Medizin-Zwischenfälle

Extrem wenige tödliche Behandlungsfehler in Österreich

12. August 2011, 16:15
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    foto: ap/virginia mayo

    Entweder die medizinische Behandlung in Wien ist extrem gut oder die iatrogenen Todesfälle bleiben unbemerkt.

Daten der Gerichtsmedizin stellen Österreich ein fast zu gutes Zeugnis aus - Innerhalb von zehn Jahren wurden nur zwei Mediziner verurteilt

Wien - Eine wissenschaftliche Studie mit hoher Brisanz: Wiener Gerichtsmediziner haben die Daten von 7.211 gerichtlichen Obduktionen zwischen 1990 und dem Jahr 2000 auf mögliche Medizin-Zwischenfälle als Todesursache analysiert, ebenso entsprechende Gerichtsverfahren. Das Ergebnis: Im internationalen Vergleich kommt es in Österreich offenbar zu einer extrem niedrigen Rate an erkannten fatalen Behandlungsfehlern, heißt es in der neuesten Ausgabe der Wiener klinischen Wochenschrift.

Nur zwei Verurteilungen

"Am Department für Gerichtsmedizin in Wien wurden Daten von insgesamt 7.211 gerichtlichen Obduktionen der Jahre 1990 bis 2000 im Hinblick auf iatrogene (durch ärztliches Handeln bedingte, Anm.) Todesfälle und mögliche medizinische Behandlungsfehler analysiert.

Von den insgesamt 55 identifizierten Causen entfielen 30 auf Operationszwischenfälle (drei Patienten starben am Operationstisch, 16 durch Operations-Komplikationen und elf infolge fehlerhafter Verwendung von chirurgischen Instrumenten). Fahrlässigkeit wurde in 19 Fällen festgestellt (sieben fehlerhafte Diagnosen, sechs durch zu spät behandelte Komplikationen und ebenfalls sechs durch inadäquate Behandlung). Bei den Arzneimittelzwischenfällen waren es drei Fälle durch falsche Medikamente, ein Fall von falscher Dosierung und zwei tödlich Ereignisse durch falsche Anwendung eines Arzneimittels.

Es wurden 40 Gerichtsakten eingesehen, dabei konnten in zwei Fällen jeweils Freisprüche und in nur zwei Fällen Verurteilung der Mediziner festgestellt werden", schrieben Pia Paula und die Co-Autoren in der Zusammenfassung ihrer Arbeit. Insgesamt hatten sich 2.074 der Verstorbenen unmittelbar vor ihrem Ableben in medizinischer Behandlung befunden, 2.006 von ihnen in einem Spital.

Todesfälle durch Fehlleistungen extrem selten

In wissenschaftlichen Studien aus Deutschland wurde für den Beobachtungszeitraum, den die Wiener Gerichtsmediziner für ihre Analyse wählten, 4,5 Prozent der Todesfälle auf Fehlleistungen etc. zurückgeführt. In den USA kam man auf einen Prozentsatz von 5,6 Prozent, in New York sogar auf 15,6 Prozent, führten die Wiener Experten an. Ganz anders sind offenbar die Zahlen aus Wien. Hier kamen die Gerichtsmediziner auf einen Anteil von nur 2,75 Prozent.

Pia Paula und die Co-Autoren: "Diese Zahlen legen die Frage nahe, ob entweder die medizinische Behandlung in Wien extrem gut ist oder ob es nicht so ist, dass über die iatrogenen Todesfälle in Wien entweder nicht berichtet wird oder sie unbemerkt bleiben." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 109
1 2 3
hcl3
01
17.8.2011, 09:33

verurteilungen sagen nichts über die behandlungsfehler aus- außergerichtliche einigungen sind die regel.
anzahl der dauerhaften folgen ?
anzahl der nosokomoniale infekte und deren folgen ?
anzahl der kummulierenden med.nebenwirkungen und ihre folgen ?
nur weil man die daten nicht erhebt kann man nicht behaupten es gibt das nicht .

