14 Prozent der Lehrer besuchen Fortbildungen während Ferien

11. August 2011, 12:50
  • Artikelbild
    foto: volksbank ag

    113.994 Lehrer gibt es in Österreich. 16.500 haben sich zu einer Fortbildung in den Sommerferien angemeldet.

Landeslehrer müssen sich 15 Stunden pro Jahr weiterbilden - Kurse an PHs und bei Berufsverbänden

Neun Wochen Sommerferien, zwei Wochen Weihnachtsferien, eine Woche Semesterferien und zehn freie Tage zu Ostern - nicht nur Schüler genießen in Österreich pro Jahr grob geschätzt drei Monate Ferien, auch ihre Lehrer profitieren davon.

Ferienzeit bedeutet nicht nur freie Zeit, sagen Lehrervertreter, die die langen Urlaubszeiten damit rechtfertigen, dass Lehrer während des Jahres auch mehr als vierzig Stunden arbeiten. Unterrichtsvorbereitungen und Fortbildungen werden ebenso in dieser Zeit absolviert. Fünfzehn Stunden Fort- und Weiterbildung müssen ein LehrerInnen pro Unterrichtsjahr nachweisen, wann sie diese ableisten ist ihnen freigestellt. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung für LehrerInnen sich während der Sommerferien weiterzubilden. 

Angebote am Pädagogischen Hochschulen und bei Berufsverbänden

Der Anteil der LehrerInnen, die die Fortbildungsangebote im Sommer wahrnehmen sei hoch, sagt eine Sprecherin des Ministeriums für Unterricht und Kunst zu derStandard.at. Angeboten werden Kurse an die Pädagogischen Hochschulen (PH) für alle Regelschullehrer (Pflichtschule und AHS).

896 verschiedene Kurse gibt es während der Sommer an den PHs zur Weiter- und Fortbildung für alle Lehrer, lauten die offiziellen Zahlen aus dem Ministerium. Diese seien gut gebucht, meint eine Sprecherin der Ministerin. 16.500 Anmeldungen von insgesamt 113.994 LehrerInnen (Pflichtschul- und AHS-Lehrer), das entspricht etwa 14 Prozent. Das Angebot an den PHs reicht von Kursen zu Schulrecht, über Burnout und soziales Lernen, aber auch Sommersprachkurse stehen auf dem Programm. Außerdem bieten Berufsverbände spezielle Kurse für LehrerInnen an. Welche Kurse dort für LehrerInnen geplant seien und wie gut diese gebucht seien, ist im Ministerium nicht erfasst. 

Keine Verpflichtung

Auch wann die restlichen 86 Prozent der LehrerInnen die Pflichtfortbildungen absolvieren, wird nicht verzeichnet. (Landes-)Lehrern steht frei, wann sie ihre 15 Pflichtstunden ableisten: Sie können das an Wochenenden und Abenden im Schuljahr machen, es ist aber auch möglich eine Fortbildung während des Unterrichts zu besuchen, sofern eine Supplierung zur Verfügung steht.
Vor allem Fachlehrer sollen sich mit durch Fortbildungen in ihrem Spezialgebiet auf dem Laufenden halten. Trotzdem gibt es keinerlei gesetzliche Vorschreibungen, dass LehrerInnen sich einen bestimmten Anteil der Stunden auch in ihrem Fachgebiet machen müssen. 

Spagat zwischen Druck und Anreiz

Ob es pädagogisch sinnvoll ist, Pädagogen zu mehr Fortbildungen zu verpflichten ist umstritten. "Es ist schwierig den richtigen Spagat zwischen Druck und Anreiz zu finden", sagt Kurt Schmid vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft im Gespräch mit derStandard.at. Die Anzahl der verpflichtenden Weiterbildungen zu erhöhen sei nicht sinnvoll. „Wenn jemand nicht engagiert ist, macht es auch keinen Sinn, dass er/sie sich nur berieseln lässt. Das bringt nix", so Schmid. 

