Israels Expräsident wegen Vergewaltigung verurteilt
Jerusalem - Vor dem Obersten Gericht in Israel hat der Berufungsprozess des ehemaligen Staatspräsidenten Mosche Katzav gegen seine Verurteilung wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung begonnen. Katzav und seine Anwälte erschienen am Sonntag regulär vor Gericht.
Ein Gericht in Tel Aviv hatte Katzav im vergangenen März zu sieben Jahren Haft, zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Die Richter sprachen den 65-Jährigen wegen der zweifachen Vergewaltigung einer ehemaligen Mitarbeiterin und der sexuellen Belästigung zweier weiterer Angestellter während seiner Amtszeit als Tourismusminister in den 1990er-Jahren und während seiner späteren Präsidentschaft (2000-2007) schuldig.
Katzav wies die Vorwürfe stets zurück und legte schon im Mai Berufung gegen das Urteil ein. Das Oberste Gericht stimmte damals bereits einer Aufschiebung seines Haftantritts zu, der ursprünglich für den 8. Mai vorgesehen war. Katzav blieb daher vorübergehend auf freiem Fuß, weil nach Einschätzung eines Richters von ihm keine Gefahr ausgeht und er keine Vorstrafen hatte.
Der spektakuläre Prozess hatte sich über 18 Monate hingezogen. Israelische Medien waren sich damals schon einig, dass ein Urteil ohne Haftstrafe wohl undenkbar wäre, obwohl Israels beste Anwälte für seine Freiheit kämpften. (dpa, AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2011)