Trotzdem keine signifikante Steigerung der Sozialquote zu erwarten
Wien - Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft verursacht der öffentlichen Hand Mehrkosten von über einer halben Milliarde Euro pro Jahr. Diese Berechnung präsentierte Hans Steiner, der Leiter der sozialpolitischen Grundsatzabteilung im Sozialministerium, bei einem Journalisten-Seminar. Trotz des steigenden demografischen Drucks rechnet der Experte aber nicht mit einer signifikanten Steigerung der Sozialquote, also des Anteils der Sozialausgaben an der Wirtschaftsleistung.
Die öffentlichen Ausgaben für einen Menschen, der 65 Jahre oder älter ist, liegen bei mehr als 32.000 Euro inklusive Pensions- und Gesundheitsleistungen pro Kopf. Sie sind damit etwa sechsmal höher als für eine jüngere Personen. Zudem wird laut Prognose der Statistik Austria der Anteil der über 65-Jährigen bis 2030 von 17,5 auf 23,8 Prozent der Gesamtbevölkerung oder um 680.000 Personen steigen. Aus diesen Gründen betragen die zusätzlichen Mehraufwendungen für die Sozial- und Gesundheitssysteme durchschnittlich rund 550 Millionen Euro pro Jahr.
Sozialquote gleichbleibend
Trotzdem erwartet der Experte aber keinen dramatischen Anstieg der Sozialquote. Dieser Anteil der Sozialausgaben am BIP lag bis 2008 meist zwischen 28 und 29 Prozent und ist dann durch die Wirtschaftskrise 2009 auf 30,8 Prozent geklettert. Für 2010 wird wieder ein leichter Rückgang auf 30,5 Prozent oder 86,8 Milliarden Euro erwartet. Bei einem angenommenen BIP-Wachstum um jährlich zwei Prozent (zwischen 1995 und 2008 lag es bei jährlich 2,4 Prozent) und unter der Bedingung, dass die altersspezifischen Sozialausgaben pro Kopf im gleichen Ausmaß wie seit 1995 weiter wachsen, wird die Sozialquote den Berechnungen Steiners zufolge auf 32,6 Prozent steigen.
Dass sich die Sozialquote trotz der Alterung der Gesellschaft nicht stärker erhöhen wird, begründet der Experte vor allem damit, dass zwar die Zahl der Bezieher von Sozialleistungen steigt, die Leistungen selbst aber pro Kopf geringer steigen als die Wirtschaftsleistung. So sind etwa die Pensionsanpassungen seit 1995 mit 24 Prozent nur rund halb so hoch ausgefallen wie das BIP-Wachstum (53 Prozent). Die Anpassung des Pflegegeldes hat in diesem Zeitraum überhaupt nur zehn Prozent betragen. Und die altersbedingen jährlichen Mehrkosten von rund 550 Millionen Euro entsprachen bisher nur etwa einem Zehntel des BIP-Wachstums. (APA)