Recycling

Pilze knacken PET-Materialien: "Hundertprozentige Wiederverwertbarkeit"

11. August 2011 15:20

Österreichisches Verfahren setzt auf Enzyme als "Spalt-Werkzeuge": Forscher starten demnächst Kooperation mit Entsorgungsbetrieben

Graz - Österreichische Ingenieure haben ein Verfahren entwickelt, PET-Materialien ressourcenschonend in seine Ausgangssubstanzen zu spalten: Mit Hilfe von Pilzen und den von ihnen produzierten Enzymen. "Das Verfahren ermögliche eine hundertprozentige Wiederverwertbarkeit der Einzelbestandteile", hieß es am Donnerstag im einer Mitteilung des Austrian Centre of Industrial Biotechnology, ACIB, einem österreichischen K2-Zentrum für industrielle Biotechnologie.

Forscher zwingen Pilze zur Enzym-Überproduktion

Während es zahlreiche Enzyme gibt, die Biopolymere abbauen, können nur wenige Enzyme synthetische Kunststoffe angreifen. Im Fachbereich "Enzyme und Polymere" suchen die Forscher des ACIB u.a. nach Methoden, Enzyme sowohl für die Funktionalisierung von Polymeroberflächen aber auch für den zielgerichteten Abbau der Kunststoffe einzusetzen. Enzyme sind spezielle Proteine, die als biologische Katalysatoren fungieren und z.B. in der Natur von Bakterien und Pilzen zum Spalten und Abbau von langkettigen Molekülen genutzt werden.

Entsprechend effizient arbeitende Enzyme, die in der Lage sind Polyethylenterephthalat (Kurzzeichen PET) zu "knacken" und in kleine Bruchstücke aufzuspalten, hat das interdisziplinäre Forscherteam von der TU Graz, der TU Wien und der BOKU Wien in bestimmten Pilzstämmen gefunden. Mit verschiedenen Methoden zwingen die Forscher die Pilze zur Überproduktion ihrer wertvollen "Spalt-Werkzeuge", nachdem sie diese durch Genetic Engineering modifiziert und verbessert haben.

Wiederverwertbarkeit garantiert

Durch das im ACIB entwickelte Verfahren gelänge es, das Polymer bei hoher Produktqualität wieder in seine Ausgangsmonomere zu zerlegen: "Erstmals ist es nun möglich, mit Hilfe von speziellen Pilzen diese Kunststoffe gezielt in ihre Einzelbestandteile zu zerlegen und daraus wieder neue hochwertige Materialien zu produzieren. Dieser Kreislauf vermeidet Abfälle und schont damit Ressourcen und die Umwelt", so Georg Gübitz, Leiter des Forschungsbereichs Enzyme & Polymere im ACIB.

Verfahren goes Wiederverwertungs-Praxis

Laut Gübitz könnten somit beispielsweise PET-Abfälle wie Flaschen wieder in vollem Umfang für neue PET-Anwendungen wie Verpackungen oder funktionelle Sportbekleidung verwendet werden. "Nun geht es darum, dass wir das am ACIB erforschte Verfahren gemeinsam mit Industrie-Partnern auch in der Wiederverwertungs-Praxis implementieren können", so Gübitz. Dabei sei vor allem wichtig, dass das Verfahren bzw. die Aktivität der Enzyme beschleunigt wird: Von aktuell rund 24 Stunden will man den Prozess auf "einige wenige Stunden" reduzieren. In der Steiermark und Wien würden demnächst erste entsprechende Kooperationen mit Entsorgungsbetrieben starten. (APA)

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Draicwing
14.08.2011 18:15
Toll und beunruhigend gleichzeitig!

Was geschieht eigentlich, wenn diese Pilze (oder sind es nun doch Bakterien?) in die Freiheit entkommen oder taktisch freigelassen werden? Werden dann auf einmal alle Plastik-Erzeugnisse zu Staub zerfallen? Wäre jedenfalls eine vorzügliche Waffe!

Chemist88
15.08.2011 16:05
nein

denn üblicherweise gibt es auf Plastik kein Nährmedium für diese Pilze;-)

Hayao
13.08.2011 10:51
Pilze kacken PET-Materialien...

...hätt ich jetzt fast gelesen

PETrecycler
13.08.2011 09:43
andere Verunreinigungen

Mich würde interessieren wie andere Verunreinigungen den Pilzen (oder auch Nicht-Pilzen) gefallen.
Sogar im sortieren PET Abfallstrom findet man ja nicht nur PET. Ob der Kleber, andere Kunststoffe wie teilweise PVC oder Reste von Fruchtsäften mit Konservierungsstoffen den Bakterien wohl gut tun?

darvin
12.08.2011 14:35
äh, tschuldigung?

welche Pilze???? In der org. Publikation ist von Enzymen von Thermomonospora fusca und Thermobifida cellulosilytica die Rede... und das sind BAKTERIEN!

