Experte: Schüler besser auf Risiken der Finanzmärkte vorbereiten

10. August 2011, 15:28

"Kinder sollten auch Mathematik der Unsicherheit lernen"

Hamburg - Deutsche Schüler sind nach Ansicht des Bildungsforschers Gerd Gigerenzer schlecht auf den Umgang mit Geldanlagen und auf die Risiken der Finanzmärkte vorbereitet. "Wir möchten Sicherheiten, obwohl es keine absoluten Sicherheiten gibt. Dem muss man ins Auge sehen und lernen, entspannt damit zu leben", sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in einem am Mittwoch im Voraus veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".

"Wir müssen schon in den Schulen etwas verändern. Die Kinder sollten nicht nur die Mathematik der Sicherheit, sondern auch die der Unsicherheit lernen", sagte Gigerenzer. "Wenn man Algebra und Geometrie kann, hilft einem das bei seinen Finanzen herzlich wenig. Dafür braucht man statistisches Denken."

"Wissen erstaunlich wenig"

Gigerenzer kritisiert, dass viele Schüler einfache mathematische Probleme aus dem Finanzalltag nicht lösen könnten. "Tatsächlich wissen sie nämlich erstaunlich wenig, das haben wir in Umfragen festgestellt. Zum Beispiel: Wann ist ein Kredit von 3.000 Euro bei zwölf Prozent Jahreszinsen getilgt, wenn man jeden Monat 30 Euro zurückzahlt? Auf die richtige Antwort - nie - kam nur ein Viertel der Befragten. Dabei ist das nicht viel schwieriger, als mit einer Bundesliga-Tabelle umzugehen."

Als Kernproblem sieht der Bildungsforscher, "dass wir in unserer Gesellschaft auf Krisen reagieren, indem wir nach besseren Gesetzen und besseren Technologien rufen, aber nicht nach besseren, also kompetenteren Bürgern. Das ist das Letzte, was uns einfällt - ganz erstaunlich. (APA)

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22 Postings
sonne-licht
 
00
13.8.2011, 09:48
was ist wissen?

das ganze erlernte wissen nützt nichts,
wenns mit der vernunft (geist) nicht einher geht.

erfroschung der gründe warum ein kredit abgeschlossen wird und der auswirkungen und konsequenzen wäre sinnvoller.

erforschung der emotionen (ängste) gier, neid, spekulationslust, verzicht, nicht dazu zu gehören usw. und begleiterscheinungen soziales gefüge, vorgaukelung der medien alles haben zu können ohne dafür zu sparen bzw. zurückzuzahlen, verschweigen von informationen usw. führen zu mehr einsicht.

wichtiger wäre es die unehrlichkeit der menschen festzustellen die beweggründe zu ergründen und konsequenzen zu setzen.

jedoch was nicht gelernt/erfahren, kann nicht verwendet werden.

Franz Bim
 
00
11.8.2011, 20:17
Mathematisches Modellieren

Im Prinzip fehlt mathematisches Modellieren als Unterrichtsfach. Mathematik selbst ist ja nur eine Strukturwissenschaft, beschäftigt sich sozusagen mit den Werkzeugen, nicht mit deren Anwendung. Wichtig wäre zusätzlich das Modellieren von Szenarien mit Hilfe der gelernten Mathematik zu lehren. Früher geschah dies wohl im Physikunterricht, heute ist dieser leider zu einer Sinnlossen Formelauswendiglernerei verkommen.

luketheduke74
00
11.8.2011, 09:55

In der HAK ist so etwas selbstverständlich! Finanzierung, Wertpapiere, Kapitalanlage usw. gehören zum Lehrplan, natürlich inklusive aller möglichen Risiken!

Franz_Josef
00
11.8.2011, 08:47
Journalisten sollten das System verstehen

dann die Lehrer
dann die Schüler
dann das Volk
dann die Politiker

Gib mir die Welt und 5 Prozent
http://video.google.at/videoplay... 5311239449

Bergtroll
12
10.8.2011, 23:40
Schüler: Experten besser auf korrekte Aufgabenstellung vorbereiten.

"Wann ist ein Kredit von 3.000 Euro bei zwölf Prozent Jahreszinsen getilgt, wenn man jeden Monat 30 Euro zurückzahlt?"
Nach 100 Monaten, weil die monatliche "Zurückzahlung" von 30 Euro sich nur auf die Tilgung beziehen kann, da man die Zinsen nicht "zurückzahlt" sondern nur "zahlt" (Genauso wie man eine Mietgebühr nicht mit dem gemieteten Gegenstand zurück gibt sondern bezahlt).

Knochenmann
01
11.8.2011, 03:02

Sie sind bestimmt sehr reich.