Apple85
10
16.8.2011, 15:51
Siehe buch

VERSCHLUSSSACHE MEDIZIN ......

bashor
00
16.8.2011, 09:59
kleiner link, was machst du da?

http://www.welt.de/wams_prin... chter.html

Gendermedizin ja bitte!
12
16.8.2011, 08:45
Das ist kein beruhigende Ergebnis,

daß so wenige Behandlungsfehler bekannt werden liegt wahrscheinlich nicht daran, daß es sie nicht zahlreich gäbe, sondern daß sie in falsch verstandener Nibelungentreue von den Ärzten unter den OP Tisch-gekehrt werden.

Für Private ist es unendlich schwierig, einen solchen Fehler nachzuweisen geschweige denn in einem Prozess Recht zu erhalten.

gracilis
13
16.8.2011, 08:41
Beim Vertuschen helfen ALLE zusammen

Habe schon einige gefährliche Zwischenfälle im Spitalswesen erlebt, und die Muster sind immer gleich. Der Chef gibt die Linie vor, Ärzte und Schwestern schreiben danach ihr Gedächtnisprotokoll ohne Wiederspruch. Spannend fand ich immer das weder Polizei noch Gerichtsgutachter auffällt, das die Kollegiale Führung diese Protokolle von den Mitarbeitern einsammelt, prüft, fallweise ändern lässt, und gesammelt der Justiz übergibt.
Und natürlich wird die Krankenakte auch geschönt, damit der Gutachter den gewünschten Therapieverlauf gut erkennen kann. Alles ganz normal im Land der Scheuchs, Strassers und wie sie alle heißen. Schuld sind also nicht die Ärzte per se, sondern eine Gesellschaft, die derzeit noch vorauseilenden Gehorsam und bedingungs

Kirtag
01
16.8.2011, 08:26
muss nicht immer tödlich ausgehen ...

... um ein leben zu vernichten; siehe op lorenz-böhler-ukh: der junge - zuvor gesunde - patient überlebte - völlig behindert. ein mitgrund des erwiesenen op-fehlers: selbstüberschätzung des - bekannten - chirurgen. das die kh-versicherung sich ziert und alles in die länge zieht - nur eine randnotiz!
wen´s interessiert: www.temporalis.at

GE
01
15.8.2011, 23:59

Na wenn wundert dass, ...
geschmiert wie es nur so geht.

utarefson
00
15.8.2011, 23:19
Was ist ein Behandlungsfehler?

Diese Frage muß erst einmal gründlich beleuchtet werden. Dazu müssen Sie wissen, dass in der medizinischen Ethik kein "Tathergang" einer unwirksamen Therapie oder der Verordnung eines unwirksamen Medikamentes exisitiert. Die ärztliche Tat adelt jede denkbare und undenkbare Therapie oder Verschreibung als Kunst. Nur schaden darf es halt nicht. Wenn es halt dann Tage, Wochen, Monate oder auch Jahre dauert bis eine effektive und mögliche Behandlung gemacht wird, eine Diskussion über die vorangegangen wirklungslosen Behandlungen gibt es nicht. Diese kann jeder approbierte Arzt mit dem Satz beenden: Ich habe geglaubt, dass das dem Patienten hilft und aus!

Chris Haslacher
 
04
15.8.2011, 20:26
In Österreich fürchten sich die Richter vor den Ärzten

und daher, weil das jeder weiß, klagt man gar nicht, wenn eh nichts mehr zu machen ist, weil der Verwandte tot ist. Und leidet er noch, kann man ihm die Mühsal allfälliger Prozesse oft nicht zumuten, weil man gelesen hat, dass es sogar in ziemlich eindeutigen Fällen 7 Jahre dauerte, bis jemand Recht bekam, weil das Spital, das Land, die Ärzte und sonstige Involvierte mauerten, um den Patienten das Klagen abzugewöhnen.

O5
03
15.8.2011, 18:44

In Österreich versucht so gut wie niemand niemand Ärzte die Fehler gemacht haben zu belangen - weil jeder weiß dass das Corpsdenken unter den Ärzten so stark ist dass man ohnehin so gut wie nie eine Chance hätte.

