Ein blauer Brief

Kolumne | Günter Traxler, 11. August 2011, 18:14

Wo soll es hinführen, wenn die "persönliche Sichtweise" eines Freiheitlichen nicht mehr zu einem Urteil führt, das dieser entspricht?

Seit der Lektüre von Uwe Scheuchs Brief an die lieben Kärntnerinnen und Kärntner soll H.-C. Strache mit dem Gedanken spielen, sich selbst aus der FPÖ auszuschließen. Zwar gehört es seit langem zu seiner demokratischen Grundüberzeugung, dass sich die linkslinke Jagdgesellschaft die heimische Justiz unter den Nagel gerissen hat, aber erst das Schreiben, mit dem Uwe versuchte, die rasende Wut der Kärntner Bevölkerung über diese richterliche Schändung ihres Idols zu beschwichtigen - daher auch der mahnende Einsatz von Landeswappen und Landesfarben auf dem Briefpapier - hat ihm die Augen für die ganze Dimension der skandalösen Zustände geöffnet, unter denen Österreich leidet.

Er sieht sich unter diesen Umständen moralisch außerstande, die Kanzlerschaft dieses verrotteten Staates zu übernehmen. Da ihm diese als Führer der Partei der Anständigen praktisch unvermeidlich zuzufallen drohe, er als Regierungschef aber wenig Möglichkeiten sehe, freiheitliche Grundwerte gegen eine jede Rechts-Lage ignorierende Politjustiz durchzusetzen, sei früh Klarheit zu schaffen.

Schon Werner Königshofer habe er aus ähnlich prinzipiellen Gründen den Parteiaustritt dringend nahegelegt. Nun gelte es konsequent zu bleiben. Eine letzte Chance will Strache der Justiz noch einräumen, weshalb er mit dem Vollzug seines Selbstausschlusses bis zum Urteil der zweiten Instanz warten wird. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und wenn Scheuch die Lage realistisch sieht, müssen wir wohl auf einen Bundeskanzler Strache verzichten, schreibt Uwe doch, zwischen gutmütiger Justizschelte und kleinmütiger Resignation schwankend, dass Gericht und Medien nicht nur "die Rechtslage, die Fakten und vor allem meine persönliche Sichtweise und Erklärung vollkommen ignoriert haben, und" - jetzt kommt's - "wohl auch künftig ignorieren werden".

Wo soll es hinführen, wenn die "persönliche Sichtweise" eines freiheitlichen Funktionärs nicht mehr zu einem Urteil führt, das dieser entspricht? Zu Recht fühlt er sich da nicht nur persönlich zerrissen, sondern sein ganzes Netzwerk mit: "Meine Person, meine Familie, meine Freunde und mein gesamtes Umfeld wurden zu Freiwild erklärt." Womöglich kann er sich nie mehr beim Beachvolleyball zeigen, weshalb er recht hat, wenn er feststellt, noch ehe das Urteil rechtskräftig ist, man habe ihn "zu einer drakonischen Strafe verurteilt. Während Betrüger, Kinderschänder, kriminelle Asylwerber und viele mehr frei und unbehelligt von einer unfähigen Justiz in unserem Land herumlaufen dürfen, versucht man mit mir einen medialen Schauprozess zu inszenieren. "

Auch behelligte Betrüger, Kinderschänder und kriminelle Asylwerber fühlen sich meist drakonisch bestraft, wenn ihre persönliche Sichtweise nicht ins Urteil einfließt. Daher wird Uwe jetzt "gemeinsam mit meinen Freunden und den Freiheitlichen aus ganz Österreich dieses System bekämpfen". Von ihrem Erfolg könnte es abhängen, ob wir in den Genuss eines Kanzlers Strache kommen. Bleibt es bei einem "System", das FP-Funktionäre nicht automatisch über das Recht stellt, macht es halt der Kickl. (DER STANDARD-Printausgabe, 12.8.2011)

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Posting 1 bis 25 von 42
1 2
G. Lavant
00
12.8.2011, 18:17
Wirklich pikant würde die Sache erst, wenn das OLG zur Erkenntnis gelangt, dass er freizusprechen ist.

