Im blauen und braunen Morast

Kommentar | Michael Völker
11. August 2011, 17:57

FPÖ-Chef Strache nimmt sich selbst aus der politischen Diskussion

Die FPÖ streift nicht am rechten Rand an. Sie ist der rechte Rand. Ihre Spitzenrepräsentanten sind die Galionsfiguren der rechtsextremen Bewegung. Martin Graf, der Dritte Nationalratspräsident, Mitglied der Burschenschaft Olympia, ist ein gutes Beispiel dafür. Er ist nicht das einzige Beispiel. Vertreter der Freiheitlichen Partei spielen ständig mit Begriffen und Symbolen, die eine gewisse Nähe, eine gewisse Sympathie zum Nationalsozialismus erkennen lassen. Lediglich wenn es einer zu wild und zu plakativ und öffentlich treibt, sieht sich die Parteispitze zu Konsequenzen genötigt.

So soll der Abgeordnete Werner Königshofer aus der FPÖ ausgeschlossen werden. Viele in der Partei bedauern das, ein paar auch öffentlich. Königshofer, ehemals auch Mitglied der wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verbotenen Nationaldemokratischen Partei, hatte die Terroranschläge von Norwegen mit der Fristenregelung und islamistisch motivierten Gewaltverbrechen aufgerechnet, auf seiner Homepage fand man immer wieder rechtsextremen Müll, er pflegt ganz offen Kontakt mit bekennenden Neonazis, die längste Zeit schon. Seine Pamphlete zu Norwegen zwangen Parteichef Heinz-Christian Strache dann zum Handeln.

Das ist wenig glaubwürdig. Der rechtsextreme Dreck, mit dem Königshofer um sich schmeißt, findet sich auf der Facebook-Seite von Strache wieder oder auf anderen Seiten im Internet, auf denen Strache verkehrt. Wenn man sich durchliest, was dort verbreitet wird, kann einem übel werden: Hetztiraden, Mordaufrufe, übelste Verleumdungen, krauseste Vorurteile. Neben dem Hass, der dort verbreitet wird, rinnt auch die pure Dummheit, der Stumpfsinn von Geistesminimalisten aus diesen Seiten.

Das ist Straches Umfeld, das sind seine Sympathisanten und Fans. Nicht nur. Der Wählerkreis ist viel weiter gefasst. Wer laut Umfragen den Zuspruch von fast 30 Prozent der Wählerschaft verbuchen kann, ist nicht auf Rechtsextreme beschränkt. Strache spricht die Unzufriedenen an, die "Wutbürger", die Wohlstandsverlierer, die EU-Skeptiker, die vom System Enttäuschten, denen so glatte Politiker wie Werner Faymann oder Michael Spindelegger keine Antworten zu geben imstande sind.

Und da ist die braune Sauce, in der die FPÖ-Spitze watet, nicht unbedingt hilfreich. Die Strache-Wähler sind vielleicht gegen das System und die Politiker und die EU, aber den meisten ist diese Nazi-Nostalgie doch fremd. Also geht zumindest Strache ein wenig auf Distanz. Das Murren seiner Mitstreiter ist unüberhörbar.

Das ist nicht Straches einziges Problem: Uwe Scheuch auf der einen Seite etwa und Norbert Steger auf der anderen. Dem einen droht eine Haftstrafe, der andere wählte gegen den Parteiauftrag ORF-General Alexander Wrabetz. Dem FPÖ-Chef fliegen zurzeit ganz schön die Fetzen um die Ohren. Und was tut Strache da? Er schimpft auf die Regierung und die Europäische Union, lauter denn je. Das ist nicht originell, aber nachvollziehbar. Keine Frage, genau das wollen seine Leute hören, und bei aller Polemik ist die Forderung nach einer offenen Auseinandersetzung mit der Regierung, nach einer Debatte über die EU-Finanzhilfe auch nachvollziehbar. Man hört aber auch die braunen Rülpser, und man nimmt die Unverschämtheit mancher Funktionäre zur Kenntnis - und da gibt es keine Diskussionsgrundlage, zu nichts und zu gar nichts. (STANDARD-Printausgabe, 12.8.2011)

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Hahahahahahaha ich mach mich an!

Schaut einmal wie die FPÖ Tripple A schreibt!
Dass ist der Original Text!
Die Nachbarn lachen schon alle über ihre Rechtsschreibkünste!
Die Bürgermeister/Bundeskanzler Partei!
Bruhahahahahahahahahahahahahahahaha

http://www.saarbruecker-zeitung.de/nachricht... 10,4150900
Drippel-A hahahahahahaha der neue Bundeskanzler und seine Leute können nicht einmal schreiben!
Alle lachen schon!
Eine Schande diese Partei!

