Lehrer-Ausbildung

PH-Gewerkschaft will Pädagogische Fachhochschulen

11. August 2011, 13:33

Weissengruber gegen Anbindung an die Unis: "Man kann nur hoffen, dass die Vernunft siegt" - Gegen völlige Autonomie in Lehrer-Ausbildung - Neues Dienstrecht an PH ab 2012 geplant

Wien - Geht es nach Wolfgang Weissengruber, Gewerkschaftsvertreter der Lehrenden an den Pädagogischen Hochschulen (PH), sollte die gemeinsame Ausbildung für alle Pädagogen keinesfalls an den Unis angesiedelt werden. Wegen der unterschiedlichen Dienstrechte - Kollektivverträge an den autonomen Unis, Vertragsbediensteten-Gesetz an den vom Bund verwalteten PH - wäre die Folge "eine Zwei-Klassen-Gesellschaft an einer Einrichtung, die nicht gut funktionieren könnte", sagt der Christgewerkschafter. Sein Wunsch: Die Schaffung von eigenständigen, tertiären Institutionen, vergleichbar den Fachhochschulen, die sich auf die Lehrerausbildung spezialisieren. Nach einem längeren Entwicklungsprozess könnte auch eine Pädagogische Universität herauskommen.

Eine Verlagerung an die Unis, die bisher nur Lehrer für mittlere und höhere Schulen ausbilden, würde aus seiner Sicht dazu führen, dass vor allem im bisher von den PH verantworteten Pflichtschulbereich Praxisnähe verloren geht. "Ich kann Fachwissen nachlesen, aber den richtigen Umgang mit Kindern kann ich nur in der Praxis lernen." Eine Anbindung der PH-Lehrenden an die Unis, etwa im Rahmen neuer Lehrerausbildungsfakultäten, sei derzeit ohnehin nicht möglich. "Da müssten schon jetzt die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden."

"Man kann nur hoffen, dass die Vernunft siegt."

Im Endeffekt werde die Frage, an welcher Einrichtung Lehrer ab 2013 ihr Metier lernen, aber ohnehin politisch entschieden, so Weissengruber. "Man kann nur hoffen, dass die Vernunft siegt." Optimistisch stimmt ihn diesbezüglich, dass das Unterrichtsministerium signalisiert habe, mehr Eigenständigkeit auch in der Pflichtschullehrerausbildung zu unterstützen. Die Einschränkung, dass weiterhin Inhalte vom Ministerium mitbestimmt werden sollen, begrüßt er. "Es braucht eine gewisse Steuerung."

Einen ersten Schritt zu mehr Eigenständigkeit machen die PH laut Plan des Unterrichtsministeriums schon 2012: Dann soll nämlich das neue Dienstrecht für die PH-Lehrenden in Kraft treten - auch wenn die Zukunft der Einrichtung angesichts der neuen Lehrer-Ausbildung noch völlig ungewiss ist. Bis Ende August sollen sich Bundeskanzleramt und Gewerkschaft auf einen Entwurf einigen. Der angepeilte Termin dürfte aus Sicht des Gewerkschafters jedoch schwer halten. Wegen der notwendigen umfangreichen Umstellungen beim komplizierten Verwaltungsprogramm PH-Online scheint ihm 2013 realistischer.

Prinzipiell ist er zwar zufrieden mit den dem vorliegenden Entwurf: "Ich sehe es nicht als Verschlechterung, es gibt uns sehr viele Freiheiten." Allerdings spießt es sich noch bei einigen Punkten. Anders als bei den Verhandlungen um das neue Lehrer-Dienstrecht machen weniger Geld- als inhaltliche Fragen Probleme. Immerhin, so Weissengruber, betreffe das PH-Dienstrecht mit 2.000 Personen beim Stammpersonal nur eine relativ kleine Zahl. Zum Vergleich: Das Pflichtschullehrer-Dienstrecht betrifft mehr als 66.000 Personen.

"Komplette Umstellung des Dienstrechts"

Am Ende der Verhandlungen soll eine "komplette Umstellung des Dienstrechts" stehen, schildert Weissengruber. Das Ziel: Raus aus dem "alten Lehrer-Denken" mit einer Abrechnung in Werteinheiten und Mehrdienstleistungen hin zu einem sogenannten qualitativen "Jahresmodell", in dem jeder Lehrende mit dem Rektor vereinbart, welches Pensum an Lehre, Studentenbetreuung, Forschung und anderer Arbeiten er im Laufe des Jahres erfüllen soll. Dabei soll u.a. erstmals die Forschung der Lehre nicht mehr untergeordnet sein.

