Unfreiwillige Medienstars

Ureinwohner von Drogenbanden bedroht

10. August 2011, 17:13

Die isolierten Ureinwohner in Brasilien, deren Bilder vor drei Jahren um die Welt gingen, sind seit Tagen verschwunden - sie könnten von Söldnern aus Peru getötet oder vertrieben worden sein

Jetzt sind sie nicht mehr nur im Visier von Holzfällern, sondern auch noch von Drogenhändlern: die isoliert lebenden Ureinwohner aus dem brasilianischen Amazonasgebiet, deren Bilder vor drei Jahren um die Welt gingen. "Einen der härtesten Schläge für unsere Arbeit" befürchtet Carlos Lisboa Travassos, der die Abteilung "Isolierte und vor kurzem konktaktierte Indigene" der Indianerbehörde Funai leitet.

Am Wochenende war die Lage für den Regierungsfunktionär und seine vier Mitarbeiter besonders kritisch. "Wir sind vollständig von schwer bewaffneten Peruanern umzingelt", mailte Travassos von einem Funai-Stützpunkt am Xinane-Fluss im westlichen Bundesstaat Acre, 23 Kilometer von der Grenze zu Peru entfernt. Der Waldläufer José Carlos Meirelles, der 2008 die Veröffentlichung der Luftaufnahmen veranlasst hatte, informierte den Journalisten Altino Machado: " Sie sind noch hier, mehrere Gruppen von jeweils fünf, sechs Leuten. Sie beobachten uns und wir sie." Von den Indigenen fehle hingegen jede Spur. "Wir bleiben hier, koste es, was es wolle, bis der brasilianische Staat ein für allemal beschließt, diese absurde Situation zu lösen", schrieb der 63-Jährige, "nicht zu unserem Schutz, sondern zu jenem der Indianer!"

Wenig später fand er einen Koffer mit Munition und einem abgebrochenen Pfeil der Ureinwohner. "Diese Typen jagen die isolierten Indianer, jetzt haben wir einen klaren Beweis", mailte Carlos Travassos. "Wir sind besorgt darüber, dass den Indianern etwas zugestoßen sein könnte", erklärte Gouverneur Tião Viana. Er befürchtet, die Peruaner könnten auf das Töten von Ureinwohnern spezialisierte "Söldner" im Dienst von Holzfällern und Drogenhändlern sein.

Bescheidene Mittel

Die Mittel des abgelegenen Bundesstaates sind bescheiden, Grenzregionen sind ebenso wie Indianerschutzgebiete und Drogenhandel Bundessache und werden im fernen Brasília entschieden. Deshalb forderte der Gouverneur einen Einsatz von Armee und Bundespolizei - sowie Gespräche mit der peruanischen Regierung. "Diese Völker sind ein Erbe der Menschheit, ein Symbol einer anderen Zeit und einer anderen Geschichte, die wir nicht kennen", sagt Tião Viana.

Den bewaffneten Peruanern waren die Funai-Leute zum ersten Mal am 23. Juli begegnet. Daraufhin verließen die Indianerschützer den Stützpunkt. Knapp zwei Wochen später, am letzten Freitag, flogen sie mit einem Armeehubschrauber zurück. Bei dem Blitzeinsatz nahm die Bundespolizei den portugiesischen Drogenhändler Joaquim Antônio Custódio Fadista fest - im März war er nach einer ersten Verhaftung ausgewiesen worden. Doch zum großen Unmut der Indianerschützer flogen die Uniformierten noch am selben Tag zurück. "Zusammen mit der Polizei hätten wir alle Eindringlinge schnappen können", schrieb Travassos.

Für Gouverneur Viana steht fest, dass Indígenas vor Urwaldzerstörung und Drogenproduktion im peruanischen Amazonasgebiet nach Brasilien fliehen. In Brasilien ist das mediale Echo bisher bescheiden. Immerhin überflogen am Dienstag mehrere hohe Regierungsbeamte aus Brasília die Region und versprachen baldige Militärpräsenz. Für Funai-Chef Márcio Meira hat sich die Lage beruhigt: "Alles deutet darauf hin, dass es den Indianern gutgeht." (Gerhard Dilger aus Porto Alegre/DER STANDARD, Printausgabe, 11. 8. 2011)

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Posting 1 bis 25 von 73
1 2
Peacefaktor
00
12.8.2011, 13:51
Unverständlich:

Wo liegt für die Drogenkartelle der Sinn die indigene Bevölkerung dort abzumetzeln?
Kommt man in einen gewissen Konflikt, weil man in deren Gebiete eindringt, dann muss man halt einen anderen Weg nehmen. Der Amazonas ist ja groß genug, noch.

