Am ersten Tag des Doping-Prozesses gegen Ex-ÖSV-Betreuer Walter Mayer hat ein Mitangeklagter schwere Vorwürfe erhoben. "Katzenfutter" soll das Codewort für Epo-Lieferungen gewesen sein
Wien - Vergnügt und mit einem frechen Grinsen im Gesicht marschiert Walter Mayer ins Blitzlichtgewitter hinein. Als ginge es darum, wie einst nach einem Rennen seiner Langläufer bei einer Pressekonferenz die öffentlichen Lorbeeren für Erfolge abzuholen. Mag sein, dass dem ehemaligen Trainer des Skiverbandes (ÖSV) die Aufmerksamkeit, die ihm da im Wiener Straflandesgericht widerfährt, sogar abgegangen ist. Als Angeklagter muss er zu den Doping-Vorwürfen erst am Mittwoch, am zweiten Prozesstag, Stellung nehmen. Zu sagen hat der 54-Jährige, der laut Anklage zentrale Figur eines Doping-Netzwerkes gewesen sein soll, aber schon zum Auftakt viel. Zumindest in der Prozesspause vor dem Verhandlungssaal.
"Im Prinzip hat die Staatsanwältin kein einfaches Leben. Die tut mir jetzt schon leid" , sagt Mayer, der sich "nicht schuldig" bekannte, siegessicher. "Ich bin nicht für Doping in Österreich verantwortlich. Schon 1984 hat es Blutdoping in Österreich gegeben, ich habe es nicht hierher gebracht." In einem Graubereich habe er sich bei der Betreuung von Sportlern schon bewegt, aber nur mit medizinischen Methoden, "die sehr wohl erlaubt sind und genehmigt wurden". Und weiter: "Es muss freigesprochen werden. Ich habe das zu hundert Prozent nicht gemacht."
Das, was Mayer nicht gemacht haben will, erläutert der Mitangeklagte Karl Heinz R. genau. Wachstumshormone, Epo und Dynepo will der 42-jährige Spengler auf Bestellung für Mayer besorgt und diesem die Mittel wiederholt an Autobahn-Raststätten und bei ihm zu Hause übergeben haben.
Gekauft hat R. die illegalen Substanzen ab Dezember 2005 bei einem Wiener Apotheker, der wie R. und Mayer auf der Anklagebank Platz nehmen muss und sich "teilweise schuldig" bekennt. Zur letzten Übergabe von Doping-Mitteln zwischen R. und Mayer soll es am 25. Oktober 2008 in Klagenfurt gekommen sein - und damit zwei Monate nach Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes.
Ins Geschäft gekommen sind sie, als R. von Mayer als Dackdecker engagiert wurde und Mayer den "aufgeblasenen" Körper von R. begutachtete. "Er hat mich gefragt, was ich nehme. Und wo ich das besorgen kann. Ich war verwundert, dass er etwas bei mir bestellen muss. Aber er war wahrscheinlich zu bekannt mit seinem Namen." Die Bestellungen für Epo sollen mit einem Geheimwort versehen worden sein. "Der Mayer hat Angst gehabt, dass sein Telefon abgehört wird. Also war Katzenfutter das Codewort."
R. bezeichnet Mayer als "Idol" , die Doping-Besorgungen seien "Freundschaftsdienste" gewesen. "Ein bisserl was" will er damit verdient haben, eine Packung Dynepo habe er um 350 Euro an den Mann respektive an Mayer gebracht. Dass Mayer diese Freundschaftsdienste bestreitet, liegt R. im Magen. "Es ist echt traurig, dass er nicht die Eier hat, dazu zu stehen. Wir können nicht alle lügen."
Bei den im Strafantrag genannten prominenten Endabnehmern wie Olympiasieger Christian Hoffmann oder Vizeweltmeister Alois Stadlober (beide Langlauf) habe es sich um "eine Vermutung" von R. gehandelt. "Ich will keinen Sportler anpatzen." Allerdings habe er Mayer vor Olympia 2006 in Turin verstärkt mit Epo beliefert. (David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 9. August 2011)