Ein Diktatoren-Freund als Konkurrent Ratzingers

Kolumne | Gerfried Sperl, 7. August 2011, 17:41

Papstwahl 2005: Es hätte schlimmer kommen können

Papst Benedikt XVI. ist stockkonservativ. Aber es hätte schlimmer kommen können. Laut La Stampa, der in Sachen Vatikan verlässlichsten Tageszeitung, erwuchs 2005 dem damals obersten Glaubenshüter der katholischen Kirche ein auch politisch ultrarechter Kardinal aus Argentinien als ernstzunehmender Konkurrent.

Laut Mitschrift eines italienischen Kardinals sei Ratzingers Anhängerschaft zwar auf über siebzig Wähler angewachsen, zu wenig jedoch für die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Vierzig Stimmen hatte nämlich Jorge Mario Bergoglio, heute 75-jähriger Erzbischof von Buenos Aires, erreicht. Auch seine Fangemeinde wuchs - erst nach intensiven Beratungen soll der Südamerikaner "verzichtet" haben. Ratzinger war dann nach 26 Stunden gewählt.

Nachträglich betrachtet hat der katholische Teil der Welt mit der Wahl Ratzingers vielleicht ziemliches Glück gehabt. Der Jesuit Bergoglio unterscheidet sich theologisch kaum von Benedikt. Politisch jedoch ist er fragwürdig: Er tolerierte die argentinische Militärdiktatur und fand nie auch nur ein Wort der Kritik an der Ermordung tausender Regimegegner. Dass so ein Mann unter den Kardinälen auf 40 Stimmen kam, ist eigentlich ein Alarmzeichen. 115 Kardinäle waren damals wahlberechtigt - 40 keine klaren Verteidiger der Menschenrechte.

Aber ein weiterer Aspekt wird in einigen Kommentaren zu diesem Bericht angemerkt. Noch nie hat ein nichteuropäischer Kardinal bei einer Papstwahl so viele Stimmen erhalten. Das bedeutet, der Wille, es einmal mit einem Mann aus Südamerika zu versuchen, wächst; Profilierte gibt es jedoch kaum.

Der bekannteste, Rodriguez Maradiaga, der 69-jährige Erzbischof von Honduras (er trat vor einigen Jahren beim Standard-Montagsgespräch auf) dürfte wegen seiner scharfen Haltung gegen US-Konzerne nicht mehrheitsfähig sein. Andererseits wird man sich kaum zum dritten Mal auf einen Mitteleuropäer verständigen, weshalb die Chancen von Christoph Schönborn, dem Wiener Erzbischof, gering sind.

Was wiederum die italienischen Kandidaten stärkt - und zwar die residierenden Erzbischöfe, weil die Kurienkardinäle allesamt bereits zu alt sind. Sollte der trotz seiner 84 Jahre relativ robuste Benedikt überraschend das Zeitliche segnen müssen, gilt der neue Erzbischof von Mailand, der 70-jährige Angelo Scola, als Favorit. Scola ist ein international anerkannter Theologe, betreibt eine Website und hat viel Charisma.

Auf der noch konservativeren Seite (um nicht zu sagen: rechts der Wand) hat sich der optisch an den Pacelli-Papst erinnernde Erzbischof von Genua, seit 2007 Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz, Angelo Bagnasco (68), platziert. Seine bisher profilierteste Aussage: Homosexuelle seien mit Pädophilen vergleichbar. Der Mann hätte zweifellos Chancen.

Keine Chancen hätte der von einigen "Progressiven" forcierte und intellektuell debattierende Erzbischof von Lyon, Philipp Barbarin (61). Er hat die Abschaffung des Pflichtzölibats verlangt. Das ist ein riesiges Minus. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2011)

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Peterk K
11
Schön, wenn auch einmal in einem StandardKommentar Lob für den Papst zu finden ist.

Sperl als ehem. Redakteur einer 'kath.' Zeitung weiß natürlich, dass "stockkonservativ" eine Bezeichnung ist, die jedem Papst zur Ehre gereicht, denn als Stv. kann man sich bekanntlich nicht über den Herrn erheben und eigenen Ansichten fröhnen, sondern hat dessen Auftrag zu bewahren, zu befolgen und zu verkündigen (Joh 12,47f.) Bei aller Möglichkeit von Veränderung hinsichtlich formaler oder rein kirchenges. Regelungen steht für die kath.Kirche die Bewahrung des Auftrags im Vordergrund.

Wer Benedikt XVI. kennt, wird merken, dass er damit sehr modern sein kann, wenn es um Nachhaltigkeit z.B in der Ökonomie oder Umweltfragen geht und diese "stockkonservative" Ansicht der Welt nur gut tun kann und man nicht jedem Zeitgeist nachlaufen muss!

ipswich
00
wenn doch alle "konservativen" ihrem namen gerecht würden und die bewahrung von natur und ressourcen betrieben...

any other name
01

möglicherweise bedarf es aber einen Weitblick in die Zukunft um Gott gerecht zu werden. Konservativ ist zurückblickend. Wenn sie die Worte des Herrn kennen, so würden sie einen Widerspruch erkennen: "wer zurückblickt ist nicht geeignet für die Arbeit im Reich Gottes".

