlig oder doch kühl bedacht, die Denkaufgabe ab und angelte sich den Kalbskopf mit Paradeiservinaigrette und Basilikummayonnaise. Herzlos, aber das kennt er ja schon wie die Schnecken, also klug gewählt. Arbeiten wie die Profis eben.

Wie arbeiten die? Leon beeindruckt durch Können, Kennen und vor allem Lässigkeit.

Entspannt nimmt er meine Frage, ob seine, nun, etwas skeptische Bewertung des Amarantis uns darauf einstellen sollte, dass man uns zumindest ins Beuschel oder auf den Kopf spuckt. Kann sein, aber das weiß man ja nie, sagt Leon, der Abgebrühte.

Sherry, Sherry, Fidler!

Souverän, mit ungebrauchtem Saucenlöffel (ich spitzelte noch unschlüssig mit meiner gebrauchten Gabel in seinen Kalbskopf), attestiert er mir in Millisekunden, dass mich wohl der Sherry am Steinpilzparadeiserfond um mein Lachsforellenfilet irritiert.

Ich kann das als bekennender Dilettant nicht bestätigen, würde meine Irritation zwischen Fisch und Sauce beim ersten Bissen als metallisch beschreiben, aber was weiß ich schon, erklären oder präzise benennen konnte ich mein kleines Problem jedenfalls nicht.

Leon hatte kein Stück (der übrigens für mich guten) Lachsforelle, fand aber den Sherry milder und den Fischgeschmack nun besser eingebunden, als er schließlcih verwundert meine Sauce auflöffelte. Verwundert, dass ich meinen Teller nicht so präzise freigelegt hatte wie er.

Fingerspitzengefühl

Der Profi sagt, wenn er erkannt wird, "nehm ich", wenn ihm etwas außerhalb der Karte ans Herz gelegt oder den Kopf geworfen wird,  in diesem Fall also Dorade mit Erbsenpüree und Minze. Ich habe, role-model-resistent erneut mit schon gebrauchter Gabel, nicht den goldigen Fisch, aber das Erbsenpüree angespitzelt, und kann nun vage beschreiben, was den Profi ausmacht.

So ein richtig, richtig gutes Erbsenpüree (mir wars ja ein bisschen zu salzig) will gründlich ausgelöffelt werden. Was heißt ausgelöffelt! Wenn das Erbsenpüree so richtig gut ist, fährt noch der Finger zwei-, drei-, viermal über den Tellergrund und von dort zum Mund, ohne weißes Hemd oder schwarzen Anzug zu begrünen. Lässige Begeisterung muss man auch zeigen können. Oder war's begeisterte Lässigkeit? Sie sehen, ich habe noch einen weiten Weg vor mir, bevor ich den Disclaimer gleich unter diesem Text weglasse.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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Posting 1 bis 25 von 31
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noiram911
00
31.8.2011, 12:54
"mezzo prezzo" - von wegen ...

Ein Zwei-Damen-Ausflug ins Amarantis war durchaus nett, aber: Jede von uns eine mittelpreisige Vorspeise und ebensolches Hauptgericht, eine von uns ein Dessert - das wars. Davor insgesamt 2 Gläser Prosecco und dazu insgesamt 4 Gläser eines leichten österreichischen Weissweins. -
Fürs Auge und den Gaumen alles durchaus erfreulich, für den Magen eher weniger - wir hatten trotz des rettenden Brotkorbs nachher noch Hunger - obwohl beide sehr figurbewußte und demgemäß nicht allzu verfressene Ladies von im Schnitt 52 kg. - Die Rechnung mit EUR 132.-- war dafür schon eher üppig.

florian holzer2
00
21.8.2011, 20:12

ich hab heut hans brenner in der presse gelesen. der schreibt auch vom bretonischen paprika. ist alsom offenbar der der auskenner. hoffentlich kriegt er von ressortchef rainer nowak da keine aufs haupt.

Mycroft Holmes
00
18.8.2011, 22:54

gehts schenkt ihm doch wer a Kamera.

Diego: Das alte Lager
 
03
17.8.2011, 19:36
Dachte, hier gäb´s ´ne Userfrage...

Habe halt den Untertitel "Mit Userfrage" falsch verstanden. Mein Fehler...

bumsti .
10
17.8.2011, 16:54
das der service nicht schwer einzuschätzen war..

sieht man doch auf dem ersten bild, oder haben sie selber auf´s beuschel gespuckt ?

boro boros
 
00
17.8.2011, 11:47

wäääähhhhhh!

