3,5 Millionen Euro werden ausgezahlt
Asuncion - Paraguay zahlt 244 Opfern der Diktatur des
deutschstämmigen Militärmachthabers Alfredo Stroessner eine Entschädigung. Wie
Präsident Fernando Lugo am Mittwoch mitteilte, werden insgesamt
umgerechnet 3,5 Millionen Euro ausgezahlt. Trotz all seiner Bemühungen könne der
Staat nie genug tun, um den verfolgten und getöteten Menschen "ihre Würde
zurückzugeben", erklärte Lugo in einer Nachricht an die Angehörigen der Opfer.
Nach Angaben von Finanzminister Dionisio Borda zahlt die Regierung in Asuncion
in diesem Jahr insgesamt 6,4 Millionen Euro an Entschädigungen aus.
Nach Angaben des Obmudsmanns Manuel Maria Paez Monges, der die Beschwerden
von Opfern der Diktatur von 1945 bis 1989 überprüft, haben insgesamt mehr als
10.000 Paraguayer eine Entschädigung beantragt. Die Regierung will demnach in
den kommenden fünf Jahren insgesamt mehr als 28 Millionen Euro auszahlen.
Putsch 1954
Stroessner war 1954 durch einen Putsch an die Macht gelangt und hatte
Paraguay bis 1989 mit harter Hand regiert. Nach seinem Sturz ging er nach
Brasilien ins Exil. Dort starb er 2006 im Alter von 93 Jahren. Paraguays
Justiz hatte mehrfach die Auslieferung Stroessners verlangt. Ihm wurden
Ermordungen, Verschleppungen und Folterungen politischer Gegner vorgeworfen.
Stroessners 35-jährige Diktatur gilt als die brutalste in dem kleinen
südamerikanischen Land seit der Unabhängigkeit im Jahr 1811. Nach offiziellen
Angaben verschwanden oder starben unter seiner Herrschaft mindestens 1.000
Menschen, die Opposition spricht von 3.000 Opfern. Aus politischen oder
wirtschaftlichen Gründen gingen zwischen 1954 und 1989 mehr als zwei Millionen
Paraguayer ins Exil, das entspricht gut einem Drittel der Bevölkerung. (APA)