Eigentlich sollte man die Flamme weiter reichen und nicht die Asche.

youmakemefart
01

stell dir vor es ist Kirche und keiner geht hin

nichtbriefmarkensammler
22
König zum Bischof: „Halt du sie dumm, ich halt sie arm.“

"Entweder Evolution oder Schöpfung, Aufklärung oder Obskurantismus, wissenschaftliches Wissen oder religiöser Glaube. Sämtliche Versuche das eine mit dem anderen zu verbinden, sind gescheitert. Was mich auch nicht verwundert, denn : Ein bisschen schwanger sein, geht nicht!" Charles Darwin

insertnamehere
 
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"Vorsicht bei Zitaten aus dem Internet!" Abraham Lincoln

nichtbriefmarkensammler
34
Je mehr Licht man in die Kirchengeschichte bringt, desto dunkler wird's.Heinrich Wiesner

Religion eignet sich hervorragend dazu einfache Leute ruhigzustellen

Religion gilt dem gemeinen Mann als wahr, dem Weisen als falsch und dem Herrscher als nützlich.

Religion fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

Steinbock1959
00

Dazu fällt mir ein Zitat vom Schiller ein.

Jürgen Rembremerding
02
"Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst."

(Wallensteins Lager)

WernaeI Spindelmann
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Jean Ziegler?

bon sai1
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Kaum zu glauben.

Man glaubt es kaum welche steigerungen möglich wären.

hurchzua
02
Es ist schon seltsam

die selben die sich gegen die "Einmischung der Kirche" in weltliche Dingen wehren, werfen es einem Kardnal vor, während der Zeit der Militärdiktatur nicht zum Martyrer geworden zu sein.

Steinbock1959
12

Hat da noch jemand irgendwelche Illiusionen gehabt?

John Sandwich
05
"Es hätte schlimmer kommen können"

... und eine Stimme sprach zu mir: "Sei froh und lächle, denn es könnte schlimmer kommen!"
Und ich war froh
und ich lächelte
und es kam schlimmer.

fridakeynes
11
irgendwann stirbt dieser geriatrische altmännerklub

sowieso aus, so what....

princess of austria
01
Wenn Sie meinen.

Persönlich bin ich sehr gespannt wieviel Jugendliche nicht Ihrer Meinung sind.

http://www.madrid11.com/de

fridakeynes
01
ich meinte ja auch nicht die vielen kleinen dummen schäflein,

die in herden zusammenströmen, wenn der große meister auftritt ;-) ich meinte die alten kardinäle und die kirche als institution, die ist gerade dabei, sich selbst aussterben zu lassen! und das ist gut so!

Regis 1
02
wieviel Jugendliche nicht Ihrer Meinung sind. ...

es sind bekanntlicherweise die deppen, die nie aussterben ....

princess of austria
00
Gott sei Dank :-)

Gerald Nessmann
11
Na wo haette man die Jugend lieber

Bei irgendeiner kirchlichen Veranstaltung oder am Karl Marx Beach beim internationalen sozialistischen Jugendtreffen am Attersee?

Kommunismus ist ja soooooo viel besser als Religioesitaet.

geri kraus
46
MENSCHENRECHTE

Der Vatikan wird die Menschenrechtskonvention nie
unterschreiben.
Die katholische Kirche hat immer mit den Diktatoren zusammengearbeitet-
Eine kleine Auswahl aus der jüngeren Geschichte:
Dollfuß u. Hitler mittels Konkordat; Franco, Salazar, Pinochet...

Boksuneun neoui geot
04

Mussolini nicht zu vergessen. Ihm hat Vatikan erst überhaupt zu verdanken dass es ein Staat Vatikan noch existiert.

Girgl Galgenstein
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Und worin unterscheidet sich der Vatikan dadurch

von den demokratischen Staaten? England hat mit Hitler und mit Stalin zusammengearbeitet (Münchner Abkommen, dann Zusammenarbeit mit Stalin). Österreich pflegte beste Beziehungen zum Ostblock usw.
Merken Sie etwas: Ihr Vergleich hinkt und zwar gewaltig.

Keine Macht den Blödquatschern
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Staaten

gebärden sich jedoch selten als moralische Gralshüter (USA und IRAN mal außen vor lassend) - der Vatikan jedoch behauptet gerade zu die Moral gepachtet zu haben.
Passt irgend wie nicht zusammen - Anspruch und Praxis.

Irrer Wahnsinn
01
Hm,

was soll man zur katholischen Kirche nur sagen - einfach dieses Interview mal lesen http://hpd.de/node/9114
od. http://www.youtube.com/watch?v=7GuVff9timQ
oder die Bücher von Deschner sind besonders empfehlenswert.

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