"Koalition mit ÖVP ist einzig realistische Chance für FPÖ"

11. August 2011, 10:20

Ex-Vizekanzler Norbert Steger hinterfragt wegen Vilimsky-Weisung an ihn als ORF-Stifungsrat die Regierungsfähigkeit der FPÖ

"Es ist ein empörender Fußtritt erfolgt", so kommentiert Norbert Steger seine Abberufung per Weisung als Mitglied des ORF-Stiftungsrates durch FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. "Der zweite Sekretär" wisse offenbar nicht, dass man einen Stiftungsrat nicht abberufen könne, sondern dieser müsste selbst abtreten. Was er aber nun "sicher nicht" machen werde, sondern er werde "eisern bis zum letzten Tag da sitzen bleiben". Steger will die Causa nun mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache besprechen und erwartet sich dabei eine Zurechtweisung Vilimskys.

Demokratiestreit

Wenn man in einer so unwichtigen Causa wie der Wahl des ORF-Generalsekretärs so agiere, dann hinterfragt Steger die Regierungsfähigkeit der FPÖ. Der ehemalige Vizekanzler zeigt sich überzeugt, dass Strache von Vilimskys Weisung nicht informiert war. Letzterer habe seinen Chef nun in eine unheimlich schwierige Situation manövriert: "Er trägt einen veritablen Demokratiestreit pfeilgerade in das Führungsgremium hinein."

Nazistruktur

Die erstinstanzliche Verurteilung von Uwe Scheuch setzt Steger in Relation zu "echten großen Korruptionsfällen". Er finde es seltsam, dass niemand die Gelegenheit findet es vor einen Richter zu bringen, wenn ein Ex-Finanzminister mit 500.000 Euro über die Grenze fährt und sagt, seine Schwiegermutter habe ausprobieren wollen, ob er das Geld gut anlegt. Werner Königshofer kenne er gar nicht, mit dem wolle er sich auch gar nicht beschäftigen. "Ich schließe aus, dass es eine wirklich breite Nazistruktur in der FPÖ gibt", meint Steger und lobt die schnellen Reaktionen von Strache, wenn derartige Probleme auftreten.

Koalitionen

"Die Freiheitliche Partei hat derzeit keine andere realistische Option als die Zusammenarbeit mit der ÖVP", meint Steger angesprochen auf zukünftige Koalitionen. Ob Strache das Potenzial für den Kanzlerposten hätte? "Ich glaube, dass er ein unheimlich talentierter Politiker ist, der auch die Fehler nicht macht, die ein Jörg Haider gemacht hat." Aber er werde nicht Kanzler werden, wenn er nicht deutlich über 30 Prozent bekomme. 

Berg in der Wüste

Indirekte Kritik äußert Steger auch an Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann: "Ich glaube schon, dass es von der Kanzlerschaft Kreisky bis heute ein gewisser Abstieg in der Kanzlerschaft feststellbar ist." Auch zu ÖVP-Chef Michael Spindelegger will Steger keine direkte Kritik äußern. Er bemüht nur einen Vergleich: Früher seien die Politiker mit 8.000-er Bergen vergleichbar gewesen, heute. Daneben sei ein 2.000-er ein kleiner Berg, aber in der Wüste sei das sehr hoch. (rasch, derStandard.at, 11. August 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
1 2 3
Verbrecher schreibt man mit F!
00
25.8.2011, 22:39
Die Aufklärung dazu!

Burschenschafter Vortrag von Heribert Schiedel
http://www.youtube.com/watch?v=k... re=related

und

Spaziergang in Wien mit Heribert Schiedel
http://www.youtube.com/watch?v=A... re=related

Die Justiz weiß das vielleicht auch???

Magnus13
01
14.8.2011, 17:41
Keine breite Nazistruktur?

dies ist ein alberner Wunschtraum von Steger. Ohne dieser breiten Struktur wäre die FPÖ noch immer eine Kleinstpartei, wie unter Stegers Zeiten.

The European
11
14.8.2011, 15:42
Chapeau!

Ich mag den Steger! Unglaublich, wozu sich die FPÖ entwickelt hat. Finde es super, dass Steger dem Proleten V die Leviten liest!

Zappelzapp
11
14.8.2011, 05:11
Dieser Herr Steger wurde anno 1983 zum Liberalen umgelogen

um die FPÖ, mit der doch eine SPÖ niemals nie nicht keinesfalls koalieren wird, zur Ansammlung von geläuterten Demokraten umzulügen. Herr Steger war, wie manche längst verdrängt haben, der erste blaue Vizekanzler dieser Republik.

Zum Glück ist diesem Land allerdings der Vizekanzler Friedrich Peter erspart geblieben, den ein gewisser Kreisky für diesen Posten 1979 in Aussicht gestellt hatte. Jener Kreisky, der Simon Wiesenthal, der die SS-Vergangenheit des Vizekanzlers in spe aufgedeckt hatte, als angeblich Ingenieur und möglicherweise Kollaborateur der Nazis verleumdet hatte.

john the miracle
45
12.8.2011, 14:36
bitte in welcher welt...

