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Britische Presse verurteilt Gewaltakte

9. August 2011, 14:15

Guardian: "Destruktivster Gewaltakt seit Unruhen 1981" - The Times: "Unruhestifter sind sich auf zynische Art der Zurückhaltung der Polizei bewusst und nutzen sie aus"

London/Wien - Britische Zeitungen haben am Dienstag in Kommentaren auf die Krawalle in London und anderen Städten geantwortet, und die Gewaltakte verurteilt:

"The Guardian" (London)

"Großbritannien und London erlebt einen der ernstesten und destruktivsten urbanen Gewaltakte seit den Unruhen in Brixton und Toxteth im Jahr 1981 (...) Damals gab es Spekulationen darüber, dass geheime Organisatoren die Fäden hinter der Ausbreitung der Aufstände ziehen. Beinahe alle diese Vorwürfe - die eine Zeit vor der Existenz von Mobiltelefonen betreffen - haben sich als substanzlos herausgestellt. (...) Die Unruhen sollten nicht geduldet und noch weniger romantisiert werden. Aber sie stellen mehr als eine Verschwörung dar. Die Unruhen sind ein Produkt der Lebensumstände, zu denen sich die Krawallmacher entschieden haben oder in die sie sich gedrängt fühlen. Die Schuld an den Unruhen auf individuelle Missetaten, Verschwörungen oder Budgetkürzungen der Regierung zu schieben, ist zu simplifizierend für ein so komplexes Thema, obwohl diese Dinge ihren Beitrag geleistet haben. Sowohl Verschwörungen als auch soziale Benachteiligung sind Teil der komplexen und dunklen Geschichte [hinter den Unruhen], ebenso wie die Kultur der Gewalt, und der Zorn über den Ausschluss aus Konsum-Erwartungen."

"The Daily Telegraph" (London)

"Dies sind Unruhen der altertümlichsten und zugleich der modernsten Art. Seine Teilnehmer, mobilisiert von Twitter, sind Protagonisten in einem dunklen Nachhall auf den arabischen Frühling. Der Sommer von Tottenham (...) ist ein Angriff nicht auf ein tyrannisches Regime, sondern auf die etablierte Ordnung einer wohlmeinenden Demokratie. Eine Frage hängt nun über den umkämpften Straßen Londons: Wie konnte das passieren? (...) Eine von mehreren offensichtlichen Antworten ist das Versagen der Polizei. (...) Die Abwesenheit der Polizisten bei der Plünderungsorgie führte zu einem Zusammenbruch der Ordnung, der an gesetzlose Zonen eines gescheiterten Staates erinnert. (...) Aber diejenigen, die London terrorisieren und zerstören, sind auch Symptome eines größeren Problems. (...) Der Mangel an Wirtschaftswachstum in Großbritannien ist nicht wegzudebattieren (...), ebenso wie unsere ungelernten, unmotivierten und kaum gebildeten Nicht-Arbeitskräfte ein Schandfleck auf unserer nationalen Leistungsbilanz sind. (...) In der Zwischenzeit ist die Meinung auf dem Vormarsch, dass die sozialen Sicherheitsnetze, die kostspielig Bildung und Gesundheitsvorsorge für alle garantieren, in den kommenden schweren Jahren untragbar sind. In Wahrheit sind sie aber die einzige Lösung.

"The Times" (London)

"Die Augen Londons richten sich heute nicht auf eine Gemeinschaft im Krieg mit der Polizei. Der Blick ist auf junge Leute gerichtet - hauptsächlich männliche Teenager - die der Plünderung und dem Brandstiften frönen. Die Beziehungen zwischen der Londoner Polizei und der Bevölkerung, der sie dient, hat sich seit den Schreckenstagen der 1980er Jahre unbeschreiblich verbessert, zum Teil als Folge der weitreichenden Schlussfolgerungen des Macpherson-Reports, der den Umgang mit dem Mordfall an einem schwarzen Teenager, Stephen Lawrence, aufarbeitete. Die heutigen Unruhestifter sind sich auf zynische Art der Zurückhaltung der Polizei bewusst und nutzen sie aus. (...) Auf jedem Bild eines Krawallmachers, der Steine wirft und Fenster einschlägt, sind andere Leute zu sehen, die zusehen, aber nicht eingreifen. Die Londoner müssen sich fragen, ob ihre Stadt der faulen, schamvollen Angewohnheit verfallen ist, in die andere Richtung zu schauen. (....) Es ist aber die Polizei, der die wichtigere Aufgabe zukommt. Nach drei Tagen der Unruhen sieht es so aus, als habe die Polizei die Straßen den gewaltbereiten und räuberischen jungen Männern überlassen. Es ist Zeit, sie zurückzunehmen."

"The Sun" (London)

"Wie die 'Sun' berichtet hat, haben die Unruhen nichts mit den Protesten gegen die Erschießung eines Mannes in Tottenham durch die Polizei zu tun. Sind sind Anarchie, schlicht und ergreifend. Und sie stellen eine ernsthafte Bedrohung für Leben und Eigentum dar. Warum also handelt die Polizei nicht mit ebenso ernsthaften Maßnahmen? Die 'Sun' bewundert den Mut der Londoner Polizisten an den Frontlinien, die einstecken mussten. Aber wo sind die Wasserwerfer und das Tränengas, wenn die Chaoten Autos verbrennen und Geschäfte plündern. Beides wäre gerechtfertigt. Beides wäre anderswo schon im Einsatz. (...) [Premier David] Cameron muss der Polizei noch heute befehlen, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Straßen zurückzugewinnen." (APA)

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