Wie der Arbeitsmarkt das Pensionsproblem lösen soll

10. August 2011, 18:10

Arbeiterkammer entwickelt neues Computerprogramm

Wien - Quer durch Europa wird die zunehmende Überalterung der Gesellschaft als Problem für die Pensionssysteme gesehen. Dass die Rolle des Arbeitsmarktes mindestens genauso wichtig sei, werde dabei meistens vernachlässigt, findet die Arbeiterkammer (AK). Sie hat nun ein Computerprogramm entwickelt, mit dem die ökonomischen Folgen der Demografie besser sichtbar gemacht werden sollen.

Im Fachchinesisch nennt sich das Ganze "Abhängigkeitsquoten-Rechner". Der EU-Kommission wurde es bereits vorgeführt. Vereinfacht gesagt, werden dabei die Bezieher von Transferzahlungen (berücksichtigt wurden aber nur Pensionen und das Arbeitslosengeld) in Relation zur Zahl der Erwerbstätigen gestellt.

Für das Beispiel Österreich heißt das: Auf 1000 Erwerbstätige kamen in Jahr 2008 rund 610 Pensionisten und Arbeitslose. Zieht man nur die demografischen Zahlen heran, zeigt sich ein anderes Bild: Aktuell kommen auf 1000 Menschen im Erwerbsalter (15 bis 64) rund 260 im Pensionsalter.

Wie verändert sich nun dieses Bild im Langzeitvergleich? Wenn sich die Beschäftigungsquote in den nächsten Jahrzehnten nur geringfügig verbessert (von derzeit 66 auf 69 Prozent), werden im Jahr 2050 rund 900 Pensionisten und Arbeitslose auf 1000 Erwerbstätige kommen. Entwickelt sich der Arbeitsmarkt aber deutlich besser und die Beschäftigungsquote steigt auf 76 Prozent (was in Dänemark schon der Fall ist), werden den 1000 Erwerbstätigen nur 780 Pensionisten und Arbeitslose gegenüberstehen.

Der Anstieg im Vergleich zu 2008 könnte also auf ein schwaches Drittel beschränkt werden, erklärte Josef Wöss von der Arbeiterkammer Wien am Mittwoch vor Journalisten. Betrachtet man nur die Altersstruktur, kommt es bis 2050 fast zu einer Verdopplung der Über-65-Jährigen.

Seine Conclusio: Der Arbeitsmarkt sei eine "zentrale Stellschraube", um die Herausforderungen des demografischen Wandels bewältigen zu können. Man könne diese Frage nicht nur auf das Pensionssystem reduzieren, was aber bei den meisten Experten in Österreich und auch auf EU-Ebene der Fall sei.

Kostendämpfend

Durch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, altersgerechte Arbeitsplätze, gezielte Gesundheitsförderung sowie Aus- und Weiterbildung könnten die steigenden Kosten für die Sozialsysteme erheblich gedämpft werden. Ganz ohne Mehrkosten für ältere Menschen werde es aber sicher nicht gehen.

Dem Einwand, dass auch ein Anstieg auf 780 Transferempfänger pro 1000 Erwerbstätige dramatisch sei, hält Wöss entgegen: Derartige Steigerungsraten habe es auch in den vergangenen Jahrzehnten gegeben. Außerdem werde durch bereits durchgeführte Pensionsreformen die durchschnittliche Pensionshöhe im Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen sinken. Die Ausgaben für 780 Transferbezieher müssten also gar nicht höher sein als derzeit für 610. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
1 2
archimed
00
23.8.2011, 07:44
grundproblem:

wir hätten diese ewig andauernde und leidige diskussion über das pensionssystem nicht, wenn die politik eine leistungsfreudigere und leistungswilligere gesellschaft fördern würde.
Im "land der raunzer", wo konses herrscht, wenn es darum geht, über die unzurechnungsfähigkeit und unfähigkeit der anderen zu schimpfen, ohne sich aber selber an der nase zu nehmen und gutes beispiel vorzuleben, gedeiht eher missgunst, neid und hass denn anerkennung, lob und optimismus.

schade eigentlich, wenn man bedenkt, wie viel potential hier vergeudet wird!

have a nice day ;-)

CrangerMan
00
13.8.2011, 14:49

Eigentlich löst der Arbeitsmarkt nicht das Pensionsproblem, es ist umgekehrt.

pagat ultimo
00
20.8.2011, 08:36

äh - wie bitte?

