Nach Reaktorkatastrophe

Tepco verliert fünf Milliarden Euro in drei Monaten

9. August 2011, 19:23
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    foto: apa

    Ein Angestellter verlässt die Tepco-Firmenzentrale.

Für den Betreiber des AKWs Fukushima wird die wirtschaftliche Lage immer bedrohlicher

Der finanzielle Fallout der Reaktorkatastrophe im AKW Fukushima materialisiert sich immer stärker in konkreten Zahlen. Am Dienstag hat Betreiber Tepco in seiner Bilanz für das vergangene Quartal einen weiteren Verlust von umgerechnet fünf Milliarden Euro verbucht. Der Reinverlust ist damit mehr als 100-mal höher als im Vorjahr.

Der Grund für das Defizit ist diesmal die Krisenbewältigung und nicht wie im Ende März abgelaufenen Bilanzjahr 2010 die Abschreibung für die zerstörten Meiler. Die hatte Tepco damals einen Reinverlust von elf Milliarden Euro eingebracht.

Doch das ist erst der Anfang. Vergangene Woche stellte ein Regierungsausschuss einen Entwurf für einen Entschädigungsplan vor, der Tepco sogar für die Einkommensausfälle des nationalen Hotelgewerbes haftbar machen würde. Außerdem überlegt der Ausschuss, Tepco für die Evakuierungen zahlen zu lassen.

Geldquelle fraglich

Schon eine Laufzeit dieser Verpflichtungen bis Ende Januar 2012 würde Tepco bis zu 64 Milliarden Euro kosten, meint Yusuke Ueda, Kreditstratege von Merrill Lynch Japan. Woher das Geld kommen soll, ist völlig offen.

Wie rasch Tepco wieder profitabel Strom erzeugen und verkaufen kann, ist noch unklar. Denn erstens braucht der Konzern für Strompreiserhöhungen in der angespannten politischen Lage die Zustimmung der Regierung. Doch die zu erhalten wird schwer, weil Tepco derzeit Buhmann ist. Zweitens beginnt das Land gerade erst die Diskussion über die Zukunft seiner Energiepolitik und damit der Atomkraft, auf die Tepco bisher im Einklang mit der Regierungspolitik gesetzt hat.

Drei große Fragen

Die Antworten auf drei große Fragen sind dabei entscheidend: Wird das Land ein Einspeisegesetz nach deutschem Vorbild einführen, um alternative Energien zu fördern? Kommt sogar ein schrittweiser Ausstieg aus der Atomenergie? Und wird das Strommonopol dereguliert?

Allerdings gibt es in keiner Frage einen Konsens. Regierungschef Naoto Kan forderte, den von Japans Atomlobby erträumten Wiederverwertungskreislauf von Plutonium und dazugehörigen schnellen Brütern aufzugeben. Doch Kan kämpft allein, selbst seine Partei fordert seinen Rücktritt.

Derweil versucht sich die Atomwirtschaft wieder mehr Einfluss zu verschaffen. Die oppositionellen Liberaldemokraten (LDP), die in ihrer Zeit als Dauerregierungspartei die Atomindustrie aufgebaut hatten, diskutieren, das Einspeisegesetz auf fünf Jahre zu begrenzen, verrät LDP-Politiker Taro Kono. "Sie glauben, dass die Leute vergessen werden, und die Atomindustrie dann neue Reaktoren bauen kann", sagt Kono, der 2012 für die Parteiführung kandidieren will. "Ich denke allerdings nicht, dass das passieren wird."

Kono: Kan scheinheilig

Kritisch geht Kono auch mit Kan zu Gericht. Der Premier predige daheim den Ausstieg und wolle dennoch den Export von Atomkraftwerken fördern, erbost sich Kono. Außerdem wirft er der Regierung vor, die Bevölkerung im Umkreis Fukushimas nicht gut genug geschützt zu haben.

Computermodelle der Regierung zeigten deutlich an, dass die radioaktive Wolke direkt über manche Orte ziehen würde. Nur wussten die Bürger davon nichts, denn Bürokraten in Tokio hatten die Simulationen sogar vor Politikern verheimlicht - aus Angst vor Kritik und Panik. Später spielten aus den gleichen Gründen die Politiker die Resultate herunter.

Für die Betroffenen muss sich der neue Entscheid der Regierung daher wie Hohn auswirken: Die Evakuierungsbereitschaft in der 20 bis 30 Kilometer vom AKW entfernten Sicherheitszone soll nun aufgehoben werden. (Martin Kölling aus Tokyo, DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2011)

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21 Postings
Ab Null Euro
01
11.8.2011, 14:31
Wieviel waren denn die Grundstücke in den evakuierten Regionen wert?

