Gemeindefusionen

Umbauarbeiten in der Steiermark

8. August 2011, 11:40
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    foto: apa/wolfgang wehap

Arbeitsgruppe bastelt an neuer Gemeindestruktur und prüft rechtlichen Rahmen - Zwangsmaßnahmen sind umstritten

Graz  - Die "Reformpartnerschaft" aus SPÖ und ÖVP in der Steiermark bereitet den nächsten Schritt ihrer Strukturreform vor, und zwar bei den Gemeinden: Die mit 542 Gemeinden kleinteiligste kommunale Landschaft Österreichs soll durch Zusammenlegungen - je nach Sichtweise - gestärkt oder bereinigt werden. Offizielles Ziel ist die Schaffung leistungsfähiger, wirtschaftlicher und professioneller regionaler Gemeindezentren. Als Richtschnur dienen die knapp 100 neu geschaffenen oder erst im Entstehen begriffenen Kleinregionen - wobei dies als Vorgabe nicht 1:1 umzusetzen sei, wie es aus der von der Landesregierung eingesetzten Reformgruppe heißt.

Verwaltung verkleinern

Die schlechte Finanzlage einerseits und ein Mehr an Aufgaben und Ansprüchen andererseits haben die Regierungskoalition bewogen, neben der Verkleinerung von Landesregierung und Landtag, Einsparungen in der Landesverwaltung und bei den Bezirkshauptmannschaften auch die Kommunen ins Visier zu nehmen: "Zur Absicherung der hohen Lebensqualität in den steirischen Gemeinden" sei es jetzt erforderlich, Maßnahmen zu treffen, hieß es in einem Schreiben von Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und LHStv. Hermann Schützenhöfer (ÖVP) Ende Juni an die Gemeinden. Gleichzeitig ging ein Projektauftrag an die zuständigen Fachabteilungen, bis Ende des Jahres einen Vorschlag für eine neue Gemeindestruktur unter Berücksichtigung der Auswirkungen vorzulegen.

Zu berücksichtigen seien Kriterien, die durch die Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs vorgegeben sind wie die Entfernung von Ortsteilen zum Gemeindezentrum oder die Leistungsfähigkeit des Kommunalwesens und der Versorgungseinrichtungen. Abgesehen von der finanziellen Seite werden auch die Sicherung der Bürgermeisternachfolge, die Qualität der Verwaltung und der Infrastruktur sowie mehr Kompetenz im baubehördlichen Bereich als Argumente für eine Verdichtung der Gemeindestruktur ins Treffen geführt.

Nachteile beim Finanzausgleich

Ein Modellfall könnte im südsteirischen Rebenland entstehen: Dort haben drei von vier Gemeinden - Leutschach, Eichberg/Trautenburg und Schloßberg - schon entsprechende Grundsatzbeschlüsse für eine Zusammenlegung gefasst; nur Glanz fehlt noch. Der Gemeindebund hat allerdings errechnet, dass dieses Quartett durch die dann gesteigerte Finanzkraft beim Finanzausgleich schlechter aussteigen würde.

"Es gibt da keine Faustregel. Man muss behutsam und unter Einbindung aller vorgehen, sonst ist Widerstand programmiert", warnt der steirische Gemeindebund-Präsident Erwin Dirnberger (ÖVP) im APA-Gespräch: Alle Folgen seien zu bedenken, von den Kanalgebühren bis hin zur Ehrenamtlichkeit, die mit einer Zentralisierung geringer werden könnte. Dirnberger bringt als Alternative eine "starke Kooperation" aufs Tapet, sein Gegenüber im Städtebund, der Brucker Bürgermeister Bernd Rosenberger (SPÖ), sieht auch zwischen heutigen Kooperationen und einer Zusammenlegung noch viel Spielraum, etwa in der Bildung von Verwaltungseinheiten. Klar ist für Rosenberger: "Die Zusammenlegung ist kein Allheilmittel. Wenn ich fünf Tote zusammenlege, habe ich noch lange keinen Gesunden."

Freiwilligkeit

Dass es unter den Großen - etwa den Nachbarn in der Mur-Mürz-Furche Leoben, Bruck/Mur und Kapfenberg - zu Fusionen komme, gilt als eher unwahrscheinlich. Eher könnten kleinere Umlandgemeinden in regionalen Zentren wie Leoben, Voitsberg-Köflach oder Leibnitz aufgehen. Von Eingemeindungen profitieren könnte z.B. der Raum Gleisdorf, zumal ab 10.000 Einwohnern mehr Ertragsanteile nach dem FAG winken.