Litschi Monster
00
17.8.2011, 09:20
Bún ?c

Beste wo gibt: http://www.google.at/search?aq... %E1%BB%90C
(Ich hoffe die Software frisst den Link mit diesen fiesen Diakritika)

Litschi Monster
00
18.8.2011, 09:45
Software-Bug

Der Link ist OK, aber die Software hat das O mit dem Hütchen und dem Accent durch ein Fragezeichen ersetzt. Monokulturelle Banausenprogrammierer. ;) :P

SchneckenChecker27cm
11
17.8.2011, 06:20
Pervers.

Dietrich v. Fürstenberg
10
17.8.2011, 00:09

4x schon mal gegessen mit ein wenig Garnitur drauf. Zumindest den Photos nach zu urteilen gibts da gar keinen Zweifel dran.

wolfetone
 
01
16.8.2011, 23:50

Wie kann man nur über Schnecken und Milchkälber schreiben, am Tag an dem der Hirsch frei wird?

Guy_fawkes_(lucullus1)
00
16.8.2011, 23:38

Bretonischer Paprika:

Das finde ich interessant. Bin seit 1.5 Monaten hier in der Bretagne und versuche alle lokalen Lebensmittel so gut als möglich (ich habe keinen Magen in Fidler'schen Dimensionen, deswegen muss ich zuweilen (mengenmäßig) auch ablehnen, wenn mir was angeboten wird.) durchzukosten, aber bretonische Paprika ist mir noch nicht untergekommen, obwohl das Gemüse hier vorzüglich, und in großer Sortenvielfalt vorhanden ist.

Sollte ich mich irren, bitte ich die geschätzte Postergemeinde mich zu korrigieren, damit ich meine blinden (lukullisch-bretonischen) Flecken alsbaldigst erhellen kann.

florian holzer2
00
19.8.2011, 17:31

es gibt keinen bretonischen paprika, den hat der harri erfunden. es gibt piment d’espelette aus dem baskenland, genau den setzt thomas wohlfarter hier auch ein. baskenland, bretagne, egal, beides mit b, beides frankreich ...

Mycroft Holmes
00
18.8.2011, 22:55
das ist sowas wie Wiener Würstchen.

rampstek
00
18.8.2011, 12:02
noch nie gehört.

der einzige paprika aus fronkreisch, der berühmt ist, stammt aus dem baskenland (espelte). ist der gemeint?

cyber ferkel
03
17.8.2011, 09:01

Nein, nein, das ist kein blinder Fleck. Die bretonischen Paprika werden zu solchen, wenn der hiesige Chef sie zu solchen ernennt und den Preis dafür verzehnfacht.

...zur Pracht gereift sind sie in Simmering.

knatere
00
17.8.2011, 18:52

ich steh auf simmeringer gemüse.... und die feigen sind auch gut aus der kaiserebersdorfer.. versteh ned ganz wozu man einen meerschneckerich aufs beuscherl gibt.. damit der koch doch sein gutes beuscherl kochen kann und aber doch noch dem maitre treu bleibt?

cyber ferkel
00
17.8.2011, 20:30

Das verstehe ich schon. Ein Schneckenfutzerl trägt enorm zur Preis- und Margensteigerung bei. Beuschel ist ja ein Abfallprodukt und lässt sich eigentlich nur bilig verkaufen oder als Tierfutter verwerten.

florian holzer2
00
19.8.2011, 17:39

ja, das war vor hundert jahren sicher so. als arbeit nichts kostete. mittlerweile ist beuschel – herz und lunge, hochwertig, die beide hauchfein geschnitten werden müssen – luxus-essen und müsste preislich eigentlich über irgendwelchen kurzgebratenen stückerln liegen. wird aber nicht passieren, weil es immer noch recht viele ignorante schlaumeier gibt, die da was von "arme leute essen" fantasieren. soll mir recht sein. ich freu mich, wenn so ein gericht nur 11 euro kostet ...

Tussitherapeut
010
16.8.2011, 18:45

schnecken schlecken kommt nach schnecken checken, oder?

SchneckenChecker27cm
00
17.8.2011, 06:20

Woher soll ich das wissen?

politisch verfolgt
02
16.8.2011, 19:29
und wann

werden die schnecken angebraten? vor oder nach dem checken?

Tussitherapeut
06
16.8.2011, 19:45

die korrekte reihenfolge ist checken, braten, schlecken.
ganz korrekt müsste man noch 'zahlen' einfügen, an welcher stelle, ist aber situationsbedingt.

tunichtgut8
01
16.8.2011, 19:00

im idealfall....

Wolfgang Ullram
01
16.8.2011, 18:36
hm

schnecken schlecken----
ein schelm wer da ausschließlich an die escargot denkt :-)

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