PatriotInnen sind IdiotInnen
12.08.2011 15:10

Das ist mir auch grad aufgefallen ... im gesamten Abstract kommt kein einziger Fungi vor ...
Sondern so weit ichs verstanden hab die zwei Bakterien bei denen das Enzym (mit etwas unterschiedlichen Eigenschaften) entdeckt wurde + e.coli, wohl als späterer großtechnischer Produzent, vor. Nix mit Pilz ...

ich fürchte fast es handelt sich um einen klassischen APA-fail ...

Chris Quast
12.08.2011 13:16

deutsche sprach schwere sprach

Verfahren goes Wiederverwertungs-Praxis ?!

P brame
12.08.2011 12:41
...und was ist wenn diese Pilze in die Umwelt gelangen ??....

...sind die harmlos oder verschimmelt mir demnächst meine Plastikbrille?!

Conus textile
12.08.2011 12:09
Vielleicht eine tolle Lösung...

... für den Plastik-Kontinent (kann ja nicht mehr als Insel bezeichnet werden) im Pazifik, falls die Pilze die marinen Bedingungen vertragen und keine allzu großen anderen Auswirkungen auf die lokale Fauna/Flora haben.

ulenspygel
12.08.2011 10:28
Wenn das nur nicht ins Auge geht...

Rainer Erler hat vor Jahrzehnten einen prophetischen Roman geschrieben:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zuck... atastrophe

Quark
12.08.2011 20:01

erschreckende parallelen ;)

Leonardo Basil
12.08.2011 09:32

"...die als biologische Katalysatoren _fungieren_" haha:)

Ok, ich hab einen seltsamen Humor...

Pepito Sbazzegutti
12.08.2011 10:43

passt schon, weiter so.

pereswon
12.08.2011 10:36
Danke für die Unterstriche.

Sonst hätt´ ihn vielleicht nicht mal ich kapiert.

Zhdophanti
12.08.2011 09:52

ich mag ihn :D

Kondratjew -Zyklus
 
12.08.2011 02:11
Bald wird es - wie derzeit bereits Einkaufssäcke - Flaschen aus Abfall-Kartoffelstärke geben.

Damit ist das Plastikknacken (fast schon) Geschichte.

yoda3
11.08.2011 21:04
trotzdem braucht es eine neue verpackungsverordnung

habe heute 100 gramm (bio!) speck in 50 gramm plastikverpackung gesehen. unsere p0litiker sind richtige w*ppler.

Kuldip K.
 
12.08.2011 13:10
Nicht vergessen: einige Grämmlein an Weichmachern werden...

...die Fettmasse des Specks "bereichert" haben.

Pe Sa
12.08.2011 10:42

wenns alle nicht kaufen, wirds verschwinden.

die w*ppler sind die kunden dies kaufen. kommt ja nicht von ungefähr dass die läden damit geld machen

WeltEnSTurm
12.08.2011 11:52

Den Kunden interessiert ja der Inhalt, und nicht die Verpackung.

her wig
12.08.2011 07:47
Typisch

Die Marktwirtschaft produziert Müll, und die Politik ist schuld.

Amalrich
 
12.08.2011 09:29

Naja - schließlich ist die Politik für die Rahmenbedingungen zuständig und zum Glück noch nicht die Marktwirtschaft....

Zhdophanti
12.08.2011 09:54

Gut wenn man die Vorteile der Marktwirtschaft dieser überlässt und die Nachteile alle der Politik zurechnet.
Erinnert mich a bissl an Religionen :D

your mother
12.08.2011 10:46

Warum nicht?
Während die Marktwirtschaft zum weit überwiegenden Teil Gewinnorientiert funktioniert und sowas wie Müll einfach in Kauf nimmt sollte Politik hauptsächlich Verantwortungsorientiert funktionieren und hat die Möglichkeiten den negativen Effekten der Marktwirtschaft entgegenzuwirken. Wenn das nicht getan wird, ist das eindeutig ein Versäumniss der Politik, denn der Markt selbst "regelt" ethische, moralische und Umweltschutz Fragen nur, wenn eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist, die aber einfach nicht in dem Maß existiert, das notwendig wäre. Und da die Menschen hauptsächlich unmündig sind und/oder unter dem Zwang ihrer finantziellen Situation stehen fällt die Hauptverantwortung der Politik zu.

Amalrich
 
12.08.2011 09:58

Auch hier kann die Politik eingreifen. Nur will sie es? Ist sie nicht schon viel zu sehr mit den Interessen der Marktwirtschaft verflochten?

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