Internationale Finanzmärkte

Casino-Kapitalismus

Gastkommentar | 8. August 2011, 12:16

Die selbst ernannten Propheten des globalen Kapitalismus durchblicken das System nicht mehr. Früher hätte man die Börsenbubis gemeine Blutegel genannt

Wieder erlebten wir eine Woche der Panik, der Schreckensbotschaften, der Crash-Szenarien und Horrormeldungen an den internationalen Finanzmärkten. Erst jubelten die Analysten über das Ende des Schuldenstreites, der wie eine schlechte Inszenierung eines Shakespeare-Dramas von Demokraten und Republikanern in den USA aufgeführt wurde. Nun verzeichnen vor allen Dingen die riskanten Zockerpapiere dramatische Verluste - weil es angeblich an der Glaubwürdigkeit der Staatsregierungen mangelt, ihre Haushaltsführung in den Griff zu bekommen. Das Konzert des Wehklagens wird begleitet von Analystenstimmen auf dem Niveau von Bauernkalendern.

Denn in Wahrheit wissen die Fondsmanager, Analysten, Makler und Händler in den Tempeln des Casino-Kapitalismus nichts - außer vielleicht den Kontostand ihrer Spekulationen. Sie sind ständig überfordert, weil sie Zusammenhänge, Volkswirtschaften und Unternehmen analysieren, „die viel zu komplex sind, um jemals für Außenstehende durchschaubar zu sein", bemerkt Georg von Wallwitz. Die Entstehung der neuzeitlichen Finanzmärkte sei gespickt mit Fehlurteilen. Das liege daran, dass die Akteure an diesen Märkten, die Finanziers, Investoren und Spekulanten, nicht dem Ideal eines klugen, geduldigen, verständigen und berechnenden Menschen entsprächen, so der Fondsmanager, Philosoph und Mathematiker Wallwitz.

„Euer Schelmenzeug erfüllt mein Reich mir mit Gestank"

Wirtschaftliche Rationalität ist eben eine Schimäre. Ich kann die Börsenbubis noch nicht einmal als liebwerteste Gichtlinge titulieren. Das wäre viel zu harmlos. "Feiste Schleckerbruth", "Schinder", "Wucher-Pack" und "gemeine Blutegel" hätte Rabelais sie genannt: "Euer Schelmenzeug erfüllt mein Reich mir mit Gestank." Es sind Schnösel-Krieger in Maßanzügen, Designerhemden, Edelkrawatten und Budapesterschuhen, denen an den universitären Denkfabriken kräftig ins Gehirn geschissen wurde, wie es der Kabarettist Volker Pispers so erfrischend deutlich ausgesprochen hat.

Heraus kommen Ökonomie-Eunuchen, BWL-Amöben und Geldjongleure. Ihre Lehrmeister ignorieren, dass man ökonomische Zusammenhänge nicht in Ceteris-paribus-Formeln kloppen kann. Dennoch werden Investmentbanken mit Legionen von Hochschulabsolventen versorgt, die die Finanzmärkte mit zweifelhaften Modellannahmen dirigieren wollen. Wo die Ungewissheit wuchert, versagen leider auch die besten Simulationsrechnungen.

Es sind zwei Herren, die als Symbol des finanzkapitalistischen Wahnsinns in Erinnerung gerufen werden sollten. Myron Scholes und Robert Merton, die für ihre "Verdienste" sogar mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurden. Ihre theoretischen Fata-Morgana-Obsessionen setzten sie in dem Hedge Fonds "Long-Term Capital Management" in die Praxis um. "Die Instrumente, mit denen sie arbeiteten, waren damals nur einer Minderheit von Eingeweihten vertraut: ABCPs, Carry Trades, CDOs, Optionen, Leerverkäufe, Derivate und andere, noch exotischere ‚Produkte‘", schreibt Hans Magnus Enzensberger in seinen „Mathematischen Belustigungen" (edition unseld). In den ersten Jahren erwirtschafteten sie mit einem Eigenkapital von nur vier Milliarden Dollar eine Rendite von 30 bis 40 Prozent. Das biblische Mirakel der Brotvermehrung mutet dagegen kümmerlich bescheiden an.

Die Modelle der preisgekrönten "Wissenschaftler" beruhen allerdings auf Simplifizierungen der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Gaußsche Normalverteilung widerspricht der Realität des Marktes. "Dazu kommt noch eine weitere Fehlerquelle. Die Modelle, mit denen Händler, Banken und Versicherungen arbeiten, sind, wie der Mathematiker Yuri Manin sagt, in hohem Maße in der Software ihrer Computer codiert. Damit gängeln diese Programme als eine Art Kollektiv-Unbewusstes das Verhalten der Akteure", führt Enzensberger aus.

