"Notfallpatient" im Baltikum

7. August 2011, 18:07
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    foto: apa/epa/kalnina

    Gute Karten für Lettland-Wahl: Expräsident Zlaters.

Vor der Wahl im September bringen sich alle in Position

Riga/Stockholm - Sechs Wochen vor den Parlamentswahlen am 17. September haben sich in Lettland die kandidierenden Parteien formiert. Als Letzte fusionierten nun die drei Parteien des Mitte-rechts-Bündnisses "Einheit" von Premier Valdis Dombrovskis zu einer. Im Juli hatten schon die rechten Parteien die "Nationale Allianz" gebildet.

Im Juli gründete Ex-Staatspräsident Valdis Zatlers eine eigene Partei und verpasste ihr gleich seinen eigenen Namen. "Zatlers' Reformpartei" wählte in Anspielung auf dessen Zivilberuf (er war früher Traumatologe) ein modifiziertes Rotes Kreuz als Parteilogo. Damit sollte Zatlers' geplante notärztliche Mission - das baltische EU-Land kämpft mit Korruption, Massenemigration, ethnischer Spaltung, hoher Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit - illustriert werden. Bisher handelte er sich damit vor allem Ärger, aber auch Spott ein: Das (echte) Rote Kreuz drohte mit gesetzlichen Schritten, während der von Zatlers bekämpfte "Oligarch" Ainars Slesers seine Partei scherzhaft in "Slesers' Reformpartei" umbenannte.

Der Expräsident, der im Juni durch den Banker Andris Berzins ersetzt worden war, ist in Lettland wegen seiner gemäßigten Linie populär. Daher werden ihm trotz seiner tagespolitischen Unerfahrenheit gute Chancen eingeräumt, bei der nächsten Regierungsbildung eine Rolle zu spielen.

In den Umfragen voran liegt derzeit das Mitte-links-Bündnis "Harmoniezentrum", das von einer gemischtethnischen Doppelspitze - dem russischen Muttersprachler und Rigaer Bürgermeister Nils Usakovs sowie dem Letten Janis Urbanoviæs - geführt wird. Schon jetzt signalisieren sowohl die liberalen Kräfte um Dombrovskis als auch die "Oligarchen" mit dem über zwei Jahrzehnte wegen seiner russischen Sprachdominanz tabuisierten Parteiengebilde Kooperationsbereitschaft.

Politische Beobachter in Riga rechnen damit, dass der Wahlkampf neben dem Duell zwischen Zatlers und den "Oligarchen" davon geprägt sein wird, dass die eingefleischten Nationalisten versuchen werden, mit allen Mitteln eine Regierungsbeteiligung des "Harmoniezentrums" abermals zu verhindern. (Andreas Stangl/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2011)

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25 Postings
maimai
30
Harmonizentrum, Reformpartei von XY...

nehmen die in Lettland diesen Zirkus eigentlich ernst? In Österreich müsste man ja schon lachen wenn es nicht so traurig wäre, aber das ist ja noch mal um ein Eck absurder (auch großes Kino: Die Wahlwerbespots, die auch für Waschmittel oder Autos sein könnten).
Vor allem jetzt wo Sparpaket ist müssten die ja draufkommen dass da was nicht ganz stimmen kann mit "der Demokratie".

Yossarian
69

Die vielen naionalistischen Kleinstaaten ohne demokratische Tradition, die jetzt alle EU-Mitglied sind/werden, werden langfristig zu einem Problem für die EU werden.

Denn die Grundprobleme (Arbeitslosigkeit, ethnische Spannungen, Korruption, soziale Zustände) all dieser Staaten kann man mit Nationalismus nicht lösen.

Viru
22

wer Yossarian rot gibt hat entweder keine ahnung was im baltikum abläuft besonders in lettland oder ist selbst ein rechtsnationaler der mehr bier im schädl hat als nervenzellen, wenn überhaupt davon die rede sein kann.

Stefan Maly
21
ich geb rot

weil das mit der mangelnden demokratischen tradition ein vereinfachender determinismus ist - wo war denn die demokratische tradition deutschlands? bzw. was ist denn mit der demokratischen tradition ös, der schweiz oder finnlands, wo auch der populismus bestens funktioniert?

Viru
11

und sie erklären - und somit tolerieren - damit auch das große "minderheiten" in letland und auch in estland bewusst in allen möglichen gesellschaftlichen situationen diskriminiert werden, stimmts?
ihr name, falls sie irgendeiner slawischen sprachen mächtig sind, erklärt sich mit ihrer antwort schon von selbst.