Shanajio
00
11.8.2011, 08:45

Aber arm im Geiste.

O5
00
10.8.2011, 19:36

Das wäre in Österreich DRINGEND notwendig! Aber bitte nicht nur die Mathematik sondern auch die dahinterliegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge - verstehen was die Konsequenzen von Besteuerung sind, verstehen was Wettbewerb ist, verstehen was Globalisierung bedeutet, verstehen dass Subventionen negative Steuern sind, verstehen was ein Nullsummenspiel ist, verstehen was Staatsverschuldung ist, verstehen was spekulative Attacken sind, verstehen was Opportunitätskosten sind, verstehen was fiat money ist, verstehen was Steuerwettbewerb bedeutet, uvm... Die FPÖ würds zwar nicht mögen weil sie dann keine Wähler mehr hat aber die Österreicher würden dann weit bessere finanzielle Entscheidungen treffen - für sich und, als Wähler, für alle anderen.

stall
01
10.8.2011, 20:58
das ist nicht gemeint

die schüler sollen in der schule auch lernen, wie man aus 10 euro in einem halben jahr 20 macht, so wie im richtigen leben, da draußen bei den leuten in den chefetagen.

O5
00
10.8.2011, 22:51

Das ist mir schon klar. Aber solche mechanischen Schritte können nur der Anfang sein. Jemand der eigenes Geld verdient sollte auch von den dahinter stehenden Vorgängen eine gewisse Ahnung haben.

Denn sonst passierts wieder einmal dass jemand sich ganz toll korrekt die erwartete Verzinsung ausrechnet aber nicht berücksichtigt dass diese bei unterschiedlichen Anlageformen mal fix, mal variabel ist, vergisst dass das Fremdwährungsrisiko hinzukommt, vergisst dass das Ausfallsrisiko dazukommt, usw.

ForumBot
12
10.8.2011, 18:40
Ich hoffe meine Frau und ich

sind in der Lage unsere Kinder ausreichend auf den Weg mitgeben zu können, damit Sie später nicht auf Experten angewiesen sind, oder diese zumindest von Wissenden unterscheiden können.

?und
00
10.8.2011, 18:44
na ja pro kind eine klein stiftung - und sie haben den unterschied schon geschafft - sie gehören dann zu den "habenden"

ForumBot
02
10.8.2011, 18:47
"Mitgeben"

bezog sich auf Bildung, Charakter, Ehrgeiz ...
Zu den wohlhabenden werden wir wohl auch in Zukunft nicht gehören.

stall
00
10.8.2011, 18:28
wenn einer experte ist

dann hat er es geschafft.

Gegenflieger
02
10.8.2011, 18:05

Schüler sollen etwas lernen was nicht einmal erwachsene begreifen.)

D/E
12
10.8.2011, 16:11
Ich hätt ja wetten können, dass auch das gleich wieder

eine Forderung an die Schulen wird.

Übrigens: Atomgefahren hatten wir noch nicht.

Andreeeas
00
17.8.2011, 10:45

So gerne ich kritisiere, habe ich hierfür kein Verständnis: Ich "Geographie und Wirtschaftskunde" wurde ich meiner Meinung nach ausreichend genau über Wirtschaft informiert (mehr braucht man als Normalmensch meiner Meinung nach nicht wissen).

Über "Atomgefahren" - schon alleine das Wort ist sinnbefreit, wurde man übrigens ebenfalls informiert:Chemie, Physik und sogar einmal ein Zivilschutzvortrag.

Was Ihre Meldung soll, verstehe ich aber auch nicht: Warum sollte man das NICHT von der Schule fordern? Ja keine Leistung von der Schule, den Lehrern und den Schülern, oder wie?

D/E
00
21.8.2011, 07:17
"Was Ihre Meldung soll, verstehe ich aber auch nicht."

Ja, das habe ich bemerkt.

Es wird nicht das erste und das letzte Mal gewesen sein.

Andreeeas
00
21.8.2011, 12:26

Sie dürfen Ihren Schülern Mitleid von mir ausrichten.

LL MM
13
10.8.2011, 16:31

Vielleicht wird schon bald ein Politiker, z. B. ein von seinem Hinterbänkler-Dasein frustrierter Volksvertreter, das aufgreifen und die Lehrer als eine der wahren Hauptschuldigen an der Finanzkrise ausmachen.

LL MM
13
10.8.2011, 16:00

Da geht es den Schülern halt auch nicht besser als den Bankmanagern.

Denker9
10
10.8.2011, 15:41

Ab welchem Alter dürfen Schüler einen Kredit aufnehmen? Und bis sie so weit sind, habens das, was sie in der Schule gelernt haben, wieder vergessen!

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