Dann jagt es die Justiz durch Sonne, Mond und Sterne und unsere Demokratie gleich mit dazu.

Just N. Opinion
 
26
12.8.2011, 16:34
Wie schwierig ist es, Herr Traxler,

Heinz-Christian Strache oder Karlheinz Grasser zu schreiben statt HC und KHG?

Wie schwierig ist es für Sie, zu erkennen, dass rechte Politiker die Kunst des Marketings besser beherrschen als andere (remember Jörg Haider!) und sie dieses Wissen nützen, um ihre Namen als Marken zu positionieren?

Und welche Auswirkungen hätte es wohl, wenn kritische Journalisten nicht so einfältig wären, diese Marken auch noch wie selbstverständlich zu benützen, um sie – offenbar aus Ahnungslosigkeit – weiter zu transportieren und so für jene Politiker zu werben, die sie gleichzeitig zu kritisieren vorgeben?

Harry Y.
 
01
13.8.2011, 21:36

Sag mal spinnst? Traxler hat hier "H.-C. Strache" einmal geschrieben, und kein einziges HC, ansonsten nur "Strache". Und ein Satiriker wie Traxler wird hoffentlich einmal ironisch KHG schreiben dürfen.

Major Nelson
 
00
15.8.2011, 15:44
Nein, nein, er hat schon recht.

Es gibt KEINEN Grund, Kickls FP-Sprech in den Medien nachzuplappern. Nicht ein einziges Mal!
Die Abkürzung HC soll den sperrigen Namen des blauen Parteichefs geschmeidiger in die Hirne der Wähler gleiten lassen und dort fest verankern. "Mir wöhn den Ha-tzeeh!"
Diesen Marketingschmäh zu unterstützen ist fahrlässig.
Mehr noch: Als FPÖ-kritischer Journalist DARF man darauf nicht reinfallen!

Wer lesen kann...
01
12.8.2011, 17:12

Volle Zustimmung.

Dieses KHG oder HC dass in den Medien so gerne verwendet wird ist schon fast eine adelung dieser "Herren" und ist bloss unbezahlbare Werbung.

christian peham
13
12.8.2011, 13:24
Unser Hefn für unseren Uwe!

Unser Hefn für unseren Uwe!
Ausländer raus; Uwe rein!
Er hat sich den Urlaub ehrlich verdient.
So sei es ihm gegönnt!

Der Feger
03
12.8.2011, 11:01
Uwe bemegy a börtönbe

eltor09
13
12.8.2011, 10:32
Blauer Brief

Ja, dieses "Schandurteil" kann nur der Wähler noch übertreffen. In dem er/sie dieser Kacke am Wahltag endlich jenen "Blauen Brief" verpasst, die diese Brüder verdienen.

Ich fürchte jedoch, es wird ein Wunschtraum bleiben.

pago1
01
12.8.2011, 10:23
schade dass der staatsanwalt nicht berufen hat

jetzt kann das urteil nicht erhöht werden

andreasmax
00
12.8.2011, 09:48
Hinweg!

"Volksvertreter", vereidigt, von uns bezahlt, dem Staat und den Gesetzen unterstellt, welche auch nur im Ansatz so ein Verhalten zeigen, sollten umgehend ihrer Ämter enthoben werden. Sie dienen nicht uns, nur sich selbst.
Btw: Wenn Scheuch von mir als linkslink spricht, ist er dann rechtsrecht?

grad ischach
02
12.8.2011, 08:51
Der nächste Brief Scheuchs wird es in sich haben:

Ein flammender Appell an die ungarischen Nationalkonserven, unter Berücksichtigung seines privaten Kärntner Wappens die himmelschreiende Ungerechtigkeit des Urteils der linkslinken Jagdgesellschaft wegen Betruges nicht mehr zu ignorieren, zumal seine persönliche Sichtweise zur Rechtslage in Ungarn nicht berücksichtigt wurde.