Mormoloc
10
Sie sind denn einer baltischen Sprache mächtig...?

Stefan Maly
01
so ein schmarrn

ich bin der erste, der diesen ganzen nationalistischen schei** durch europäischen humanismus ersetzen würde.

ohne beweis staaten zu künftigen problemen für die EU zu erklären, weil sie scheinbar keine demokratische tradition haben (im gegensatz zu wem? zu den 50 jahren, die Ö vorsprung hat?), ist trotzdem eine fade polemik, die nichts anderes als rot verdient hat.

Joseph EU
10
25.8.2011, 05:04
Vor allem die demokratischen Traditionen...

der Russen stehen ja wieder hoch im Kurs...

Michael Moriz
 
12
Bitte wer wird diskrininiert????

Ich wohne seit 04.2008 in Lettland, habe also ein wenig "Erfahrung" hier. Es stimmt, die Russen sind eine Minderheit hier, ohne Staatenzugehörigkeit. Nur - diese Minderheit beherrscht das Land. Ca 90 % der Immobilien von Riga-Altstadt sind in Russischer Hand. Die "Oligarchen" (auch dieser Ausdruck kommt ja aus dem Russischen) brauchen zwingend die richtigen (russischen) Freunde hier, sonst geht gar nichts. Und der jetzige Bgmstr von Riga (genau der - der beim Marathon in Riga zusammen gebrochen ist und den man dann in Deutschland wieder aufgepäppelt hat) ist ebenfalls Russe (Ursprung).
Also mich - hier vor Ort, würde echt interessieren, wer in LV wem diskriminiert. Vielleicht hab ich ja etwas versäumt .....

tramtatam
01
Die "Oligarchen" (auch dieser Ausdruck kommt ja aus dem Russischen)

nein, der Ausdruck "Oligarch" kommt aus dem Griechischem ^^

Standard Leser4
 
10

Aber wirklich nicht, in Griechischen gibt es die Einzahl nicht ! Dieses Wort ist daher eine Russische Wortschoepfung aus dem griechischen Oligarchie = oder "Herrschaft von wenigen", damit wurde ein Regime bezeichnet und nicht ein Einzelner.
Der "Oligarch" Einzahl, waere in alten Griechenland also der "Tyrannis".

tramtatam
01
"eine Russische Wortschoepfung aus dem griechischen Oligarchie"

na also: und was lernen wir daraus? - dass es doch aus dem Griechischem kommt ;o)

was in Russland oder Lettland letzendlich aus dem urspr. Wort gemacht wird, ist dabei nebensächlich: das Wort hat griechischen Ursprung.

Bumm Uckl
01
verzeihen sie, dass ich mich einmische..

.. aber ist der "monarch" dann auch eine russische wortschöpfung?

(räusper)

Standard Leser4
 
10
10.8.2011, 15:14

Mei liab, fast haetten Sie mich erwischt, aber leider leider, auch hier heisst d Griechische Wort "Monarchia" also Alleinherrschaft, also eine Bezeichnung fuer ein Regime.
Der Alleinherrschaft nennt sich aber Koenig, oder Koenigin. etc Einen Herrschertitel "Monarch" gibt es nicht ! D Wort ist daher eine deutsche oder oesterr. abwertende Wortschoepfung.

Michael Moriz
 
00
Danke!

Mann lernt nie aus.

Viru
12

mit den paar ausnahmen, die sie nannten, haben die möglicherweise recht. ein beispiel unter vielen wäre das verbieten von russischsprachigen radiosender/-ungen. außerdem werden menschen mit russischem hintergrund am arbeitsmarkt bewusst hinten angereiht. ich bin regelmäßig seit 2002 im baltikum, hauptsächlich in estland muss ich zugeben, aber laut den einheimischen ist lettland viel nationalistischer als estland auch in hinsicht der dikriminierung.