Doch sicher weit mehr als 5 Mrd wenn man bedenkt das dort mehr als 40.000 Leute gewohnt haben.

Zahlt das Tepco?
Würde das EON, RWE, EDF, etc. bezahlen wenn sie beispielsweise Düsseldorf, Stuttgart oder gar Paris unbewohnbar machen mit ihrer atomaren Verstrahlung?

Mathias
 
00
10.8.2011, 15:54
Für den Betreiber des AKWs Fukushima wird die wirtschaftliche Lage immer bedrohlicher.

Wozu überhaupt noch Manager? Die haften für ihr Handeln doch sowieso nicht!

Egal ob sie was tun oder nicht, die Tätigkeit der Verwaltung könnte man auch Beamten überlassen, dazu noch günstiger über die ganze Laufzeit gesehen! Selbst in der Pension!!

Schnapphahn
03
10.8.2011, 10:28
Im Endeffekt wird der Steuerzahler in Japan

alle Kosten übernehmen. Atomenergie, die "billige und saubere" Energie.

Gerhard Ingolf
10
10.8.2011, 20:51

Immerhin braucht der "Atomstrom" kein "Einspeisegesetz"!

Quargelbrot
00
10.8.2011, 09:08

Die Tränen steigen mir in die Augen...NOT

mag2412
22
10.8.2011, 08:54
tepco verliert milliarden

mütter und väter ihre kinder
staaten ihre autorität
menschen ihren glauben

ihr schickt die welt in die hölle. das große morden wird weitergehen und ihre erkennt es nicht.

John Bello
04
10.8.2011, 04:00
MOI,

armes,armes Tepco..

leid tun mir allerhöchstens deren Arbeiter in Fukushima..

no_milk_today
00
10.8.2011, 02:56

http://enenews.com/national-... rink-video

Nationwide TV in Japan: Toxicity of plutonium “not very different than salt” — “So safe you can drink it” (VIDEO)

Tokyo Brown Tabby’s latest captioning is over the collection of video clips of three Japanese nuclear researchers, claiming safety for plutonium on the national TV. The first two appeared on TV after the March 11 accident to assure the public that there was nothing to worry about on plutonium, because it was so safe.

Gerhard Ingolf
20
10.8.2011, 20:55

Na ja, die Angst vor Plutonium ist tatsächlich übertrieben. Immerhin ist Plutonium ein Metall mit sehr hohen Schmelz- und Siedepunkt. Nicht einmal in Tschernobyl wurden wesentliche Mengen von Pu freigesetzt - trotz tagelangem Graphitbrand.

Mog Ia
01
.

und? schaden von cig 100ten milliarden haben sie ja angerichtet.

Le Fou du Roi
01
10.8.2011, 06:54
aber...

... der Steuerzahler wird schon helfen. Wieder einmal...

Le Fou du Roi
01
10.8.2011, 06:53
Ja, der Atomstrom ist ja so billig!

h 90
00
10.8.2011, 09:38

ist er auch, was hat das damit zu tun?

www.apartamentos-santamarta-rodadero.co.cc
00
10.8.2011, 05:30

Ich dachte das Erdbeben und der anschließende Zunami haben den Schaden angerichtet.

h 90
00
10.8.2011, 09:39

Nein, die haetten weniger Schaden angerichtet wenn sich Tepco an die Verordnungen gehalten haette.
Dann haette es die Katastrophe nicht gegeben.
Einiges an Upgrade wurde einfach nicht gebaut.

Gerhard Ingolf
20
10.8.2011, 21:01

Die Katastrophe waren >20.000 Tote und 100.000ende zerstörte Häuser durch den Tsunami. Die Schäden durch den 3-fachen GAU sind dagegen gering (vorübergehende Evakuierung aus unbeschädigten Häusern).

h 90
01
11.8.2011, 04:23

und das bisserl Strahlung und massive Probleme in der stromversorgung japans

budowitz
00
die arbeit der regierung machen idalisten:

http://blog.safecast.org/2011/08/d... -august-7/

budowitz
01
zum vorletzten absatz, sehr ausführlich:

http://www.nytimes.com/2011/08/0... wanted=all

yokozuna
00
11.8.2011, 18:50
Die Folgen von Fukushima

Der neueste ZDF Report

http://www.zdf.de/ZDFmediat... -Fukushima

no_milk_today
00
10.8.2011, 00:22

ok, schneller gewesen

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