Hochdeutsch oder Dialekt, Potenzpillen oder Doping

  • Walter Mayer habe "nur die Katzen abgeholt", die im Übrigen "nur 
Straßenkatz'n" und keine Mekong-Katzen gewesen sein sollen.
    foto: apa/ fohringer

    Walter Mayer habe "nur die Katzen abgeholt", die im Übrigen "nur Straßenkatz'n" und keine Mekong-Katzen gewesen sein sollen.

  • Mayer (re) über Karl Heinz R. (li): "Freund war er aber sicher keiner von mir. Es war nur ein loser Kontakt,
 der sich leider ergeben hat, weil ich keinen griffigen Arbeiter 
gefunden habe." Zu R. will er gesagt haben: "Hör mit der Bodybuilding-Szene auf - und mit dem Dopen! Wenn du schnell
 laufen willst, dann darfst du nicht Anabolika nehmen!"
    foto: apa/ fohringer

    Mayer (re) über Karl Heinz R. (li): "Freund war er aber sicher keiner von mir. Es war nur ein loser Kontakt, der sich leider ergeben hat, weil ich keinen griffigen Arbeiter gefunden habe." Zu R. will er gesagt haben: "Hör mit der Bodybuilding-Szene auf - und mit dem Dopen! Wenn du schnell laufen willst, dann darfst du nicht Anabolika nehmen!"

"Absolut nicht schuldig" bekannte sich Walter Mayer - Der Ex-ÖSV-Trainer bezichtigte seinerseits die Ermittler der Soko Doping, "korrupt" zu sein

Wien - Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe habe er "nicht ganz verstanden", antwortet Walter Mayer auf die erste Frage von Richterin Katharina Lewy. Der 53-Jährige, dem die Bildung eines Doping-Netzwerks zur Last gelegt wird, spricht langsam, bedächtig und jedes Wort abwägend.

Mayer, der Montag vor Journalisten noch um keinen Spruch verlegen war, senkt den Kopf, blickt immer wieder auf Mitschriften und formuliert makellos. "Ich habe nie etwas mit Doping zu tun gehabt. Ich sage, dass ich nicht damit gehandelt, gedealt oder es verabreicht habe." Und: "Kaum ein Mensch in Österreich ist derart mit Vorurteilen belastet wie ich."

Der Richterin ist Mayers Wandel nicht ganz geheuer. "Sie brauchen nicht so geschwollen reden." Dann ist der Dialekt wieder da, aus Mayer sprudelt es, die Protokollführerin kommt mit dem Schreiben nicht mehr mit. Mayer: "Jetzt müssen Sie sich schon entscheiden, was Sie von mir wollen."

Den Mitangeklagten Karl Heinz R., der ihn zum Prozessauftakt am Montag schwer beschuldigt hat, stellt Mayer unglaubwürdig dar. In Nebensätzen erwähnt er R.s Vorstrafen, er bezichtigt R. der "Lüge". So habe nicht er, Mayer, bei seinem ehemaligen Dachdecker um Dopingmittel angefragt. "Ich habe in Erinnerung, dass er mich gefragt hat, was er tun könnte." Der Bodybuilder und Hobbylangläufer wollte laut Mayer seine eigene Langlaufleistung steigern. "Ich habe ihm abgeraten zu dopen. Aber nicht aus moralischen Gründen, sondern weil er zum Langlaufen zu viele Muskeln hatte."

Das Einzige, was Mayer von R. bezogen haben will, sind Potenzpillen ("Über die Menge beliebe ich zu schweigen") und ein Mittel zum Abnehmen. "Und das hat nicht funktioniert."

Noch etwas will Mayer bei der Lebensgefährtin von R. gekauft haben: zwei angeblich reinrassige Mekong-Katzen. Deswegen sei er zweimal beim Mitangeklagten zu Hause gewesen. Für Gelächter im Saal sorgt Mayers Hinweis, er habe von R. "aber kein Katzenfutter mitgenommen". Am Montag hatte R. zu Protokoll gegeben, dass Mayer bei ihm das Dopingmittel Epo telefonisch unter dem Codewort "Katzenfutter" bestellt habe, weil er eine Abhöraktion seines Handys vermutete.

Seinerseits wirft der ehemalige Trainer des Skiverbandes (ÖSV) der SoKo Doping vor, "korrupt" zu sein. Ein Ermittler soll sogar ein Einvernahmeprotokoll von Mayer rückdatiert und gefälscht haben, um eine Aussage von R. glaubhaft erscheinen zu lassen.

Den ÖSV selbst rückt Mayer unbewusst in kein gutes Licht. "Seit 20 Jahren" will Mayer das Präparat Epagrisovit, das auch bei R. sichergestellt wurde, aus Italien bezogen haben. Mayer: "Das ist kein Dopingpräparat, sondern ein Vitaminpräparat." Bei R. hätte er das Mittel nicht kaufen müssen, weil es der ÖSV über dessen Mediziner bezogen habe. Überhaupt hätte der ÖSV zwischen 2001 und 2009 111.000 Euro für die Anschaffung von Zusatzpräparaten wie Aminomel ausgegeben. Mayer: "Bin ich blöd, dass ich es bei ihm kaufe, wenn ich es vom ÖSV gratis bekommen habe?"
Prominente Zeugen

Dass er bei der Wiener Firma Humanplasma gewesen ist, gibt Mayer zu. "Ich war im Februar 2005 dort." Nicht aber zum Zweck, Blutdoping bei seinen Athleten durchführen zu lassen. Im Gegenteil: Mayer sagt, er habe gebeten, derartige Praktiken einzustellen. "Ich habe gesagt, sollte es so sein, dass man das vernichtet und einstellt."

Der Prozess wird erst am kommenden Mittwoch mit der Einvernahme prominenter Zeugen fortgesetzt. Geladen sind etwa Olympiasieger Christian Hoffmann und Staffel-Weltmeister Alois Stadlober (beide Langlauf). Ob, wie geplant, auch das Urteil an diesem Tag fällt, ist unklar. (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 11.08.2011)

 

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