Warum Apokalyptiker nicht mit Frauen können

Gastkommentar
7. August 2011, 19:58

Wenn einem die Gesellschaft keine Identitäten mehr vorgibt, dann muss man sie sich selbst erschließen. Für Männer wie Mohammed Atta oder Anders Breivik ist gerade das ein Problem

Noch für die unmittelbare Zeit nach seinem Ableben, also jene Phase im Anschluss an unser kurzes Gastspiel auf dieser Erde, die den meisten löblicherweise wegen notorischer Unergründlichkeit herzlich schnuppe ist, war Mohammed Atta etwas ganz besonders wichtig. So wichtig, dass er bis ins kleinste Detail ging, denn Massenmörder sind ja oft etwas pingelig. Da war die Sache mit den Frauen: In seinem "Testament" kommen sie gleich an drei Stellen vor. Besser: die Angst vor Ihnen.

"Frauen sollen weder bei der Beerdigung zugegen sein noch irgendwann später sich an meinem Grab einfinden. (...) Weder schwangere Frauen noch unreine Personen sollen von mir Abschied nehmen - das lehne ich ab. (...) Frauen sollten nicht für meinen Tod Abbitte leisten."

Immer gegen's Gender Mainstreaming

Auch der Schlächter von Oslo hat es nicht so mit den Frauen - beziehungsweise: es ist gerade jene Mischung aus Angst und schlüpfriger Projektion, die sein "Manifest" für jeden Psychoanalytiker zum Fest macht.

Wie auch in konservativen Kreisen gern anzutreffen, ist das Wort "Gender Mainstreaming" sein rotes Tuch. Kerle können keine Kerle mehr sein, Schwule allerorten und was so ein richtiger Krieger ist, der hat in so einer "postheroischen Gesellschaft" (Herfried Münkler) in der unmittelbar, nachdem man Mutti entkommen ist, die zuhause das Sagen hatte, man vielleicht einen weiblichen Chef hat, nichts zu lachen. Es hat sich ausgekämpft.

Was für eine Befreiung, was für ein Glück. Würde man meinen. Nicht so für einige Exterritoriale. Der Witz an der Sache ist nämlich: eine freie Gesellschaft, in der man für sich seine Identitäten selber erfinden muss, weil von außen nichts mehr vorgegeben ist - die ist nichts für Männlichkeitswahnsinnige, die in Wahrheit mentale Würstchen sind, so wie der Oslo-Schlächter. Denn man muss sich auf das Spiel einlassen, jene "neue Unübersichtlichkeit" der Geschlechterrollen, Identitäten, Berufsbilder, gesellschaftlichen Ideen, von der Habermas schon Anfang der Achtziger Jahre sprach, ist noch mal unübersichtlicher und zum Ideen-Chaos geworden. Und das ist eben nichts für Versager wie den Oslo-Schlächter.

Die wenigsten Fanatiker sind Familienväter

Hängt eleminatorischer Hass, wie jener vom Oslo-Schlächter, irgendwie zusammen mit seinem Frauenhass und -losigkeit?

Aus dem Nahen Osten wissen wir jedenfalls, dass junge Männer, wenn sie erst mal die 30 überschritten haben, eine Frau und vielleicht Kinder haben, aus dem Gröbsten raus sind. Von 30- oder gar 40-jährigen Familienvätern, die sich für irgendeine Sache mit der üblichen Mischung aus Operettenhaftigkeit und Größenwahn in die Luft jagen, ist jedenfalls wenig bekannt.

Zivilisatorischer Fortschritt ist, dass quasi alles ein Spiel der Haltungen, der Ideen, dass alles Pop ist. Heute so, morgen so. Das ist keine Oberflächlichkeit oder "Werteverfall", das ist ein unglaublicher Fortschritt.

Während vermeintlich konservative Positionen (heute gerade auf dem Vormarsch) in westlichen Gesellschaften heute nur noch ein auf die Bedürfnisse der Mediengesellschaft zugeschnittenes Spielchen, eine popkulturelle Pose sind, in ihrem heiligen Ernst gerade total unernst, macht der Schlächter von Oslo tatsächlich ernst. Und immer, wenn jemand ernst macht, wird's gefährlich: Wir sind ja gewohnt, dass wir - je radikaler wir reden - immer weiter von der Tat wegkommen, denn eine zivilisatorische Firnis schützt uns.

5 vor 12 ist Schluss

Ein erheblicher Beitrag zu dieser zivilisatorischer Firniss, für die meisten der wichtigste, sind menschliche Beziehungen. Was bedeuten schon politische Ideen, wofür soll man kämpfen oder sich "opfern", wenn man zuhause einen lieben Menschen hat?

Die operettenhafte Mischung aus Vernichtung und Selbstvernichtung, die vorausgegangene Verabsolutierung der Idee - für sozial eingebundene, also die weitaus meisten Menschen ist weit vor dem berühmten "5 vor 12" Schluss.

Aber wie sagte schon Hitler: "Wir kämpfen bis fünf nach zwölf".

Zu dieser Zeit freuen sich normale Menschen aufs Mittagessen. (derStandard.at, 8.8.2011)

Autor

Jost Kaiser, The European, war Blogger bei Vanity Fair, ist zudem Autor für die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Zeit und den Tagesspiegel

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Ja ja

Was is los?

Habts die Zensurmatic 3000 auf "China" gestellt?

zumindest hat es den anschein, als wäre es so...