Aus dem zuständigen Ministerium für Unterricht und Kunst heißt es, man könne noch nicht sagen, ob und wie sich die Fortbildungsrichtlinien in Zukunft ändern werden. Über eine Ausweitung der verpflichtenden Fortbildungen werde derzeit nicht nachgedacht. Derzeit habe die Neugestaltung der Pädagoginnen-Ausbildung Priorität.

Kombinationsmodell

Als positives Beispiel hebt Schmid Pisa-Musterschüler Finnland hervor. Dort gibt es sowohl verpflichtende Fortbildungen als auch freiwillige. Die verpflichtenden Kurse finden in den Ferien statt, die freiwilligen während der Unterrichtszeit. Schmid findet das einen „spannenden und überlegenswerten Ansatz". Auf jeden Fall müsse man mehr machen als aktuell passiere. 

Schmid schlägt ein Modell vor, wo Fortbildungen an Gehaltstufen gekoppelt werden. Absolviert ein Lehrer in einem bestimmten Zeitrahmen eine gewisse Anzahl von Weiterbildungen, rückt er in die nächste Gehaltsstufe vor. Macht er dies nicht, bleibt er in seiner Gehaltsstufe. (mte, derStandard.at, 11.8.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 536
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
hte
00
30.11.2011, 11:43
LSR verbietet Fortbildung

Und da will man in der unterrichtsfreien Zeit (Sommerferien) auf eigene Kosten eine Fortbildung besuchen, und der oberste Jurist des Landesschulrates verbietet dies dezidiert! Super! So motiviert man Lehrer für Fortbildung.

AttenTexter
 
00
4.10.2011, 21:00
...

Vorschlag:

Jeder Österreicher, sei es Bankangestellter, sei es Bauarbeitetr, sei es Putzfrau, muss nur noch drei Monate pro Jahr arbeiten.

Dafür unterrichtet ihr eure Bälger selbst.

GoodieGoodie
03
17.8.2011, 00:02
Unterschied!

Nicht: "14 Prozent der Lehrer besuchen Fortbildungen während Ferien"
sondern: "14 Prozent der Lehrer besuchen Fortbildungen AN DER PH während Ferien"

spazzaneve
32
16.8.2011, 16:05
zum nachdenken...

welcher Arbeiter, Angestellte etc. bildet sich eigentlich in seinem Urlaub weiter? Wie viel %?

Gerald H
10
15.9.2011, 07:14

Welcher Arbeiter, Angestellter hat derartig viel Urlaub bei Halbtagstätigkeit wie das werte Lehrpersonal?

Andreeeas
23
17.8.2011, 01:24

Wenn wir nur Akademiker vergleichen, kommen wir auf Zahlen, die Lehrer wohl nicht mehr so vorteilhaft erscheinen lassen.

Oder sollte man auch das Gehalt auf einen Arbeiterlohn reduzieren?

sternsteinblitz
10
19.8.2011, 15:54

Wenn wir aber nur Akademiker vergleichen, schwebt der weitaus überwiegende Teil der Nichtlehrer gehaltsmäßig auch in ganz anderen Sphären!

Andreeeas
01
19.8.2011, 16:29

Was kann ich dafür, wenn sich der Vorposter nach unten hin orientiert und nicht so, wie eines Akademikers würdig, nach oben hin?

Abgesehen davon haben Sie leider nicht ganz Recht: Es gibt viele Akademiker, die viel zu wenig verdienen - ohne der Arbeitsplatzsicherheit der Lehrer. Nicht, dass ich das gut finde...

Nach ein paar Reformen wäre ich übrigens auch für eine Erhöhung des Gehalts.

sternsteinblitz
00
21.8.2011, 15:45

Trotzdem bitte die Mengenverhältnisse im Auge behalten.
Ich schrieb aus gutem Grund. "der weitaus überwiegende Teil der Nichtlehrer"

Andreeeas
00
21.8.2011, 16:05

Daran zweifle ich nicht. Aber der Fokus liegt auch auf meinem ersten Satz.