Michael Moriz
 
11
Also ich habe keine Ahnung .....

....von welchen LETTLAND Sie sprechen - nicht von dem wo ICH wohne. Es gibt russische Radiosender, und im Fernsehen (auf allen Kanälen) gibt es russische Untertitel, und sogar eigene russische Kanäle, TV5 und 3+ (als Beispiel), die aus/in Lettland senden. Die "PRO-RUSSISCHE" Partei in Lettland wird pro Jahr mit über 12 Mio € von Russland aus gesponsert (kam verg. Jahr bei den Wahlen "ZUFÄLLIG" heraus), und die Russen, die in Lettland wohnen, WEIGERN sich ganz einfach lettisch zu sprechen (viele können es gar nicht). Beim Friseur in Riga hätte ich mit Russisch 100 % mehr Chancen als mit Englisch/Deutsch/Lettisch. Und verg. Woche hatten wir einen Monteur hier, Gaszähler - NUR russisch gesprochen (meine Frau kann/ braucht es - Ärztin).

Mormoloc
00
Das Verbieten von Radiosendern ist aber echt ein Schmäh.

Ich habe das schon so oft gelesen und immer wieder um konkrete Angaben gebeten... da kam nie etwas.

Michael Moriz
 
11
Ja, das ist ein Schmäh ....

Russisch ist hier allgegenwärtig (JETZT tut es mir leid das ich nie Russisch gelernt habe). Telekom-Anbieter etc haben alle Katalog 2sprachig, eben Lettisch und Russisch. Genau so braucht man beide Sprachen wenn man wo mit Kunden direkt arbeitet (Verkäufer, Berater etc). Es gibt 1 x im Jahr ein grosses Fest in Jurmala, NEW WAVE. War heuer vor 2 Wochen. Eine grosse Party über 5 Tage, NUR mit Russischer Beteiligung. Und - weil es eben "rumort" in Lettland in Bezug auf Russland (Zatler`s neue Partei stellt sich ja gegen die Oligarchen) da haben die Russen eben heuer gemeint, sie sind mit der Infrastruktur nicht zufrieden, überlegen abzuziehen (das ist nur ein Wink mit dem Zaunpfahl, die Wirtschaft hier braucht das Fest), so als Beispiel(e) ...

Mormoloc
21
Ich habe beide Sprachen an der Uni studiert.

Und hatte mit den jeweiligen Studenten auch interessante Erfahrungen. Ich kann die Letten, die ich kennengelernt habe, nicht gerade als große Freunde Rußlands bezeichnen. Und sonderliche Liebe zu Kultur des Nachbarns haben sie auch nicht. Aber Sätze wie "Wozu eine Hundesprache lernen?" oder "Warum darf sich unsere Küste selbständig machen?", die kamen aus russischem Munde. Nebst den Märchen von verbotenen Radiosendern et al.

Joseph EU
10
25.8.2011, 05:02
Ja das mit der Hundesprache....

kenn ma bezüglich der Ukraine auch "Tiersprache" heisst es da..."Unsre Küste"....ja das kennt man.....komisch die Russen haben sich die grösste Landmasse der Erde zusammengestohlen, aber ham immer noch nicht genug...sterben zum Glück aber langsam aus....(nicht mehr so langsam, dank dem guten Wässerchen...) Balten bleibt wachsam und schauts dazu den ganzen russischen Müll der Vergangenheit nach RU abzukippen...die Russen brauchts im Baltikum so wie den sprichwörtlichen Kropf - und die welche ihr Okkupantengehabe ablegen wollen, die sind in jedem der 3 Länder willkommen !!!

tollvrottel
71
Vor der Wahl im September bringen sich alle in Position

Deswegen die "Scharfmache" gegen Österreich, um das nationale Gewissen der Wähler zu schärfen?

Das fünfte Element
01
peinlich

erst andern den nick fladern, und dann haarsträubenden unsinn posten ...

Mormoloc
02
Lettland!!! Nicht Litauen!!!

Michael Moriz
 
03
Wer macht "scharf" gegen Österreich?

Tja - wenn man Lettland von Littauen nicht unterscheiden kann.
Und die Letten haben derzeit zu viel eigene (interne) Probleme, die machen nach aussen hin nicht viel scharf. Zur Wahl selber: mM nach eh schon alles abgesprochen im Hintergrund (hier sieht die Demokratie ein wenig anders aus als in AT), die SAEIMA wird es auch weiterhin geben (trotz Referendum dagegen), weil was sollte man mit so vielen arbeitslosen Politikern? Und die Oligarchen geben sicher NICHTS aus der Hand - siehe die "machtlose" Antikorruptionsbehörde (KNAB) vor Ort. Und das Parlament hat ja noch schnell (2 x hintereinander) die Direktwahl des Präsidenten durch das Volk -> abgelehnt. Andere Länder, andere Sitten.

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