Horn von Afrika

Viele Helfer, wenig Hilfe

9. August 2011, 19:34
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    foto: reuters

    Organisation und Logistik von Hilfslieferungen sind meist nicht einfach zu bewerkstelligen.

Humanitäre Hilfe in Österreich ist fragmentiert und unterfinanziert, klagen NGOs

Wien - Als ein Erdbeben Haiti zerstörte und als eine Flut Pakistan überrollte, trafen sich im Innenministerium wöchentlich Mitarbeiter verschiedener Ministerien, des Bundesheeres und von NGOs und besprachen ihre Arbeit. Beim aktuellen Hilfseinsatz am Horn von Afrika passiert das nicht.

"Es gibt viele Initiativen, teils auch privat organisiert oder von Firmen, die helfen wollen, aber niemanden, der das koordiniert", sagt Gottfried Mernyi vom Kinderhilfswerk. "Es wäre gut zu wissen, wer wo ist, welche logistischen Kapazitäten es gibt, oder eine zentrale Stelle zu haben, bei der alle Maßnahmen und geflossenen Gelder gemeldet werden. Bei anderen Katastrophen hat das mehr oder weniger funktioniert - bei der aktuellen Hungersnot nicht."

"Pakistan und Haiti waren plötzliche Katastrophen, bei denen eine andere Art von Hilfe gefragt war", sagt Außenministeriumssprecher Nikolaus Lutterotti. "Da geht es um EU-weite Koordination, wo etwa der Bedarf an Bergehelfern oder Wasseraufbereitungsanlagen geklärt werden muss."

"Unterfinanziert und fragmentiert"

Die Hilfsbemühungen vieler NGOs für die Hungernden in Afrika stünden zudem noch am Beginn: "Wenn sie wissen, wie sie helfen wollen, werden wir darum ersuchen, dass sie uns das mitteilen." Generell gelte: Bei Katastrophenhilfe ist das Innenministerium zuständig, bei humanitärer Hilfe das Außenministerium, das sich mit der Uno abspricht. Das kann zu Problemen führen.

"Die humanitäre Hilfe in Österreich ist unterfinanziert und fragmentiert", sagt Max Santner vom österreichischen Roten Kreuz. Es sei nicht klar geregelt, wann welches Ministerium die Führung übernimmt. Innen- und Außenministerium wüssten manchmal nicht, was das jeweils andere tut. Im aktuellen Fall fehle aber eine staatliche Planungsstelle: "Für große Hilfsorganisationen ist es wichtiger, sich international intern zu koordinieren."

Dezentrale Spendenstruktur in Österreich

Die Gelder für humanitäre Hilfe sind in Österreich auf viele Stellen verteilt: Das Außenministerium verwaltet den Auslandskatastrophenfonds mit fünf Millionen Euro, das Umweltministerium verfügt über zwei Millionen, das Innenministerium über etwa eine Million. Die Länder haben auch eigene Budgets. "Das kann zum Chaos führen", sagt Santner.

Das Geld ist knapp bemessen: Unter den EU-15 ist Österreich Schlusslicht, unter den EU-25 im untersten Drittel. Für die aktuelle Hungersnot hat Österreich bisher 1,5 Millionen Euro zugesichert - die Schweiz 13,2 Millionen Euro. (Tobias Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2011)

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 51
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thinkonyourfeet
01
10.8.2011, 21:39
Hier geht es um Menschenleben.

Deshalb ist eine Soforthilfe wichtig.
Aber mittelfristig dürfen wir nicht vergessen, dass wir es mit einer Spendenindustrie zu tun haben. Die Organisationen, die Äthiopien (nur als Beispiel) Jahr für Jahr mit billigen Hilfsgütern versorgen, machen die dortige Landwirtschaft kaputt. Damit ist die nächste Hungerkathastrophe schon jetzt vorprogrammiert und damit machen sich genau diese Organisationen unentbehrlich, die diese Katastrophe indirekt verursachen...