Der Wicht
 
00
16.8.2011, 17:36

Warum muss es im Urlaub sein? Davon haben andere nur fünf Wochen.

observer87
31
15.8.2011, 14:54

Zu meiner Zeit waren die Lehrer nicht immer gleich angerührt. Aber heutzutage traust dir ja gar nichts mehr zu ihnen sagen.

D/E
16
15.8.2011, 15:49
War das noch vor dem Krieg?

Nach 2 Jahrzehnten idiotischer Bildungsdiskussion mit festgelegtem Ausgang ("De lehra san schuid") hat auch der Coolste die Contenance verloren.

Horstl Schorschl
00
23.8.2011, 06:50
Von nix kommt nix...

die Lehrerschaft hat sich diesen ihren Ruf seeehr hart erarbeitet und trägt ihn jetzt auch zurecht!!!

Gratulation, ihr habts geschafft :)))

Mit sagenhafter Inkompetenz und Sesselkleberei und genau 0 Interesse an den kids zu äußerst zweifelhaftem Ruf, da dürfen sie sich nur bei ihnen selbst, oder ihren Kollegen bedanken, nicht bei den Eltern und Opfern dieses Systems dieser Lehrer die seit über 20 Jahren monieren dass das erneuert gehört, während die Lehrerschaft nur daran interessiert ist und war ihre Privilegien zu sichern und dafür alles andere zu Opfern!

Die Ö Lehrerschaft besteht doch zum Großteil aus arbeitsunwilligen Sargnägeln, die genau gar niemandem was beibringen können oder wollen.

Denker9
01
15.8.2011, 15:28

Vielen fehlt es an Selbstwertgefühl! Wenn sie sich darüber bewusst sein würden, welchen wertvollen Beitrag sie für viele Kinder und Jugendliche und somit für die Gesellschaft leisten, müssten sie sich nicht immer verteidigen.

GoodieGoodie
11
16.8.2011, 23:58

Wenn sich DIE ANDEREN darüber bewusst sein würden, welchen wertvollen Beitrag die Lehrer für viele Kinder und Jugendliche und somit für die Gesellschaft leisten, müssten die sich nicht immer verteidigen!

Dr_Olaf
 
012
15.8.2011, 08:32
Fortildung

Ich verbringe einen Teil der Ferien damit, ein Buch über ein vielversprechendes Unterrichtskonzept für den Fremdsprachenunterricht zu lesen und meinen Unterricht entsprechend anzupassen, also Arbeitsmaterialen etc. zu erstellen bzw zu adaptieren, und die Jahresplanung daraufhin auszurichten.
Das Konzept hat bereits viel positive Kritik erhalten und die Schüler werden sicher mehr davon profitieren, als wenn ich irgendeinen grobtheoretischen Fortbildungskurs machen würde. Traurig ist nur, dass die Neidgesellschaft über letzteres dennoch glücklicher wäre.
Ein Vorschlag: Ich mache die Arbeit IM Schulgebäude, dann bin ich auch _anwesend_ - gehts Ihnen dann besser?

Kulkulcán
102
13.8.2011, 16:56
@Lehrer: Seits einfach erhlich im Bezug auf die Arbeitszeit

(ohne Berücksichtigung von Mehrleistung, Krankenstand, Sonderurlaub, etc...)

1) durchschn. Unselbstständiger
365 Kalendertage - 104 SaSo - 11 FT - 25 Urlaub = 225 Arbeitstage.
225 x 8h = 1800h/Jahr Arbeitszeit

2) HS-Lehrer
21 Einheiten Lehrverpflichtung pro Woche, 180 Unterrichtstage im Jahr
(21 Einheiten x 50 min) / 5 Tage = 210 min = 3,5 h Nettoklassenarbeitszeit/Tag
3,5 h x 180 Unterrichtstage = 630h Nettoklassenarbeitszeit/Jahr

Für eine Arbeitszeitparität müsste der HS-Lehrer für jede einzelne Unterichtseinheit von 50 Minuten zusätzlich 93 Minuten für Vor- u. Nachbereitung (in der Schule oder zu Hause; organisatorische oder fachliche Tätigkeiten) aufwenden.
Egal ob es sich um Deutsch, Geschichte, Mathematik oder Leibesübung handelt.

sternsteinblitz
11
18.8.2011, 19:41

"21 Einheiten x 50 min"

Und zwischen den Klassenräumen darf sich der Lehrer hin-und herbeamen, und keine Eltern-, Schülergespräche, ... annehmen und all seine persönlichen körperlichen Bedürfnisse stundenlang aufschieben (Toilette darf also keine Dienstzeit sein!).
usw.