Ich kenne selbst mehrere Fälle von gravierenden Behandlungsfehlern - nicht tödlichen, aber sehr ernsthaften - in denen die Betroffenen aus diesem Grund nicht einmal versucht haben etwas zu unternehmen.

Heavyweather
01
15.8.2011, 15:24

Ist relativ egal wie viele Fälle es gibt.
Würden mehr Ärzte verurteilt werden führt das nur zu einer Steigerung der Kosten durch höhere Versicherungen und weniger behandelnde Ärzte.
Auch heute lehnen viele Ärzte schon Patienten aus Angst vor versicherungstechnischen Schwierigkeiten ab.
Wenn z.B. Ärzte für behinderte Kinder haften müssen dann wir einfach ein Restrisiko abgetreten.

Wo Menschen arbeiten passieren immer Fehler.
Was macht man mit einem Arzt der eine Fehlerquote von 1/10% hat? Das ist menschlich und normal.
Der Körper ist ja auch keine Maschine die immer gleich anspricht.
Haftet dann das Krankenhaus wenn der Behandlungsfehler in der 25zigsten Arbeiststunde passiert?

RichardRoe
00
25.8.2011, 19:21

Das seh ich anders. Erstens ist es so, dass viele eigentlich Ungeeignete den Arztberuf ausüben. Der Spruch 'die häufigste Diagnose ist die Fehldiagnose!' bleibt nach wie vor valide.

Wenn Fehldiagnosen / Fehlbehandlungen deutliche Folgen hätten, dann würde die 'schwarzen Schafe' den Versicherungen und damit den Kassen bzw / den Arbeitgebern auffallen. Dann wären die auch animiert, endlich eine Qualitätskontrolle einzuführen, die diesen Namen auch verdient. Ginge auch andersrum: eine ordentliche Qualitätskontrolle würde diejenigen outen, die sich häufig gravierende Fehler leisten. Doch die ÖAK will nur Sessel im Wartezimmer zählen und das als 'Qualität' eines Arztes hinstellen.

utarefson
12
15.8.2011, 13:38
Ohne detailierte Angaben

und ohne exakte Ausführungen über die Art und Weise, wie diese Daten erhoben wurden, ohne Diskussion welche Daten überhaupt in diese Studie einbezogen wurden und einbezogen werden können, und vor allem ohne eine umfassende Erörterung über das weite Feld medizinischer Fehlleisutungen und Folgen, ist eine derartiger Artikel nichts wert. Ein hervoragendes Werbeblabla, mehr nicht!
Ein Warnhinweis, dass es möglichereise nicht mit rechten Dingen zugeht, ist, dass hingewiesen wird, es sei wisenschaftlich erwiesen.

Kaktus51
01
16.8.2011, 10:17
Mache ich auch immer so, wenn ich eine Diskussion beenden will:

Ich fordere eine genaue Beurteilung der Quellen, ziehe das Offensichtliche in Zweifel und schon ist Ruhe.

utarefson
00
16.8.2011, 13:55
Siehe meinen Post weiter oben!

Nur mit so halben Lobhudeleien lässt es sich wirklich nicht diskutieren.
Außerdem habe ich das Gefühl, dass so alle 3 bis 4 Taga ein Hurraartikel auf die Wiener Medizinforschung erscheint.

Killa vomBilla
02
15.8.2011, 12:43
Naja

Den Ärzten etwas nachzuweisen ist extrem schwer kein Rabe pickt dem anderen ein Auge aus

A. Sieberer
00
15.8.2011, 11:57

Das ist Resultat unseres extremen Schwarz-Weiß-Denkens in der Medizin!

Wir können uns anscheinend nicht vorstellen, dass auch ein guter Arzt einmal einen Fehler macht und schon gar nicht, dass er auch nach einem Fehler noch ein guter Arzt ist.

suboptimal
 
17
15.8.2011, 13:22
Thema verfehlt

Solange die Eltern eines toten Kindes durch einen Gutachter VERHÖHNT werden, der von "schicksalhaftem Verlauf" faselt, obwohl die Eltern in der Klinik zwei Stunden lang vergeblich darum gebettelt haben, dass endlich ein ARZT zu ihrem sterbenden Kind kommen soll, so lange brauchen wir nicht darüber diskutieren, dass auch einem guten Arzt Fehler passieren dürfen.

http://www.tt.com/csp/cms/s... A4rzte.csp

Tote oder bleibend Geschädigte nach Kustfehlern sind im Grunde genommen nur noch Versicherungsgeschichten, bei denen die Betroffenen wenigstens ein MINIMUM an Fairness erwarten könnten.