Befreier von Butter und Eier
01
12.8.2011, 15:12

Ich sag nur: Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!

Benjamin Klein
00
15.8.2011, 15:15
die Vielen die von den Problemen und deren Ursachen keine Ahnung haben

sind auch UNZUFRIEDEN !!

also das wir kein Lösungsansatz, ....

Dagmar Rehak Wien
 
22
12.8.2011, 14:43

Es wird immer so getan, als würden die Arbeitenden die Nichtarbeitenden alimentieren, aber das stimmt nicht. Es würde vollkommen reichen, durchschnittlich 6-10 Stunden in der Woche zu arbeiten, und alle könnten im Luxus leben. Die meiste der in Ö absolvierten Arbeitszeit ist völlig unnötig.
Was uns wirklich auffrisst, sind die Zinsen und Zinseszinsen. Um die könnten wir pro Jahr noch ein extra Monat leben, und sie sind, im Gegensatz zu den Pensionen und dem Arbeitslosengeld, dann tatsächlich weg, bzw. bilden ein Vakuum, in das unsere Infrastruktur eingesaugt ("privatisiert") wird, bis von Ö nix mehr da ist.

Aber um das zu verschleiern, werden die Leute gegeneinander ausgespielt.

ichbinsofrei.net
02
11.8.2011, 12:27

Die schönste Lüge zu den Sozialreformen: "die alternde Gesellschaft"
- ein unwidersprechlich natürlicher Grund für die wachsende Armut von jung und alt

http://doku.argudiss.de/stream.php?id=67

Christoph Karl Steininger
13
11.8.2011, 12:30
Wobei der wirkliche Grund

der zunehmende Reichtum einer verantwortungslosen Oberschicht ist!

Einer neuer Nick, um jeden Preis!
11
11.8.2011, 15:33
Ob das so einfach ist? Große Teile dieses Vermögens sind ja spekulativ, nur auf dem Papier und werden von der nächsten großen Krise wieder vernichtet werden.

Man darf sich das nicht so vorstellen, dass 1000 Menschen zwangsläufig sehr arm sein müssen, damit einer sehr reich sein kann.

Die Reichtumsfrage ist eine Neidfrage. Ungerechtigkeit kommt durch Zugangs- und Machtfragen zustande, Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Teilnahme an politischen Entscheidungen, Rechtssicherheit, Arbeitsbedingungen.

Das Versagen findet also auf politischer Ebene statt. Freilich wirken Einzelne und Gesellschaftsgruppen auf die Politik in ihrem Sinne ein. Das ist aber an sich legitim. Das Problem ist, dass die Politik sich nicht mehr um einen Ausgleich bemüht, letztlich deswegen weil ihr Handeln auf kurzfristige Vorteile für die politischen Akteure abzielt.

ichbinsofrei.net
10
11.8.2011, 13:46

"Verantwortungslos": Wofür sollen die denn Verantwortung haben außer für die, die sie wahrnehmen - also die für die Vermehrung ihres Vermögens? So wie auch Unternehmen nur eine Verantwortung kennen: Profit.
Verantwortungslos ist also der falsche Begriff, mit Moral kommt man nicht weiter.

Harald Schoenknecht
00
11.8.2011, 15:31

... aber die einfachen Leute sollen moralisch handeln, und ja nicht auf die Idee kommen selbst fuer etwas Gerechtigkeit zu sorgen?

Eine Gesellschaft ohne Moral ist... explosiv.

PeAcE

ichbinsofrei.net
01
12.8.2011, 11:31

Fragen Sie sich doch einfach, in welchen Gesellschaften Moral VON NÖTEN ist.

Harald Schoenknecht
00
12.8.2011, 12:05

Kann ich Ihnen ans Herz legen: http://de.wikipedia.org/wiki/Eine... _der_Moral

PeAcE

ichbinsofrei.net
01
12.8.2011, 21:17

Danke für die Bestätigung!