ZENSUR- EIN VERBRECHEN DASS NUR NIEMAND SIEHT!

ich finde ein guter Grund hier mal herum zu schrein...

öha

also jeder, der mit dem völlig vertro!!el!en Gender Mainstreaming nix am hut hat, wird also in die nähe von psychopathen gerückt und ist ein potentieller massenmörder. elegante wendung. nehmt euch also in acht vor mir...
und was sonst so im autor vorgeht, würde mich auch interessieren

"El Bulli"

Ob Sie sich betroffen oder beleidigt fühlen, das interessiert hier niemandern. Ich empfehle Ihnen einen Besuch beim Facharzt. Der hilft Ihnen vielleicht. Internetforen können das nicht.

Nomen est omen.

öha

also jeder, der mit dem völlig vertro!!el!en Gender Mainstreaming nix am hut hat, wird also in die nähe von psychopathen gerückt und ist ein potentieller massenmörder. elegante wendung. nehmt euch also in acht vor mir...
und was sonst so im autor vorgeht, würde mich auch interessieren

Was in Autoren solcher Artikel vorgeht, interessiert vor allem alle Psychologen.

Wenn einem die Gesellschaft keine Identitäten mehr vorgibt, dann muss man sie sich selbst erschließen.

hat noch jemand den ersten satz als:
"Wenn einem die Gesellschaft keine Identitäten mehr vorgibt, dann muss man sich selbst erschießen."
gelesen?
;)

Ich bezeichne mich als nicht konservativ und kann dennoch nichts mit gender mainstreaming anfangen.

Das ist wieder so ein Stereotyp: gendern ist gleich progressiv, fortschrittlich und zeitgemäß.

gleichstellung der geschlechter sollte selbstverständlich sein - auch wenn sie nichts damit anfangen können.

>Ich bezeichne mich als nicht konservativ und kann dennoch nichts mit gender mainstreaming anfangen.

Kein Wunder.
Ist dem Reaktionismus nun mal immanent, dass man(n) selbigen nicht erkennt.

Reaktinär? - Das ist der typische Kommunistenjargon...

... ich hoffe, dass ich nicht in den GULAG muss, da mir der ganze Gendermüll egal ist - bezeichne mich nicht als reaktionär sondern eher als freigeistig.
Ich versuche nicht die politisch korrekten Vorgaben nach zu plappern.

Jede_r, der von "politischer Korrektheit" spricht, verwendet einen reaktionären Kampfbegriff, unabhängig davon, ob eins sich dessen bewusst ist, oder ob eins sich für "freigeistig" hält. Die meisten reaktionären Aussagen werden heute in den Medien mit dem Gestus des Tabubruchs oder des Rebellischen vorgetragen. "Man wird ja wohl noch sagen dürfen ..."

Dann werden sie eben von Anderen als konservativ bezeichnet.

nett.

aber dass "konservative Positionen" nur noch "eine popkulturelle Pose" sind ist höchstens in autochtonen gesellschaftsschichten ein schöner traum ;-)

Ja ja

Ich wollt grad sagen, wieso, die können eh gut mit frauen ;)
sehr gut sogar...

http://www.youtube.com/watch?v=oSSCtM2c7jc

aber es sind ja Idioten gemeint, und ja Idioten sind nicht um sonst welche...

Na klar, der Frauenhaß ist schuld...

Echt nicht mehr zu retten.

Jaja, die Religionisten wissen schon, wie mann(!) für Kämpfe einspannen muss.
Erst in sexueller Unzufriedenheit halten (als Teenager und Twen) - das fördert die Agression; dann als Familienvater zur "Verteidigung der familiären Werte" aufrufen.
So hat man idealistische Kämpfer in jungen Jahren und Famile beschützende in späteren Jahren.

Fies!

Lang lebe das Matriarchat ;-)

Frau: kein Wehrdienst, früher in Pension, im Scheidungsrecht bevorzugt, kann ohne Sanktionen männerfeindliche Tiraden absondern.

Mann: Wehrdienst, hackeln bis 65, nach der Scheidung Sündenbock/Bankomat, darf auf keinen Fall etwas gegen "Frauen" äußern.

Matriarchat hat sich durchgesetzt.

Du schreibst unqualifizierten, frauenfeindlichen Stuss. Du schreibst weiter, dass niemand etwas gegen Frauen äußern dürfe. Fällt dir der Widerspruch auf?

?

Können Sie erläutern, was an meinem Posting "unqualifiziert" oder "frauenfeindlich" ist ?

Ich darf davon ausgehen, dass Ihnen die Regelungen zur "Wehrpflicht" und zum Pensionsantrittsalter bekannt sind, ebenso wie die Bestimmungen des Scheidungsrechts / der Obsorge für Kinder (Insbesondere § 166 ABGB)?

Ein Verweis auf geltendes Recht ist nicht "frauenfeindlich"

Angst war schon jeher ein schlechter Ratgeber!

Diese selbst-HERR-liche Wehleidigkeit ist schlicht lächerlich.
Mit solch narzistischer Wehleidigkeit hätten Frauen 7.000 Jahre Patriarchat niemals durchgestanden und das HERRENmenschengeschlecht sich schon vor langer Zeit selbst ausgerottet.

sie müssen ganz schön gelitten haben bei so viel gehäßigkeit.

Armes, armes Bubi.

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