"Die Sache Makropulos" im Großen Festspielhaus
Salzburg - Die letzte Neuproduktion dieses Salzburger Festspielsommers
(es folgt noch die Giovanni-Wiederaufnahme) erwies sich als der
angesagte tolle Wurf: Leos Janaceks "Die Sache Makropulos" wurde dabei
zum Triumph für Sopranistin Angela Denoke (als Emilia Marty).
In der Rolle der sehr Lebenserfahrenen Dame (durch einen Zaubertrank ist
sie 337 Jahre alt) gelingt Denoke eine sensationelle Demonstration ihres
raffinierten Könnens. Inniger können theatrale und gesangliche
Fähigkeiten nicht verschmelzen: Denoke gibt die sich schließlich gegen
die "Unsterblichkeit" entscheidende Sängerin als kühle Zynikerin mit
ungefährdeter lyrischer Pracht, die bei aller Kultiviertheit hohe
Unmittelbarkeit erreicht.
In einem Gerichtssaal ist die Geschichte angesiedelt, die der Schweizer
Regisseur Christoph Marthaler mit präziser und subjektiver Kraft
erzählt. Keine Geste ist dem Zufall überlassen, Marthaler stattet alle
Figuren mit Individualität aus und baut auch skurrile Existenzen in die
surreale Geschichte ein. Die Wiener Philharmoniker unter Esa-Pekka
Salonen entfalten ihre volle Klangpracht in kontrollierter,
sängerfreundlicher Form und sich zum Schluss hin noch steigernder
Farbigkeit.
Großer Applaus für Denoke, die anderen allesamt tollen
Sänger und den Dirigenten. Nicht minder freundlich die Reaktionen
gegenüber Marthaler. Zurecht. (Ljubisa Tosic/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2011)