Helmuth Moltke
00
10.8.2011, 19:27

jetzt gerade in Radio Stephansdom ein Vortrag über Afrika von :
http://de.wikipedia.org/wiki/Asfa... n_Asserate
Tenor : Schuld an der afrikanischen Tragödie sind
die Gewaltherrscher und
Europa muss auf China einwirken , um Grundstandards
einzuhalten
Subventionierte Agrarprodukte aus der EU ruinieren die lokale Agrarstruktur
"Afrika ist der Lackmustest für die europäische Humanität "

Johannes G.
01
10.8.2011, 15:52

Was Der Artikel (no na) nicht sagt, ist dass es teure Zweigleisigkeiten und mangelnde Kooperation schon bei den NGOs selber gibt. Und dass viele ihrer Mitarbeiter keinerlei Sachkompetenz haben.

Aber NGOs darf man nicht kritisieren, sonst ist man teil jener Verschwörer, die Afrika wieder kolonialisiern wollen.

johannes schenk1
00
10.8.2011, 19:05
Stimmt. Aber auch nicht:

Erstens ist politischer Wille zur Hilfe und gar zur Hilfe für Menschen in anderen Ländern in Afrika selten vorhanden, zweitens muss auch die afrikanischen Lebensmittel jemand bezahlen und während die Regierungsmitglieder und Parlamentarier in Afrika oft reicher sind als die europäischen, sind es doch die Regierungen als solche nicht.
Aber in einem haben Sie jedenfalls recht: man muss afrikanische Lebensmittel kaufen um Afrikanern zu helfen, da man damit zugleich lokal (oder eben so lokal, also nah, wie möglich an der Katastrophe) Arbeit und Einkommen schafft.

johannes schenk1
00
10.8.2011, 19:00
Wie stellen Sie sich NGOs ohne Zweigleisigkeiten vor? Das würde ja heißen, dass Sie einer NGO spenden, aber doch wer anderer (der große Koordinator?)

entscheidet, was und wie etwas gemacht wird!
Im übrigen weiß ich, dass NGOs im Ausland sehr wohl zusammenarbeiten - nicht immer mit den Anderen, aber eigentlich immer mit den Partnern aus anderen Ländern - also etwa die Caritas Schweiz mit der Caritas Österreich, oder das ÖRote Kreuz mit dem Deutschen Roten Kreuz usw. (und es gibt über 160 Organisationen der Caritas Familie und noch mehr nationale Rote Kreuze (Halbmonde, Davidstern usw) und die haben Dachverbände die koordinieren.
Das mit der Sachkompetenz ist ein harter Vorwurf, da würden Beispiele (am Besten mit Beweisen) helfen.
Wobei es sehr wahrscheinlich ist, dass es manche ohne Kompetenz gibt - wie überall - aber viele?

thomas 2
00
10.8.2011, 14:05
es gibt genug Lebensmittel in Afrika!

wir könnten aber helfen die Verteilungsprobleme zu lösen. Dazu bedarf es nicht vieler Helfer, sondern politischer Einflussnahme!

Nennt mich Loretta
12
10.8.2011, 12:37
Also sudern NON-GOVERNMANTEL Organizations, dass sie zuwenig Geld vom Staat bekommen um ihr ach so unabhängiges Treiben zu finanzieren.

johannes schenk1
00
10.8.2011, 19:07
Da, wo NGOs vom Staat oder der EU Geld bekommen, ist ihr

Tun mit diesem Geld nicht mehr unabhängig: sprich sie müssen Proposals einreichen und nachher mit Berichten, Abrechnungen und Audits beweisen, dass sie das Geld widmungsgemäß eingesetzt haben.
Unabhängig sind sie insofern, als sie sich aussuchen können, für welche Projekte sie um Unterstützung ansuchen - und sie bekommen natürlich nicht für alle Ideen Geld. Soweit ist das schon in Ordnung so.

Nennt mich Loretta
00
10.8.2011, 19:46
Seh ich nicht so.