Betonung auf Anal weniger lyse

Aber gerade die unerwarteten Umstände schaufelten das Spekulationsgrab, in das Scholes und Merton hineinfielen. Der Hedge Fonds LTCM kollabierte 1998, führte zu einem Verlust von über vier Milliarden Dollar und machte einen Rettungsplan notwendig, an dem sich bekannte Namen als Samariter betätigten: Bear Stearns, Lehman Brothers, Merill Lynch, Morgan Stanley und Goldman Sachs - natürlich auch die Deutsche und Dresdner Bank. Scholes wurde zwar wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 40 Millionen Dollar verurteilt, arbeitet aber nach wie vor als Fondsmanager. Und Merton? Er lehrt wieder Ökonomie an der Harvard Business School, wo er die Analysten der Zukunft ausbildet - mit Betonung auf Anal und wenig lyse. Für beide Spekulatius-Luschen beantrage ich die Aberkennung des Nobelpreises, wenn das überhaupt geht. Schließlich müssen auch des Dopings überführte Tour-de-France-Sieger ihre Krone wieder zurückgeben.

Egal ob es sich um Konjunkturforscher, hochbezahlte Analysten oder Wichtigtuer in Rating-Agenturen handelt. Ihre Zahlenspielchen seien niederschmetternd schlecht, kritisiert Enzensberger. Es sind Scharlatane mit Triple-A-Syndrom: anmaßend, arrogant und abergläubisch. Ja, abergläubisch. Denn die größten Gewinne fahren die fraktalen Börsenschwätzer mit Moden, Leidenschaften und Wahnvorstellungen ein. Vor allen Dingen in depressiven Phasen der Konjunktur funktionieren die Eseleien der Vermögensberater, Hedge-Fonds-Piraten und Firmenjäger. In keiner anderen Phase trennen sich Menschen schneller von ihrem Geld. Wenn der Crash droht, brennen die Sicherungen durch und es zählt nur der Schlachtruf: "Rette sich wer kann."

Treffend spricht der Buchautor Wilfried Stadler auch von den unverschuldeten Leiden der Realwirtschaft. Entsprechend berechtigt sind seine Forderungen, das Bankensystem komplett umzubauen. Finanzinstitute sollten sich darauf konzentrieren, solide Kredite zu vergeben und die ihnen anvertrauten Einlagen abzusichern. "Wirklich nachhaltige Wertschöpfung kann nur aus einer Finanzwirtschaft kommen, die der Realwirtschaft dient", so Stadler in seinem Opus "Der Markt hat nicht immer recht" (erschienen im Linde Verlag). Moral-hazard-Zockereien müssen schlicht verboten werden - also das Eingehen von Risiken auf Kosten anderer. Investmentbanken, die synthetische Wertpapiere bündeln, müssen dafür auch geradestehen.

Experten in Deutschland kritisierten lange vor dem Crash des US-Finanzmarktes das undurchsichtige Geschäftsgebaren der Börsen-Gurus. So forderte der Ex-Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert gesetzliche Maßnahmen gegen Spekulanten, die von Steuerparadiesen in der Karibik aus operieren. Die müssen auf den Cayman Islands für eine Registrierung weniger Formulare ausfüllen als bei der Führerscheinprüfung in Deutschland. Institutionelle Investoren und Hedge Fonds tun so, als wären sie langfristig denkende Mehrheitseigentümer, aber in den meisten Fällen verschwinden sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind - "allerdings erst, nachdem sie das Management ausgetauscht und umfangreiche Ausschüttungen an die Aktionäre, also sich selbst, durchgesetzt haben", erläutert Seifert. Für alle Akteure auf den Kapitalmärkten der OECD sollten deshalb Offenlegungspflichten gelten.

"Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden", kritisierte Seifert und fand wenig Gehör. Das Mindeste, was man von diesen Anteilseignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen.

Heutzutage seien Shareholder keine Aktionäre mehr im Sinne des unternehmerischen Eigentümers. "Sie kaufen Aktien nicht als Anleger, um sie wegen des Unternehmens und seiner Leistungsfähigkeit zu halten. An den Unternehmen selbst ist diese Art von Aktionär im Grunde nicht interessiert, sondern an der schnellen Perfomance für die Fonds-Manager und die Zertifikat-Besitzer", bemängelte der Schweizer Management-Experte Fredmund Malik. Die 100 größten Money-Manager Amerikas verwalten fast 60 Prozent der US-Aktien und da gehe es in erster Linie um die Turnover-Rate, also um Aktienumschichtungen und weniger um unternehmerische Belange, sonst würden diese Manager die Papiere länger halten.

