Alte Strukturen sind oft nützlich, häufig aber überholt und unnötig
Viele Staaten haben sich in den letzten Jahrzehnten bis über beide Ohren verschuldet. Typisch dabei war, dass überbordende Staatsapparate entstanden sind, die ihre vielfältigen Aufgaben bis heute verwalten, administrieren und bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausweiten. Die ausgefeilten Strukturen, die da in den letzten 50, 60 Jahren entstanden sind, sind sehr oft nützlich - häufig aber auch überholt und unnötig.
Deshalb ist das Aufheulen vieler Politiker und gar nicht weniger Ökonomen kritisch zu sehen. Da wird reflexartig so getan, als ob mit staatlichen Sparmaßnahmen sofort jegliches Wachstum abgewürgt würde. Sparen, wird behauptet, ist in der derzeitigen Finanzkrise Gift für die Wirtschaft.
Damit aber werden staatliche Reformen erst wieder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Die lieb gewordenen Pfründe, die man sich in den Boomjahren noch leisten konnte, werden nicht angegriffen. Die Kosten für diese ineffizienten Strukturen bestehen weiter, sie beschleunigen die Abwärtsspirale, in der sich verschuldete Staaten aufgrund von Zins und Zinseszins befinden. Die Erfahrung mit den Sanierungsprogrammen in lateinamerikanischen Staaten in der Vergangenheit hat gezeigt: Ohne strikte und schmerzliche Sparkurse samt Reformpaket sind Staaten nicht nachhaltig zu entschulden.
Natürlich ist das Sparen in Boomzeiten leichter. Aber darauf zu warten geht nicht. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.8.2011)