Ein blauer Brief

Kolumne |

Wo soll es hinführen, wenn die "persönliche Sichtweise" eines Freiheitlichen nicht mehr zu einem Urteil führt, das dieser entspricht?

Seit der Lektüre von Uwe Scheuchs Brief an die lieben Kärntnerinnen und Kärntner soll H.-C. Strache mit dem Gedanken spielen, sich selbst aus der FPÖ auszuschließen. Zwar gehört es seit langem zu seiner demokratischen Grundüberzeugung, dass sich die linkslinke Jagdgesellschaft die heimische Justiz unter den Nagel gerissen hat, aber erst das Schreiben, mit dem Uwe versuchte, die rasende Wut der Kärntner Bevölkerung über diese richterliche Schändung ihres Idols zu beschwichtigen - daher auch der mahnende Einsatz von Landeswappen und Landesfarben auf dem Briefpapier - hat ihm die Augen für die ganze Dimension der skandalösen Zustände geöffnet, unter denen Österreich leidet.

Er sieht sich unter diesen Umständen moralisch außerstande, die Kanzlerschaft dieses verrotteten Staates zu übernehmen. Da ihm diese als Führer der Partei der Anständigen praktisch unvermeidlich zuzufallen drohe, er als Regierungschef aber wenig Möglichkeiten sehe, freiheitliche Grundwerte gegen eine jede Rechts-Lage ignorierende Politjustiz durchzusetzen, sei früh Klarheit zu schaffen.

Schon Werner Königshofer habe er aus ähnlich prinzipiellen Gründen den Parteiaustritt dringend nahegelegt. Nun gelte es konsequent zu bleiben. Eine letzte Chance will Strache der Justiz noch einräumen, weshalb er mit dem Vollzug seines Selbstausschlusses bis zum Urteil der zweiten Instanz warten wird. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und wenn Scheuch die Lage realistisch sieht, müssen wir wohl auf einen Bundeskanzler Strache verzichten, schreibt Uwe doch, zwischen gutmütiger Justizschelte und kleinmütiger Resignation schwankend, dass Gericht und Medien nicht nur "die Rechtslage, die Fakten und vor allem meine persönliche Sichtweise und Erklärung vollkommen ignoriert haben, und" - jetzt kommt's - "wohl auch künftig ignorieren werden".

Wo soll es hinführen, wenn die "persönliche Sichtweise" eines freiheitlichen Funktionärs nicht mehr zu einem Urteil führt, das dieser entspricht? Zu Recht fühlt er sich da nicht nur persönlich zerrissen, sondern sein ganzes Netzwerk mit: "Meine Person, meine Familie, meine Freunde und mein gesamtes Umfeld wurden zu Freiwild erklärt." Womöglich kann er sich nie mehr beim Beachvolleyball zeigen, weshalb er recht hat, wenn er feststellt, noch ehe das Urteil rechtskräftig ist, man habe ihn "zu einer drakonischen Strafe verurteilt. Während Betrüger, Kinderschänder, kriminelle Asylwerber und viele mehr frei und unbehelligt von einer unfähigen Justiz in unserem Land herumlaufen dürfen, versucht man mit mir einen medialen Schauprozess zu inszenieren. "

Auch behelligte Betrüger, Kinderschänder und kriminelle Asylwerber fühlen sich meist drakonisch bestraft, wenn ihre persönliche Sichtweise nicht ins Urteil einfließt. Daher wird Uwe jetzt "gemeinsam mit meinen Freunden und den Freiheitlichen aus ganz Österreich dieses System bekämpfen". Von ihrem Erfolg könnte es abhängen, ob wir in den Genuss eines Kanzlers Strache kommen. Bleibt es bei einem "System", das FP-Funktionäre nicht automatisch über das Recht stellt, macht es halt der Kickl. (DER STANDARD-Printausgabe, 12.8.2011)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 42
1 2
Wirklich pikant würde die Sache erst, wenn das OLG zur Erkenntnis gelangt, dass er freizusprechen ist.

Dann jagt es die Justiz durch Sonne, Mond und Sterne und unsere Demokratie gleich mit dazu.

Wie schwierig ist es, Herr Traxler,

Heinz-Christian Strache oder Karlheinz Grasser zu schreiben statt HC und KHG?

Wie schwierig ist es für Sie, zu erkennen, dass rechte Politiker die Kunst des Marketings besser beherrschen als andere (remember Jörg Haider!) und sie dieses Wissen nützen, um ihre Namen als Marken zu positionieren?

Und welche Auswirkungen hätte es wohl, wenn kritische Journalisten nicht so einfältig wären, diese Marken auch noch wie selbstverständlich zu benützen, um sie – offenbar aus Ahnungslosigkeit – weiter zu transportieren und so für jene Politiker zu werben, die sie gleichzeitig zu kritisieren vorgeben?

Sag mal spinnst? Traxler hat hier "H.-C. Strache" einmal geschrieben, und kein einziges HC, ansonsten nur "Strache". Und ein Satiriker wie Traxler wird hoffentlich einmal ironisch KHG schreiben dürfen.

