Retter wider Willen

Kommentar |

Weil sich die Regierungschefs weiterhin nicht von ihrer Salamitaktik im Umgang mit der Schuldenkrise verabschieden wollen, soll es EZB-Chef Jean-Claude Trichet also wieder richten

So gerne wären die Notenbanker in Frankfurt wieder zur Tagesordnung übergegangen. Die Währungshüter der Eurozone sind schon seit mehr als einem Jahr unglücklich über ihre Rolle als Krisenfeuerwehr. Eigentlich wollen sie sich nur um die Inflation kümmern und die Leitzinsen in der Eurozone steuern. Doch daraus wird nichts.

Die Politik vergattert die Europäische Zentralbank wieder zu einer außergewöhnlichen Maßnahme. Sie soll verhindern, dass sich die Staatsschuldenkrise auf Italien und Spanien ausweitet, indem sie Bonds der verschuldeten Staaten kauft. Damit muss sich die EZB weiter aus dem Fenster lehnen und Fiskalpolitik machen. Weil sich die Regierungschefs weiterhin nicht von ihrer Salamitaktik im Umgang mit der Schuldenkrise verabschieden wollen, soll es EZB-Chef Jean-Claude Trichet also wieder richten. Auch 2010 waren die Interventionen "kurzfristig" ausgelegt, als die Zentralbank in Griechenland interveniert hat.

Wenn sich die Politik für den Weg entschließt, den europäischen Währungsraum mit den jetzigen Mitgliedern zu erhalten, muss sie eine andere Antwort finden, als die EZB nach jeder bösen Überraschung mit neuen Aufgaben zu betrauen. Denn damit erodieren die Wirtschaftspolitiker wissentlich das verbleibende Ansehen von EZB und Euro, und erhöhen damit für alle die Kosten ihrer Finanzierung. Ein europäischer Währungsfonds tut not, oder zumindest mehr Feuerkraft für die bestehenden Programme. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.8.2011)

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21 Postings
Ezb Retter? wohl eher Brandbeschleuniger

Unterm Strich nimmt die Ezb den Banken die Bonds ab, damit sie weniger Verlust haben und fröhlich gegen die Länder spekulieren können.

Hat ja schon bei Griechenland super funktioniert.

Sinn würde machen die Länder direkt zu finanzieren und nicht die Altlasten der Banken aufzuhäufen und somit einen Freibrief zur Spekulation auszustellen.

Vollkommen richtig.

Es wird nur der Sekundärmarkt bedient. Damit machen aber die grossen Marktteilnehmer, ihre Gewinne.

Bei den Schuldenstaaten ändert sicha bsolut nichts, und vom Geld kommt dort auch nichts an.

Es wird dabei nur sinnlos Geld "verbrannt".

EU-light

ist gefragt (ähnlich wie der EWR).

einfach lösung...

... nein sagen.

dann dürfen die herrn und frauen politiker selber machen.

Keine Angst -

"...soll es EZB-Chef Jean-Claude Trichet also wieder richten. "

Herr Trichet oder die EU werden das schon nicht richten müssen - das müssen wir - jeder einzelne von uns !

Geanu Trichet macht und löst gar nix, ganz im Gegenteil er gibt uns den Zahlern den Gnadenschuß!

Dabei wäre es so einfach.
1) die PIIGS Staaten behalten den €uro und die restlichen €uro-Staaten treten aus dem €uro aus.
2) Die PIIGS Staaten können dann den €urio abwerten und damit die Schuldenkrise verkleinern.

Unsere Politiker pumpen aber nur Milliarden in die Märkte, die dort als Gewinne sofort abgesaugt werden, lösen aber kein einziges Strukturproblem der €urozone.
Die Deutschland Wiedervereinigung zeigt auch dass eine Strukturbereinigung der €uro-Länder gar nicht finanzierbar wäre.
Der €uro ist eine Mißgeburt weil unsere Politiker uns belogen und betrogen haben und strukturell viel zu unterschiedliche Staaten aufgenommen haben.

@Kritiker

Ich glaube gar nicht, daß der € eine Mißgeburt war/ist. Die ganze Sache war nur extrem schlecht bis nicht vorbereitet (gewollt ?) - aber dieses Problem habe ich mit der gesamten EU-Konstruktion: man muß doch zuerst Regeln schaffen, und dann kann man sich auch rechtlich zusammenschließen !

Man muß doch zuerst die wirtschaftlichen Voraussetzungen (Steuern, Abgaben, Sozialversicherungen etc.) vereinheitlichen - dann kann ich eine gemeinsame Währung einrichten.

Das war auch der Grund, warum ich 1994 gegen einen Beitritt gestimmt habe, weil bereits damals die Schwierigkeiten vorhersehbar waren. Sogar für mich kleinen Hansel.

Aber für mich erweckt diese Vorgehensweise wirklich den Anschein des Gewollten - auch die beginnend sozialen Unruhen !

Aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hätten die PIIGS Staaten nie den €uro bekommen dürfen.

Es ist ohnedies ein Rätsel wie die PIIGS Staaten die Konvertierungsbediingungen erfüllen konnten.

Und Sie bestätigen ja mit Ihren Ausführungen die Mißgeburt=Falsche Voraussetzungen und Teilnehmer der €uroeinführung!

@kritiker

So gesehen ja !

Warum diese Staaten in die Euro-Zone aufgenommen wurden - da wird wohl viel Geld geflossen sein. Und die Auslagerungen ! Das haben aber wir genauso gemacht (Grasser) und fällt uns ja demnächst auf den Kopf.

Allerdings: ich gehe einmal davon aus, daß hier von "Elite" (wie ich dieses Wort verabscheue !)-Fachleuten geprüft wurde (sogenannte Leistungsträger).