Wieso wird eigentlich nicht korrekt geschrieben, dass Graf Mitglied bei der "rechtsextremen" Burschenschaft Olympia ist?

Meinungseintopf

Wer sich die Muehe macht, die zahlreichen FP-kritischen Beitraege einer einzigen Ausgabe des Standards aneinander zu fuegen, erhaelt die publizierte und konzentrierte parteipolitische Langweile in Reinkultur - als ob eine ganze Zeiting nur fuer einen einzigen Zweck vertrieben wird - das alpenlaendische Vater/Mutterland vor einer Katastrophe zu retten.

der Kater nachher...

vielleicht haben die Leute nur Angst davor, wenn das blaue Wunder kommt, das der Kater danach besonders hart wird. "Ach, das haben wir ja nicht gewusst !", "Ach so haben wir uns das aber nicht vorgestellt !" ?

'FP-kritischen Beiträge': es gibt also auch FP-freundliche?,

und es stimmt, dankt man an Mölzer, Höbelt und Co. im Kommentar der Anderen oder im Leser-.

Im Normalfall kommen 'in einer einzigen Ausgabe des Standards' nicht zahlreiche, sondern maximal ein FP-kritischer Beitrag vor, Sie scheinen den Unterschied zwischen reiner Berichterstattung und kritischem Kommentar nicht ganz verstanden zu haben.

Das Alpenlang vom Meinungseintopf

zu schützen ist wichtig. Zum Glück gibt es den Standard. Weil den meisten Revolverblättern das Füllhorn an Inseraten der FPÖ sehr wichtig ist.

Es wäre interessant zu wissen, welches Budget für die Verunreinigung des Meinungseintopf der FPÖ eingesetzt wird.

Der Standard ist ein Anti FPOE/BZOE/OEVP Organ geworden ...

... das reflexartig auf jede Initiative und Aussage aus dieser Richtung reagiert. Was genau ist der Unterschied zu einer Parteizeitung? Der Standard ist diesbezueglich langweilig, weil die dortigen Redakteure aufgegeben haben unabhaengig zu denken. Es gibt eine klar erkennbare Blattlinie.
Das Niveau der Berichterstattung ist dementsprechend gesunken.

DerStandard berichtet genauso devot über jede Initiative und Aussage der SPÖ und der Grünen. Sie ist nämlich eine Qualitätszeitung, die sich der Berichterstattung widmet als journalistisches Prinzip. Aussagen und Ansinnen der SPÖ/GR. werden genauso auch kommentiert.

Stehen Sie so auf diese Nazibagage?

Und das ist das Problem des Standards...

Leute die die OEVP als "Nazibagage" titulieren sind Vollidioten. Der Standard ist ein Sprachrohr fuer Vollidioten geworden. Keine Qualitaetszeitung, keine journalistischer Anspruch ... eine Zeitung und eine Internetplattform fuer die unterste Intelligenzschicht des Landes. Schnurr1 diene als repraesentatives Beispiel.

1) Sagen wir es so: wer glaubt, dass die ÖVP sich gänzlich von der FPÖ unterscheidet, wohltuend sich davon abhebt, darüber völlig erhaben ist und glaubt, dass der Faschismus der Schwarzen das ist, ist ein Vollidiot.

2) Die unterste Intelligenzschicht des Landes wählt FPÖ.
Die zweitunterste sind die FPÖ-Akademiker.
Die drittunterste wählt ÖVP.
Die viertunterste...(setzen sie die logische Reihe fort.)
Der Standardleser und die Standard-Red. sind also maximal die fünftunterste.

Aber siehe auch das Posting unter meiner.

Tschuldigen'S, aber da haben Sie den Schnurr1

offensichtlich falsch verstanden:

Der wollte doch von Ihnen vielmehr wissen, ob Sie auf die FPÖ-Natsibagage stehen.

Also, Frage: Tun Sie das nun, Mister "Truth Digger" ?

Wenn Sie gut damit leben können, dass rechtsradikale Elemente hohe Posten in diesem Staat bekleiden können, und den öffentlichen Diskurs beeinflussen, ist das ihre Sache.

Aber es gibt Menschen in diesem Land, Herr Sichrovsky, die sehen dass anders als Sie. Die wollen bloß nicht, dass Hetze gegen Andersdenkende oder Minderheiten - wie schon in der Vergangenheit dieses Landes - zu gröberen Verbrechen führt. Das dürfen Sie keinem Übel nehmen...

