Wiener Sofiensäle: Großbrand jährte sich zum zehnten Mal

  • Bis 2013 sollen Festsaal, Fassade und Stiegenhaus originalgetreu renoviert werden - die Arbeiten dafür haben im heurigen Juni begonnen.
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    Bis 2013 sollen Festsaal, Fassade und Stiegenhaus originalgetreu renoviert werden - die Arbeiten dafür haben im heurigen Juni begonnen.

Flämmarbeiten führten zur Zerstörung - Revitalisierung als Wohn-, Kultur- und Bildungskomplex bis 2013

Wien - Vor zehn Jahren haben Flämmarbeiten einem der damals beliebtesten Wiener Veranstaltungsorte ein jähes wie unerwartetes Ende beschert: Ein Großbrand am 16. August 2001 zerstörte die Sofiensäle in der Marxergasse 17 im Bezirk Landstraße. Durch das Feuer und die tagelangen Löscharbeiten wurde das historische Gebäude schwer beschädigt. Danach folgten Jahre der Ungewissheit, was die Revitalisierung der Brandruine betrifft. Im Vorjahr fiel dann die endgültige Entscheidung: Ab 2013 wird der Bau Kulturinitiativen, Wohnungen und eine Uni-Einrichtung beherbergen.

Am Unglückstag dürfte eine Unachtsamkeit beim Verkleben von Dachpappe mit offener Flamme in den Mittagsstunden zu einem Schwelbrand geführt haben. Teilnehmer einer Orchesterprobe hatten im großen Saal Rauch bemerkt, der durch die Lüftungsklappe drang. Um 12.58 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, zeitgleiche Löschversuche von sechs Personen schlugen fehl. Die anrückenden Löschkräfte orderten schließlich: "Alle Mann raus."

Dachstuhl stürzte ein

Rund 40 Einsatzfahrzeuge und so gut wie alle diensthabenden Feuerwehrleute waren in Schichten von je 100 Mann im Einsatz. Die Helfer mussten wegen der großen körperlichen Anstrengung alle zehn bis 20 Minuten abgelöst werden. Nach rund einer Stunde stürzte der Dachstuhl ein, der denkmalgeschützte Saal begann zu brennen. Wegen des großen Risikos konnte der Brand nur von außen mit vier Schläuchen bekämpft werden. Bis zu 4.000 Liter Wasser pro Minute wurden gegen die Flammen gespritzt. Endgültig "Brand aus" hieß es erst nach Tagen.

Der Unfall hatte auch ein juristisches Nachspiel. Ein Dachdeckermeister wurde später zu einer dreimonatigen bedingten Haftstrafe wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst verurteilt. Bei den folgenden Sicherungsarbeiten wurde auch das desolate Bühnenhaus abgerissen. Bald begannen auch auf politischer Ebene die Debatten, was mit der Ruine geschehen sollte. Gegen einen völligen Abriss setzte sich das Denkmalamt erfolgreich zur Wehr.

Renovierungsarbeiten seit Juni 2011

Nach Jahren des Zuwartens veräußerte der ursprüngliche Eigentümer die Reste des Veranstaltungsorts 2006 an die Wohnbaugesellschaft Arwag. Diese wollte die zerstörte Clubbinglocation in ein Hotelprojekt verwandeln, woraus aus wirtschaftlichen Gründen aber doch nichts wurde. Im Herbst 2010 wurden die Sofiensäle schließlich an die Soravia-Tochter IFA verkauft.

Diese lässt nun bis 2013 Festsaal, Fassade und Stiegenhaus originalgetreu renovieren, die Arbeiten dafür haben im heurigen Juni begonnen. Saal und Logen werden künftig als Ausstellungshalle bzw. Künstlerateliers dienen. Ein moderner Zubau wird zudem 88 Wohnungen beherbergen. Eine Uni-Einrichtung und Gastrobetriebe werden ebenfalls in den Landstraßer Komplex einziehen. 46 Millionen Euro sind für das Revitalisierungsvorhaben budgetiert. (APA)

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