Ich kann immer nur den Kopf schütteln darüber, was Gier aus Menschen macht. Kaltblütige Mörder;

Zu vergangener Zeit: Wir werden dieses Wissen aus der "vergangenen Zeit" wieder brauchen.

Für die betroffenen indios hoffe ich, dass sie sich im Urwald verschanzt haben und sich irgendwo anders angesiedelt haben.

AlBundyFan
 
05
11.8.2011, 12:48
eine frage hätte ich noch

warum intressieren sich drogenhändler für diese indianer?
was bringt es denen diese indianer umzubringen?

nicht, daß ich denke, daß es ihnen nichts ausmachen würde - aber diese leute würden doch sowas normallerweise einfach nicht wahrnehmen weil es ihr leben nicht beeinflusst?

also warum gehen peruanische drogenhändler über die grenze um ein urwaldvolk auszurotten?

Enzo Canuzzi1
00
11.8.2011, 17:51
Vermutlich anders herum

Es waren vermutlich nicht die Drogenhändler die sich für die Indianer interessiert haben, sondern umgekehrt. Die Händler haben vermutlich im Revier der Indianer Drogenlabore errichtet und die Indianer versucht die Eindringlinge zu vertreiben ...

grmblhmpft
00
11.8.2011, 14:56

- Die Gegend ist sehr abgelegen
- keine Polizei, kein Militär vor Ort
- nur ein paar Indianer mit Pfeil und Bogen
- und Zeugen braucht man nicht

Schwedenbåmbe
11
11.8.2011, 17:51

Das sind doch keine Argumente! Was der Vorposter wohl meinte: was haben die Drogenhändler davon, was bringt ihnen das?

Justin Credible
41
11.8.2011, 11:51

"Diese Völker sind ein Erbe der Menschheit, ein Symbol einer anderen Zeit und einer anderen Geschichte, die wir nicht kennen"

> Symbol einer anderen Zeit: ahso die sind also stehen geblieben? Yay, ich hätt dacht Evolutionismus wäre heute nicht mehr so weit vertreten ^^

> Geschichte, die wir nicht kennen
Der Teil der Geschichte, den "wir" kennen wird nun mal gerne verdrängt, weil er eher grauslich ist...

your mother
10
11.8.2011, 12:16

Könnte man auch anders interpretieren und sollte man vermutlich auch.

"Symbol einer anderen Zeit.." zeigen uns, wie wohl die meisten Völker einmal gelebt haben in Bezug auf Naturverbundenheit, Mythen- Geister- und Götterwelten und entsprechendes Weltverständniss, ...

"Geschichte, die wir nicht kennen.." Ebenso eher einen Einblick in "unsere eigene" Geschichte; - dem Leben vor oder auch zwischen den "grossen" Kulturen.

Unsere eigene Geschichte ist garnicht eher grauslich.
Ganz im Gegenteil haben Menschen trotz so vieler Widrigkeiten, nicht zuletzt denen ihrer eigenen Natur, viel erreicht und Kultur und Ziviulistionen aufgebaut, die das potential hat sich selbst immer wieder zu verbessern und auch neu zu erfinden. Und letzlich waren voral

no_milk_today
02
11.8.2011, 19:38

Unsere eigene Geschichte ist garnicht eher grauslich.
---
lassen sie mich mal überlegen ... sollte sich der satz auf nach 1492 beziehen und auch nur rein europäisch gesehen gemeint sien ... sry, absolute nicht-nicht-zustimmung. scheint, sie blenden da einiges aus.

