Auch Frauen könnten eine Art Prostata haben

Zusammensetzung von Drüsen rund um die weiblichen Harnleiter wird derzeit diskutiert - Gewebecharakteristika nachgewiesen

Wien - In einem Artikel im Journal of Sexual Medicine räumen Wolf Dietrich von Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien und seine Co-Autoren mit einem in der Laienwelt als "ausgemacht" geltenden Dogma auf: Nur Männer haben eine Prostata. "Nein, die haben offenbar auch viele Frauen", müsste die Antwort lauten.

Die Wissenschafter über den Ausgangspunkt ihrer Studien: "Die Zusammensetzung von Drüsen rund um die weiblichen Harnleiter wird derzeit diskutiert - speziell, was das Maß ihrer Entsprechung zur männlichen Prostata angeht." Beim Mann jedenfalls ist die Prostata für die Produktion eines Sekrets verantwortlich, das bei der Ejakulation in die Harnröhre fließt und die Überlebenschance der Spermien in der Vagina der Frau erhöhen soll.

Karzinome rund um weibliche Harnleiter

Die gutartige Vergrößerung der Prostata ist eine der häufigsten Altersbeschwerden von Männern, das bösartige Prostatakarzinom das häufigste Krebsleiden des Mannes. In Österreich gibt es hier pro Jahr 4.500 Neuerkrankungen und 1.200 Todesfälle pro Jahr. Doch auch bei Frauen kommt es - selten - zu Karzinomen, die aus dem Drüsengewebe rund um die Harnleiter entstehen. Die Frage war also, ob hier das selbe Gewebe dafür verantwortlich ist wie bei Mann.

Das dürfte auch der Fall sein, so die Wiener Wissenschafter. Sie untersuchten die Harnleiter und umgebendes Gewebe von 25 Patientinnen. Bei 14 Gewebeproben konnten mittels Laboruntersuchungen Gewebecharakteristika nachgewiesen werden, wie sie auch für Proben aus der Vorsteherdrüse von Männern kennzeichnend sind.

Die Wissenschafter: "Eine 'weibliche Prostata' wurde in dieser Studie bei jeder zweiten Frau gefunden (...). Mögliche (bösartige, Anm.) Neubildungen aus diesem Gewebe heraus könnten daher als 'weibliche Prostatakarzinome' bezeichnet werden." - Quasi die Ergänzung dazu, dass in seltenen Fällen auch Männer an Mammakarzinomen erkranken können. (APA)

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