Niemand will die Sirenen der Feuerwehr hören
Die Krisenfeuerwehren rücken wieder aus. Die US-Notenbank kündigt an, ihre
Niedrigstzinspolitik zu verlängern, die Europäische Zentralbank leiht
kapitalbedürftigen Banken 50 Milliarden Euro, die Schweizer Notenbank kämpft mit
weiteren Mitteln gegen den starken Franken. Sie alle versprechen, das Feuer der
Angst, in dem das Vertrauen auf einen Aufschwung verbrennt, zu löschen. Doch
niemand will die Sirenen der Feuerwehr hören.
Denn die Feuerwehren haben selbst mit Bränden im eigenen Haus zu kämpfen. Die
Europäische Zentralbank kauft wieder kräftig Staatsanleihen stark verschuldeter
Eurozonenländer, die Fondsmanager wegen des Risikos aus ihren Portfolios
geworfen haben. Die US-Notenbank ist mit ihrem extrem laxen Kurs der Geldpolitik
an die Wand gefahren, denn die US-Wirtschaft ist im ersten Halbjahr kaum
gewachsen. Dabei hätten die Ankäufe von Staatsanleihen die Wirtschaft deutlich
ankurbeln sollen.
Nun hoffen zahlreiche Kommentatoren auf die Verlängerung des Programms.
Sicherlich nicht wegen des großen Erfolgs seiner Vorgänger. Denn die anhaltend
laxe Geldpolitik führt zu weiterer Fehlverwendung von Kapital. Statt in
produktive Werte zu investieren, stopfen verstörte Anleger ihr Geld in totes
Kapital wie Gold und Gemälde. Dass höhere Renditen auf Aktienmärkten auch zu
neuer Konsumlust führen könnten, ist nach den jüngsten schwachen
Wirtschaftsdaten mehr als fraglich. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2011)