Entweder ich bin unabhängig oder ich bin es nicht.

Um Steuergeld zu betteln ist keine Kunst. Da ist es wohl sinnvoller, vor allem transparenter, der Staat zahlt niemanden dafür, dass er in seinem Auftrag irgendwelche Jobs erledigt, zumal derartige Finanzierungen immer nach Freunderlwirtschaft richen.

johannes schenk1
00
10.8.2011, 20:00
Wenn Sie es so sehen wollen -

aber für mich heißt Unabhängigkeit in diesem Kontext nicht mehr als: der Staat kann einer NGO nichts anordnen.
Er kann an seine Geldleistung für ein bestimmtes Projekt keine anderen Bedingungen knüpfen, als welche die mit dem Projekt verbunden sind.
Er kann also zB nicht sagen: ich geb' euch das Geld, wenn ihr dafür nicht mehr unsere Politik kritisiert, usw.
Die NGOs sind also vom Staat nicht abhängig - wohl aber ihre Größe, wenn der Staat eine NGO nie und bei keinem Projekt unterstützt, ist sie natürlich kleiner.
Und: der Staat braucht auch NGOs durch die er sein Geld umsetzen kann, denn wenn er das Geld nicht den betroffenen Staaten in denen Hilfe benötigt wird, in den Rachen werfen will, wer soll dann die Projekte realisieren?

chacun à son gout
41
10.8.2011, 11:00
Österreich - ein Land zum Fremdschämen.

Während wir froh waren, als nach dem ersten und zweiten Weltkrieg die internationale Staatengemeinschaft uns geholfen hat, sind wir nun die Oberknauserer der EU. Peinlich.

Aber gleichzeitig schotten wir uns möglichst ab, dass keine Flüchtlinge zu uns kommen. Man will also nur die afrikanischen Staaten ausnehmen, aber dann für die Konsequenzen nicht gerade stehen. Hut ab, meine Herren und Damen!

thinkonyourfeet
00
10.8.2011, 21:45
"Fremdschämen" ist ein so blödes Wort.

Denken Sie einmal nach und dann fällt Ihnen sicher was besseres ein...

johannes schenk1
00
10.8.2011, 19:12
Inhaltlich bin ich bei Ihnen,

nur dass ich mich erstens nie fremdschäme - ich bin nur mit meiner einen Stimme im eigentlichen und im politischen Sinne, für Österreich verantwortlich - und zweitens weiß ich eigentlich wenig von einer Staatengemeinschaft die Österreich nach dem 1. WK geholfen hatte und auch nach dem 2. WK waren es meines Wissens nur (oder hauptsächlich) die USA die uns mit Geld für einen Wiederaufbau geholfen haben.
Wobei ich die Kinderlandverschickung (Wo Kinder aufgepäppelt wurden) und andere Projekte anderer Länder nicht gering schätzen wollte.

packerl suppe
00
10.8.2011, 17:42
FYI: zahlen aus dem spendenbericht 2010

die österr. bevölkerung unterstützte die opfer des erdbebens in haiti 01/2010 mit 32 mio. euro, und 07/2010 wurden 14,7 mio. euro für die katastrophalen überschwemmungen in pakistan gespendet.

chacun à son gout
00
10.8.2011, 23:35
richtig,

die österreichische Bevölkerung spendet in manchen Fällen recht viel. Ich beziehe mich aber auf das Öffentliche Österreich (=Politik) und die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit, Katastrophen im Ausland, Humanitäre Einsätze etc.

Voll der Troll sagt:
64
10.8.2011, 12:33

wozu einem land helfen, daß seine bevölkerung ver4facht seit 1960, obwohl auch schon damals zu wenig nahrung (immer wiederkehrende hungersnöte) für alle vorhanden war?

lassen wir der natur ihren lauf - wenn dort nur noch 1 mio menschen leben gibts auch wieder mehr zu beißen für alle.

klingt hart - aber ich steh dazu. sorry.

chacun à son gout
00
10.8.2011, 23:36
in Ihrem Fall wäre ich auch dafür,

der Natur freien Lauf zu lassen...