Justin Credible
00
11.8.2011, 13:03

Teil 2

> Unsere eigene Geschichte ist garnicht eher grauslich.
Das grauslich bezieht sich auf die Ereignisse ab 1492.

your mother
00
11.8.2011, 15:23

Warum 1492?
1492 Wurde Spanien übergeben und das war eher eine sehr positive Entwicklung, wenn man sich muslimische Staaten heute ansieht. Ausserdem war die Herrschaft über Spanien später für Europa oft ein nicht unwesentlicher Stabilitätsfaktor.

Vor 1492 gab es auch ziemlich viel Gewalt und Unrecht. Eigentlich ist es bis heute mit wenigen Ausnahmen nur besser geworden.

no_milk_today
01
11.8.2011, 16:22

es lebe der eurozentrismus. justins 1492 war wohl weniger auf spanien und die rückgabe von al andalus bezogen

your mother
00
11.8.2011, 18:36

Der war gut. Eurozentrismus und dann die "Entdeckung" Amerikas.
Kolonialisierung gab es auch schon davor und die Mittel waren die selben. Abgesehen davon war Gewalt, Ausbeutung und Völkermord ja nichts Neues. Amerika war nur eine neue Dimension.
Und auf dieser Ausbeutung beruht schliesslich auch der Wohlstand und die rasante Entwicklung der Kolonialmächte, also auch unser Wohlstand. Andernfalls würden jetzt vielleicht gerade die ersten Eisenbahnen in Europa gebaut.

no_milk_today
01
11.8.2011, 19:40

-> 2
Und auf dieser Ausbeutung beruht schliesslich auch der Wohlstand und die rasante Entwicklung der Kolonialmächte, also auch unser Wohlstand.

---

und darauf können wir sowas von stolz sein, weswegen wir es heute noch immer machen, wenn auch auf andere art. weil wir müssen unseren wohlstand ja ... äh ... verteidigen. nur irgendwann ist auch da der zenit überschritten, weil die ausgebeuteten nicht mehr ausgebeutet werden wollen.

no_milk_today
01
11.8.2011, 19:30

ihnen ist aber schon klar, daß diese ausbeutung unter genau diesen gesichtspunkten des eurozentrismus stattfand? die dort lebenden danach beurteilt wurden im sinne von alles wilde, keine kultur, ungläubige, die man erst erziehen muss usw. das einzige, was interessierte, war was gibts zu holen, wo sind wertsachen [gold gold und noch mehr gold], wie kann ich das meiste rausholen ohne den wenigsten verlusten an eigenen leuten ... man hätte diese kulturen auch weiter existieren lassen können anstatt sie abzuschlachten, hat man aber nicht.

klar, gab es auch schon vorher, nur mit dem vielleicht marginalen unterschied, daß zb rom mehr assimilierte als vernichtete.

your mother
00
12.8.2011, 10:53

Divide et impera war ein kluge und notwendige Politik, denn die Römer hatten es nicht nur mit Völkern zu tun, die ihnen technisch weit unterlegen waren.
Auch ist es etwas sinnfrei unsere Rechtsvorstellungen auf diese Zeit anzuwenden.

Zentner
02
11.8.2011, 16:02

1492 wurde Amerika "endeckt" Du Dodel...
Die Reconquisita, also die Eroberung der maurischen moslemischen Königreiche durch christliche Habsburger war sicher nicht positiv - nein vielmehr der Auftakt zu einem Massenmord an Moslems und Juden. Die moslemische Zeit Andalusiens war dagegen eine der kulturellen Blüte und Vielfalt. Dass sich Bin Laden auf Andalusien bezogen hat hat keinen Einfluss auf die Zeit damals oder die Verbrechen Bin Ladens.

your mother
00
11.8.2011, 16:21

Das mag für einige muslimische Staaten damals gegolten haben, aber in der zeit leben wir ja nicht mehr.
Ausserdem wer weiss wo Europa jetzt wäre...
Bin Laden war kein Moslem, sondern ein religiöser, fanatischer Geisteskranker.
Amerika wurde wiederentdeckt. Und die Herrschaft der dortigen Könige war ja auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Ausserdem gab es genau das selbe Vorgehen auch zuvor schon bei afrikanischen Kolonialisierungen, also nichts neues.

no_milk_today
01
11.8.2011, 19:34

Ausserdem wer weiss wo Europa jetzt wäre..
---
vergleicht man den kulturellen stand von al-andalus und anderen muslimischen ländern zu der zeit mit dem europas ... schauts zappenduster aus für europa. man fand es ja toll, das römische erbe [zumindest im zivilisatorischen bereich] mehrheitlich zu zerstören, da werk des teufels und so. kulturelle blüte ... gabs da keine in nächster sicht/zeit.