...lebt der steger? "ich schliess aus dass es eine wirklich breite nazi struktur gibt"? was ist denn die fpö bitte anderes als eine ansammlung von braun gefärbten protagonisten? ich glaube den herrn sollte mal jemand aufwecken!

Phryx Sodalis
06
12.8.2011, 12:46

Das größte Problem ist, dass die Menschen die Politiker insgesamt für Gauner halten (was zu einem großen Teil wohl stimmt). Dadurch verlieren sie das Interesse an Themen, weil "die da oben" sich sowieso alles richten.
Es bleiben nur die niedrigen Instinkte übrig, und die bedient die FPÖ am besten. Dabei übersehen die Leute leider, dass die FPÖ die Interessen der Reichen und Industrie vertritt (flat tax usw.). Das ist aber die Schuld der SPÖ und Grünen, die beide völlig unfähig scheinen, mit EINFACHEN und KLAREN Botschaften die normalen Menschen mit ihren alltäglichen Problemen (Soziales und Arbeit) zu erreichen.

ewald berkmann1
03
12.8.2011, 14:11
und dieser herr steger . . .

. . . konnte sich einst als liberal verkaufen?
was sich heute nur als überheblichkeit gegenüber der überbordenden nazi-dummheit seiner gesinnungsgenossInnen entpuppt.

Zaungast8
 
00
16.8.2011, 16:48
das Problem war eher das,

dass er damals nicht (mehr) die damalige FPÖ repräsentiert hat. Wie der unrühmliche Parteitag in Innsbruck gezeigt hat.

sunshine-barcelona
21
12.8.2011, 12:43
Ich hoffe

dass die ÖVP dies mal realistisch genug sein wird dieser FPÖ keine Chance zu geben. Ohne es wahrhaben zu wollen leidet Österreich noch heute unter den vollkommen abgehobenen und unrelistischen, ja schädlichen Vorgängen dieses Herrn Schüssel und der im Nachhinein gesehen katastrophalen Ära, die ja auch nach ihm so benannt wurde.

cantanto
00
12.8.2011, 12:31
"In der Wüste ist 2000 m schon sehr hoch"

Genialer geht es nimmer!

Trotzdem: warum eine Persönlichkeit wie Steger sich nicht von der Strache/Schech FPÖ lossagt verstehe ich nicht.

hotta
21
12.8.2011, 12:07
Ich gehöre

zu der Generation, die Dr. Steger als aktiven Politiker erlebt hat. Ihm heute in einem ausführlichen Interview zuzuhören macht mir Freude. Abgeklärt und klug argumentiert er, mischt sich nicht ein und vertritt Ansichten, die ich für mehrheitsfähig halte.

FalscherProphet
12
12.8.2011, 19:17
Mit Verlaub, aber WAS an Stegers Aussagen

kann denn einem antifaschistisch eingestellten Bürger bitte Freude bereiten?

Dass er bei Martin Graf eine "Besserung" ortet?
Martin Graf ist ein alteingesessener, rechtsextremer Burschenschafter. Der wird sich NIE zum verfassungsfreundlichen Demokratie-Verteidiger "bessern".

Dass Herr Steger seinen Freund Strache als "bezüglich rechtsextremen Ausfällen in der Partei schnell handelnd" beschreibt?
Werner Königshofer ist doch schon EWIG als Rechtsextremist bekannt (Ex-Mitglied der NDP usw.). Ein glaubwürdiges hartes Durchgreifen seitens der FPÖ wäre es nur, wenn sie Königshofer NIE in die Partei gelassen HÄTTE!

Ich hielt Norbert Steger bis dato auch für einen glaubwürdigen Liberalen, der sein Bestes in der FPÖ gab.
Ich täuschte mich leider.

Jake Gittes
13
12.8.2011, 09:13

Was für ein Heuchler. Scheinbar ist es ja so, wenn der Geist dieser unseligen Partei auf sie selber trifft, dann jaulen sie auf und sind ganz überrascht und hätten sich das nie träumen lassen. Wenn dieser Ungeist aber nach außen geht, auf Linke, Ausländer, Schwule oder wen auch immer, dann bleiben sie ganz stumm und brav.

witherabbitt
 
11
12.8.2011, 02:25

Steger dürfte sich hinsichtlich des Filzes zwischen FPÖ und Rechtsextremismus, Neo- und Altnazis noch an Haiders Unberechenbarkeit in diesem Punkt klammern, oder er ist politisch schizophren.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
02
12.8.2011, 13:27
niemand erinnert sich offensichtlich mehr an das legendäre zweibildrige cartoon von Deix:

1) Steger steht vor einem größeren Rudel FPler und ruft "Nazis raus aus der FPÖ!"