So viel geballte Dummheit vermutet man sonst eher auf kröne.at

johannes schenk1
00
10.8.2011, 19:16
Naja, ist ja nicht so schlimm, sagt ja nur der Troll.

Im übrigen: Es hat sich auch die Nahrungsproduktion weltweit vervielfacht.
Und: auch Somalia könnte sich selbst ernähren, wenn dort Frieden herrschte und die Bildung (im Landwirtschaftlichen Sinne) reichte.
Leider aber kann geschehen, was der Troll sagt,- nicht weil er recht hat, und auch nicht weil es niemanden interessiert, was in Somalia geschieht, sondern weil es dort bewaffnete Gruppen gibt, die nicht wollen, dass sich jemand von außen einmischt. Die lassen vielleicht Lebensmittelieferungen durchgehen, aber sicher keine Veränderungen.

Stefan Binder
00
10.8.2011, 14:15
Schräge Idee, daß...

...jeder mit dem auszukommen hat was sein eigenes Land hergibt. Also wir mit dem hier vorhandenen Öl und Bodenschätzen, etc.

thomas 2
00
10.8.2011, 14:07
der natur ihre lauf lassen geht nicht, aber wir müssten

humane maßnahmen ergreifen, dass sich der anstieg gestoppt wird.

Montgomery McFerryn
00
10.8.2011, 18:39

sobald genug Nahrung im Spiel ist wird jedes paar die maximale kimderanzahl bekommen weil Verhütung in beiden dort vorherschenden Religionen verboten ist. Wie wollen sie also möglichst schnell Geburtenkontrolle und Religionsfreiheit unter einen Hut bringen ohne die Menschenrecht zu verletzen. Ihnen nicht zu helfen ist zwar nicht human verstößt aber auch nicht gegen die Menschenrechte die uns so wichtig sind.

Shephart
20
10.8.2011, 13:51
Der Natur freien Lauf lassen?

Sie reden ja schön daher, das wäre rein theoretisch ja keine schlechte Idee GEWESEN. Aber wir - der Westen - tragen eine gehörige Mitschuld an all dem, was dort unten passiert. Für die Dürre ist die Umweltverschmutzung schuld (und wer dafür die Schuld trägt bedarf keiner weiteren Erklärung), für den Dauerkriegszustand in großem Maß die Kolonialisierung, für die dortige Wirtschaft unsere Unterdrückung dieser.
Wir versuchen - halbherzig, mit vielen Hintergedanken (siehe Lybien) - nur da auszubügeln, was wir selbst verursacht haben.

Montgomery McFerryn
00
10.8.2011, 18:40

Stimmt die Bevölkerungsexplosion war unsere schuld weil wir dem Land unnatürlich Geholfen haben obwohl die bevölkerung noch nicht reif dafür war.

Eine Kreatur
22
10.8.2011, 10:30
das ist leicht zu erklären ..

haiti war weit weit weit weit weg und die gefahr, dass von dort jemand nach österreich flüchtet geradezu 0

aber das ist das horn von afrika und die panik vor "wirtschafts"flüchtlingen und überfremdung ist sooooo groß, dass in europa lieber in kauf genommen wird, dass potentielle flüchtlinge in ihrer heimat oder auf der flucht elend sterben, bevor sie noch in irgendeine art und weise unterstützt werden und sie bestimmte europäische länder als "hilfsbereit" sehen und dann dorthin wollen ..

außer kurzfristige betroffenheit kann von diesen politikerInnen nicht erwartet werden .. nächster tagesordnungspunkt? einladung zu einem volksfest in st. hintertupf! na großartig da gehen wir doch hin!

chacun à son gout
10
10.8.2011, 12:46
ich gebe ihnen grün,

als Ausgleich für die roten Stricheln von Leuten, die das voll ok finden, wenn Afrika mal ein wenig vor sich hin verhungert.

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