Auch wenn Freiwilligkeit und Respektierung des Bürgerwillens betont werden, stehen in letzter Konsequenz Zwangsmaßnahmen im Raum. "Es wird nicht nur Zufriedene geben", räumt SPÖ-Klubchef Walter Kröpfl ein. Für ihn gilt als Zeithorizont die kommenden Gemeinderatswahlen 2015: "Bis dahin müssten wir das zusammenbringen". (APA)

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armin delmenhorst
 
04
Die Wortmeldungen der zweiten Reihe

lässt schon Schlimmes befürchten. "Gemeindezusammenlegungen sind kein Allheilmittel" etc. zeugen klar von Unwillen der Funktionäre, 600 Seelen Gemeinden zu fussionieren. Mit dem nebulosen Begriff Kooperation soll die Absicht dieser unnützen Zecken nur verschleiert werden. Da sie aber an der Basis sitzen, haben sie natürlich die Möglichkeit, ihre miese Propaganda dezent unter die Bev. zu bringen.

Voves & Schützenhofer mögen in dieser Causa durchaus ehrliche Motive haben. Um für die Bev. im Kernland etwas zu tun, müsste sie aber mal ihre eignen Parteien säubern von diesen unsozialen Schmarotzern.

Kaiser Borax
02

...wenn es denn wenigstens 600 Seelen wären. Sulztal an der Weinstraße hat 136 Einwohner!

Aber in Frankreich gibt es ja sogar Kommunen ohne Einwohner oder mit einem oder zwei Einwohnern...

Zinnmo
 
02

Sulzthal war vor 1918 viel größer, nur landeten 80% der Gemeinde in Jugoslawien. Es hätte schon damals zu Gamlitz geschlagen gehört, genauso wie Ratsch daneben (440 EW).

Zinnmo
 
21
Zusammenlegungen allein sind auch kein Allheilmittel

Denn danach müssen auch die Strukturen in den neuen Gemeinden reformiert werden. Bauhöfe, Gemeindeangestellte, etc... Eine Zusammenlegung allein macht noch keine Einsparung.

armin delmenhorst
 
01
Da haben Sie recht!

Nur versteht man derartige Schritte ohnehin mit einer Fusion.

Spitzmaus
11
Kündigungen gibt es nicht, auch nicht bei Vertragsbediensteten

Was bei allen Reformbemühungen übersehen wird: Das Personal wird nicht weniger. Die müssen bis zur Pension durchgefüttert werden.

SagServus
03

Das Personal wird dafür an anderer Ebene weniger. Nämlich auf der Politikerebene.

Denn dann gibts eben um 200 Bürgermeister weniger um x Bezirksvorsteher weniger etc. Damit kann man auch sparen und für die muss man nicht mal eine Abfindung zahlen wenn man sie vorher absetzt.

Kampfsoletti
00
... und die Bediensteten können effizent eingesetzt werden.

Und sollten mal ein zwei Bedienstete ausfallen (zB Krankheit) ist es auch leichter zu verkraften.

Kondratjew -Zyklus
 
02
Gemeindebund und Städtebund SOFORT zusammenlegen !

Oder gibt es sogar auch einen Bund der Marktgemeinden ?

rasenmähermann
03

Na hauptsache Städtebund und Gemeindebund versuchen die Ideen schon wieder madig zu machen.
Wenn diese Reformen klappen, dann Hut ab!

bmayr
02
das beste wäre...

- wobei zugegeben ein "ketzerischer" Gedanke - sämtliche politische Gemeindeagenden und Entscheidungskompetenzen in den Bezirken bzw. BHs zu konsolidieren. Die Gemeinden als solches können ja als solche bestehen bleiben, haben aber nur mehr einen Ortsvorsteher, bzw. sind die Gemeindeämter Außenstellen der Bezirksverwaltung. Wäre wohl in Hinsicht viel bürgernäher als BHs, zu denen man bes. auf dem Land kilometerweit pilgern zu müssen, auf der anderen Seite wäre endlich ein Ende dieser gemeindeweisen divergierenden Entscheidungen.