Herr Konkurs
01
16.8.2011, 14:20
Am eigenen Leib miterlebt

Ich habe 2005 (in der Nacht vom 30.12 auf 31.12 es war wenig Betrieb) meinen 9 Monate alten Sohn in einem sehr bekannten, großen Wiener Krankenhaus verloren. Behandlungsfehler - lag natürlich keiner vor. Wir haben lange überlegt eine Klage einzureichen. Haben uns dann aber dagegen entschieden, weil a) unseren Sohn hätten wir dadurch auch nicht wieder bekommen (Geld wollten wir keines, weil ein Kinderleben ist unbezahlbar) und weil b) unser Anwalt meinte, dass es ein endloser Kampf Gutachten gegen Gutachten werden würde. Mehr sag ich nicht zu diesem Thema.

mrjohn
12
15.8.2011, 17:20
ja sehr brav, immer schön draufhauen auf die ärzte!

Wir wollen ja schließlich alle ein System wie in den USA, in welchem ständig jeder wegen allem und nichts verklagt wird und Operationen bereits mitgefilmt werden. Jeder der einmal in einem Krankenhaus gearbeitet hat, weiß das fehler passieren obwohl man sein bestes gibt. Klar kann man versuchen das alles rechtlich einzuklagen-es ist leider nur so das am Ende des Tages die Situation für den Patienten dadurch nur schlechter wird. was passiert?der pat darf nochmehr reverse unterschreiben. Ich habe schon mehrmals gesehen das (eigentlich notwendige) Therapien nicht durchgeführt werden, weil die Angst im Nacken vor einem Fehler oft zu groß war. Wieso sollte ich auch meine Karriere riskieren, nur damit ich dann vielleicht verklagt werde? no thx

dafanefa
04
16.8.2011, 07:10
Dass Fehler passieren,

ist völlig normal und bestreitet auch keiner.
Das Problem in Österreich ist, dass diese Fehler nicht eingestanden werden. Ein einfaches "Es tut mir Leid, es war mein Fehler" von einem Arzt zu hören, werden sie in Österreich nie erleben, obwohl gerade das den Betroffenen oder Angehörigen als Entschuldigung und Entschädigung meist reichen würde.

Ein Sonnenschirm und ein Gin-Tonic
10
15.8.2011, 11:18
Auweh. Da werden die Freunde "alternativer Medizin" jetzt ganz schön fertig sein...

Ich_wills_wissen
14
15.8.2011, 09:05
gebrochene Rippen nicht zu erkennen scheint in Nö System zu haben

...so mir passiert vor mehrern Jahren.
so meiner Mutter passiert vor wenigen Wochen - Krankhaus diagnostiziert Prellung - privater Radiologe diagnostiziert 5 gebrochene Rippen
hier ermittelt die NÖ Patientenanwaltschaft seit Juni - bisher wurde mir kein Ergebnis kommuniziert.
Dann werden Schmerzinfusionen verabreicht, welche den Patienten ins geistige Nirvana befördern - Ausrede die Veränderung vom privatem Umfeld ins Krankenhaus ist schuld - Absetzen der Infusion bringt sofortige Besserung - dem medizinischen Personal fiel die Veränderung nicht auf - die ANgehörigen machten das KH aufmerksam.....

fluchtpunkt
00
15.8.2011, 15:34

Ob eine Rippe gebrochen oder geprellt ist, ist allerdings wirklich relativ egal, wenn sie nicht sonstwohin steht.
Ändert weder die Beschwerden, noch die Behandlung, noch die Dauer derselben.

JayneCobbs
10
15.8.2011, 09:38

Ist zum ersten tw. wirklich schwer erkennbar und zweitens ändert es auch nicht wirklich was an der Behandlung.

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