Nur für "unterstützende Maßnahmen" zuständig gewesen - 34-Jährige bestreitet jedoch mit Mayer in Kontakt gewesen zu sein
Die Befragung der mitangeklagten Krankenschwester Martina M. hat am Mittwochnachmittag im Dopingprozess am Wiener Landesgericht keine Überraschung gebracht. Die 34-Jährige bekannte sich "schuldig", zu Dopingzwecken bestimmte Infusionen verabreicht zu haben, u.a. der Ehefrau des mitangeklagten Hugo E., die später Weltmeisterin in einer Senioren-Langlauf-Klasse wurde. Der Kontakt zu dieser Masters-Athletin sei im Juli 2008 über den Mitangeklagten Karl Heinz R., dessen "Sexualpartnerin" sie einmal gewesen war, zustande gekommen.
Mit Walter Mayer hatte sie dagegen nie Kontakt gehabt. "Ich bin mir sicher, dass es Absprachen zwischen der Familie E. und Herrn Mayer gegeben hat", betonte die Altenpflegerin, die allerdings nur für "unterstützende Maßnahmen" zuständig gewesen sei und nie selbst Dopingmittel verabreicht haben will. Sie habe den Eindruck gehabt, dass die Familie "mit Mayer ständig im Gespräch und im Kontakt" gewesen sei. Allerdings habe sie von der betroffenen Athletin gewusst, "dass sie Wachstumshormone nimmt. Ich war nur auf die Infusionen konzentriert."
Solche Infusionen habe sie der Dame rund alle 14 Tage verabreicht und dafür jeweils 150 Euro von ihrem Mann bekommen. "Wenn man das Geld für den Sprit abzieht, dann sind mir im Monat ein bisschen mehr als 200 Euro geblieben, das war für mich lukrativ", gab Martina M. zu Protokoll. Die Betreuung habe bis zum Frühjahr 2009 gedauert. "Als das Ganze dann in die Medien gekommen ist, habe ich Angst bekommen", erklärte die ausgebildete Krankenschwester, weshalb sie den Kontakt zur Familie E. dann vor knapp zweieinhalb Jahren abgebrochen habe.
Mayer selbst hatte am Vormittag zwar zugegeben, dass er in freundschaftlicher Verbindung mit Hugo E. gestanden war, jedoch bestritten, dass er für dessen Ehefrau einen Trainings- oder Dopingplan erstellt habe. Da Hugo E. laut seinem Anwalt schwer krank und derzeit verhandlungsunfähig sei, wird der Prozess erst am kommenden Mittwoch mit der Einvernahme prominenter Zeugen fortgesetzt. So sind u.a. Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann, Biathlon-Ex-Vizeweltmeister Ludwig Gredler und Ex-Staffel-Langlauf-Weltmeister Alois Stadlober geladen.
Geht es nach Mayers Verteidiger-Team dann sollen aber noch weitere bekannte Zeugen aufmarschieren und der Prozess noch länger dauern. So wurden am Mittwoch von Rechtsvertreterin Barbara Sattinger u.a. Ladungen für ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, Skisprung-Olympiasieger und Ex-ÖSV-Direktor Anton Innauer, die ehemalige Weltklasseläuferin Stephanie Graf, den nach dem Anti-Doping-Gesetz abgeurteilten Ex-Sportmanager Stefan Matschiner, NADA-Chef Andreas Schwab sowie Ex-ORF-Sportchef und -Info-Intendant Elmar Oberhauser als Entlastungszeugen für Mayer beantragt. Selbst Staatsanwältin Nina Weinberger und SoKo-Doping-Leiter Andreas Holzer sollen in den Zeugenstand gerufen werden, um zu beweisen, dass Mayer nicht Täter, sondern Opfer in diesem Prozess sei. (APA)