Wissenschaftsminsterium streicht Förderungen für Neubauten und Sanierungen - Heimbetreiber rechnen mit einer Steigerung der Mieten um bis zu dreißig Prozent
Wohnen in Studentenheimen wird in der nächsten Zeit empfindlich teuer. Durch die Streichung der Förderungen für Neubauten und Sanierungen des Wissenschaftsministeriums sehen sich die Betreiber von Studentenheimen dazu gezwungen, die Mieten zu erhöhen. Bernhard Tschrepitsch von der Akademikerhilfe rechnete in einem Gespräch mit der APA mit einer Erhöhung von bis zu 30 Prozent. In einer Aussendung des Salzburger Studentenwerkes heißt es, dass die Mieten von 300 auf 360 Euro erhöht werden müssen, falls die Streichung der Förderungen tatsächlich schlagend werden. ÖH und Heimbetreiber sehen deshalb einen "dringenden Handlungsbedarf der Politik".
Bisher hat das Wissenschaftsministerium Neubauten von Studentenheimen mit bis zu 15.000 Euro pro Heimplatz gefördert, bei Sanierungen wurden bis zu 11.000 Euro zugeschossen. Dieses Geld wird nun wegfallen.
1000 Euro mehr pro Jahr
"Wir befürchten eine Steigerung der Heimkosten um bis zu 1000 Euro im Jahr. Damit wird Wohnen für viele Studierende unleistbar", erklärt ÖH-Generalsekretär Peter Grabuschnig. Rund zehn Prozent der Studierenden würden in Heime leben, heißt es in der Aussendung. "Bisher war das Wohnen im Heim für Studierende rund 25 Prozent günstiger als ein Zimmer in einer WG. Sollten die Kosten für Heimzimmer jedoch um 60 Euro oder mehr im Monat steigen, wird für viele Studierende das Wohnen am Studienort nur mehr schwer finanzierbar", befürchtet die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Angelika Gruber.
"Schaden für Standort"
Georg Leitinger von Salzburger Studentenwerk glaubt, dass die Heime im Falle einer Streichung der Förderungen nicht mehr saniert werden können. "Das heißt, sie werden in desolatem Zustand weitergeführt oder müssen ganz zusperren", so Leitinger. Eine Miete von 360 Euro pro Zimmer sei nicht mehr für sozial verträglich. Leitinger sieht in den Sparplänen der Regierung einen Schaden für den Universitätsstandort. "In ganz Europa wird studentisches Wohnen vom Staat gefördert, außer von Österreich."
Wissenschaftsminister Töchterle hielt in eine Stellungnahme im Mai an der Streichung der Förderung fest. Er wolle stattdessen sozial bedürftige Studenten direkt unterstützen. (red, derStandard.at, 8.8.2011)