"Handke steckt in jeder Figur"

10. August 2011, 17:23
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    foto: apa/barbara gindl

    Oda Thormeyer als Mutter und Bibiana Beglau (o.) als Schwester Ursula bei einer Fotoprobe zu "Immer noch Sturm"

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    Regisseur Dimiter Gotscheff

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    foto: lilian birnbaum

    Am Tag nach der Uraufführung von Peter Handkes Stück "Immer noch Sturm" auf der Perner-Insel wird am Samstag, elf Uhr, in der Edmundsburg der soeben neu erschienene Fotoband von Lilian Birnbaum über den in Frankreich lebenden Dichter präsentiert: "Peter Handke. Portrait des Dichters in seiner Abwesenheit". Sophie Semin liest auf Französisch aus dem "Essai sur la journée réussie".

Geschäftiges Treiben vor der freitägigen Uraufführung von Peter Handkes "Immer noch Sturm" auf der Perner-Insel: Regisseur Dimiter Gotscheff und sein Team ringen um die Poesie eines politischen Stücks

Salzburg - Schreien. Gepolter. Schüsse. Regisseur Dimiter Gotscheff lässt ausrichten, die Proben zu Peter Handkes Immer noch Sturm würden länger als geplant dauern, das Journalistengespräch müsse sich daher verschieben. "Vermutlich hat er gehofft, dass alle Journalisten wieder verschwinden", mutmaßt Thomas Oberender, Schauspielchef der Salzburger Festspiele.

Für ihn ist Handke vielleicht der größte lebende Dichter, ein Goethe der Jetztzeit. Und als krönenden Abschluss seiner Salzburg-Zeit hat er heuer beide programmiert, Goethes Faust und Handkes Immer noch Sturm und viel Rahmenprogramm drumherum, Handke etwa wird begleitet von einem Balkanfilm-Festival, auf der Edmundsburg gibt es eine Osmica mit slowenischen Kulinarien, es gibt Handke-Lesungen und Diskussionen. Auch der Dichter selbst wird an der Salzach erwartet. Ob zur Premiere, ist allerdings noch nicht sicher.

Handke werde oft vorgeworfen, ein Ich-Literat zu sein: "Aber dieses Stück über den Widerstand der Kärntner Slowenen während der Nazizeit ist wesentlich davon geprägt, dass die Geschichte durch das Ich hindurchgeht. Es ist Handkes persönlichstes Stück, seine Familiengeschichte und gleichzeitig immer auch fiktional. Ich, Politik und Gesellschaft schließen einander nicht aus." Darin bestehe auch die größte Schwierigkeit, dem Stück nahezukommen: "Handke ist nicht nur die Ich-Figur, er ist in jeder Figur."

In der Zwischenzeit ist Gotscheff von der Probe gekommen. An seiner Seite die Bühnenraumkünstlerin Katrin Brack, die das Stück auf dem Acker, im Wald spielen lässt: "Ich habe versucht, etwas von der Natur zu fassen, auch von den Jahreszeiten."

Dieses Theater sei jedenfalls, sagt Gotscheff kettenrauchend, wie ein Zehnkampf. Katrin Brack, die schon für Handkes Kaspar das Bühnenbild gemacht hat, habe ihn für Handke geöffnet, auch die tiefe Verbundenheit seines Hauptdarstellers Jens Harzer zum Dichter sei bei der Arbeit hilfreich gewesen: "Ich rette mich über die Schauspieler. Heiner Müller sagte einmal, der Regisseur ist ja wie ein Penner, der von den Almosen der Schauspieler lebt. Sage ich: Da musst du aber schon gut betteln können."

Dass er selbst aus Bulgarien stammt, habe ihm bei der Beschäftigung mit dem Stück geholfen, wenngleich es ihm, aus der Brecht-Müller-Tradition kommend, durchaus schwergefallen sei: "Der Balkan ist mir sehr nah. Und ich entdecke in dem Text Räume, in denen auch ich verwurzelt bin. Es ist kein lokaler Text, auch wenn er natürlich an geschichtliche Fakten angelehnt ist Aber durch die Dichtung bekommt er eine andere, allgemeingültige Dimension."   (Andrea Schurian/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2011)

 

Karl Radek
01
11.8.2011, 16:05

der handke wird seit jeher maßlos überschätzt

Giuseppe Verdi
12
10.8.2011, 20:21
micro port auf der stirn

der regisseur wäre gefordert, bedenkt man früher wurde ohne dem elektonischen zeug gesprochen.

Antagonist1
11
10.8.2011, 23:17
Wer von denen

beherrscht denn heute noch Sprache und Rhetorik - der Text geht doch völlig unter in all dem Brimborium....

IchbinIch5
11
11.8.2011, 08:18

Gerade so kann man sich eher auf den Text konzentrieren, als wenn in völlig unnatürlich gestelzter prache bis in die hinteren Ränge deklamiert werden muss ...

IchbinIch5
21
10.8.2011, 22:28

Ja, aber früher wurde auch hölzern deklamiert ohne Sinn und Verstand. Microports eröffnen eben einfach eine andere ausdrucks- und Sprachweise. Früher wurde auch mit Öllampen geleuchtet, sollten wir deshalb elektrisches Licht auf der Bühne sein lassen?

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