Wer waren diese ?

Wieso werden sie nicht zur Verantwortung gezogen ? Und die dazu passenden Hintermänner ?

Diese EU entpuppt sich immer mehr als das, was sie von Anfang an war (geplant war ?): eine korrupte Diktatur ! Und wir schlittern langsam aber sicher in die Lage von Dritte-Welt-Staaten.

Jeder? Nicht wirklich. Diejenigen, deren Vermögen wir jetzt seit 3 Jahren immer wieder retten dürfen, die tragen relativ wenig dazu bei.

@Kapitulant

Du lieber Mann - das sind so wenige, aber mit höchsten Summen, daß ich die immer wieder vergess "betroffenblinzel"

Siehst Du, und deswegen bin ich glücklich und froh, daß die Banken wieder Rekordgewinne gemacht haben ! Und ich hab da mithelfen dürfen ! Und Du auch !
"garnichtmehrbetroffenblinzelsondernzornig"

Weil die €uro Befürworter die Fehlkonstruktion nicht einsehen wollen, müssne Wir unsere Zukunft verschulden lassen.

PIIGS behalten den Euro der Rest geht weider raus.
PIIGS werten ab, Problem erledigt.

Trichet hängt an Sarkos Leine

Die EZB hat das letzte Vertrauen, unabhängig zu sein, zerstört. Das deutsche Verfassungsgericht schaut sehr genau hin, wie die EZB gegen den EU-Vertrag verstößt, hier mal wieder Art. 123 AEUV.

Das Gericht kann bei derart offenkundigen Rechtsbrüchen gar nicht mehr anders, als ein drastisches Urteil zu sprechen: Es wird eine Ausweitung des Rettungsfonds verbieten und es wird den geplanten ESM drastisch einschränken.

Herr Trichet ist der Totengräber des Euro. Er reagiert klar auf Druck von Sarkozy. Angeblich steht die SocGen kurz vor dem Kollaps, Frankreich wird das AAA Rating entzogen, dann kann Frankreich sich selbst eine Aufstockung des Rettungsfonds gar nicht mehr leisten. Das soll nun wohl noch schnell vorher durchgedrückt werden.

"Das Gericht kann bei derart offenkundigen Rechtsbrüchen gar nicht mehr anders, als ein drastisches Urteil zu sprechen: Es wird eine Ausweitung des Rettungsfonds verbieten und es wird den geplanten ESM drastisch einschränken."

Also darauf würde ich mich nicht verlassen, ähnliche rechtliche Argumente, Sichtweisen und auch offizielle Klagen vor Gericht kamen ja sogar schon bei der €-Gründung, und was ist damals passiert?

In 6 Monaten kniest Du Dich vor Trichet nieder und sagst ihm Danke.

Fatalerweise sind auch manche deutsche Politiker so sehr Ihrem Bauchgefühl hörig. Lass doch einfach die Profis arbeiten, wenn die Politik anerkanntermassen versagt ...

Liebe/r fsiggi !

Ja, ich verstehe, dass man zu späterer Stunde anfällig für Verschwörungstheorien wird.

Aber vielleicht sollten sie trotz ein paar Drinks eher beim Thema bleiben (Aufgabe der nationalen Parlamente vs. EZB) und nicht ihren verworrenen Gedankengang hier in Worte fassen.

Es wäre an der Zeit, endlich eine klare finanz- und fiskalpolitische Linie zu fassen, ob das der Frau Merkl oder sonstigen "Grössen" in .de passt oder nicht.

T.L.

P.S: Vorposter MME hat völlig recht ... !

Wo ist hier die Verschwörungstheorie ???

wenn trichet stur nach bundesbank modus agieren würde, dann wäre der EURO schon tot.

Nicht unbedingt. Es hätte vermutlich Auswirkungen auf die weiteren Verhandlungen mit den Krisenstaaten gehabt, diese wären dann jetzt vielleicht schon aus dem € draussen, tlw. Schuldenerlass, dann Abwertung und die Sache wäre vielleicht schon gegessen.

Der € wäre also nicht unbedingt tot, sondern er hätte weniger Teilnehmerländer, diese wären aber homogener.

Die ECB sollte in einer krise auch eine währungszone zusammenhalten können. Es ist eigenartig, dass man der ECB als einziger zentralbank mittel dazu nicht an die hand geben will. Wenn sie eingreift verwässert sie, ihre intervention wieder, in dem sie spanien und italien noch mehr einsparungen abringt. Nach dem motto wir trauen denen auch nicht über den weg.

Die ECB untergräbt selbst das vertrauen in die eigene institution. Das ist noch schlimmer als die designfehler der ECB. 1. nur inflationsziel und das noch zu nieder 2. kein funktion als lender of last resort
Der ESM wird kommen, mit zwei designfehlern. Durch CAC's stuft sich die eurozone als Entwicklungsland ein. Mit strafzinsen und rigiden sparprogrammen wirkt er prozyklisch.

Egal ob es offiziell abgesegnet wurde oder nicht: die EZB ist in Bezug auf die Eurozone bereits ein lender of last resort, und zwar schon jetzt ein größerer als der IWF.
Brauchen Sie's amtlich ... ?

Strafzinsen? Griechenland wurden doch erst kürzlich sehr günstige Zinsen geboten, was bei dem Beinahe-Zahlungsausfall auch Sinn macht. Das ist ja auch sinnvoll.

Und die Eurozone ist gesamt gesehen fiskalisch bald auf dem Stand eines Entwicklungslandes (bzw. sogar weit höher verschuldet), zusätzlich eben das Problem der extremen Divergenzen innerhalb der Teilnehmerländer - oder meinen Sie, man sollte lügen?

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