Dezente Kuhglocken und ein Sturm mit Donnerblech

8. August 2011, 17:27

Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker

Salzburg - So dezent haben die Kuhglocken in der Alpensinfonie kaum je gebimmelt wie beim zweiten Festspielkonzert der Wiener Philharmoniker. Die Sopranistin Reneé Fleming hat zuvor Orchesterlieder und eine Szene aus Richard Strauss' Arabella gesungen und technisch souverän das Große Festspielhaus mit Leichtigkeit erfüllt: strahlend in den großen Linien, beweglich deklamierend etwa im Lied Winterliebe.

Nicht immer ganz wortdeutlich, aber durchdrungen von mitreißender Gestaltungs- und Ausdruckskraft war auch die Schlussszene aus dem ersten Arabella-Aufzug "Mein Elemer!" Nach wenigen Takten schon hat Fleming mit den Reflexionen der liebesunsicheren Arabella eine imaginäre Opernszene auf der Bühne und in den Köpfen entstehen lassen.

Auf Händen getragen freilich wurde die Sängerin von Christian Thielemann und den Wiener Philharmonikern, die in diesem Festspielsommer für ihren ebenso schlanken wie farbkräftigen Strauss-Sound bejubelt werden. Klangvoll timbriert das große Bratschensolo, das Arabellas Gedanken umrankt, hinreißend das Frühlingserwachen mit Vogelsang, das ihre aufkeimenden Gefühle für den Unbekannten ausdrückt.

Dann lag die Alpensymphonie auf den Pulten. Akribisch genau beschreibt Strauss eine Bergwanderung samt Wald, Wasserfall, Alm, Gletscher, Gipfelsieg sowie Heimkehr und verschweigt auch nicht die Gefahren des Bergsteigens durch Verirren, Nebel oder Unwetter. Im Gegenteil: Stille vor dem Sturm und Gewitter, Sturm, Abstieg gehören zu den aufregendsten Teilen.

Thielemann und die Philharmoniker werden seit Die Frau ohne Schatten in Salzburg für ihren kammermusikalischen transparenten Strauss-Zugang gefeiert. Mit genau diesem Ansatz hat Thielemann nun auch die Alpensinfonie neu erschlossen.

Effektvoll natürlich der Sturm mit Windmaschine und Donnerblech, erhebend das leitmotivische Bergthema der Blechbläser, fröhlich Glockengebimmel, Jodler oder Vogelgezwitscher. Es mangelt nicht an Lokalkolorit. Aber Christian Thielemann hat diese Versatzstücke nicht zum Selbstzweck werden lassen, sondern damit eine subtile Orchesterstudie koloriert und Glanzlichter gesetzt. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD - Printausgabe, 9. August 2011)

Kommentar posten
19 Postings
Giuseppe Verdi
02
stümper hier, die vielleicht keinen ton davon gehört haben?

es war ein wunderbares konzert!

sloatvie
00
12.8.2011, 11:49

Caro Giuseppe,

vielen Dank für Ihre Aussage! Ja, ich war auch dort und es war ein Rausch des Klanges und der Sinne, eine Aufführung, die globalen Stellenwert hatte!!

Antagonist1
00
Wieder einmal:

Wie Sie's so richtig formulieren - leider!!!

Kontrahent1
01
'Schlanker wie farbenprächtiger Strauss-Sound'

('Klang' versteht wahrscheinlich niemand mehr, oder es klingt dem Rezensionisten zu verstaubt). Und wer hat's erfunden? - Sein Lehrer und Entdecker!

Susanne Rettenbacher
10
Wirklich ein wunderbares Konzert

aber deswegen muss man andere nicht gleich als Stümper bezeichnen.

Susanne Rettenbacher
10
Rotes Stricherl

schlechtes Gewissen Herr Verdi oder ein anderer "Stricherlverteiler aus Prinzip" ?

Susanne Rettenbacher
10
was zu beweisen war

Dorothea von Gufidaun
20
"Dann lag die Alpensymphonie auf den Pulten."

Oweh, sie lag eher im Magen!

sloatvie
00
12.8.2011, 11:50

waren Sie dort?

lagos
10
Schnell, Michael Aufhauser!!!

Yvonne ist hier!

lagos
00
Aber Yvonne hat es auch gefallen!

lagos
00
Yvonne hat Charakter!

Sie trifft sich auf einen Milkshake mit Jean Ziegler!
Eine Frage des Gewissens!

pago1
10
treffen der krisengewinner

Susanne Rettenbacher
20
Ich nehme an Sie meinen Thielemann als Gewinner in der Krise "Osterfestspiele"

Kontrahent1
11
Andersrum wird ein Schuh draus:

Die Osterfestspiele gewinnen durch Thielemann!

Susanne Rettenbacher
11
Klar, für Strauss und Wagner - Toll!

Kontrahent1
11
10.8.2011, 11:41
Wer Ohren hat,

der höre.- Bleiben Sie bei Levine, der kann 'alles'. (Vielleicht erinnern Sie sich an den großartigen C. Kleiber - ein 'schlankeres' Repertoire gab es wohl nie und was waren das für Darbietungen!)

Susanne Rettenbacher
10
10.8.2011, 16:33
Wieso jetzt dieses Gemecker, wenn ich Thielemann

für Strauss und Wagner toll finde - Hauptsache über andere herziehen?

Kontrahent1
01
12.8.2011, 11:24
Tut mir leid,

ich verstand ihre Aussage anders, zumal soviele Herrn Thielemann auf diese beiden Komponisten (bei welchen er zugegebenermaßen hervorragend ist) beschränken. Ich war schon immer der Meinung, einer der quer durch den Garten dirigiert ist mir suspekt, denn man kann als Künstler nicht zu allen und jedem einen Draht haben.

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