Kondratjew -Zyklus
 
01
Wieviele Gemeinden haben dort schon eine/n Kurator/in ?

Fabian S.
01
"Nachteile beim Finanzausgleich"

vielleicht sollte man diesen endlich aufschnüren, anstatt ihn zu verlängern

Kondratjew -Zyklus
 
00
Das war nicht meine Frage.

Keyser
04

Gerade eine Fusion zwischen Bruck / Kapfenberg würde Sinn machen. Eingemeindung in die Großregion Bruck / Kapfenberg der umliegenden Gemeinden.

Das Herr Rosenberg nicht will, und stattdessen lieber eigene Verwaltungseinheit möchte - damit er im Fall des Falles weiter BM bleiben kann, ist dabei kein Kriterium.

Gemacht werden soll, was Sinn macht, und nicht was den eigenen Vorstellungen und Wünschen einiger weniger enstpricht.

Rumo von Zamonien
02
Es würde.

Die gemeinsame Gemeindverwaltung sitzt in Diemlach, wär genau in der Mitte. :-)

Aber genau bei Städten dieser Größenordnung ist imho der massivste Wiederstand zu erwarten.
Die Lokalkaiser haben da noch genügend Pfründe die zu verteidigen sich auszahlen.
Siehe der unsägliche Herr Rosenberger, der seine Stadt langsam aussterben lässt.

St.Marein&St.Lorenzen, Allerheiligen&Mürzhofen...
sind ja im Grunde schon zusammengewachsen, die ganzen Kaffs in der Umgebung kann man bitteschön gleich dazupacken.

petrarca
03
Tja ...

was macht man denn dann mit den fünf Toten? Sie vermodern lassen statt gemeinsam ins Massengrab?

Nein, mal ehrlich: lokale Behörden haben schon was für sich. Allerdings darf man davon ausgehen, dass man für viele Amtswege heutzutage nicht mehr mit dem Pferdefuhrwerk anreisen muss, sondern diese via Internet erledigen kann. Ebenso können Dank der EDV viel mehr BürgerInnen verwaltet werden als per handschriftlicher Listen. Also könnte man die Verwaltung im 3. Jahrtausend ruhig auf 2.0 updaten (und strukturbereinigen) ...

derPolizist
00

am meisten bin ich darauf gespannt, welche Gemeinden zu Graz eingemeindet werden... und natürlich, wie die künftige Bezirksstruktur aussehen wird...

Kampfsoletti
00
Um Graz würde es Sinn machen.

Überall anders bin ich mir nicht so sicher. Aber ich denke die Bevölkerung in den Gemeinden weiß sehr genau ob es für sie Sinn macht oder nicht.

LOST GRINGO
03

Mittelfristig MÜSSEN die umliegenden Speckgürtel-Zonen, Hauptverursacher des motorisierten Pendel-
wahnsinns, eingemeindet werden um so über den FA
zumindest marginal mehr Mittel für städtische
Verkehrspolitik zu erlangen!

Kampfsoletti
02
Stimmt Genau.

Nur Gemeinden wie Seiersberg werden sich da sicher Querlegen, da die Gemeinde im Augenblick massiv profitiert. Die Umlandgemeinden gehören jetzt Eingemeindet dann könnte Graz vielleicht auch mal eine Verkehrspolitik bekommen die den Namen verdient.

Lalai Dama
04
Bei den Schmarotzern beginnen!

Als ersters gehören Seiersberg, Feldkirche & Co, dann die Umlandgemeinden der Berzirkshauptstädte - notfalls - zwangseingemeindet.

Dann wird auch wieder eine vernünftige Raumordnung und Verkehrspolitik möglich sein.

Franz Parteder
01
Wette

Ich wette darauf, dass die Umlandgemeinden ausgespart werden.
Seiersberg = Königreich eines SP-Nutznießers des Wildwuchers von Einkaufszentren. Feldkirchen eine ÖVP-Domäne, Judendorf und Gratkorn SPÖP-Hochburgen.

Wir fordern die Eingemeindung seit Jahren (alle Wahlprogramme seit 1998), aber da wird sich nichts rühren.

derPolizist
01

naja, sicherlich sind die meisten Gemeinden SPÖ- oder ÖVP-dominiert, also wenns nach dem geht, wirds überhaupt keine Zusammenschlüsse geben...

Es wird sich zeigen, wieviel Einfluss Voves und Schützenhöfer auf ihre Parteikollegen haben, wenn sie es mit der Reform wirklich ernst meinen...

Rumo von Zamonien
00

Gemma.

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