Nachtkritik

Vor -und Nachteile eines überlangen Lebens

11. August 2011, 00:24

"Die Sache Makropulos" im Großen Festspielhaus

Salzburg - Die letzte Neuproduktion dieses Salzburger Festspielsommers (es folgt noch die Giovanni-Wiederaufnahme) erwies sich als der angesagte tolle Wurf: Leos Janaceks "Die Sache Makropulos" wurde dabei zum Triumph für Sopranistin Angela Denoke (als Emilia Marty).

In der Rolle der sehr Lebenserfahrenen Dame (durch einen Zaubertrank ist sie 337 Jahre alt) gelingt Denoke eine sensationelle Demonstration ihres raffinierten Könnens. Inniger können theatrale und gesangliche Fähigkeiten nicht verschmelzen: Denoke gibt die sich schließlich gegen die "Unsterblichkeit" entscheidende Sängerin als kühle Zynikerin mit ungefährdeter lyrischer Pracht, die bei aller Kultiviertheit hohe Unmittelbarkeit erreicht.

In einem Gerichtssaal ist die Geschichte angesiedelt, die der Schweizer Regisseur Christoph Marthaler mit präziser und subjektiver Kraft erzählt. Keine Geste ist dem Zufall überlassen, Marthaler stattet alle Figuren mit Individualität aus und baut auch skurrile Existenzen in die surreale Geschichte ein. Die Wiener Philharmoniker unter Esa-Pekka Salonen entfalten ihre volle Klangpracht in kontrollierter, sängerfreundlicher Form und sich zum Schluss hin noch steigernder Farbigkeit.

Großer Applaus für Denoke, die anderen allesamt tollen Sänger und den Dirigenten. Nicht minder freundlich die Reaktionen gegenüber Marthaler. Zurecht. (Ljubisa Tosic/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2011)

Nemsai
21
11.8.2011, 13:48
Tatsächlich ausgezeichnet!

Neben den Sängern und Musikern sind auch die "stillen" Schauspieler - insbesondere Silvia Fenz - hervorragend: sie spielen das Alter Ego der Hauptfigur und sind eine wundervolle Ergänzung zur Oper.

MyNameIsNobody23
00
11.8.2011, 10:41

Ja hallo, LT - das ist ja eine positive Rezension! noch dazu bei einer Produktion in Salzburg - das man das noch erleben darf...

Es gibt allerdings auch nichts Negatives zu berichten. Erstmalig keine Buhrufe für Marthaler, - zu diesem Stück ist seine Inszenierung wirklich wunderbar gelungen. Sehenswert, hörenswert, perfekt.
Bravo!

MyNameIsNobody23
00
11.8.2011, 11:42

natürlich: "daß man das erleben darf"
peinlich peinlich, sorry!

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