2) Steger steht fast alleine im Bild, ein paar Männlein treiben sich im Hintergrund herum.

Der Steger mag deutschnationale Wurzeln haben, aber im großen und ganzen war er immer ehrlich bemüht, ein Liberaler zu sein. À la longue chancenlos in der Partei, wie ja seine Wegputschung durch Haider in IBK 1986 klar gezeigt hat.

francesco11
110
11.8.2011, 22:50

habe den steger immer für einen etwas vernünftigeren menschen in der fpö gehalten, dass er aber immer noch in dieser partei ist und letztlich strache die stange hält, zeigt, wes geistes kind er ist...

Don Gino
01
12.8.2011, 09:38
für mich ist ohnehin erstaunlich

dass es ihn ÜBERHAUPT noch gibt.
dachte, der haider hätte ihn nach garnixistan geschossen....

tmspirits
31
11.8.2011, 22:43
ÖVP = Burschenschaftler Sumpf

Naja eh klar in der ÖVP sind ja mehr High Level Burschenschaftler als in der FPÖ...eh klar, dass die ÖVP UND FPÖ die einzige chance sind...aber ich denke mal NAZIS und Rechtsextreme zerstreiten sich eh nur...d.h. im 2013 wird es keinen Wahlerfolg der Blauen geben...

Hubert Ungeist
 
45
12.8.2011, 07:08
Nur das Burschenschafter = Nazi falsch ist..

aber genau das wollen Grüne und SP erreichen. Volles Rohr gegen die VP mit Halbaussagen.

Aber sie verrechnen sich. Sie lehnen die VP ab, und werden den Strache bekommen. Genauso wie sie (zu Recht) Dollfuß abgelehnt haben, und dafür Hitler bekommen haben.

trollvottel
02
12.8.2011, 12:04

Schlagende Burschenschafter _sind_ so gut wie immer Neonaz1s, offen antisemitisch und rechtsextrem. Die Nationalromantik Mitte des 19.Jh. wurde halt sehr bald zu völkischem Chauvinismus -- die Burschenschaften waren bald Hauptverbreiter des völkischen Antisemitismus, wollten sich gezielt der jüdischen Konkurrenz an den Unis entledigen, waren Hauptakteure bei Bücherverbrennungen -- und wurden unter dem NS-Regime nicht etwa "verboten", wie sie heute weinerlich daherlügen, sondern gingen zu 100% im NS-Studentenbund auf.

In der ÖVP gibt es Leute, die sich ähnlich verkleiden und ähnlich viel saufen -- allerdings ist der CV österreichpatriotisch statt deutschnational, christlich statt faschistisch.

FalscherProphet
00
12.8.2011, 18:55
Die Aussagen von der Spitze des ÖVP-nahen Akademikerbunds

untermauern übrigens die Feststellung, dass auch in "konservativen akademischen Kreisen" durchaus Rechtsextreme beheimatet sind:

http://wien.orf.at/stories/431552

kh g
00
12.8.2011, 11:02
Nostradamus

zerwas1
21
11.8.2011, 22:09
Ein Verlierertyp

Zuerst hat er die Partei ruiniert, dann hat er seine Freunde mit einem schwindlichen Karabikprojekt finanziell geschädigt und jetzt haut er die ORF Nutzer in die Pfanne, die für den unnötigen Privilegienstadel zahlen müsen.

Gerhard Gilnreiner
 
00
11.8.2011, 21:14
Zur Koalition sagte Häupl das einzig Richtige......

.....die Wähler wollen die FPÖ als Opposition und nicht in der Regierung

.....egal wie tief und wie gefärbt man Wahlergebnisse und Meinungsumfragen analysiert, die FPÖ sammelt unzufriedene Protestwähler/Wutbürger, in der Hoffnung, dass deren laute Stimme auch der jeweiligen Regierung Dampf macht

.....damit kommen aber die FPÖ-Basher in den Verdacht, die Geschäfte der Turbokapitalisten zu besorgen - kaum bewusst, eher als "nützliche Idioten"

.....wer das heute anders sieht, ist - nach meiner Einschätzung - nicht ernst zu nehmen

witherabbitt
 
04
12.8.2011, 02:20

Die FPÖ wird sich am »Turbo-Kapitalismus« beteiligen, wo sie nur kann, das war schon immer so bei den Rechtsradikalen so, egal ob sie sich elitär-wirtschaftsliberal oder national und sozialistisch geben. Siehe Dörfler, der seine Achse zu den Sozialdemokraten pflegt, und die Gewerkschaft auflösen will, als gäbe es keine Industriellenvereinigung. Da ist völlig klar, wer da die nützlichen Idioten sind, nämlich gerade die, die glauben, die FPÖ wäre ein ehrlicher Makler ihrer Proteste. Schließlich scheinen Sie nicht zu verstehen, daß der Filz mit Neonazis und Rechtsextreme keine Bagatelle ist, die bestenfalls paar Historiker zu interessieren hätte.

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