Malik plädiert daher für eine Neuregelung des Aktienrechtes. "Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, soll eine Haltefrist beachten müssen. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben", fordert Malik. Noch 1950 waren rund 90 Prozent aller amerikanischen Aktien in den Händen der privaten Haushalte. Heute seien es noch knapp über 30 Prozent. "Hingegen halten die institutionellen Investoren heute fast 70 Prozent der Aktien, während sie 1950 lediglich 9 Prozent besaßen", so Malik. Regulierung statt Rettungsschirme, das sollte die Losung der Finanzminister sein. (derStandard.at, 8.8.2011)

Autor

Gunnar Sohn, The European, ist Wirtschaftspublizist und Medienberater und ist Chefredakteur des Onlinemagazins NeueNachricht. Zuvor arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Instituts für Demoskopie Allensbach.

 

Kommentar posten
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contracorriente
00
Fehlende Vorgeschichte : Ergänzung 4

seine Vorstellungen von Gewinnmaximierung ohne großen Widerstand in den westlichen Industriestaaten einführen.

contracorriente
00
Fehlende Vorgeschichte: Ergänzung 3

So kann man also mit Fug und Recht behaupten, dass diese unter dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan eingeführte  Variante des Kapitalismus, besser bekannt als Neoliberalismus  Tor und Tür öffnete für die Disziplinierung der Gewerkschaften, weltweit. Prekäre Arbeitsverhältnisse, Privatisierung  von öffentlichem Eigentum und Dienstleistungen, kurz eine allgemeine ökonomische und soziale Unsicherheit  waren die Folgen für die Lohnabhängigen, die  auf die von oben gewollte Deregulierung mit vermehrter Angst um ihre Arbeitsplätze reagierten.
Dazu kam noch die Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre. Der amerikanische militärisch- industrielle Komplex sah sich nach Ende des kalten Krieges plötzlich ohne Gegenspieler und konnte

Stefanxy
00
10.8.2011, 03:43
Man könnte glauben, Sie bedauern das Ende der UdSSR

contracorriente
01
Fehlende Vorgeschichte Ergänzung 2

Präsidentschaftskandidaten, was bekanntlich zum Wahlsieg von Richard Nixon führte.
Außenpolitisch  wurde ein verbrecherischer Plan vorbereitet: nämlich der Plan Condor, der die gewaltsame Einführung der  Diktatur in den südamerikanischen Ländern Chile, Argentinien und Uruguay vorsah  und auch durchgeführt wurde  mit Tausenden von Toten , unsäglichem Terror und Leid in diesen betroffenen Ländern.   Gleichzeitig mit der Diktatur  wurde in diesen Ländern eine neue Variante unter der Ägide der Chicago Boys  erprobt, nämlich eine angebotsorientierte  Wirtschaftsform,  die  später  die Grundlage der Reaganomics bilden sollte.

contracorriente
00
Fehlende Vorgeschichte: Ergänzung

Zur Ergänzung der Vorgeschichte skizzenhaft eine wichtige historische Linie, die nach meinem Wissen 1972 begann, als George McGovern gegen den damaligen amtierenden Präsidenten Richard Nixon antrat, was eine ungeheure Gefahr für  das Establishment bedeutete, versprach  doch der demokratische Senator   in seinem Wahlprogramm die Beendigung des Vietnamkrieges und die Reduzierung der Militärausgaben.  Anlass genug also für die herrschenden  Kreise in Alarmstimmung zu geraten und Maßnahmen gegen den drohenden Verlust ihrer Macht zu beschließen. Dazu gehörten u.a. innenpolitisch die sofortige Streichung von finanzieller Unterstützung von Universitäten, die mit dem Programm McGoverns sympathisierten, Verleumdung und Diffamierung des demokratischen

Axel Wartburg
01
Sachlichkeit und Grundkenntnis

Ich misse innerhalb dieses Artikels die Sachlichkeit, die ich erleben möchte, um von einem hilfreicherem Journalismus reden zu können.

Trotzdem hilft dieser Artikel Erkenntnis zu gelangen. Wohl eben auch übe rdie emotionale Lage des Schreibers und des Cheffredakteurs, die nachvollziehbar aber eben weniger hilfreich in ihrer Position ist, um mehr Menschen zu erreichen.