Eine Urabstimmung unter den PH-Lehrenden zum neuen Dienstrecht wird es nicht geben. Immerhin sei die Umstellung von Pädagogischen Akademien auf eine tertiäre Einrichtung schon vier Jahre her und seit damals mussten die PH "mit einem ungeeigneten Dienstrecht herumwursteln", kritisiert Weissengruber. Ob alle PH-Lehrenden automatisch auf das neue Dienstrecht umgestellt werden oder ob es ein Optionsrecht geben soll, ist allerdings noch offen. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 32
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bycicle
00
28.8.2011, 21:35
die lehrerausbildung

gehört an die uni. und nicht an die phs, wo irgendwelche gescheiterten lehrer irgendwie total unakademisch und niveaulos agieren.

mountaineer
00
27.8.2011, 20:01

Das ist Österreich: das Gute, also die bewährte universitäre Lehrerausbildung abschaffen und die Parteibuchritterinstitution PH (PÄDAK), also das Schlechte pushen.

So steuern wir auf den bildungspolitischen Abgrund zu.

Universitätsprofessoren (Fachdidaktiker) werder arbeitslos und die PH-Lehrer (Parteibuchritter und gescheiterte Lehrer, Schulflüchtlinge und Dünnbrettbohrer) werden FH-Professoren...

Gute Nacht!

bycicle
00
27.8.2011, 21:59
das istcleider die realität

an den phs herrscht tw. ein katastrophales niveau, freunderln der ph-Ritter" bekommen seminare zugeschanzt, inhalte traurigst und niveaulos....
aber von den lehrern wird verlangt, gute arbeit zu leisten!!!!!!!!!!!!!

mountaineer
00
27.8.2011, 19:50

Die PÄDAKS (=PHs) abschaffen, das ist das einzige Kraut, das gegen die schlechte Lehrerausbilung gewachsen ist und ab an die Uni mit den Dünnbrettbohrern, dort weht ein anderer Wind!

D/E
53
12.8.2011, 14:44
Das tät denen so passen.

Dann werden sie (oder bleiben sie) alle "Professor/innen", ohne auch nur einen Handstrich machen zu müssen. Angesichts der Qualifikationen vieler Pädak- bzw. (neu) PH-Lehrer/innen kann der Anspruch auf das Monopol zur Lehrerausbildung nur als Drohung empfunden werden.

Andreeeas
00
17.8.2011, 11:02

Einem Mittelschullehrer steht der Titel "Professor" ohnedies nicht zu.

sternsteinblitz
00
17.8.2011, 16:19

Stimmt! Ich hätte damals anstelle des Berufstitels auch lieber eine Gehaltserhöhung und nicht -reduzierung gehabt!

Andreeeas
01
17.8.2011, 18:35

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wovon Sie reden.

Aber ich rede davon, dass Mittelschullehrer einfach keine Professoren sind - egal wie viel sie verdienen. Wenn ich mir ansehe, was es braucht, um auf der Uni ein Professor zu werden, ist eine dem entsprechende Bezeichnung an der Mittelschule einfach nur lächerlich.

D/E
01
17.8.2011, 21:18
Der Diensttitel Professor wurde den Gymnasiallehrern

in grauer Vorzeit zuerkannt, weil kein Geld vorhanden war, ihnen eine geforderte Lohnerhöhung zu bezahlen.

Andreeeas
00
17.8.2011, 21:36

Ja, es gibt auch den Titel Oberkindergärtnerin und was weiß ich noch. Österreich ist das Land der Titel.

Wir können über wirklich alles diskutieren, aber der Titel "Professor" für Mittelschullehrer ist und bleibt lächerlich. Die meisten Lehrer haben noch nicht einmal einen Doktor (nicht dass das so ein Skandal wäre) und wir wissen beide, wie weit man mit einem Doktor noch vom Titel "Professor" entfernt ist...

mountaineer
00
27.8.2011, 19:53

Ach, bitte, schaun Sie einmal, was die honoren Professoren an den Unis so geforscht und publiziert haben, dann relativiert sich Ihr Ethos!

Natürlich gibt es exzellente Leute, es gibt aber auch Parteibuchritter und Sesselkleber, da ist mir ein einfacher, kritischer Magister lieber.

Andreeeas
00
27.8.2011, 20:03

Ja eben, weil ich es sehe, ist das in der Mittelschule lächerlich. Vielleicht ist das in anderen Fächern anders, aber hier auf der TU sehe ich eine Leistung.

Abgesehen davon bedeutet ein Titel nicht Intelligenz. Wir alle kennen Akademiker, die ihren Hausverstand gegen das Diplom getauscht haben. Aber warum soll ein Magister den Titel Professor verwenden? Jeder soll den Titel verwenden, den er sich erarbeitet hat. Punkt.

sternsteinblitz
00
18.8.2011, 09:12

Wem werfen Sie dies jetzt vor: den Lehrern oder dem Verursacher (i.e. Dienstgeber)? Das geht nicht ganz klar aus Ihrer Kritik hervor.