Und nun für Sie was:
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#270

Alpha Centaurus
010
11.8.2011, 11:51

Der Arbeitsmarkt wird das Problem nicht lösen können, denn es wird immer mehr automatisiert und optimiert und es ist jetzt schon nicht genug Arbeit für alle da.

Deshalb Besteuerung der Produktionsmittel und des Kapitals - alles andere wird auf Grund der demographischen Entwicklung zum Scheitern verurteilt sein.

Duck of Death
27
11.8.2011, 11:24

Einfach ein paar Meter weiter in die Schweiz schauen. Alle Einkünfte sind in eine Pensionskassa abgabenpflichtig. Problem gelöst.

BezirksvorStenzl
00
13.8.2011, 13:56
Schweiz ist nicht Österreich.

`francis
00
13.8.2011, 13:33
Schüssel's dritte Pensionsäule?...

pensionskassa was ist das? ist ein zubrot für versicherungen die am ende nicht auszahlen,da die spekulation sprich gewinn der aktionäre den vorang hat.

wer garantiert mir, das ich in 40.jahren mein einbezahltes geld, mit zinsen in "monatlichen" raten zu meiner bürgerpension erhalte.

archimed
00
23.8.2011, 07:25
niemand!

Graz&Wien
08
11.8.2011, 10:41
Einspruch

Wenn das Kapital weiterhin die Arbeitskraft substituiert wird sich die Rechnung nicht ausgehen. Wir brauchen - gestützt von der Politik - Instrumente die die Arbeitskraft finanziell ent- und das Kapital belastet. Aber unsere Politiker (und die der gesamten EU bzw. der gesamten neoliberalen Welt) sind zu feige um eine Umverteilung (rechtzeitig) zu starten!!

archimed
00
23.8.2011, 07:26
...weil sie nix anderes kennen und können!

Oliver Gerber
010
11.8.2011, 09:49

An der Grundaussage der AK ist schon was dran - in die Berechnungen müssen alle Erwerbsfähigen und nicht nur die Erwerbstätigen einbezogen werden.

Weiteres Detail, das mich interessieren würde: Wie hat das Verhältnis Erwerbsfähige zu Erwerbstätigen in den 60er und 70er Jahren ausgesehen, wie Frauen im Beruf ja noch eher die Ausnahme waren? Das müsste damals ähnlich gewesen sein und der Staat ist deswegen auch nicht zusammengebrochen.

Thalhammerin
17
11.8.2011, 09:45

Eigentlich eine gute Untersuchung, weil sie zeigt, dass es 2 Enden gibt, in die der Staat hineinbuttert und nicht nur eines. Neben den Pensionisten gibt es noch die Leute im erwerbsfähigem Alter, die erst zwischen 25 und 35 Jahren ins Arbeitsleben einsteigen und bis dahin den Staat nur etwas kosten, aber nichts bringen. Wenn sie früher einsteigen würden entlastet das natürlich auch die Pensionskassen - außerdem würden die Chancen steigen, dass die Betroffenen auch tatsächlich 45 Jahre ihre Beiträge zahlen und nicht nur 30.

gebt den stevia frei
10
11.8.2011, 11:46

Nur ist früher einsteigen für diejenigen, die bereits jetzt nicht arbeiten, kaum möglich.

Die haben die Wahl zwischen Vollzeitstudium, das je nach Länge (Doktorarbeit) mit 25-30 abgeschlossen ist oder ein Teilzeitstudium, wo sie nur halb so viel verdienen und das dann bis 30-35 dauert.

Man könnte die Kosten für die jungen "Arbeitslosen" senken, aber damit würde man die Pensionskassen schwächen.

Das kann man eigentlich als Systemfehler bezeichnen. Die Pensionisten leben auf Kosten der subventionierten jungen "Arbeitslosen", die die Subventionen wiederum in die Wirtschaft stecken.

Reich sein muss sich lohnen!
03
11.8.2011, 09:38

Die sollen mal die Produktivität mit ein rechnen.

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