12
00
14.8.2011, 20:24
"da werk des teufels und so"

Was soll derr Unsinn?

Man hat sich das ganze Mittelalter hindurch auf das römische Erbe bezogen (z.b. "römischer Kaiser"; "karolingische renaissance", "ottonische renaissance") und es war insbesondere die Kirche, die auf diesem Erbe aufgebaut hat und sich als "römisch" empfand.

your mother
00
12.8.2011, 10:56

Na dann schauen sie sich muslimische Länder heute an und seien sie froh, daß Europa dieses Schicksal erspart geblieben ist. Das römische Erbe wurde übrigens einigermaßen gepflegt. Schließlich hat sich jeder Kaiser auf genau das berufen, Spolien in Massen geklaut und die Verwaltung danach ausgerichtet.

Justin Credible
01
11.8.2011, 16:01
Kontext

Ich meine die Ereignisse in (Süd)amerika, also Kolonisation, Ünterdrückung, Missionierung,... der indigenen Bevölkerung.
Einschleppen von Krankheiten (unbewusst) und somit die beinahe Ausrottung der Ansässigen.

Dann wären da noch die Silberminen, wo hauptsächlich (vermutliche) Vorfahren eben dieser, jetzt bedrohten/ausgelöschten, Gruppe, um die es hier geht, arbeiten mussten.
Vom wegnehmen des Lebensraums mal komplett abgesehen ...

Ich weiß nicht ob man die Häufigkeit von Gewalt damals und heute vergleichen kann.
Es geht immer noch ganz ordentlich zu hier ...

your mother
00
11.8.2011, 16:25

Also ich bin relativ sicher. Und so ähnlich kann es wohl fast jeder in der EU behaupten. Brauchbares Rechtssystem, relativ geringe Korruption, wenige Gewaltverbrechen, wenig politische und rechtliche Willkür, Sozialsysteme, Krankenversicherungen und gute medizinische Versorgung, Meinungs und Redefreiheit, relativ gutes Bildungssystem,... und auch global gesehen war es selten besser, wenn überhaupt.

no_milk_today
00
11.8.2011, 19:35

ja, ne iss klar. auf welchem planeten lebst du? oder in welcher zeit? 70er? 80er?

your mother
00
12.8.2011, 11:00

ich habe einige Flecken dieser Welt gesehen und bin ziemlich froh mitten in Europa aufgewachsen zu sein und leben zu dürfen. Uns geht es hier sehr gut im Vergleich. Ich aknn einfach nachts durch die Stadt laufen ohne grosse ANgst überfallen zu werden. Wenn ich krank bin gehe ich einfach zum Arzt und brauche mir über die Kosten erst mal keine sorgen zu machen und auch die Medizin ist recht weit entwickelt und die Krankenhäuser gut ausgestattet. etc.. pp..
Das können nur sehr wenige Länder Regionen der Erde bieten. Also wo leben sie?

Justin Credible
01
11.8.2011, 13:00

> eigen uns, wie wohl die meisten Völker einmal gelebt haben in Bezug auf Naturverbundenheit, Mythen- Geister- und Götterwelten und entsprechendes Weltverständniss, ...

Ich glaub nicht, dass man das wirklich vergleichen kann.
Alleine schon die unterschiedlichen Umweltbedingungen machen das eher unmöglich.

Was ich damit sagen will: diese "Völker" sind kein Blick in die Vergangenheit. Sie existier(t)en eben jetzt noch, womit Sie ein Teil der Gegenwart sind/waren.

> Ebenso eher einen Einblick in "unsere eigene" Geschichte

Ja natürlich ist es ein Einblick in "unsere eigene" Geschichte, es gibt keine einzelnen "Geschichten", Alles ist und war miteinander verbunden, wenn auch oft über Umwege.

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