Der Satz "Myron Scholes und Robert Merton, die für ihre "Verdienste" sogar mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurden." zeigt mir auf, dass diese Herren die Aussage noch nicht glauben wollten, die da mitteilt, "dass nur jene den Nobelpreis bekommen, die der Masse zu Gunsten einiger weniger möglichst viel wegnehmen".

Nobel erfand das Dynamit. - Bestätig

Der Busfahrer
01
"...durchblicken das System nicht mehr."

also ich durchblicke die aktuelle krise recht gut.
europa und die usa haben jahrzehntelang mit vollen händen geld ausgegeben und jetzt haben die geldverleiher angst, dass sie es nicht mehr zurückbekommen. was ist daran so schwer? die jüngsten bankenrettungspakete machen das kraut auch nicht fett, ohne diese hätte es eben erst in drei, vier jahren gekracht.
da ist keine weltverschwörung dahinter, sondern ein ganz normaler vorgang, den jeder kennt, wenn er sein konto überzogen hat....

Andreas W
02
Gerade das macht den Erfolg dieser Betrugssysteme ja aus

Diese Undurchschaubarkeit war ja gerade, was immer schon gewollt war - was andere nicht durchschauen, kann auch nicht ge- und überprüft werden.

Dieser ganze ausschließlich auf Selbstbereicherung aufgebaute Betrugskomplex ist ja nichts anderes, alsunsere Realwirtschaft: die Masse bekommt immer weniger ab zu Gunsten von ein paar wenigen Privilegierten.

Heute Propheten, Gurus und Genies und morgen nur noch das, was sie immer schon waren: Scharlatane und Betrüger.

Aber offensichtlich weigern sich die Gesellschaften des Westens, gegen ihre eigenen Schwerverbrecher vorzugehen, ansonsten würden sie für Transparenz und Grenzen sorgen und natürlich für gnadenlose Aufklärung!

ulenspygel
00
GEWINN-Messe, Wien, anno 2007. Also noch vor dem Crash.

Dubios wirkende Vertreter von namentlich unbekannten Vermögensberaubungsfirmen mit einem Pack Flyern unterm Arm (offenbar ohne Messestand) wetzten wortreich wie levantinische Teppichhändler hinter den Besuchern her, um ihre traumhaften Produkte mit den sagenhaften Renditen an den Mann zu bringen.

Etwa seit 2004 warnte bereits George Soros vor der überhitzten Immobilienblase in den USA und den Folgen. Was prompt eintrat.

Ach ja, diese Typen und deren Firmen waren ein Jahr später von der Bildfläche verschwunden.

somussesnichtsein
00
die abkopplung

der geldwirtschaft von der realwirtschaft scheitert

ob heute morgen oder übermorgen ist eigentlich egal.

Karl Krammer
00
Carry Trades sind vielen Österreichern bekannt

sich im Franken verschulden und mit den dafür gekauften Euro ein Haus bauen, das ist ein Carry Trade. Und das ist aktuell wahrscheinlich ein gutes Geschäft, denn der Franken ist so absurd überbewertet, der muss wieder runterkommen. Und daß er das tun wird, dafür wird nicht nur die Schweizer Notenbank sorgen, sondern eben auch die Carry Trades von Investoren, die das durch einen Haufen Angsthasen entstandene Ungleichgewicht ausnutzen.

her wig
00
Es ist nicht kompliziert,

und durchschauen will man ohnehin nichts - sondern ausbeuten. Wer seine Firma an Aktionäre verkauft, und zwar an die Meisstbietenden, auch wenn die anonym sind, der geht das Risiko ein dass diese die Firma ausschlachten, ggf. zerstören, sofern dies die Strategie mit dem größtmöglichen Ertrag ist. Man muss wie ein Jäger oder ein Krieger auf Beutezug denken, dann versteht man was da läuft.

jesus mohamed von wien
00
www.bankenvolksbegehren.at

zitiere

Wir fordern eine Korrektur des Bankgeschäftes, sodaß es nicht mehr gegen Strafrechtsbestimmungen (insbesondere StGB §147, §148, §154, §168a und §278a) verstößt.

jesus mohamed von wien
00
hier ein muss crash kurs für den crash

http://www.chrismartenson.de/index.php... ownload-cc

Fritz Meyer
05
Das "Geheimnis" der Experten war bisher...

solange ihr Pyramidenspiel funktioniert hat - weil genug Dumme daran geglaubt haben - waren "Abweichungen" problemlos zu entschuldigen.

Ansonsten haben sich die "Wirtschaftsweisen" entsprechend die Bälle in den Medien zugespielt. "Hat der eine nicht recht, muss es der andere haben" usw. usf.