Nein, nein, er hat schon recht.

Es gibt KEINEN Grund, Kickls FP-Sprech in den Medien nachzuplappern. Nicht ein einziges Mal!
Die Abkürzung HC soll den sperrigen Namen des blauen Parteichefs geschmeidiger in die Hirne der Wähler gleiten lassen und dort fest verankern. "Mir wöhn den Ha-tzeeh!"
Diesen Marketingschmäh zu unterstützen ist fahrlässig.
Mehr noch: Als FPÖ-kritischer Journalist DARF man darauf nicht reinfallen!

Volle Zustimmung.

Dieses KHG oder HC dass in den Medien so gerne verwendet wird ist schon fast eine adelung dieser "Herren" und ist bloss unbezahlbare Werbung.

Unser Hefn für unseren Uwe!

Unser Hefn für unseren Uwe!
Ausländer raus; Uwe rein!
Er hat sich den Urlaub ehrlich verdient.
So sei es ihm gegönnt!

Uwe bemegy a börtönbe

Blauer Brief

Ja, dieses "Schandurteil" kann nur der Wähler noch übertreffen. In dem er/sie dieser Kacke am Wahltag endlich jenen "Blauen Brief" verpasst, die diese Brüder verdienen.

Ich fürchte jedoch, es wird ein Wunschtraum bleiben.

schade dass der staatsanwalt nicht berufen hat

jetzt kann das urteil nicht erhöht werden

Hinweg!

"Volksvertreter", vereidigt, von uns bezahlt, dem Staat und den Gesetzen unterstellt, welche auch nur im Ansatz so ein Verhalten zeigen, sollten umgehend ihrer Ämter enthoben werden. Sie dienen nicht uns, nur sich selbst.
Btw: Wenn Scheuch von mir als linkslink spricht, ist er dann rechtsrecht?

Der nächste Brief Scheuchs wird es in sich haben:

Ein flammender Appell an die ungarischen Nationalkonserven, unter Berücksichtigung seines privaten Kärntner Wappens die himmelschreiende Ungerechtigkeit des Urteils der linkslinken Jagdgesellschaft wegen Betruges nicht mehr zu ignorieren, zumal seine persönliche Sichtweise zur Rechtslage in Ungarn nicht berücksichtigt wurde.

Uwe Scheuch soll sein Urteil haben

Aber Kommentare wie ""Meine Person, meine Familie, meine Freunde und mein gesamtes Umfeld wurden zu Freiwild erklärt." Womöglich kann er sich nie mehr beim Beachvolleyball zeigen, weshalb er recht hat, wenn er feststellt, noch ehe das Urteil rechtskräftig ist, man habe ihn "zu einer drakonischen Strafe verurteilt." sind nicht hilfreich.

Weil leder auch in der linken Hälfte können die Leut nicht zwischen Übeltäter - und Familie unterscheiden und Kinder werden dann zum Gespött der anderen KInder.

wieso, haben die volleyballverbot gekriegt?

dann soll der vollkoffer sie net selbst in seine sch**sse reinzieh'n...

die bösen kinder aus der linken reichshälfte aber auch...

Liebe FPÖ,

Der Scheuch wurde verurteilt weil er Gelder für die Parteikasse ergaunern wollte, und er entschuldigt sich dafür mit einem Brief... und wovon wird der bezahlt? Aus der Parteikasse!

Na, fällt euch was auf?

Ja - es ist ein Defizit für die Parteikasse

weil selbst das Gericht nicht feststellte das Geld an die Partei bezahlt WURDE. Für den Postauswurf wurde aber Geld ausgegeben

wie wahr: unbekannte kanäle, noch nicht festgestellt

immer wieder witzig, wie die wortverdreher durch die sprache aufgedeckt werden:

sie schreiben: das gericht hat nicht festgestellt, dass geld geflossen ist

natürlich schreiben sie nicht: "es ist kein geld geflossen" …

denn sie wissen ja, dass er eben nur nicht gefunden wurde, der geldfluss

Nein das weiss ich nicht

und in einem guten Rechtstaat muss das Gericht es feststellen - vorher sind Vermutungen die nix bringen.

Da der Russe ja die Staatsbürgerschaft nicht bekommen hat, glaube ich sogar das tatsächlich kein Geld geflossen ist. Aber es genügt ja der Versuch, der ist an sich schon strafbar

Jetzt geht mir erst der Wortursprung von "ver-scheuch-en" auf.

Scheuch wird "wohl auch künftig ignorieren werden" - ein frommer Wunsch.

mmerhin" räumt der Dolm ein, dass es (auch) nichtkriminelle Asylwerber gibt.

Wer hätte das gestern noch gedacht - schon eine erste Läuterung durch das Urteil ?

"Viele wollen Strache nicht als Bundeskanzler." - schrieb Michael Häupl jüngst in der "Krone".

Was der Alk so alles bewirkt ...

Um zu dieser Einsicht zu gelangen, muß man wirklich nicht den Spruch »in vino veritas« beherzigen.

Was ist das - bitte sehr - für eine Ansage ?

Posting 1 bis 25 von 42
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.