Andreeeas
02
18.8.2011, 09:44

Natürlich dem Verursacher - was kann ein Lehrer dafür?

Ich habe keine Ahnung, ob es von Seiten der Lehrer auch Widerstand gegen eine Änderung (daran ist - soweit ich weiß - politisch ja im Moment niemand interessiert) dieses Zustands gäbe. Wenn ja, dann trifft die Kritik auch Lehrer.

Wenn man auf einen Titel besteht: Warum nicht auf den echten, d.h. warum nicht "Herr Magister/Frau Magistra"?

sternsteinblitz
00
18.8.2011, 19:29

Danke für die Klarstellung. Ich denke, kaum ein Lehrer refelktiert tatsächlich auf den "Professor", man gewöhnt sich halt mit der Zeit daran, dass man so genannt wird.
Zu Ihrer Kritik, sich dagegen aufzulehnen: Im Schulalltag gibt es wichtiger Dinge, in die man seine Kraft investiert.
btw: In meinem jetzigen Job (PH) ersuche ich die Studierenden um Ansprache durch meinen Namen, meine beiden akad. Titel und meinen Berufstitel verbiete ich ihnen.
Den Höchstrangigen darunter will ich nur bei meiner Hausbank hören.

Andreeeas
00
18.8.2011, 19:53

Ich habe ja auch nur einen allfälligen Widerstand gegen eine Änderung kritisiert (nachdem eine Änderung meines Wissens nicht angedacht ist, ist das rein theoretisch). Dass Sie in Ihrem Alltag andere Dinge haben, als auf einer Bezeichnung herumzureiten, ist mir schon klar. Aktiver Kampf gegen den "Professor" wäre eventuell sogar lächerlich...

Aber wenn man schon am groß reformieren ist, kann man das gleich miterledigen. Oder besser: Man könnte.

D/E
01
18.8.2011, 08:13
Sie rennen gerade offene Türen ein.

Carlos Clementin
30
12.8.2011, 13:41

Könnte man nicht für jeden Scheixxx eine FH aufmachen ...

supanackter
36
11.8.2011, 22:37
Unbedingt Unis

An den PHs unterrichten viele Leute mit dem "richtigen" Parteibuch, wollen oder können selbst nicht unterrichten, haben nix geforscht und die sollen jetzt Lehrer ausbilden? !!!

Daisy Lord
14
12.8.2011, 10:57

Wer als Lehrer den Unterricht in einer Pflichtschulklasse nicht ertragen konnte, sah zu, dass er möglichst rasch einen MSc machte und flüchtete auf die PH.
Dort erklärt er nun den Studenten, wie man Kinder unterrichtet...

sternsteinblitz
00
17.8.2011, 16:21

Trifft für einige zu, die fallen dann besonders auf. Ein wenig Neid spielt auch immer mit. Die Mehrheit der Hochschullehrer/-innen macht ihren Job ordentlich.

asinus
00
17.8.2011, 03:32

Weiter "oben", sprich in den höheren Schulen, sind das die gleichen Leute, die dann oft Direktoren oder Landesschulinspektoren werden wollen...

Mynnia
00
12.8.2011, 08:10

Skill in Forschung und Skill in Pädagogik haben nicht zwangsläufig miteinander zu tun. (Wobei mir selbst auch ein forschender Lehrer am liebsten wär)

moejoe000
00
11.8.2011, 18:19
Schaffung von Pädagogischen Fachhochschulen?

Was ist dann der Unterschied zum status quo?

FHs machen, genauso wie die Pädagogischen Hochschulen, keine Grundlagenforschung und kaum anwendungsorientierte Forschung, dafür eine viel größere Lehrverpflichtung, als die Kollegen an den Unis.

Und meiner Meinung nach müssten auch die Studien an den PHs deutlich reformiert werden; die Studiengänge (wie auch die Organisation der PHs) sind in erster Linie nach Schultypen geteilt; es gibt eigene Studiengänge für Lehramt an Hauptschulen (Schulstufen 5 bis 8), Polytechnische Schulen (9. Schulstufe), Berufsschulen usw. Das gewählte Fach, z.B. "Deutsch" gilt nur als eine "Vertiefung".

An einer Uni wird nur das jeweilige Fach gewählt. Und der Lehrer kann in den Schulstufen 5 bis 13 unterrichten...

Denker9
00
12.8.2011, 15:53

Und AHS-Lehrer brauchen auch nicht Fächer unterrichten, die sie nicht studiert haben!

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