Brillant auf den Punkt gebracht, Herr Völker.

Neben der Durchsetzung der FPÖ durch Braune, ist auch folgender Aspekt am "anständigen" Kanzleranwärter Strache beunruhigend:

H.C. Strache verleumdet immer wieder den "kleinen Mann":

o) Im Rahmen der "Am rechten Rand" - Doku: Verleumdung von Ed Moschitz als "Anstifter zur Wiederbetätigung".

o) Bezüglich der Veröffentlichung von FPÖ-Telefonnummern: Verleumdung eines Bürgers als Dieb auf Straches Facebook-Seite.
Dabei war der Beschuldigte zur Tatzeit in Deutschland.

o) Zuletzt bezichtigte Strache den "Uwe geh in Häfn" T-Shirt Träger, auf einen Polizist mit den Fäusten losgegangen zu sein - und zwar als Augenzeuge.
Das sah kein anderer Anwesender - das verneinte der Polizist.
Strache war angeblich zum Handlungszeitpunkt gar nicht vorort...

Die Medien haben es einfach nicht begriffen.

Der einzige Weg, den Aufstieg der FPÖ zu stoppen (abgesehen von einer Politik der Regierenden, die Probleme löst und den Menschen ein Gefühl der Sicherheit gibt, was es aber nicht spielt) wäre: die totale Ignoranz. Keine Bilder mehr, keine Berichte, keine pseudogscheiten Analysen, keine seitenlangen Kreuzzüge. Einfach totschweigen. Herr Scheuch wird verurteilt? Fünfzeiler auf Seite 10. Mehr nicht. Empörte Reaktionen von HC? Red's in ein Sackerl und stell Dir das vor die Tür. Diese Partei lebt "virtuell" von Print und elektronischen Medien. Wenn dieser Kanal versiegt, ist die FPÖ innerhalb von zwei Jahren weg, als hätte es sie nie gegeben. Oder nur mehr so groß wie das LIF. Aber die Eitelkeit der Medienmacher verhindert das.

Die Medien bekommen Inseratengeld

und wer zahlt, schafft an. Also dieser Weg funktioniert sicher nicht.

Und von Online-Zensur will doch niemand was wissen oder??

Bitte um eine andere Lösung.

zensur

ist keine lösung.
niemals.

auch "gutgemeinte" zensur nicht.

Grau ist diese ....

.....Theorie , konkret in einer meinungsfreien Demokratie nicht möglich.

Etwas würde es sicherlich helfen. Aber es bekämpft eher die Symptome, nicht die Ursache. Die Ursache liegt wohl eher im Bereich fehlende/falsche Bildung.

Ich kann mich an Zeiten erinnern...

...als Haider ähnliches getan hat und dadurch noch stärker wurde - also Vorsicht mit Prognosen... ich kann aber speziell der SPÖ nur empfehlen, dass sie sich endlich verstärkt um ihre Klientel (Kleiner Mann/Frau von der Straße?) kümmert... und gleich vorweg: Fr. Rudas wird das nicht schaffen...

Der Aufstieg der Rechten ist mit der Schwäche der Herrschenden zu tun. Es gibt einen Politiker bei den Regierungsparteien mit einer Vision oder leadership. Es besteht kein Wille zu nur irgendeiner Reform. Die Verwaltungsreform ist überfällig. Statt über Einsparungen in der Verwaltung zu diskutieren und das Thema aktiv anzugehen, hört man nur von Maßnahmen, die darauf hinauslaufen, die Abgabenquote zu erhöhen.
Dazu das Drama um den ORF und die Packelei um Posten um ungeeignete Kräfte wie Niko Pelinka versorgen zu können.
Von Faymann hört man nur, dass er zu den Bilderbergern fährt und Englisch Unterricht nimmt. So kann man kein Vertrauen gewinnen.

sehe es zwar großteils genauso, allerdings stuft die övp die fpö immer noch als potenziellen koalitionspartner ein. somit ist die gefahr einer fpö-regierungsbeteiligung nach der nächsten wahl noch lange nicht vom tisch.

Ein schöner Artikel

ich hoffe er wird auch von den Leuten gelesen die Ihr Kraxerl aufs FPÖ gaxerl machen wollen. In dem Sinne: Schoit ei dei Hirn, Sepp

leider haben "geistesminimalsiten" fast kein gehirn zum einschalten

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