Jetzt, wo's richtig schief geht, kommt heraus, dass die offensichtlich keinerlei Durchblick haben und hatten und ihre "Patentlösung" vermutlich wieder nur aus "Weitermachen um jeden Preis" bestehen wird.

Vielleicht merkt's dieses Mal ja ENDLICH auch der Rest der Bevölkerung, was für eine elende Rosstäuscherei da abgeht.

Die Tibetanische Gebetsmühle
 
00
treffend, treffend, treffend....diese analyse.

Stefanxy
11
Wenn jetzt ein Verrückter in der Londoner City auf Banker schießt,

wer ist dann schuld?

Stefanxy
01
Alternativen?

Soll der Staat in Zukunft entscheiden, wer Kapital bekommt oder was ein sinnvolles Investitionsprojekt ist.

Die Zukunft ist unsicher und jede Investition ist spekulativ. In diesem Umfeld schaffen Märkte eine effiziente Kapitalallokation. Kapital wird dort investiert, wo Risiko und Erwartungswert optimal sind. Nur der Erwartungswert ändert sich eben, folglich gibt es Auf und Abs an den Börsen.

Urfahraner Auge
21
TATA statt TINA

http://de.wikipedia.org/wiki/TINA-Prinzip

z.B. "Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, soll eine Haltefrist beachten müssen. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben"

oder z.B. Tobin Tax

oder ...

Stefanxy
01

ad) Tobin Tax: Eine Erhöhung der Transaktionskosten, vermindert das Transaktionsvolumen und führt so einer größeren Fluktuation.

"Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, soll eine Haltefrist beachten müssen. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben"
Die meisten Wertpapiere haben überhaupt kein Stimmrecht. (Option, Swaps, Bonds,...), und Aktien sind nun wirklich nicht das große Problem.

Urfahraner Auge
00
10.8.2011, 01:06
Klar, wenn man nicht will, findet man immer eine Ausrede.

Vielleicht sollten Sie sich vor Augen halten, dass unser Wirtschaftssystem sich in den letzten Jahrzehnten enorm geändert hat. Die Frage ist lediglich, wer hier in wessen Interessen die Regeln verdreht hat.

Kondratjew -Zyklus
 
00
Joseph Weizenbaum schrieb schon vor vielen Jahrzehnten in seinem Buch "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft" von "undurchschaubaren Systemen".

http://de.wikipedia.org/wiki/Jose... Weizenbaum

AG65
04
Fehlende Vorgeschichte 1

Es stimmt schon, daß die Finanzmärkte bzw. deren Teilnehmer vollkommen überdreht sind, aber ich denke es fehlt die Vorgeschichte:

Ende der 70iger und Anfang der 80iger Jahre begann ein Ideologiewechsel, wie wohl ein Unternehmen und im Größeren auch eine Volkswirtschaft und dann die Weltwirtschaft insgesamt idealerweise zu führen sei. Der neue Ansatz lag in einem absoluten Vertrauen in möglichst freie, unregulierte Märkte, was letztendlich im Finanzbereich am weitesten umgesetzt wurde.

Mit anderen Worten, die Finanzmarktteilnehmer sind langsam in das reingerutscht, was sie heute sind und wie sie oben beschrieben wurden. Sie sind Kinder ihrer Zeit und der vorherrschenden Ideologie.

Andreas Prucha
00

Ich glaube nicht, dass die da "hineingerutscht" sind. Es werden immer wieder irgendwelche "Finanzprodukte" erfunden. Manche gabs es schon früher, waren aber nach dem Schock der 30er-Jahre verboten. Mit Reagan hat der Finanzsektor dann bekommen was er wollte. Europa ist dann langsam gefolgt.

AG65
01
Doch eher reingerutscht 1

Ich war ein Investmentbanker Anfang der 90iger Jahre, damals war das ganze internationale Finanzwesen in Europa noch eher solide, "Gier" war zwar o.K. aber es war noch kein Casino Kapitalismus wo jedem alles nur noch wurscht und "hinter mir die Sintflut" war.

Das kam Mitte der 90iger Jahre als den Banken Proprietory Trading, also auf eigene Rechnung zu Spekulieren, einfiel. Ab da war "morgen" langfristig und "übermorgen" so weit weg wie der Urknall hinter uns liegt.

Auch kommt dazu, dass jede kleine Krise, jeder Börsenabschwung eher die Superchance für den billigen Investitionseinstieg bedeutete als der Zeitpunkt, mal ernsthaft nachzudenken, weil, wie alle zu glauben begannen, es nur aufwärts gehen kann...

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