Hubert Ungeist
 
30
12.8.2011, 05:14
Uwe Scheuch soll sein Urteil haben

Aber Kommentare wie ""Meine Person, meine Familie, meine Freunde und mein gesamtes Umfeld wurden zu Freiwild erklärt." Womöglich kann er sich nie mehr beim Beachvolleyball zeigen, weshalb er recht hat, wenn er feststellt, noch ehe das Urteil rechtskräftig ist, man habe ihn "zu einer drakonischen Strafe verurteilt." sind nicht hilfreich.

Weil leder auch in der linken Hälfte können die Leut nicht zwischen Übeltäter - und Familie unterscheiden und Kinder werden dann zum Gespött der anderen KInder.

keywords
00
12.8.2011, 09:41

wieso, haben die volleyballverbot gekriegt?

skip it
03
12.8.2011, 08:56
dann soll der vollkoffer sie net selbst in seine sch**sse reinzieh'n...

Stephen Morrissey
03
12.8.2011, 08:52

die bösen kinder aus der linken reichshälfte aber auch...

Knochenmann
06
12.8.2011, 03:47
Liebe FPÖ,

Der Scheuch wurde verurteilt weil er Gelder für die Parteikasse ergaunern wollte, und er entschuldigt sich dafür mit einem Brief... und wovon wird der bezahlt? Aus der Parteikasse!

Na, fällt euch was auf?

Hubert Ungeist
 
10
12.8.2011, 05:15
Ja - es ist ein Defizit für die Parteikasse

weil selbst das Gericht nicht feststellte das Geld an die Partei bezahlt WURDE. Für den Postauswurf wurde aber Geld ausgegeben

Bo Vist
00
12.8.2011, 14:33
wie wahr: unbekannte kanäle, noch nicht festgestellt

immer wieder witzig, wie die wortverdreher durch die sprache aufgedeckt werden:

sie schreiben: das gericht hat nicht festgestellt, dass geld geflossen ist

natürlich schreiben sie nicht: "es ist kein geld geflossen" …

denn sie wissen ja, dass er eben nur nicht gefunden wurde, der geldfluss

Hubert Ungeist
 
00
12.8.2011, 18:10
Nein das weiss ich nicht

und in einem guten Rechtstaat muss das Gericht es feststellen - vorher sind Vermutungen die nix bringen.

Da der Russe ja die Staatsbürgerschaft nicht bekommen hat, glaube ich sogar das tatsächlich kein Geld geflossen ist. Aber es genügt ja der Versuch, der ist an sich schon strafbar

Kondratjew -Zyklus
 
01
12.8.2011, 01:33
Jetzt geht mir erst der Wortursprung von "ver-scheuch-en" auf.

Kondratjew -Zyklus
 
00
12.8.2011, 01:32
Scheuch wird "wohl auch künftig ignorieren werden" - ein frommer Wunsch.

Kondratjew -Zyklus
 
00
12.8.2011, 01:31
mmerhin" räumt der Dolm ein, dass es (auch) nichtkriminelle Asylwerber gibt.

Wer hätte das gestern noch gedacht - schon eine erste Läuterung durch das Urteil ?

Kondratjew -Zyklus
 
31
12.8.2011, 01:28
"Viele wollen Strache nicht als Bundeskanzler." - schrieb Michael Häupl jüngst in der "Krone".

Was der Alk so alles bewirkt ...

witherabbitt
 
02
12.8.2011, 02:42

Um zu dieser Einsicht zu gelangen, muß man wirklich nicht den Spruch »in vino veritas« beherzigen.

Kondratjew -Zyklus
 
00
12.8.2011, 16:05
Was ist das - bitte sehr - für eine Ansage ?

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