Extrem intelligent durchdachte Berechnungsgrundlage!

stall
01
15.8.2011, 08:30
sie haben recht

mit der nettoklassenarbeitszeit. wichtig ist immer, was unterm strich herauskommt. bei den löhnen ist es umgekehrt, da operieren die experten mit brutto. weil brutto ist mehr, herr azteke.

Kulkulcán
00
15.8.2011, 15:36
Ich finde den Lehrerberuf

in Ö ja grundsätzlich als unterbewertet.
Keinesfalls bin ich ein Neider oder jemand der die Lehrer in einen Topf werfen möchte.
Jedoch ist das Arbeitszeitargument echt das letzte Argument, dass ich als Lehrer ansprechen würde.
Warum ist man nicht einfach ehrlich und man sagt: OK, die Arbeitszeiten sind attraktiv. Man kann sich die Arbeit großteils selbst einteilen und man hat überdurchschnittlich viel Freizeit. Dafür ist der Beruf anspruchsvoll und erfordert eine stabile Persönlichkeit um mit dem entsprechenden Druck umgehen zu können.
Das ewige Gejammerei bzgl. Stress, schlechtem Arbeitsplatz und Arbeit am WE etc. ist eigentlich nur nervend.
Jeder Job hat Vor- und Nachteile.

Dr_Olaf
 
14
15.8.2011, 18:16
Gejammere

Erlauben Sie mir, das "Gejammere" in einen Kontext zu bringen:
Die übliche Abfolge ist:
1. Behauptung: Die Lehrer arbeiten viel weniger als andere, sind faul etc.
2. Antwort: Stimmt nicht, Lehrer arbeiten mindestens soviel wie andere Berufsgruppen
3. Reaktion auf Antwort: Die Lehrer sollen aufhören zu jammern, andere Leute arbeiten doch auch, manche habens sogar "noch schlechter".

Das "Gejammere" ist eine natürliche Reaktion auf unqualifizeirte und unrichtige Behauptungen. Von selbst habe ich noch keinen Lehrer "jammern" hören.

Denker9
02
15.8.2011, 19:48

Viele Lehrer jammern schon: z.B. "Die Kinder wollen nichts lernen! Die Eltern (das ist überhaupt problematisch!) können ihre Kinder nicht erziehen! Es gibt keine geeigneten Arbeitsplätze in der Schule! u.s.w. In der Öffentlichkeit wird das als "jammern" verstanden!
Alle diese Missstände gehören aufgezeigt- aber an den richtigen Stellen: bei den Direktoren, den Landesschulräten, im Ministerium, der Gewerkschaft.

D/E
00
15.8.2011, 18:19
Ich schon, aber das Jammern ist ja wahrlich kein Privileg des Lehrerstandes.

Wie schon ein phönizisches Sprichwort sagt, ist "die Klage der Gruß des Kaufmanns".

D/E
03
15.8.2011, 15:52
Ich habe ja nichts gegen Nichtlehrer.

Ich finde sogar, dass man nicht genug selbsternannte Unterrichtsexperten haben kann. (Die lassen dann wenigstens die Fußballtrainer in Ruhe.) Jedoch ist das Arbeitszeitargument echt das letzte, das ich als Nichtlehrer ansprechen würde.

Warum ist man nicht einfach ehrlich und sagt: Im Juli und August wäre jede/r gerne Lehrer. Die übrigen Monate ist der normale Job ja eh ganz angenehm.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 536
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.